Freierforschung
Tanja_Regensburg, Userin des Freiercafe und Journallesern wohlbekannt hat mal wieder ein paar interessante Sachen aus dem Hut gezaubert und in einem Themenstrang Freierforschung in unserem Forum gepostet.
Hier mal einer der Artikel:
Zum Original des Artikels bei malmoe.org
Symbolische Kämpfe um sexuelles Kapital
Ein Interview mit dem Freierforscher Udo Gerheim zu heterosexueller Männlichkeit und prostitutiver Sexualität
„Der Freier“ ist nach wie vor ein weitgehend unbekanntes Wesen – und zwar sowohl in der akademischen Geschlechterforschung, als auch in den sexualpolitischen Debatten der Linken. MALMOE bat den Bremer Soziologen Udo Gerheim zum E-Mail-Interview über den Stand der Freierforschung sowie über Männlichkeitsmuster und Sexualitätskonzeptionen im Feld der Prostitution.
MALMOE: In deiner empirischen Forschung beschäftigst du dich mit der Konsumentenseite im Feld der Prostitution und näherst dich dem Subjekt „Freier“ auf der Basis qualitativer Interviews an. Kannst du kurz schildern, wie du dazu gekommen bist – und wie deine Interviewpartner zu dir gekommen sind?
Udo Gerheim: Wie Wissenschaft häufig anfängt, relativ banal. Ich habe mit einem Freund – ebenfalls Soziologe – zwei Männer aus einem Bordell kommen sehen und wir sind schnell darüber ins Gespräch gekommen: warum gehen die Männer dort hin, was tun sie dort, wie fühlen sie sich hinterher, verachten die Männer die Frauen und wer hat die Macht innerhalb dieser Settings etc. Da ich zu der Zeit ein Diplomarbeitsthema suchte und klar war, dass ich etwas qualitativ-empirisches machen wollte, bin ich zu diesem Thema gekommen. Meine Vorliebe für Bourdieu und Gendertheorie ließ sich damit ebenfalls gut verbinden. In meiner Diplomarbeit habe ich allerdings nur 5 Interviews ausgewertet. In meiner anschließenden Diss habe ich den Themenkomplex dann vertieft behandelt mit einer Datengrundlage von 20 face-to-face Interviews. Konkret zu den Interviewpartnern bin ich relativ leicht gekommen, z.B. über Anzeigen in Lokalzeitungen oder übers Internet, insbesondere über Freier-Foren. Für viele Freier war das Interview eine der wenigen Gelegenheiten, um über ihre Nachfragepraxis offen und ernsthaft zu sprechen, denn auch innerhalb von Männerkollektiven, ganz zu schweigen von Partnerschaften, wird jenseits der Kalauerebene kaum über die Prostitutionsnachfrage gesprochen. Zu tabuisiert, zu negativ konnotiert, aber auch zu gefährlich, da das unter Umständen Einblick in defizitäre bzw. problematische Bereiche der eigenen Sexualität bedeuten könnte.

