Wohnen auf Bremens Rotlichtmeile

Bremen. Die Helenenstraße ist in Bremen seit über 130 Jahren als Rotlichtmeile bekannt. Für Prostituierte ist sie ein Arbeitsort, für Freier eine Adresse, wo sie Sex kaufen können. Doch diese abgeschirmte Sackgasse im Viertel ist noch viel mehr: Junge Männer wohnen dort – ganz normal zur Miete.

„Günstiges Ein-Zimmer-Appartement im Viertel, für junge Männer“, so heißt die Wohnungsanzeige, die Max Richter* bei einem Immobilienportal im Internet findet. Der 30-Jährige fackelt nicht lange, greift zum Telefon und vereinbart einen Besichtigungstermin.

Frisch von seiner Freundin getrennt, wollte er so schnell wie möglich aus der gemeinsamen, großen Wohnung in Schwachhausen ausziehen. „Außerdem steckte ich mitten im Examensstress und hatte keinen Nerv für eine lange Wohnungssuche“, erzählt der angehende Ingenieur.

Als Max Richter einen Termin mit dem Eigentümer des Hauses in der Helenenstraße ausmacht, ist er gerade nicht in Bremen. „Die Wohnung hörte sich gut an. Etwa 27 Quadratmeter groß, Bad Kochnische, 200 Euro Kaltmiete, zentrale Lage mitten im Viertel“, erinnert er sich an das Telefonat. Ohne viel darüber nachzudenken, steigt er ins Auto.

Erst als er losfahren will, merkt der Student, dass er sich die Adresse nicht aufgeschrieben hat. Erneut ruft er den Eigentümer an. „Helenenstraße“, tönt es aus dem Hörer, „Sie wissen schon…“, erklärt ihm der Mann. „Ja, ja“, sagt Max Richter, gibt den Straßennamen ins Navi ein und fährt los.

Navi lotst in die Helenenstraße

„In diesem Moment war mir nicht bewusst, dass es sich um die Rotlichtmeile im Viertel handelt“, sagt der 30-Jährige, der sich gut in Bremen auskennt. Je näher ihn sein Navigationsgerät zu den abschirmenden Wänden an der Straße Vor dem Steintor gegenüber vom Ziegenmarkt lotste, desto mehr wurde ihm klar, dass er sich gleich ein Appartement in der Helenenstraße anschauen wird.

„Was tust Du hier eigentlich?!“ Schwirrt ihm der Gedanke durch den Kopf, als er die mit bunten Graffiti besprühten Sichtschutzwände passiert. Vor Ort zeigt ihm der Eigentümer das Appartement in dem Sieben-Parteien-Wohnhaus. Vor vier Jahren sei das Haus vollständig saniert worden, erfährt der Student. Seitdem wohnen dort junge Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren. Die meisten von ihnen machen eine Ausbildung oder studieren.

Mit gemischten Gefühlen

Die Wohnung gefällt Max Richter. Alles, was er braucht, ist vorhanden. „Ich hab eh nur eine Übergangswohnung gesucht, bis ich meine Abschlussarbeit geschrieben und verteidigt habe“, sagt er. Dennoch sei er nach dem Besichtigungstermin mit gemischten Gefühlen nach Hause gefahren. „Mal schauen, ob ich das mache“, hat er sich gesagt und einige Tage lang überlegt, ob er in die Helenenstraße ziehen soll. Auch mit Freunden und Familie hat er gesprochen, bevor er sich letztendlich für das Appartement auf der Rotlichtmeile entschieden hat. Freunde haben unterschiedlich reagiert. „Meine Mutter war amüsiert und sieht das recht locker“, erzählt er.

Am Umzugstag durfte er das Auto vor dem Haus abstellen. Denn in der Regel herrscht in der Straße ein Parkverbot, um die Fenster der Prostituierten nicht zu verstellen. Als er mit seinen Freunden einige Kisten und Möbel in die Wohnung getragen hat, lernte er gleich einige Prostituierte kennen. „Sie haben die Straße gefegt, in Mantel und Tanga“, beschreibt er das ungewöhnliche Nachbarschaftsbild. Wie beim Einzug üblich, habe er sich bei ihnen als neuer Nachbar vorgestellt. „Die Mädels sind alle sehr freundlich“, sagt er.

Mit Schirmmütze und Sonnenbrille

Doch an seine neue Wohnsituation musste er sich erst gewöhnen: „Anfangs bin ich nur mit Schirmmütze und Sonnenbrille zwischen den Sichtschutzwänden durchgehuscht“, beschreibt er und schmunzelt heute über sich selbst. Auch seinen Namen hat er erst eine Weile nach Einzug neben der Türklingel angebracht.

Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Mädel – wie er die Frauen in der Straße nennt – aufgeregt bei ihm sturmgeklingelt hat. „Sie wollte, dass ich mein Auto wegstelle, weil ihre Schicht gleich anfängt“, erzählt er. Andererseits würden nachts auch mal betrunkene Freier bei ihm schellen, in der Annahme, es sei ein Laufhaus.

Der Single wohnt nun seit einigen Wochen in der Helenenstraße. Freunde kommen zwar mal zu Besuch, aber öfter würden die Treffen bei Bekannten oder in Bars und Cafés stattfinden. Nicht jeder komme gerne in die Straße und sein Appartement sei auch zu klein, um Partys zu feiern.

Kürzlich bekam Max Richter Besuch von seiner Schwester. Sie ließ es sich nicht nehmen, zu schauen, wie ihr großer Bruder wohnt und wartete eines Abends gespannt am Eingang zur Helenenstraße an der Straße Vor dem Steintor, bis ihr Bruder sie abholte und durch die mit bunten Neonlampen beleuchtete Straße in sein Appartement brachte. In der Wohnung angekommen, setzte sich die Studentin an den Schreibtisch, der am Fenster steht, und beobachtete die Frauen, die sich gegenüber im Fenster präsentierten. “Sie fand alles sehr spannend”, erzählt der 30-Jährige.

Auch seine Nachbarn im Haus würden Besuch bekommen, zum Beispiel von ihren Freundinnen, sagt er. Die allgemeine Annahme, dass normale Frauen nicht in die Helenenstraße hineingehen dürfen, nennt er deshalb einen Mythos. Allerdings könne die Adresse durchaus hinderlich sein, wenn ein Bewohner in der Straße auf Partnersuche ist.

Ganzer Artikel –> Weser-Kurier

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Bono Direkthilfe – Selbstbestimmt Leben

Eine Schule im indischen Kalkutta, die von Kindern aus dem Heim New Light besucht wird. Im Unterricht ist es üblich, dass die Älteren den Jüngeren beim Lernen helfen. (Bild: Bono-Direkthilfe)<br />

Familien, die auf Verkehrsinseln leben, Kinderprostitution, Menschenhandel – es gibt Orte auf der Welt, da gehören diese Dinge zum Alltag. Die Bono-Direkthilfe kämpft seit über 25 Jahren von Bensberg aus dagegen an.

BERGISCH GLADBACH – Obwohl die Medien täglich die Welt ins Wohnzimmer bringen, ist manches doch zu weit entfernt, um es begreifen zu können – oder auch zu wollen. Kinder, die verschleppt und zur Prostitution gezwungen werden, Frauen, die wegen ihrer Brandnarben aus der Gesellschaft verstoßen werden, Familien, die auf einer Verkehrsinsel leben. Seit über 25 Jahren knüpft die Hilfsorganisation Bono-Direkthilfe von Bensberg aus Netze in fremde Welten und lässt sie mit unserer näher zusammenrücken.
„Eigentlich möchte ich nicht, dass wir beide hier im Vordergrund stehen“, sagt Projektkoordinator Urban Philippek im Gespräch mit ihm und dem Vorsitzenden Michael Müller-Offermann. Lieber das gute Dutzend ehrenamtlich aktiver Mitglieder, die das Herz der Organisation ausmachen. Lieber die sechs Projekte in Nepal und Indien, die Bono unterstützt. Die Bono-Direkthilfe ist nicht selbst vor Ort, sondern unterstützt Partnerorganisationen wie Maiti Nepal oder New Light, die sich in der anderen Welt besser auskennen. Die Bensberger prüfen akribisch Budget- und Projektpläne, kontrollieren Finanzposten und Aktivitätenberichte. Sämtliche Verwaltungskosten bestreiten sie mit den Beiträgen der 170 Mitglieder. Jeder gespendete Euro geht komplett in die Hilfe und soll komplett sinnvoll eingesetzt werden. Rund 100 000 Euro waren es im Jahr 2010. Die gute Tat (lateinisch „bonum“, das Gute) gab dem Verein seinen Namen. Kinder stehen im Mittelpunkt der Arbeit der Partnerorganisationen. Die holen die Kinder von der Straße oder aus den Zimmern im Rotlichtviertel, in denen sie keine andere Wahl haben, als ihren Müttern bei der Arbeit zuzusehen. Die Helfer befreien auch Kinderund Jugendliche,die zur Prostitution gezwungen werden, in spektakulären Razzien aus den oft illegalen Bordellen. Sie besorgen ihnen einen sicheren Aufenthaltsort sowie Essen, Bildung und Zuneigung.

Doch Geld und gute Taten spiegeln noch nicht das komplette Wesen der Hilfe wieder. Dazu braucht es die Menschen, auf der nehmenden wie auf der gebenden Seite – und nicht immer lässt sich genau unterscheiden, wer gerade auf welcher Seite steht. Regelmäßig besuchen Bono-Mitarbeiter auf private Kosten die Projekte vor Ort, umgekehrt reisen Kinder und Mitarbeiter der Organisationen nach Deutschland. Urban Philippek, Lehrer an der Marie-Curie-Realschule, sagt: „Es war erst etwas seltsam, was den Kindern hier am meisten imponiert hat.“ Denn das war die Stille und das waren die Bürgersteige. „Als ich ein halbes Jahr später in Indien war, war mir klar, warum“, so Philippek. Auf dem Laptop lässt er Fotos von Kalkutta durchlaufen: Momentaufnahmen, Menschen, Eindrücke. Eine Gasse, in der Mensch und Tier nebeneinander leben, Müll, der nicht so schnell entsorgt werden kann, wie er entsteht, ein schmutziger Fluss, in dem Kinder schwimmen. Kinder in der Schule, beim Mittagsschlaf auf dem Teppich; Kinder, die lernen und immer wieder Kinder, die lächeln.

„Man muss sich vorher damit beschäftigen“, sagt Michael Müller-Offermann. „Bürgerkrieg, Ausgangssperre, 14 Stunden täglich kein Strom“, waren die Bedingungen, denen der selbstständige Bauingenieur beim ersten Besuch im nepalesischen Kathmandu begegnete. Trotz aller Vorbereitung sei die Realität erschlagend. Philippek, der miterlebt hat, wie behinderte Kinder zum Betteln durch Autofenster gehalten werden, sagt: „Die erste halbe Stunde durch Kalkutta habe ich gar nicht sprechen können. Da ist man mittendrin.“ Entweder komme man dann nie wieder oder man wolle immer wiederkommen. Und dann reden die beiden Helfer über „die unglaubliche Gastfreundschaft“, das friedliche Nebeneinander von Religionen, die Fröhlichkeit trotz größter Armut. „Das fängt schon einiges auf“, sagt Müller-Offermann und seine Mimik bedeutet, dass „einiges“ untertrieben ist. Urban Philippek hat seine „Lieblingsschule“ in Kalkutta entdeckt. Er beschreibt das Helfersystem, in dem Ältere zusammen mit Jüngeren lernen. Erschwärmt von sozialem Bewusstsein, von „unglaublicher Disziplin und Gier auf Lernen“. Von Überlegenheit könne „wegen unserer paar Euro mehr in der Tasche“ keine Rede sein: „Auf der Suche nach dem persönlichen Glück sind wir ihnen ganz sicher nicht überlegen.“

Sieben Jahre in Nepal

Während sich die Bono-Direkthilfe in den ersten Jahren ihres Bestehens in Polen engagierte, werden seit 13 Jahren Projekte in Indien und Nepal unterstützt. Angefangen hat es dort mit Gereon Wagener, dem heutigen zweiten Vorsitzenden. Der Bensberger Betriebswirt ließ seinen gut bezahlten Job sausen und blieb sieben Jahre in Nepal. Das Netzwerk wuchs. Inzwischen machen Schulen und Schüler mit, sammeln Spenden, pflegen Brieffreundschaften. Andere Organisationen in Deutschland kooperieren. Der Verein wuchs, die Professionalität wuchs, das Aufgabengebiet wuchs. Auch die Kinder wuchsen. Aus den Kindern der Prostituierten wurden Jugendliche – zu alt für das Heim, zu alt für die Schule, aber immer noch zu benachteiligt, um auf eigenen Füßen stehen zu können. Entstanden sind neue Projekte, die sich um diese Jugendlichen kümmern. Viele von ihnen haben inzwischen studiert oder eine Ausbildung.

Was Urban Philippek bei seinem Indien-Aufenthalt am meisten berührt hat, waren nicht die Kinder der Prostituierten, nicht die Sterbenden im Mutter-Teresa-Haus, nicht die ausgesetzten Babys. Es war eine ganz alltägliche Situation. „Wir kamen gut gesättigt aus einem Restaurant“, erzählt er, „und sahen auf der Straße Menschen sitzen, die Hunger hatten.“ Ein Schlüsselerlebnis, das für eine gelebte Globalisierung steht, die Stückchen aus der einen Welt in die andere verpflanzt und das Bewusstsein verändert. Satt zu sein, ist nicht länger eine Selbstverständlichkeit, Stille kann für Jugendliche mehr als Langeweile bedeuten, Schule mehr als notwendiges Übel, vielmehr als einzige Chance zu einem selbstbestimmten Leben.

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Geplantes Bordell wieder Thema für Richter

Eigentlich hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin den Bau eines Laufhauses an der Potsdamer Straße Ecke Kurfürstenstraße bereits im Juni 2010 untersagt. Jetzt wurde die Berufung der Klägerin zugelassen.

Das geplante Laufhaus an der Potsdamer Straße Ecke Kurfürstenstraße beschäftigt weiter die Gerichte. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hat die Berufung der Klägerin zugelassen, die dort ein Großbordell einrichten möchte.

Das Verwaltungsgericht hatte die Entscheidung des bezirklichen Bauamtes, eine Baugenehmigung für solch eine Vergnügungsstätte zu versagen, als richtig bestätigt. Zwar sei das Vorhaben in dem Gebiet zulässig. Im Hinblick auf seine Größe und unter Berücksichtigung des bereits vorhandenen Rotlicht-Gewerbes verstoße es jedoch gegen das Gebot der Rücksichtnahme. Mit dem Laufhaus in der beabsichtigten Größe – geplant sind rund 50 Zimmer, die Prostituierte anmieten, um dort bei geöffneter Tür auf Kunden zu warten – käme Prostitutionsgewerbe in einem städtebaulich nicht mehr vertretbaren Umfang hinzu, urteilten die Richter in erster Instanz.

Das OVG wird sich mit dem Fall frühestens 2012 beschäftigen. Am heutigen Dienstag lädt der Nachbarschaftstreff an der Bülowstraße 94 ab 19 Uhr zum Thema „Nachbarschaft und Prostitution“ ein. Die Leiterin des Frauentreffs Olga und eine Kriminaldirektorin berichten auch über Prostitution und Menschenhandel.

Ganzer Artikel –> Morgenpost.de

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Dabei helfen, den vorgezeichneten Weg zu verlassen

Langfristige Unterstützung vor Ort in Malindi strebt der Meininger Verein “Bildung statt Prostitution – Wir helfen Mädchen in Kenia” an. Am Mittwoch stellte er sich im Henneberger Haus vor.

Meiningen - Sieben Jahre alt ist Mable. Ihr Vater, der Ernährer der Familie, starb vor zwei Jahren. Virginia war fast noch ein Baby, als sie 1999 beide Eltern verlor. Sie wurden ermordet. Zwei Mädchenschicksale von unendlich vielen in dem ostafrikanischen Land Kenia, in dem Mädchen und Frauen die allgemeine Anerkennung als vollwertiges und gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft versagt bleibt. Auf sie wartet in der Regel ein vorgezeichneter Weg: In frühen Jahren schon eingebunden als Helfer im Haushalt und in der Landwirtschaft, ist eine schulische Bildung durch ihre Familien unerschwinglich. Jungen werden als künftige Familienoberhäupter prinzipiell mehr gefördert. Wenn überhaupt die teuren Schulgebühren aufgebracht werden können, dann in erster Linie für die Söhne.

In Kenia bleibt jungen Mädchen so oft nur eine Wahl, um für den eigenen Unterhalt und den der Familie zu sorgen: Die Kinderprostitution. Diese hat laut einem UNICEF-Bericht dramatische Ausmaße angenommen. Fast ein Drittel aller Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren bietet Sex gegen Geld oder Geschenke an. Mangelnde Aufklärung und ungeschützter Geschlechtsverkehr führen schließlich zur enormen Ausbreitung von Aids.

Ein Teufelskreis

“Ein Teufelskreis”, betont Patrick Marr, Vorstandsvorsitzender des Vereins. “Durchbrochen werden kann dieser nur durch konkrete Hilfe zur Selbsthilfe: Mädchen armer Familien in Kenia sollen die Chance bekommen, die Schule zu besuchen.” Das hat sich der Verein, der sich 2010 gründete und seinen Sitz im Meininger Walkmühlenweg hat, auf die Fahnen geschrieben. Nicht anonym und irgendwo, sondern in Malindi, einer Stadt mit etwa 70 000 Einwohnern ungefähr hundert Kilometer nördlich von Mombasa an der Küste des Indischen Ozeans. Hierher hatte den Justizbeamten Patrick Marr 1999 eine private Urlaubsreise geführt – und hier hat er sich augenblicklich in dieses Land verliebt. Verliebt ohne die berühmte rosarote Brille. Im Gegenteil. Die Probleme sprangen ihm ins Auge. Etliche Male war er seitdem dort, und Stück für Stück bekam sein Hilfevorhaben Konturen. Er sammelte Informationen und nahm Kontakt auf mit Menschen, denen er absolut vertrauen kann, um in seiner Abwesenheit in Kenia “die Geschäfte” vor Ort zu führen. Er stachelte Verwandte und Freunde an, sich ihm anzuschließen und die Vereinsarbeit mit einer Mitgliedschaft und/oder Spenden zu unterstützen. Später stellt sich Patrick Marr zusammen mit dem Vorstand auch die Übernahme von Patenschaften für das eine oder andere der momentan fünf betreuten Mädchen – außer Virginia und Mable gehören auch Karen (6), Susan (19) und Florence (20) dazu – vor. Keines der Mädchen lebt in einer Familie mit Vater und Mutter und könnte das Schulgeld von mehreren Hundert Euro pro Jahr (je nach Stufe) aufbringen. Das in Nursery, Primary und Secundary geteilte Bildungssystem ist bei einem Monatsgehalt von durchschnittlich 50 bis 60 Euro für sie absolut unerschwinglich.

“Unser unmittelbares, gemeinnütziges und mildtätiges Wirken ausschließlich für Mädchen, die damit ihren durch die Armut ihrer Familien und die Verhältnisse in Kenia vorgezeichneten Weg verlassen, ist ein lohnendes Ziel”, betont Patrick Marr. “Wie in vielen anderen Ländern Afrikas können sie eben nur durch unsere Hilfe ihre Chance auf Bildung – zum Beispiel auch eine anschließende Berufsausbildung oder ein Studium im In- oder Ausland – und damit eine bessere Zukunft wahrnehmen.”

(Spendenkonto-Nr. 1706029515 bei der Rhön-Rennsteig-Sparkasse)

Ganzer Artikel –> insuedthueringen.de

Ich werde zum Pornostar. Ich werde bares Geld

Über eine Dessous-Designerin erhielt die Dokumentarfilmerin Catalina Flórez Einblick in das Amsterdamer Rotlichtmilieu. “Kauf mich!” war ein erschütternder Film.

Ich nehme 50 Euro für Blasen und Sex.“ Während sie Wimperntusche aufträgt, erklärt die junge Frau nüchtern ihre Geschäftsmodell. Michelle ist 22 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Südamerika und arbeitet seit mehreren Jahren im Amsterdamer Rotlichtbezirk. Gleich steht sie wieder in pinkes Neonlicht gehüllt am Fenster, um ihren Körper zur Schau zu stellen.

Rotlicht-Reportage “Kauf mich!”

Junger Dokumentarfilm
Bevor Michelle den Vorhang zur Seite schiebt, denkt sie an ihre ältere Schwester, ihr großes Vorbild. Die hat mit dem Verkauf ihres Körpers bereits eine Menge Geld verdient. Bevor der erste Freier kommt, raucht Michelle einen Joint. Das tut sie jeden Morgen. „Wenn ich hier reinkomme lege ich den Schalter um und werde zum Pornostar. Ich werde bares Geld.“

Die zierliche Frau im knappen, knallorangefarbenen Bikini sitzt auf ihrem Arbeitsplatz, streicht über das lilafarbene Laken, zieht an ihrem Joint und fügt hinzu: „Alles ist nur Theater, pures Theater.“

Sexy Dessous für die Dirnen

Regisseurin Catalina Flórez begleitet in ihrem einstündigen Film „Kauf mich! Geschichten aus dem Rotlichtmilieu“ vier Frauen, die im Bordell als Prostituierte arbeiten. Michelle und die anderen reden erstaunlich offen über ihr Leben, ihre Arbeit, ihre Träume, Wünsche und Emotionen.

Roter Faden der Reportage sind Interviews mit der kolumbianischen Modedesignerin Vivian Botero, einer Freundin der Regisseurin. Mit ihr beginnt und mit ihr endet auch die Reportage. Botero, die einst in Kolumbien Jeans fertigte, entwirft heute Dessous für Prostituierte.Botero ist eine sympathische, patente Frau, die einmal bei der Anprobe eines Strings, dann wieder beim Kaffeetrinken mit ihrem Freund und Manager Michel in der heimischen Wohnung über ihre Beziehung zu ihren „Kundinnen“ spricht. Botero, die große Empathie für die Prostituierten hat, nimmt auch deshalb eine Schlüsselrolle ein, weil sie es ist, die der Regisseurin Eintritt in die käufliche Welt verschafft.

Bei den Gesprächen mit den Prostituierten ist sie meist dabei. Die Interviews sind mit einer erotischen Anprobe glitzernder BHs oder neonfarbener Höschen inszeniert, Botero lockert die Atmosphäre und die Frauen auf, mit kleineren Anekdoten animiert sie sie dazu, aus ihrem Leben zu erzählen.

Flórez Diplomfilm „Kauf mich!“ ist an der Filmakademie Ludwigsburg entstanden. Er war der erste Film der elften Staffel der traditionellen SWR-Reihe „Junger Dokumentarfilm“ – vergleichweise und mit Blick auf das Thema doch ziemlich unaufgeregt.

Doch gerade das ist seine Stärke. Denn Flórez räumt den Prostituierten viel Platz ein, ungezwungen und authentisch über ihre Erfahrungen und Gefühle zu sprechen. Aus einzelnen Szenen, die fast ausschließlich in den Räumen des Rotlichtviertels entstanden sind, formt sich so ein Mosaik aus Momentaufnahmen, das – nicht nur im Wortsinn – viel enthüllt und dennoch keine Vollständigkeit für sich beansprucht. Um eine moralische Wertung geht es der Regisseurin dabei nicht.

Vanesa hat einen Freund, Sex mit ihm findet sie anstrengend

„Das hier ist die einzige Arbeit, die ich kenne. Immer nur in dieser Straße“, erzählt Vanesa, die im Internet bereits ein Star ist und dort aufgrund ihrer enormen Oberweite den Spitznamen „die spanische Dolly Parton“ trägt. Seit einigen Monaten hat sie einen Freund, einen Marokkaner. Der will jeden Tag Sex. Das findet das 23-jährige Vollweib anstrengend. Es wirkt ein bisschen, als habe Sex für Vanesa wenig mit Spaß am eigenen Körper zu tun. Es wirkt, als sei Sex für Vanesa etwas Funktionales. Eben ein Job.

Tamara ist mit ihren 37 Jahren ein alter Hase im Geschäft. Sie ist die einzige, die schon einmal versucht hat, auszusteigen und kurzzeitig den Job wechselte. Doch nach drei Monaten war sie wieder im Bordell. Das Geld hat einfach nicht gereicht.

Viele verheiratete Männer besuchen Tamara

Kamerafrau Tanja Häring zeigt die Protagonistinnen meist in Nahaufnahme. Tamaras dunkle, traurigen Augen starren ins Leere, als sie erzählt: „Privat habe ich keinen Kontakt zu Männern. Ich gehe nur mit meinem Hund raus. Dann spricht mich keiner an.“ Tamara hat den Respekt vor Männern verloren, sagte sie. Aufmerksamkeit schenkt sie ihnen nur gegen Geld. So läuft das Geschäft.

Bei Maria läuft das Geschäft schon um einiges länger. Maria ist Mitte 50 und hat schon in vielen Bordellen in Südamerika gearbeitet, bevor sie anfing, in Amsterdam anzuschaffen. Noch stimmt die Nachfrage. Dann kommen ihr plötzlich die Tränen: „Viele Mädchen fangen hier an und glauben, dass hier alles rosig ist.

Doch mit der Zeit wirst Du müde, dann geht es bergab.“ Maria zuckt mit den Schultern und blickt auf die Uhr. Gleich beginnt ihr Arbeitstag. Das Kamerateam muss gehen.

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18-jährige Griechin aus Bordell befreit

Essen – Stadtkern (ots) – Am 3. November wurde eine 18-jährige Griechin durch Essener Kriminalbeamte aus einem Bordell in der Stahlstraße befreit. Hilfesuchend wandte sich die Mutter der jungen Frau an die Deutsche Botschaft in Athen. Die Griechin hatten mehrere Hilferufe ihrer Tochter per Telefon erreicht, in denen diese erklärte, in Essen zur Prostitution gezwungen zu werden. Alles begann damit, dass die 18-Jährige durch ihre Cousine in Athen einen 25-jährigen Albaner kennengelernt hatte. Frisch verliebt reisten beide zunächst nach Albanien und später nach Italien, wo die 18-Jährige das erste Mal mit dem Thema “Straßenstrich” konfrontiert wurde. Eine Bekannte ihres Liebhabers ging dort der Prostitution nach. Nach wenigen Tagen setzte das Paar seine Reise nach Deutschland fort. Hier in Essen wurde die geistig leicht behinderte Griechin dazu aufgefordert, Geld für den gemeinsamen Unterhalt zu verdienen. Durch gezielte Anweisungen und eine Verhärtung des Umgangstons nutzte der 25-Jährige die Hilflosigkeit seiner Begleiterin aus und brachte sie durch eine Bekannte als Prostituierte in der Stahlstraße unter. Die durch die Prostitution erwirtschafteten Gewinne musste sie komplett an ihren Zuhälter abtreten. Auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse wusste sich die junge Griechin nicht anders zu helfen, als mehrfach ihre Mutter anzurufen und um Hilfe zu bitten.. Diese gab die Informationen ihrer Tochter an die Deutsche Botschaft in Athen weiter, woraufhin der Wohnort des Opfers in Essen ermittelt werden konnte. Das hinzugezogene Kriminalkommissariat 12 nahm nun die Ermittlungen auf und nahm am 3. November den 25-jährigen Albaner in einem Apartment auf der Friedrichstraße in der Essener Stadtmitte fest. Nicht anzutreffen war zu diesem Zeitpunkt die gesuchte Griechin. Der Festgenommene zeigte sich unkooperativ und wollte den Aufenthaltsort seiner “Freundin” nicht preisgeben. Die Spur der Ermittlungen führte die Beamten in das Essener Bordell auf der Stahlstraße. Dort wurde die unfreiwillige Prostituierte durch die Beamten des KK 12 befreit. “Die 18-Jährige fiel uns förmlich in die Arme und war sichtlich erleichtert. Sie bedankte sich mehrfach bei uns.”, so der ermittelnde Kriminalhauptkommissar Volker Steinkämper. Anschließend sagte sie bei einem Richter umfangreich gegen ihren Zuhälter aus und konnte am 11. November in ihre Heimat zurückkehren. Der 25-Jährige sitzt wegen des Verdachts des Menschenhandels und der Zuhälterei in Untersuchungshaft.

Quelle –> Polizeipresse