Nafissatou Diallo und das Sperm-Spangled Banner

Kommentar
Dominique Strauss-Kahn steht nicht mehr unter Hausarrest und durfte sich die Fußfessel abnehmen. Die Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens Nafissatou Diallo sei nachhaltig erschüttert, so hallte es über den großen Teich. Eine alleinerziehende Mami, working hard und keusche Muslima mit Kopftuch, das ist eine Sache. Gelegenheitsprostituierte und in Drogengeschäfte verwickelt und vom Tag ihrer Einreise in den USA permanent am lügen und am schmarotzen, das ist eine andere Sache.

Das war also das gefühlte 10.000te Mal, dass ein geiler alter Mann in eine Liebesfalle getappt ist. Und seriös arbeitende Prostituierte in Deutschland werden sich mal wieder ärgern, dass ihr Beruf in Misskredit gebracht wird, weil in einem Land, wo Paysex weitgehend illegal und damit beinahe zwangsläufig in den Händen mafiöser Strukturen ist, so etwas vorkommt und entsprechend in den Medien aufgeblasen wird. Alles eigentlich nicht der Rede wert. Aber in einem Artikel der Welt online zum Thema stutze ich bei einem Absatz:

Die „New York Post“ will erfahren haben, dass das Zimmermädchen von ihrer Gewerkschaft in das vornehme Hotel in Midtown entsandt wurde, weil „eine Menge Leute sie als gute Anschafferin sahen“. Gewöhnlich würden Anfängerinnen in dem von der Gewerkschaft kontrollierten Prostitutions-Nebenerwerb in die Motels um den John-F.-Kenedy-Flughafen geschickt. Die „Post“ stützt sich auf anonyme Quellen.

Eine Gewerkschaft kontrolliert den Prostitutions-Nebenerwerb New Yorker Zimmermädchen? Entsendet Frauen in Motels?
Und weiter:

Es gebe „eine ganze Mannschaft von Leuten, die sie als Einnahmequelle betrachteten.“ Sollte das stimmen, erschienen die Demonstrationen der Gewerkschaft gegen Strauss-Kahn vor dem Gerichtsgebäude Anfang Juni in einem anderen Licht. „Shame on you“ skandierten die Gewerkschaftsmitglieder damals, als Strauss-Kahn aus dem Auto stieg.

Zum Artikel in der Welt Online

Das waren also sozusagen Leute aus dem Rotlichtmilieu und bei der Demo ging es um einen Protest gegen sinkende Einkommen, weil Nafissatou Diallo aus dem Verkehr gezogen werden musste oder der Freier Strauss-Kahn sie für den Blow Job nicht bezahlt hat? Hallo?

…. war die Mitgliedschaft in einer US-Gewerkschaft üblicherweise an hohe Eintrittsgebühren oder Abgabe eines Teils des Lohnes sowie Aufnahmeprüfungen gebunden.

… Das sagt Wikipedia über die Vergangenheit amerikanischer Gewerkschaften. Mal ehrlich Guys: Ist da bei der Zimmermädchen-Gewerkschaft nicht ein bisschen zuviel Tradition im Jahr 2011 übriggeblieben?

Vorschlag zum heutigen Unabhängigkeitstag: Legalisiert die Prostitution in God’s own Country!
So bekommt ihr gratis und franko selbstbestimmt arbeitende Frauen, die ihre eingeblasenen Dollars für sich behalten können, sich selbst irgendwo hin schicken, statt verschickt zu werden und vor allem wirklich hard working people im Sinne des amerikanischen Traumes sind. Und wenn dann ein geiler alter Mann über sie herfällt habt ihr auch das Recht und die Pflicht, ihn zur Verantwortung zu ziehen.

Dass sich das Vortäuschen einer Straftat lohnen könnte, wo die Karrieristen bei Polizei und Staatswaltschaft geifern und der Lynchmob kläfft, ist eine andere Sache. Vielleicht wird sich das irgendwann ändern, wenn durch Druck der Freien Berichter und Kommentierer die Vorverurteiler hinterher am Nasenring durch die virtuelle Arena gezogen werden können. Ein angeblicher Bruder des Zimmermädchens wurde schnell als Fake entlarvt und einer Dame in einem anderen Fall gelang es nicht, sich hinter vermeintlicher Anonymität zu verstecken. Und spätestens jetzt stellt sich die Frage, ob es nicht manchmal für alle besser ist, nicht alles vorschnell zu schreiben, zu lesen, zu sagen, zu photografieren. Erst recherchieren, dann die Zeitungen einladen, das wäre doch mal was Neues. Dann könnten wir uns auf interessantere Sachen konzentrieren, zum Beispiel, inwieweit Gewerkschaften in den USA in die organisierte Kriminalität verwickelt sind.

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