Die Dame meines blöden Vertrauens
Geschichten wie diese sind geeignet, liebeskasperambitionierte Freier auf den dreckigen Boden der Tatsachen zurückzuholen:
Ottfried Fischer, in Sachen Beziehungen zu Frauen aus dem Milieu ohnehin gebranntes Kind (vor drei Jahren gab es da schon einmal ein Skandälchen) wurde nun mit einem Sex Video von zwei Prostituierten und ihren Hinterleuten, darunter – und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – ein damaliger Journalist der Bild Zeitung – erpresst.
Die Welt berichtet vom Prozess:
Wegen Nötigung und Verletzung der Privatsphäre des Schauspielers müssen sich mehrere Personen vor dem Amtsgericht München verantworten.
Wie der 56-Jährige vor einem Jahr zuerst der “Bild“-Zeitung und später auch im Fernsehen, bei “Beckmann“, vor einem Millionenpublikum erzählte, war er im Sommer 2009 zwei Prostituierten auf den Leim gegangen.
Die eine von beiden, die er heute „die Dame meines blöden Vertrauens nennt“, hatte man ihm in einer Kneipe vorgestellt. Die andere kam eines Tages einfach mit, als sich ihre Kollegin wieder einmal mit ihm in seiner Wohnung verabredete.
Der nach eigenen Worten „verlassene und geschundene Mann“ fühlte sich geschmeichelt, weil sich gleich zwei Frauen für ihn interessierten. Tatsächlich ging es den Damen aber scheinbar nur ums Geld …
Die Berlinerin Bianca F. und ihre aus Omsk in Russland stammende „Kollegin“ Maria K. machten offenbar gemeinsame Sache mit dem Schweizer Mike P. und dem Münchner Klaus-Peter H.
Gegen alle vier wird wegen Betrugs ermittelt: Sie sollen Fischers Unterschrift gefälscht haben, um Geld von seiner Kreditkarte abzubuchen, insgesamt 74.000 Euro.
Demnach schickten die Hintermänner P. und H. die Liebesdamen F. und K. mit dem Auftrag zu Fischer, ihn beim Geschlechtsverkehr zu filmen …. Doch der Plan ging nicht auf.
Am Ende wurden, so berichtet unter anderem “der Spiegel”, der Journalist zu einer gesalzenen Geldstrafe verurteilt, die Liebesdamen kamen preiswerter davon:
Er habe zuerst überlegt, dem Antrag der Staatsanwaltschaft zu folgen und eine Freiheitsstrafe gegen den ehemaligen “Bild”-Journalisten zu verhängen, sich dann aber doch zu einer Geldstrafe entschieden, so Richter Buch. 14.400 Euro muss der 29-Jährige, der inzwischen bei einem anderen Verlag arbeitet, zahlen. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wäre er damit vorbestraft.
Die anderen Angeklagten, die umfassende Geständnisse abgelegt und sich in aller Form bei Fischer entschuldigten, erhielten ebenfalls Geldstrafen zwischen 600 und 12.000 Euro.
Der Skandal an der Geschichte ist nicht, dass ein kranker Mann in die LKS Falle tappt. Der Skandal ist, das Verhalten der beteiligten Presse- und PR-Leute. Immerhin berichtet die Bild selber von der Geschichte (was kann sie zu Internetzeiten auch anderes tun) und spart auch nicht das Detail aus, dass ein Herr aus dem eigenen Hause beteiligt war. Bemerkenswert ist allerdings dabei die Bild-eigene Interpretation von der Freiheit journalistischer Recherche.
Im zitierten Spiegel Artikel wird darauf hingewiesen, dass nach Einschätzung des Gerichts eine Nötigung Fischers und seiner Agentin Brigitte M. durch den damaligen Bild-Journalisten vorlag:
Warum sonst hätte der “Bild”-Journalist die PR-Agentin mit dem Film konfrontieren sollen? Eine explizite Drohung habe man gar nicht ausformulieren müssen. Brigitte M. sei erfahren genug, kenne die Spielregeln in der Branche und habe gewusst, dass eine Gegenleistung erforderlich sei. “Wenn allen Beteiligten klar ist, was passiert, dann muss man das auch nicht extra ausformulieren”, so Buch.
Chapeau übrigens Otti Fischer, der den ganzen Schmutz mit Rückgrat durchgestanden hat. Da dürfte es andere geben, die sich weggeduckt und bezahlt hätten.
EDIT: Einen Tag später hat er seine PR Agentin entlassen.

