Als eine Umfrage vergewaltigt wurde

20minuten.ch hat eine Umfrage gemacht und in einem redaktionellen Artikel ausgewertet. Es ging darum, wie die Leser der Onlinezeitung Prostitution, Straßenprostitution im allgemeinen und den Züricher Straßenstrich im speziellen beurteilen:

Der Zuhälter-Prozess in Zürich fördert grausame Details zu Tage. Trotzdem sind 57 Prozent der User dagegen, den Strich abzuschaffen. Ein Skandal im Sperrbezirk?

Nur allzu gerne wollen Freier glauben, dass dies ein Einzellfall, keinesfalls aber die Normalität auf dem Strassenstrich ist. So gehen 55 Prozent der Umfrageteilnehmer, die selber schon Kunden von Sexarbeiterinnen waren, davon aus, dass die Prostituierten selber entscheiden können, welche Freier sie akzeptieren und welche nicht.

Reines Wunschdenken? Ganz klar ja – zumindest für Michael Herzig, Bereichsleiter Sucht und Drogen beim Sozialdepartement der Stadt Zürich, in dessen Zuständigkeit auch der Betreuungsbus Flora Dora fällt: «Ein hoher Prozentsatz der Frauen arbeitet für Zuhälter. Ob es numerisch die Mehrheit ist, kann ich nicht sagen.»

Laut den Ergebnissen der Online-Umfrage unter 5921 Internetnutzern will aber maximal jeder zehnte Freier bei einer Sexarbeiterin des Strassenstrichs Spuren äusserlicher Gewalt bemerkt haben. Schwer zu glauben für Herzig: «Wenn ein Freier nichts merkt von der Gewalt gegen die Frauen, stellt er sich blind.» Vielleicht auch ganz bewusst: «Gewalt wird von Zuhältern, aber auch von Freiern ausgeübt. Sehr viele Freier sind in hohem Masse gewaltbereit», weiss er aus der Beratungspraxis.

Ganzer Artikel

Ich begrüße hiermit sehr viele gewalttätige Freier als Leser des Freierjournal. Denn wir haben aus dem Artikel gelernt: Freier sind gewalttätig oder blind. Die Hämatome der zum Anlass unserer Feier am 04.09. besuchten Damen (ok, es war ein Saunaclub, kein Straßenstrich) wurden dem visuellen Anschein nach auch von Sonnenbräune überdeckt.

Wir haben eine Feier innerhalb unseres Hausforums veranstaltet, bei der 125 Freier erschienen sind. Niemand ist auch nur in Ansätzen dem Klischee, das Herzig in dem Artikel pflegt, gerecht geworden.

«Jeder, der zu einer Prostituierten geht, unterstützt den heutigen Sklavenhandel», schiesst User «Economist» in Richtung verantwortungslose Freier

Es weht ein Hauch von Missgunst durch die Alpen. Könnte dieser Artikel gar tendenziös sein?

Die großartigen, selbstbewussten, starken Sexworkerinnen, von denen etliche auch bei unserem Treffen anwesend waren dürften sich über die Einordnung als Opfer wundern.
Cui Bono?

Nun, liebe Schweizer, ziert euch doch nicht so. Sperrt die Mädchen alle ein, kassiert die Freier ordentlich ab, sind ja eh alles gewalttätige Ferkel. Aber habt bitteschön dann nicht mehr die Chuzpe, euch ein “Freies Land” zu nennen.