Griechenkrise fördert Prostitution und HIV
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Eine neue Untersuchung belegt, dass die Krise den Griechen gesundheitlich schwer zusetzt. Die schier ausweglose Situation fördert Prostitution und erhöht das HIV- und Selbstmordrisiko. Die Zahlen sind erschreckend.
Eine von der britischen Fachzeitschrift The Lancet online veröffentlichte Untersuchung stützt sich auf Daten der griechischen Regierung, der Europäischen Union und auf andere Quellen. Darin wird deutlich: Es gibt eine beunruhigende Verschlechterung bei den Gesundheitsdaten der Jahre, in denen Griechenland mit der Rezession kämpfte. Im griechischen Parlament vorgelegte Zahlen zeigen demnach 2010 eine Zunahme der Selbstmorde um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der ersten Hälfte 2011 nahmen sich dem Gesundheitsministerium zufolge sogar 40 Prozent mehr Menschen das Leben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Die Studie beziehe sich auf Themen, «von denen wir wissen, dass sie direkt mit der Krise in Zusammenhang stehen», sagte einer der Autoren, Alexander Kentikelenis von der Soziologischen Fakultät der Universität Cambridge. Aus den Daten ergibt sich eine rapide Zunahme von HIV-Infektionen Ende 2010. Vorhergesagt wird ein Anstieg der Neuinfektionen um 52 Prozent auf mehr als 900 in diesem Jahr. Zur Hälfte lässt sich die Zunahme bisher auf Ansteckung unter spritzenden Drogenabhängigen zurückführen. Zahlen aus den ersten sieben Monaten dieses Jahres zeigen, dass sich zehnmal mehr Fixer infiziert haben. Viele stecken sich auch bei unsicheren Sexualpraktiken an.
«Der Zusammenhang zur Finanzkrise besteht darin, dass Fixer keine Gelegenheitsarbeiten mehr bekommen, keine Almosen oder kein Taschengeld von den Eltern», erklärte Kentikelenis. Viele prostituierten sich, um an Geld für Drogen zu kommen. Zugleich nahm der Heroinkonsum zu, seit einige Streetworker-Programme dem Rotstift zum Opfer fielen. Die Zahl der Gewalttaten und Diebstähle hat sich der Studie zufolge zwischen 2007 und 2009 annähernd verdoppelt. Im gleichen Zeitraum konnten etwa 40 Prozent weniger Menschen Leistungen im Krankheitsfall in Anspruch nehmen, mutmaßlich aufgrund von Budgetkürzungen.
Ein Ergebnis ist auch, dass sowohl der Alkoholkonsum deutlich zurückging als auch die Fallzahl von Alkohol am Steuer. Es gebe Spielraum für ein Eingreifen des Staates, das die Lage verbessern könne, sagte Kentikelenis. «Wir glauben, die Situation ist immer noch umkehrbar.»
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