Schließung des Strassenstrichs Segen oder Fluch?

Die Dortmunter Lokalpresse befasst sich heute mit den Auswirkungen der Schließung des Dortunder Straßenstrichs. Während eine Interessensvertretung eine abrupte Verbesserung sehen will weisen andere auf eine Verlagerung der Problematik hin.

So liest man heute in der Internetausgabe der WAZ-Gruppe:

Für die SPD lebt die Nordstadt von Dortmund nach Straßenstrich-Aus auf

Dortmund. „Die Schließung des Straßenstrichs zeigt Wirkung!“ Diese erste Bilanz zieht die Nordstadt-SPD in Dortmund. Eine Woche nach Inkrafttreten des Sperrbezirks lebe der Problembezirk auf. Das Aus für den Straßenstrichs habe Menschenhändler und Geiz-ist-geil-Freier vertrieben, wie etwa in einem einschlägigen Online-Forum zu erkennen sei.

Eine erste positive Zwischenbilanz zieht die Vorsitzende des Dortmunder SPD-Stadtbezirks Innenstadt-Nord. „Die Nordstadt lebt auf!“, sagte Dr. Marita Hetmeier nachdem vor knapp einer Woche die vom Rat beschlossene Erweiterung der Sperrbezirksverordnung in Kraft getreten ist.

„Die Menschen in der Nordstadt atmen auf. Die Präsenz von Polizei und Task-Force führt dazu, dass bulgarische Zuhälter, Prostituierte und Drogendealer nicht länger den öffentlichen Raum auf der Mallinckrodtstraße beherrschen“, so Hetmeier. „Und es gibt erste Anzeichen, dass organisierte Menschenhändler und Geiz-ist-geil-Freier den Standort Dortmund räumen.“

Die SPD-Politikerin aus der Nordstadt bezieht sich für ihre Einschätzung vor allem auf die Diskussionsbeiträge von Freiern in einem Internet-Straßenstrich-Forum. „Die Freier haben verstanden, dass Polizei und Ordnungsamt Ernst machen und die illegale Prostitution im Sperrbezirk nicht laufen wird“, meint Marita Hetmeier. Aufschlussreich sei für sie etwa der Beitrag des Forumsteilnehmers „knaller“ vom 19.5.2011: „…DORTMUND IST TOT!…Die Stadt zieht das volle Pulle durch. Jederzeit in allen Straße Grüne und Ordnungsamt… Wer gehofft hat, in den bekannten Seitenstraßen noch zum Zuge zu kommen, kann sich das abschminken… in 3 Std. keine einzige Gelegenheit … KEINE!!! … MAN BIN ICH GENERVT!!!!“ Auch „Schneckenliebhaber“ postet unter dem 21.5.2011: „Ich werde die Nordstadt meiden…“

Bei den Clan-Fürsten und Menschenhändlern aus dem bulgarischen Plowdiw sei die Botschaft ebenfalls angekommen. So berichte Forums-Teilnehmer „Ringo“ unter dem 21.5.2011: „… Die Maßnahmen der Task-Force zeigen allerdings auch schon erste Wirkungen. Heute Umzug/Wegzug miterlebt. Ein bulg(arischer) Benz … hat in der Missundestraße 4 das Handtuch geworfen und ist mit Sack und Pack abgerückt!!!“. Ein anderer Forums-Teilnehmer schließt sich dieser Einschätzung an: „…ich denke auch, dass die Roma abrücken werden, da die schnelle Mark nicht mehr zu machen ist…“, postet er unter dem 21.5.2011. „Ringo“ berichtet in einem weiteren Beitrag: „Heute wurde der CLS 55 von AMG eines Clan-Mitgliedes stillgelegt… Scheinbar geht die Task-Force … nunmehr verstärkt gegen die Dealer und gegen Mitglieder der Clans vor. Gut so.“

Es gebe sogar Freier, die aus Verantwortung gegenüber der Wohnbevölkerung die Polizei bei ihrem Einsatz gegen illegale Prostitution unterstützen. Hetmeier zitiert einen Diskussionsbeitrag des Forumsteilnehmers „SoulBrother“ vom 18.5.2011: „…(Offensichtlich) bulgarische Dame auf Kundenfang. Ecke Schüchtermannstraße / Mallinckrodtstraße. An dieser Stelle fehl am Platze. Der Anruf bei der bekannt gegebenen Nummer, ein paar Minuten gewartet. Ein (offensichtlicher) Freier nimmt sie ins Auto, zwei Zivilbeamte steigen aus einem silbernen Golf. Festnahme der Dame, Personalien des Freiers aufgenommen…“

Nach Auffassung der Nordstadt-SPD entscheidet sich in der Auseinandersetzung um den Straßenstrich und die illegale Prostitution die Zukunft der Stadt. „Keine andere Stadt hat so viele Zuwanderer aus Bulgarien, Rumänien und Ungarn wie Dortmund. Inzwischen reden wir über 5000 – 6000 Menschen, die aus prekärsten Verhältnissen nach Dortmund zugewandert sind. In Berlin, der deutschen Hauptstadt, die sechsmal so groß ist wie Dortmund und weiter östlich liegt, sind es gerade einmal die Hälfte“, meint Hetmeier: „Dortmund hat mit dem Straßenstrich einen Anreiz geschaffen, der sich verheerend zum Nachteil der Stadt ausgewirkt hat. Wir hoffen, dass die Schließung des Straßenstrichs noch rechtzeitig kommt, um die bedrohliche Entwicklung aufzuhalten.“

Kompletter Artikel auf: der westen.de

Die Ruhrnachrichten berichtet zeitgleich:

Ist Prostitution zurück im Wohngebiet?

DORTMUND Der Oberbürgermeister sagt, die Schließung des Straßenstrichs sei ein Erfolg, die Prostituierten hätten die Stadt verlassen. Nordstadt-Anwohner haben einen anderen Eindruck – auch Videos vermitteln ein anderes Bild.Von Tobias Großekemper

Während die SPD die Schließung des Straßenstrichs bereits als Erfolg feiert und Oberbürgermeister Ullrich Sierau am Dienstag angab, dass sich die dort vertriebenen Prostituierten nicht mehr in der Stadt aufhielten, sehen Nordstadtbewohner die Situation anders.

Prostitution trotz Task-Force

In ihren Wohngebieten zwischen Nordstraße, Heroldstraße, Schleswiger Straße und einem Kaufhaus-Parkplatz werde seit der Strich-Schließung vor zehn Tagen wieder Straßenprostitution betrieben – trotz der Arbeit der eingerichteten Task-Force.

Seit es die Debatte um eine mögliche Schließung des Straßenstrichs gegeben hätte, seien die ersten Frauen wieder dort anschaffen gegangen, sagt Matthias Meyer, der seit Ende der 90er Jahre in der Nordstadt lebt. Nach der Schließung des Strichs sei der Zulauf in sein Wohngebiet stetig gestiegen. Tagsüber seien permanent drei bis vier Frauen unterwegs, bei ihnen handele es sich um Drogenabhängige und Frauen aus Bulgarien.

Anruf beim Ordnungsamt bleibt folgenlos

Zwei Mal habe er die zuständige Nummer des Ordnungsamtes (0231/50-2 88 88) angerufen, zwei Mal sei nichts geschehen. In seiner Nachbarschaft kenne er kaum jemanden, der sage, dass sich der Zustand durch die Schließung verbessert habe.

„Mit der Schließung wurde es sich zu einfach gemacht“, sagt Meyer und zeigt aus dem Fenster seines Büros, vor dem gerade ein Mann von einer Frau angesprochen wird. Der Mann schüttelt den Kopf, die Frau läuft weiter. Um seine Vorwürfe dokumentieren zu können, hat Meyer in den letzten Tagen einige Anbahnungsgespräche dokumentiert.

Schließung zeigt Wirkung

Bereits am Dienstag hatte die Nordstadt-SPD in einer Pressemitteilung verkündet, dass jetzt die „Nordstadt auflebe“. Laut „SPD-Frontfrau Dr. Marita Hetmeier“ führe die Schließung des Straßenstrichs dazu, dass „Prostituierte und Drogendealer nicht länger den öffentlichen Raum auf der Mallinckrodtstraße beherrschen“.
Die Nordstraße, in der Meyer lebt, grenzt an die Mallinckrodtstraße.

Kritik äußerte gestern das Paritätische Suchthilfe Netzwerk Dortmund in einem offenen Brief an OB Sierau: Mit den ordnungspolitischen Maßnahmen gerate die langjährig erfolgreich praktizierte Kombination aus repressiven und helfenden Maßnahmen in Schieflage. Darunter hätten drogensüchtige Prostituierte zu leiden. Ihr Zwang zur Geldbeschaffung bestehe weiter – es sei eine Ausweitung in die Vororte zu befürchten.

Die Stadt verweist auf eine Pressekonferenz in der zweiten Juni-Woche, bei der sie versuchen möchte, gesicherte Erkenntnisse zu präsentieren.

ganzer Artkel auf ruhrnachrichten.de

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