Die Steuerfahnder und der Puff

Der Weser-Kurier berichtet freimütig über die Aktivitäten der Bremer Steuerfahndung im Millieu:

Steuerfahnder treten als Freier auf

Auf den ersten Blick sieht Hartmut F.* aus wie ein gewöhnlicher Freier. Das muss er auch, sonst würde er gar nicht hineingelassen in die videoüberwachte Modelwohnung. Doch sein Interesse für bezahlten Sex ist anderer Natur: Er ist gekommen, um den gesetzlichen Anteil des Staates an den Einnahmen im Rotlichtmilieu geltend zu machen. ‘Prostitution ist ein Gewerbe’, sagt er, ‘da fallen ganz regulär Steuern an. Und die erheben wir.’

Einmal gab es einen Anpfiff. Z.: ‘Da hatten wir eine Prostituierte wohl etwas laut befragt.’ Die Beschwerden kamen aus dem Nebenzimmer: ‘Die Dame konnte ihrer Arbeit nicht richtig nachgehen.’

Prostitution gegen Quittung, Kassenbelege, Abzug von Umsatzsteuer – das alles erwarten die Prüfer bei ihren Besuchen natürlich nicht. Umsätze können sie nur nach Angaben der Damen schätzen. ‘Aber es werden keine Steuern rückwirkend kassiert’, versichert Lars B. Und es werden auch keine Strafanzeigen geschrieben – anders als sonst, wenn Steuern systematisch hinterzogen werden. ‘Es geht ausschließlich darum, für die Zukunft mehr Steuern zu generieren’, betont B. und geht davon aus: ‘Die Damen wissen: Sie sind ins Blickfeld geraten. Wenn sie sich nicht anmelden, kommen wir wieder.’

Claudia R. zum Beispiel hat eine Prostituierte angetroffen, ‘die war in Stuttgart steuerlich gemeldet’. Überhaupt, so die Überraschung, hätten schon heute Huren mit deutschem Pass fast durchweg Steuernummern.

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