Kinotipp: Tag und Nacht
Peter Angerer von tt.com hat den neuen Film von Sabine Derflinger rezensiert. Klingt interessant, messerscharf analysiert und nah an der Realität:
Innsbruck – Es ist wohl kein Zufall, dass die wenigen gelungenen Filme, in denen Prostitution thematisiert wird, aus Italien oder Frankreich kommen. Das hat einerseits mit der dargestellten Doppelmoral in den jeweiligen Ländern und andererseits mit der Leichtigkeit zu tun, mit der Regisseure wie Luis Buñuel, Jean-Luc Godard oder Federico Fellini inszenieren konnten. Die Zensur hat außerdem eine eingehendere Illustrierung des Gewerbes untersagt. Inzwischen ist im Kino fast alles erlaubt und Prostitution wie Mädchenhandel sind zu den lukrativsten und zugleich – für die Hintermänner – ungefährlichsten Branchen geworden. Also birgt eine Geschichte über diese moderne Form der Sklaverei politischen und sozialen Sprengstoff, vor allem, wenn sich eine Frau des Themas annimmt.
Sabine Derflinger hat ihren Recherchebericht für ihren Film „Tag und Nacht“ in einer Tageszeitung veröffentlicht: „Das Büro befindet sich in einem Gemeindebau. Die Empfangsdamen sind mittleren Alters und tragen Rossschwänze oder schlampig hochgebundene Frisuren. Ihre korpulenten Körper haben sie unter gemütlichen T-Shirts versteckt. Die Stimmung ist herzlich und leger.”

