Roland Girtler: Der Erforscher der Strizzis wird 70

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Wilderer, Landstreicher und Prostituierte – sie und viele andere Randgruppen zogen das Interesse des Wiener Soziologen Roland Girtler auf sich. Seine anschaulichen Studien trafen auf großes Interesse einer breiten Öffentlichkeit. Heute wird der Feldforscher, der nach wie vor das Fahrrad zu seinem liebsten Fortbewegungsmittel zählt und Autor zahlreicher Bücher ist, 70 Jahre alt.

Als „Poet“ bezeichnete einst Publizist Günther Nenning den Feldforscher, denn seine Themen seien „hochpoetisch“. Sein Metier, die Soziologie, bezeichnet Girtler selbst gerne als Abenteuer, für das er auch immer wieder auf die Straße wie auf Reisen ging. So kam er per Autostopp bis Istanbul, durchquerte Griechenland zu Fuß und fuhr mit dem Rad bis Paris und über die Pyrenäen.

Obwohl Girtler 1941 in Wien geboren wurde, liegen seine Wurzeln im oberösterreichischen Spital am Pyhrn: Er besuchte das humanistische Gymnasium im Kloster Kremsmünster. Diese Schulzeit stand auch im Mittelpunkt einer seiner Bücher. Girtler begann auf Wunsch des Vaters ein Jus-Studium, das er aber nach zwei Staatsprüfungen an den Nagel hängte: Nach einem schweren Unfall lernte er auf seinem Zimmer im Krankenhaus einen Zuhälter kennen. Girtler war von den Gesprächen mit dem Strizzi derart fasziniert, dass er die Studienrichtung wechselte, über Völkerkunde und Urgeschichte verschlug es ihn zur Soziologie.

Girtler ist seit 1964 verheiratet, hat zwei Kinder und acht Enkelkinder. 1972 wurde er Assistent am Institut für Soziologie der Uni Wien, wo er sich 1979 habilitierte. Noch heute lehrt und forscht er dort.

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