Fachhochschule: Treffen für “Loverboys”-Opfer

Sie kommen aus ganz Deutschland und treffen sich heute Abend an einem geheim gehaltenen Ort irgendwo in Düsseldorf: die Opfer (und ihre Eltern) von so genannten “Loverboys”, von Zuhältern, die zunächst als harmlose junge Männer auftreten, Mädchen die große Liebe vorgaukeln, und sie dann kurze Zeit später in die Prostitution zwingen. Auch in Düsseldorf gibt es Opfer der “Loverboys”. Mit der Elterninitiative “Eilod” organisiert die Fachhochschule (FH) dieses Treffen heute – auch aus wissenschaftlichem Interesse.

Charlotte Hanisch, Professorin für Kinder- und Jugendpsychologie, will Möglichkeiten erforschen, wie Mädchen in Zukunft besser geschützt werden können.

Gibt es das typische Opfer von Loverboys? “Eher nicht”, meint Charlotte Hanisch. Nach ihren ersten Erkenntnissen kommen die Mädchen aus allen Bevölkerungs- und Bildungsschichten. Nur eines scheint sie alle zu verbinden: “Wenn man an die Liebe glaubt, dann schrumpft der Selbstschutz.” Erst recht, wenn ihnen ein junger Mann gewisse Komplimente mache wie “Du bist erstaunlich reif für dein Alter.”

Außerdem sei es im Internet erschreckend leicht, sich den Opfern zu nähern. Da würde eine Heranwachsende auf Facebook, ohne sich etwas dabei zu denken, persönliche Dinge preisgeben und einem Fremden von ihren Problemen erzählen. Und wenn der dann genau die richtigen Antworten gibt, immer Zeit hat, alle Wünsche erfüllt, entsteht schnell Nähe und Vertrauen.

Auch in Düsseldorf seien erste Fälle bekannt, in denen junge Mädchen in die Prostitution gezwungen wurden. “Aber wir können noch keine Zahlen nennen.” Zurzeit touren Mitglieder der Elterninitiative “Eilod”, Partner der FH, durchs Land, um Beratungsstellen und die Polizei über die Gefahr dieser speziellen Zuhälter zu informieren. “Das Interesse ist groß, zumal alle das Gefühl haben, noch viel zu wenig darüber zu wissen.”

Auch die Forschung zum Thema “Loverboys” und ihrer Opfer stehe noch am Anfang, vieles sei unklar, wie die Frage, ob es nicht vielleicht doch typische Risikofaktoren gibt. Charlotte Hanisch sammelt zurzeit alle nur möglichen Informationen über das Thema, und sie spricht mit Opfern, denen es schließlich gelungen ist, aus der Prostitution auszusteigen. “Wir wollen herausfinden, wie man Mädchen besser stärken kann, damit sie weniger anfällig werden für die Versprechungen, Komplimente und Geschenke der Männer.” Hellhörig sollten sie (oder ihre Eltern) werden, wenn der neue Freund offensichtlich viel Geld hat, ein großes Auto fährt, ständig telefoniert, aber nicht erklären kann, was er beruflich eigentlich macht.

Der Ort des heutigen Treffens wird geheim gehalten. Denn Mitglieder der Elterninitiative (auf deren Internetseite www.eilod.de eine Anmeldung zum Treffen kurzfristig noch möglich ist) seien bereits massiv bedroht worden.

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