“Falscher Perso”: Minderjährige will auf den Strich

Ein junge Frau will sich bei der Polizei als Prostituierte anmelden – mit einem gefälschten Ausweis. Das Mädchen war in Wirklichkeit noch minderjährig!

München – Laut Polizeibericht kam am Montag eine, wie sich später herausstellte minderjährige Rumänin zur Dienststelle des Kommissariats 35. Sie wollte sich dort zur Ausübung der Prostitution anmelden. Dafür legte sie eine rumänische ID-Karte vor, welche sie als 23-Jährige auswies. Da die Beamten vor Ort Fälschungsmerkmale an dem Dokument feststellten wurde dieses beim Bayerischen Landeskriminalamt begutachtet. Dabei konnte zweifeslfrei festgestellt werden, dass es sich bei dem Ausweis um eine Fälschung handelt.

Damit konfrontiert gab die Rumänin schließlich zu, dass sie minderjährig ist und sich den Ausweis beschafft hatte, um in München als Volljährige der Prostitution nachgehen zu können. Sie wurde vorläufig festgenommen. Zwischenzeitlich erging Haftbefehl gegen sie.

Ganzer Artikel: Münchener Abendzeitung

Ins Bett

Wenn man mit einem fremden Menschen ins Bett geht und Geld dafür nimmt, heißt das landläufig Prostitution. Die US-amerikanische Künstlerin Andrea Fraser, Jahrgang 1965, hat es vor ein paar Jahren gemacht. Sie nennt es aber Kunst. Am Montagabend erklärte sie in der Frankfurter Städelschule, warum. Ihre Handvoll Werke beschäftigen sich sämtlich mit der prekären Situation des zeitgenössischen Künstlers zwischen Idealismus und einem Markt, der von den Reichsten der Welt dominiert wird. Ob man es nun Prostitution nennt oder Kunst: Man wünschte sich, mehr Künstler wären so mutig und intelligent wie Andrea Fraser.

Start Slide Show with PicLens Lite PicLens

DVD- Tipp: “Frauenzimmer” 30

Christel (58 Jahre) hat mit 51 Jahren mit der Prostitution begonnen. Nach der Scheidung von ihrem Mann hat die zweifache Mutter sich entschieden diesen Weg zu gehen – auch um ihre bis dahin unbefriedigende Sexualität neu zu erkunden. Sie geht in ihrer neuen Berufung völlig auf und hat neues Selbstbewußtsein gewonnen. Ihre anfängliche Skepsis, ob sie als Dame, die in die Jahre gekommen ist, mit der jungen Konkurrenz mithalten kann, ist vollends verflogen. Dabei ist sie eine ganz „normale“ Großmutter, die gerne Zeit mit ihren Enkelkindern verbringt und auch sonst äußerlich in keiner Weise in diese Branche einzuordnen wäre. Sie sieht ihren Job nicht nur als Geldquelle, sondern auch als Quell des Glücks für die trostlosen Jahre ohne erfüllendes Liebesleben.

Paula (49 Jahre) ist seit 25 Jahren Prostituierte. Angefangen hat sie schon in der ehemaligen DDR, wo ein Freund sie jedesmal nach dem Sex mit 25 DM „belohnte“. Sie hat sich darüber nicht viele Gedanken gemacht, sondern freute sich über die Zuwendung, an der sie sehr viel Spaß hatte. Heute arbeitet sie als Chefin eines fünfköpfigen Bordells. Über Kundenmangel kann sie sich nicht beschweren. Sie hat sich an das schnelle und leichte Geld gewöhnt und liebt es ihr Einkommen mit vollen Händen auszugeben. Ganz so rosarot war ihr Leben allerdings nicht immer. Nach einer mißlungenen Flucht aus der DDR wurde sie festgenommen und sieben Jahre inhaftiert. Während dieser Zeit wurde sie mißbraucht. Ihre Traumata, die sie dort durchlitten hat, verarbeitet sie heute – so sagt sie selber- indem sie täglich einen Horrorfilm schaut. Das sei für sie eine Art Therapie.

Karolina (64 Jahre) ist für ihr Alter außergewöhnlich jung und attraktiv geblieben. Sie arbeitet als Domina und ist mittlerweile so routiniert, dass ihr der Spagat zwischen Arbeit und Alltag grotesk vorkommt. So kommt es ab und zu vor, dass sie während einer Session an die Hausarbeit denkt. Nicht selten denkt sie über ihre Jugendtage und die Erziehung nach, die so gar nicht zu ihrem eigenen Kopf passten. Immer schon wollte sie das Leben in vollen Zügen genießen und selbstbestimmt und mutig sein. Diese Lebensphilosophie hat sie sich auf ihrem Körper verewigen lassen: Ihr Rücken schmückt die Aufschrift: Carpe diem- nutze den Tag. Karolina ist seither so fasziniert vom tätowieren, dass sie selber den Entschluß gefasst hat ein Tatoo-Studio zu betreiben.

Dieser Dokumentarfilm ist einer der wenigen Gelegenheiten sich von Vorurteilen über eine verpönte Branche zu befreien. Dank der erfrischend offenen und selbstverständlichen Art der Protagonisten erhält man Einblicke, die der Zuschauer sicherlich nicht erwartet.

Frauenzimmer
Saara Aila Waasner
74 Minuten Spieldauer
Lighthouse Home Entertainment
14,99€

Start Slide Show with PicLens Lite PicLens

Mancher Porno-Konsument würde sich das auch gerne leisten

Dominique Strauss-Kahn gilt jetzt offiziell als sexsüchtig. Sexologe Werner Huwiler über echte und falsche Sexsucht sowie Therapiemöglichkeiten.

Dominique Strauss-Kahn hat sich zwischen Geschäftsterminen offenbar Prostituierte «wie Pizzas» liefern lassen. Würde Sie ihn als sexsüchtig bezeichnen oder ist er einfach ein notorischer Fremdgeher?
Die Diagnose Sexsucht ist zwar in aller Munde, aber gibt es eigentlich nicht. Die Frage, ob jemand sexsüchtig ist, hängt von der Möglichkeit ab, ob man noch Herr seiner Triebe ist. Wer seine Sexualität nicht steuern, auch mal zurückhalten kann, ist süchtig. Bei Prominenten ist eine Diagnose besonders mit Vorsicht zu geniessen. Als Kranker erntet man ja Mitleid, was man nach einem Skandal gut gebrauchen kann.

Ein renommierter französischer Sexologe sagt, Dominique Strauss-Kahn sei krank. Wie sähe nun eine Therapie aus?
Man schaut, wie er in seiner Sexualität funktioniert. Wie erregt er sich? Was für Fantasien hat er? Aber auch: Wohin will er, was ist sein Ziel? Weil Sexualität nicht nur im Kopf stattfindet, macht man mit Sexsüchtigen auch Körperübungen im Bereich der Atemtechnik sowie Bewegungs- und Entspannungstechniken. Bei Porno-Süchtigen können auch Anleitungen zu erweiterten Methoden von Selbstbefriedigung ein Teil davon sein.

Strauss-Kahns Sucht ist nicht die Pornografie, sondern Prostituierte aus Fleisch und Blut. Sieht die Therapie da anders aus?
Nein. Ob sich die Sucht über Pornografie oder Besuche bei Prostituierten manifestiert, spielt keine Rolle. Das hängt ja auch von den finanziellen Möglichkeiten ab. Mancher Porno-Konsument würde sich das auch gerne leisten.

Ist Pornografie nicht anonymer und deshalb gefährlicher, was eine Suchtentwicklung angeht? Oder spielen bei Prostituierten andere Suchtmechanismen?
Dranghaftigkeit hängt nicht von der Art des Inputs ab. Dranghaftigkeit entsteht aus der Art, wie eine Person seine Sexualität gestaltet. Welche Lernschritte hat jemand gemacht? An welche Limiten stösst die Person? Was wird als genussvoll empfunden?

Hatte Strauss-Kahns Machtposition einen Einfluss auf sein Suchtverhalten?
Wahrscheinlich schon. Doch jede Sexsucht sieht anders aus, es gibt keine eindeutige Typologie eines Sexsüchtigen. Neben Prominenten wie Strauss-Kahn oder Tiger Woods trifft es auch den Büezer von der Strasse.

Sind ältere Männer häufiger sexsüchtig?
Nein. Es fällt bei diesen Männern einfach mehr auf. Bei jungen Männern gilt ein aktives Sexualleben oder die intensive Beschäftigung mit Sexualität als normal.

Also ist Sexsucht keine Tragödie des Alterns: Die Lust bleibt, aber die Möglichkeiten werden weniger?
Für einige mag das zutreffen. Aber das Gegenteil ist wohl weiter verbreitet: Dass einem die Lust im Alter abhanden kommt.

Gibt es heute wirklich mehr Sexsüchtige als früher?
Es gibt da noch keine zuverlässigen Studien. Was sich geändert hat, ist die Verfügbarkeit von Pornografie. Früher gab es ein paar einschlägige Heftchen, heute eröffnet sich mit dem Internet ein Meer an Porno-Sites. Handkehrum gibt es die Prostitution – und exzessive Nutzer davon – seit Ewigkeiten.

Gibt es für Sexsüchtige eine Art Anti-Viagra?
Es gibt chemische Keulen, aber die sind so stark, dass man sie in der Regel nur bei Sexualstraftätern einsetzt. Denn damit nur die Lust zu steuern, ist unmöglich, diese Medikamente beeinträchtigen auch andere Befindlichkeiten und Körperfunktionen.

Strauss-Kahns Frau distanziert sich von ihm. Welche Rolle kommt dem Partner eines Sexsüchtigen zu?
Das kommt auf die Vereinbarung an. Dominique Strauss-Kahn führte offenbar eine offene Beziehung. Ob das stimmt oder behauptet wurde, um den politischen Schaden zu begrenzen, weiss ich nicht. Bei meinen Patienten ist es oft so, dass die Partnerinnen zwar wissen, dass es andere Frauen gibt – aber das ganze Ausmass nicht kennen. Wenn das auffliegt, kommt es meistens zum Beziehungsabbruch, weil es nicht mehr um ausserpartnerschaftlichen Sex geht, sondern um Vertrauen.

Ganzer Artikel: Tagesanzeiger.ch