Filmtipp: Die Wanderhure im TV

Zwar ein bisschen kurzfristig hier in der Meldung, aber immerhin:
Heute, am 05.09.2010 “Die Wanderhure” auf Sat1.
Der Spiegel nennt es ein “Historiendrama” und weiß ansonsten zu berichten:

Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Bürgerstochter im Konstanz des frühen 15. Jahrhunderts, die in einen verträumten Handwerker-Schluffi namens Michel Adler (nuschelnd: Bert Tischendorf) verknallt ist. Ihr Vater verspricht sie aber einem ehrgeizigen jungen Mann namens Ruppertus Splendidus (verschlagen: Julian Weigend). Der leidet schon sein ganzes Leben darunter, dass sein Vater ihn nicht liebt, weil er nämlich ein unehelicher Sohn ist – ein “Bastard”, wie es hier heißt. Auch Marie weist ihn ab, was Rupert in kalten Hass versetzt. Er lässt sie vergewaltigen, halbtot schlagen und entehrt aus der Stadt vertreiben. Eine Gruppe fahrender Huren nimmt die geschundene Frau auf, und die ehemalige Unschuld von Konstanz verwandelt sich in eine geschickte Verführerin namens Hannah, deren Motto nunmehr lautet: “Ich will nur eins: Rache!”

Filme oder Bücher, die in der Vergangenheit spielen, nennt der Volksmund Historienschinken. Bei der “Wanderhure” muss man aber schon fast von Geschichtspressfleisch sprechen, auch wenn der Film sehr aufwendig produziert ist. Die Vorlage und ihre Fortsetzungen “Die Kastellanin”, “Das Vermächtnis der Wanderhure” und natürlich “Die Tochter der Wanderhure” standen monatelang auf den Bestsellerlisten. Das Autorenpaar, das die Bücher unter dem Pseudonym Iny Lorentz schreibt, hat es in seinen historischen Überlegungen zum Thema offenbar bei dem Konsenswissen über das Mittelalter belassen: dass es auf jeden Fall irgendwie düster war und es den Frauen wesentlich schlechter ging als heute. Man weiß ja auch, dass viel gemordet wurde und die Menschen im Gegensatz zu heute eher verdreckt waren. Auch die Sexualität des Mittelalters darf man sich extrem und ungezügelt vorstellen: Der König vögelt sie alle, das Volk gibt sich seinen Bedürfnissen schamlos und überall hin, und irgendwo drückt sich immer ein lüsterner Mönch herum. Mittelalterlich eben.

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