ab 3.1.: Neue Preismodelle & Happy Day im Club Majestic

Der Club Majestic Bonn meldet:

Ein frohes neues 2012 all unseren Freunden

Für einen Eintritt von 30€
erhalten unsere Gäste nun
Freibier
sowie ein warmes und kaltes Buffet,
Snacks, Marken-Kaltgetränke, köstliche Kaffeesorten, Whirlpool
und Nutzung unserer Wellnessangebote.

Donnerstags: Happy Day 15€
Mit Ausnahme von Freibier kannst Du
an diesem Tag für 15€ alle Angebote des
Club Majestic nutzen.

Diskret-Service: 20€

Kontakt:

Club Majestic
Im Burgacker 45
53123 Bonn
Tel. 0228 90919818
http://www.club-majestic.com/

Berichte über den Club Majestic

Majestic Forum im Freiercafe

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Von Familie gefolterte 15-Jährige schildert Qualen

Sie wollten sie zur Prostitution zwingen – als sie sich weigerte, sperrten die Schwiegereltern eine 15-jährige Afghanin in eine Toilette, folterten sie, ließen sie fast verhungern. In einem Video spricht sie nun erstmals über die Marter. Eine zuständige Ministerin zeigte sich erschüttert.

Kabul – In Afghanistan werden Frauen noch immer sehr oft Opfer von Verschleppung, Vergewaltigung oder Misshandlung – doch die Verbrechen an einer 15-Jährigen aus der Provinz Baghlan sind so grausam, dass Gesundheitsministerin Suraya Dalil von einem “der schlimmsten Fälle von Gewalt gegen afghanische Frauen” überhaupt spricht.

Die BBC hat nun ein Video des Mädchens ins Netz gestellt. Es sitzt in einem Rollstuhl, vornübergebeugt. Sein linkes Auge ist zugeschwollen. Sein halbes Haar ist ausgerissen, zwischen schwarzen Strähnen sieht man die nackte Kopfhaut. Auch die Fingernägel wurden ihm ausgerissen.
“Wer hat dich geschlagen?”, wird es gefragt.

“Mein Schwiegervater”, antwortet das Mädchen. “Mein Ehemann. Meine Schwägerin. Mein Schwager. Und meine Schwiegermutter.”

“Wie haben sie dich geschlagen?”

“Mit Zangen.”

“Wer hat deine Haare ausgerissen?”

“Meine Schwiegermutter.”

“Wer hat deine Nägel ausgerissen?”

“Meine Schwiegermutter hat meine Nägel ausgerissen.”

Ganzer Artikel: Spiegel.de

Zum Video: BBC

Wehrmacht und Prostitution

Auf Youtube:

Wehrmacht und Prostitution:

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Hotels auf Malediven sollen Wellnessbereiche schließen

Colombo — Zur Prostitutionsbekämpfung hat die Regierung der Malediven die Schließung der Wellnessbereiche in den Hotels des Inselstaats im Indischen Ozean angeordnet. Der Erlass des Tourismusministeriums gelte auch für Kosmetik- und Massagesalons in allen Beherbergungsbetrieben der Malediven, sagte ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung reagierte mit der Entscheidung auf Proteste einer einflussreichen Islamistenpartei, die in den Wellnessanlagen Horte der Prostitution vermutet.
Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen auf den aus 1192 Inseln und Inselchen bestehenden Malediven. Das Land ist vor allem ein Ziel von Luxus- und Hochzeitsreisen. Im zu Ende gehenden Jahr wurden nach offiziellen Angaben rund 850.000 Touristen gezählt. Der Islam ist auf den Malediven Staatsreligion. Noch vor wenigen Tagen hatte Staatschef Mohammed Nasheed allerdings bei seinen rund 330.000 Landsleuten für eine tolerante Religionsauslegung geworben.

Quelle: AFP

Osnabrück: Hasepark-Anwohner ärgern sich über Hinterlassenschaften des Straßenstrichs

Osnabrück. „Das ist einfach eklig.“ Stephanie und Heinz-Hermann Lünnemann sind sauer. Seit einigen Wochen findet auf einem Bolzplatz nahe ihrem Haus reger nächtlicher Verkehr statt. Das wäre bis auf die hässlichen Furchen durch Autoreifen noch erträglich, wenn nicht noch andere „Andenken“ der Straßenprostitution übrig blieben – unter anderem gebrauchte Kondome.

Familie Lünnemann ist vor einigen Jahren in das kleine Viertel zwischen Mindener Straße und Hasepark gezogen. Viele Familien leben inzwischen dort. Die Kinder haben hinter den Häusern an der Hase ein Stück Natur zum Spielen. Und dann ist da noch ein Bolzplatz, der rege genutzt würde, wenn inzwischen nicht schon etliche Eltern wie die Lünnemanns ihren Kindern verboten hätten, dort zu spielen.

Seitlich von der Schellenbergbrücke vor der Firma Restemeyer führt ein Schotterweg für Spaziergänger, Jogger und Radfahrer zu dem etwas verborgen liegenden Platz. Gerade diese Abgeschiedenheit scheint in den vergangenen Wochen verstärkt Prostituierte und ihre Kunden anzuziehen. Ein einsamer rot-weißer Poller kann den Verkehr nicht stoppen. Rechts und links davon wäre selbst für einen Lkw Platz genug zum Durchfahren.

Im Jahr 2006 hatte die Stadt das Bahnhofsviertel zum Sperrbezirk für Prostitution erklärt. Kurze Zeit später siedelte sich der Straßenstrich im Hasepark an. Heinz-Hermann Lünnemann kennt das Bild der parkenden Wagen, wenn er am späten Abend mit seinem Hund die letzte Runde vor der Nachtruhe dreht.

Der Bolzplatz wird nach seinen Beobachtungen erst seit einigen Wochen angefahren. Möglicherweise hätten sich die Dienstleisterinnen einen neuen Platz suchen müssen, nachdem die gepflasterte Zufahrt zur Baustelle Schellenbergbrücke mit zwei Flatterbändern gesperrt worden ist, vermutet er. Seitdem lägen auf dem Weg zum und auf dem Bolzplatz immer neue Kondome.

Lünnemann und anderen wütenden Anliegern ist klar, dass Prostitution weder verboten noch abgeschafft werden kann. Wenn sie nicht im und um den Hasepark stattfindet, dann eben anderswo in der Stadt. Aber ihre Hinterlassenschaften wie Kondome und Hygienetücher sollten die Damen und ihre Freier doch gefälligst wieder mitnehmen, fordern die Anlieger. Oder wenigstens ordnungsgemäß entsorgen: Auf dem Bolzplatz steht ein Abfalleimer.

Jürgen Wiethäuper, Fachdienstleiter für Ordnung und Gewerbe bei der Stadt Osnabrück, inspizierte die Lage am Bolzplatz noch am gleichen Tag, nachdem unsere Zeitung die Anliegerbeschwerde weitergeleitet hatte. „Das geht natürlich gar nicht“, sagte der städtische Pressesprecher Sven Jürgensen nach Wiethäupers Bericht. Ein Verbot des „horizontalen Gewerbes“ an dieser Stelle sei nicht möglich, weil sie außerhalb des Sperrbezirks liegt. Nun werde unter anderem geprüft, ob eine wirksame Sperrung des Schotterweges dem Treiben ein Ende bereiten kann.

Ganzer Artikel: Osnabrücker Zeitung

Die Frau, die Huren nass macht

Martha Ramseyers (87) spritziger Kampf gegen die Prostitution. Von der Dachterrasse ihres Hauses begoss sie Freier und Sex-Workerinnen, bis die Polizei und die Hausverwaltung einschritten.

Martha kennt da gar nichts. Martha. Nicht Frau Ramseyer. Da ist auch nicht mehr Herr Bahnerth, sondern Michi. Martha nimmt immer den direktesten aller Wege. Und keine Blätter vor den Mund. Die Jungs von ihrer Hausverwaltung nennt sie unverblümt «Arschlöcher». Ihr Lieblingspolitiker ist Blocher: «Weil er das Maul aufmacht.» Eine halbe Stunde zuvor hat sie noch gesagt: «Hör bloss auf mit Politik, Michi. Damit hab ich gar nichts am Hut. Politik ist eine Hure. Hat mir mein Vater damals mit auf den Weg gegeben.»

Martha ist 87, das, was man wohl eine rüstige Rentnerin nennt, und nach sieben Jahren im Rotlicht-Kleinbasel schon ein Original und eine kleine Berühmtheit auch. Hat einen Fanclub, weil sie sich, bewaffnet nur mit einem Gartenschlauch, gegen eine Handvoll Huren und deren Gefolge vor ihrem Hauseingang gewehrt hat. «Seniorin macht die Huren nass», stand in den Zeitungen, «Martha for president» und «Super-Martha» in den Kommentaren. Man nennt sie auch Lady Gaga Nummer 2. Weil sie tut, was sie will, und weil sie manchmal in selbst genähten Charleston-Kostümen anzutreffen ist, samt Federboa, und weil es ihr egal ist, was andere über sie denken.

Sie wohnt in der Alterssiedlung Ecke Ochsengasse und Webergasse, 5. Stock, hat einen «Hausfreund», aber darüber will sie nichts sagen, fast nichts jedenfalls, sie sagt nur, dass er jünger sei. Wie bei allen älteren Damen ist ihre Wohnung ein Sammelsurium an Erinnerungen. Drei Zimmer, ungefähr 130 Fotos, ein Fernsehsessel und überall dieser süsslich-abgestandene Duft des Alters, der einen an Grossmütter erinnert. Sie kommt gerade vom Arzt. Irgendein Check. Martha ist auf Blutverdünner. «Weisst Du, was ich dem Arzt gesagt habe? Dass ich gesund bin, weil ich 30 Jahre nicht beim Arzt war. Und dass ich nicht mehr komme, weil ich gesund bleiben möchte.»

Martha mag Busreisen

Von ihrem Balkon aus sieht sie ein bisschen Rhein. Wasser ist wichtig für Martha. Die glücklichste Zeit ihres Lebens war, als sie zusammen mit ihrem Mann 25 Jahre lang Bademeisterin in Arlesheim war. Schöne Erinnerungen hat sie an Jugowlawien, als sie und ihr Mann FKK-Urlaub machten, und ihr Leben mit ihrem Mann hört auf, zwei Wochen bevor sie mit einem neuen Wohnwagen für länger ans Nordkap fahren wollen. Die beiden lebten damals in einem Wohnwagen in Zurzach. Ihr Mann ging Velo fahren und kam nicht mehr nach Hause. «Ist einfach vom Rad gekippt. Dabei war er Sportler, Sattler und Tapezierer und erst 64 Jahre alt.» Martha war 54 damals, 1978. Sie kam zurück nach Basel.

Um Martha in ihrer süssen Exzentrik zu verstehen, hilft diese Geschichte. Martha mag Busreisen. War sogar, aber das ist nicht die eigentliche Geschichte, schon in Faenza nahe Ravenna, wo der einstige Formel-1-Rennstall Minardi zu Hause war, eine sympathische Truppe, die alles hatte ausser ein schnelles Auto, «Und, Michi, stell dir vor: Da haben wir eine Runde auf der Testrennstrecke gedreht. Mit dem Bus! Wir ganz allein!»

Vor ein paar Sonntagen nun war sie mit dem Bus in Heidelberg, es gab Mittagessen und danach spielten fünf Santigläuse Schubidubidu-Jazz. Wer noch konnte, wippte mit, aber Martha stand auf und tanzte: «Ganz alleine. Nein, das macht mir nichts aus. Was kann ich dafür, wenn die Männer faul sind?» So ist sie. Wo es Leben gibt, ist Martha, und wo Martha ist, ist auch Leben.

«Willst Du einen Schnaps, Michi?», fragt sie immer wieder. «Nein danke.» «Einen Whisky?» «Danke, Martha. Aber es ist zehn Uhr morgens.» «Na und? Du lebst ja auch jetzt und nicht nur abends, oder? Einen Kräuterschnaps vielleicht?» «Nein, Martha, wirklich nicht.» «Mein Motto, Michi, ist: Halb besoffen, ist rausgeschmissenes Geld. Dann iss halt Pralinen und Weihnachtskekse.» «Ja, Martha.»

Keine Frage, sie würde es wieder tun. Oder immer noch: Die Prostituierten, Zuhälter und Freier von oben mit einem Schlauch bespritzen, damit sie nicht mehr auf der Mauer des breiten Eingangs der Altersiedlung lümmeln. Und rauchen und trinken und einfach alles liegen lassen. «Eine einzige Schweinerei», sagt Martha. Stand da oben, die Martha, auf der damals noch allgemein zugänglichen Dachterrasse, nahm den Schlauch in die Hand und spritzte den Eingang frei. Mehrmals. Alle kamen, «Blick», «20 Minuten», «Telebasel» und schliesslich auch die Polizei. «Frau Ramseyer. Wenn Sie damit nicht aufhören, müssen wir was tun.» «Mir doch wurst», hat sie gesagt, fröhlich Interviews gegeben und weiter zielsicher die Benutzer der Toleranzzone nass gemacht. «Wenn niemand was tut, tue ich was», sagt sie heute noch. Und: «Ich habe mich gewehrt.»

Martha mag Achtung

«Aber man kann doch nicht einfach Leute mit einem Schlauch abspritzen, Martha. Das leuchtet doch irgendwie ein.» Sie zuckt mit der Schulter. «Ich schon. Ich war Bademeisterin. In Arlesheim. 25 Jahre lang … Und bei Coca- Cola habe ich auch 18 Jahre lang gearbeitet. Und früher hab ich Polizisten im Eglisee schwimmen beigebracht …» «Ich weiss, Martha.» «Ja. Wenn Du meinst. Gut. Also, wenn die nicht dort gestanden hätten, vor meinem Eingang, hätte ich ja nicht spritzen müssen.» «Aber wieso, Martha, so generell?» «Weil ich keine Huren vor meiner Haustüre will und Pack auch nicht.»

Martha steht auf. Will von was anderem erzählen. Sagt, dass sie gelernte Pelznäherin sei, zeigt ihre Pelze, redet von den 80 Puppen, die sie mal hatte und denen sie Kleider genäht hat. Dass sie an der Fasnacht 25 Jahre lang Einzelmaske gewesen sei. Dass sie mit ihrem Mann zehn Jahre im Wohnwagen nahe Bad Bellingen gelebt hat, bevor sie im Wohnwagen nach Zurzach gegangen seien, wo er dann vom Velo … Sagt, dass sie diesen Teppich, «auf dem du deine Füsse hast, Michi», selbst geknüpft hat. Martha hat immer alles auf einmal im Kopf, Vergangenes, längst Vergangenes, alles ist eine Erinnerung, die ins Hier und Jetzt will, alles ist von gleicher Dringlichkeit. Dass sie Porsche gefahren ist. Dass sie ein Testament gemacht hat: «Hat 75 Franken gekostet.» Dass sie ein «Superleben» gehabt hat. Dass sie bei Coca-Cola 75 Franken am Tag verdient hat.

Ob dann was Besonderes vorgefallen sei, dass sie plötzlich den Schlauch genommen habe? «Nein. Ich hatte es einfach satt, dass die Huren mir Arschloch sagen und den Stinkefinger zeigen.» «Und warum haben sie dir Arschloch gesagt, Martha?» «Weil ich, wenn ich nach Hause gekommen bin, immer gesagt habe, sie sollen verschwinden von hier. Ich zahle hier 1600 Franken Miete. Dann haben die mir Arschloch gesagt, Michi. Und das brauche ich nicht. Und ich habe ja noch ein bisschen Stolz im Kreuz. Da habe ich sie vollgespritzt. Tja. Und dann waren sie weg. Da habe ich mir gesagt: Alles richtig gemacht, Martha.»

Ein paar Tage später war ein Schloss an der Tür, die auf die Dachterrasse führt, und Marthas beherzte Spritzattacken für eine hurenfreie Welt vor ihrem Hauseingang vorbei. «Das mit dem Schloss war die Verwaltung. Auch alles Arschlöcher, Michi, ich sags dir gerne nochmals. Bei so was reagieren die. Aber als mein Nachbar dreieinhalb Wochen tot in seiner Wohnung lag, waren die natürlich nirgends. Typisch. Der Schlauch war auch weg. Da hab ich gesagt, der Schlauch sei Privateigentum. Da haben sie ihn wieder hingetan. Vielleicht doch ein Schnäpschen, Michi?»

Martha mag Verse

Zugegeben, das klingt derb; eine 87-Jährige, die «Arschloch» sagt. Und auch wenn es aus dem Mund von Martha kommt, klingt es deswegen nicht schmeichelhafter. Aber das ist Martha. Und die Narrenfreiheit des Alters und eine Portion Altersradikalität. Eine alte Dame, die keine Kompromisse mehr eingehen mag. Deren Hobby stricken und nähen ist, und die, wenn sie schwimmen geht, immer noch mit einem Spiessli ins Wasser taucht. Oder «Startsprung», wie sie sagt. Die auf die Frage, wie es so sei, alt zu sein, antwortet: «Ich muss mir Mühe geben.» Die alle zwei Wochen zum Masseur geht und es geniesst. Auch, weil es die Krankenkasse bezahlt. Die dannzumal kremiert werden möchte. Und vor allem möchte sie keine Abdankung. Die «mit warmen Händen» gibt, denjenigen, die sie liebt, alles. Den andern Saures.

Es ist jetzt elf Uhr vormittags, neun Pralinen und 13 Weinachtskekse später. Auf dem Tisch mit Häkeldecke liegen Fotoalben, Zeitungsausschnitte und zwei Ordner mit Versen. Martha dichtet gerne und trägt dann vor. Rezitiert aus einer Melange zwischen Schnitzelbänken und Gedichten, die Verse haben Titel wie: «Wer älter wird, ist selber schuld.» Und dann: «Michi, nicht doch ein Schnäpschen?» «Ich muss los, Martha, so langsam.» «Ach so. Hab ich dir eigentlich schon meinen Lieblings-Santiglaus-Vers gesagt?»

Ganzer Artikel: basolline.ch

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Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit

Die Süddeutsche Zeitung setzt sich mit den Folgen des Prostitutionsgesetzes auseinander.

“Frei von Zwang ist letztlich keine”: Mit dem 2002 in Kraft getretenen Prostitutionsgesetz wollte die damalige Bundesregierung die Situation der Frauen im Rotlichtmilieu verbessern. Das angeblich älteste Gewerbe der Welt sollte raus aus der rechtlichen Grauzone und rein in die Sozialversicherung. Doch viele Hoffnungen wurden enttäuscht.

Niemand zwingt sie, außer dem Leben selbst. Die Mutter, die eine Krebstherapie braucht, der Sohn, der eine vernünftige Schule besuchen soll. Um das nötige Geld nach Hause zu bringen, wird sie auch an diesem Abend ihre hohen grünen Stiefel anziehen. Dann, wenn der Kleine in seinem Bett ganz regelmäßig atmet. Sie wird sich davonstehlen aus ihrer Wohnung in Polen, gen Westen fahren, nach Berlin. In der Dämmerung wird sie zurück sein, der Sohn braucht sein Frühstück.

In Berlin kennt man sie und ihre grünen Stiefel: auf der Kurfürstenstraße, dem billigsten Strich der Stadt. Ihre Geschichte und ihren Namen aber kennt nur Angelika Müller, 53, die hier seit 15 Jahren als Krankenschwester in der Hilfseinrichtung “Frauentreff Olga” arbeitet.

Ökonomische Notwendigkeiten zwingen Frauen auf die Straße

Hinter der rußigen Häuserfassade im ersten Stock erzählt Müller an diesem Tag von den Frauen, die ganz unten stehen, im Leben wie in der Hierarchie des Rotlichts. Hier prostituiert sich das Elend, hier tragen die Frauen keine einheitlichen Moonboots wie in der Oranienburger Straße, sondern Brandlöcher und Laufmaschen, und darunter verbergen sich bei den meisten der gut 220 Frauen blaue Flecken. Male, die kein Freier sieht, dem eine von ihnen in einer dunklen Ecke die schnelle Befriedigung verschafft. Male, die nur Angelika Müller sieht.

Zwangsprostitution allerdings – das sei ein großes Wort, findet die Krankenschwester, es täusche klare Grenzen vor, wo keine seien. Am Beispiel der Frau mit den grünen Stiefeln könne man das sehen: Nicht nur die rohe Gewalt von Männern, auch ökonomische Notwendigkeiten zwingen Frauen auf die Straße. Eine krebskranke Mutter, ein Sohn, der es mal besser haben soll. Drogen, Schulden. “Frei von Zwang”, sagt Angelika Müller, “ist letztlich keine hier.”

Vor zehn Jahren hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das die Karten neu mischen sollte: Das Prostitutionsgesetz, in Kraft getreten am 1. Januar 2002, gab den Frauen erstmals einen Anspruch auf ihren Lohn, den sie vor Gericht einklagen können. Es sollte die Rechte der Frauen stärken, nicht aber die der Zuhälter. Und doch sollten diese erstmals legal Bordelle führen können und so für bessere Arbeitsbedingungen sorgen.

Das angeblich älteste Gewerbe der Welt sollte raus aus der rechtlichen Grauzone und rein in die Sozialversicherung. Man darf nach zehn Jahren sagen, dass viele Hoffnungen enttäuscht wurden.

Eine fließende Halbwelt

Wenn das Prostitutionsgesetz ein Experiment war, dann ist Berlin, die Stadt mit einem Dutzend Straßenstrichen, das perfekte Versuchslabor: Das Rotlichtgeschäft haben hier nicht ein paar wenige Kiezgrößen in ihren festen Händen wie in Hamburg oder ein paar alteingesessene Dynastien wie in Frankfurt.

Die Prostitution ist in Berlin nie in einen Sperrbezirk gepresst worden, sie ist verstreut geblieben, kleinteilig, und das heißt auch: immer in Bewegung. Eine Drei-Zimmer-Wohnung irgendwo in einem Hochhaus, eine Hotline und eine Anzeige in der Boulevardzeitung dazu – schnell ist das aufgemacht, schnell wieder geschlossen.

Es ist eine fließende Halbwelt, der Schriftsteller Thomas Brussig hat sie vor vier Jahren als “Berliner Orgie” porträtiert. Er protokollierte, wie die etwa 6000 bis 8000 Prostituierten Berlins in ungezählten Mini-Etablissements leben. Die meisten dieser kleinen Clubs hat der Markt längst wieder verschluckt und neu ausgespuckt, sagt die Berliner Soziologin Christiane Howe, die das Rotlichtmilieu systematisch untersucht. Nirgends in Deutschland reagiere die Rotlichtbranche derart schnell auf Veränderungen.

Dennoch: Die Hoffnung des Gesetzgebers, möglichst viele Prostituierte würden durch das Prostitutionsgesetz ordentliche Arbeitsverträge bekommen und in die Sozialkassen einzahlen, hat sich in Berlin kaum erfüllt, wie andernorts auch. Das hat das Familienministerium inzwischen selbst eingeräumt. Zahlen liefert das Ministerium nicht, nur eine Beobachtung: Die Prostituierten wollen sich nicht fest binden. Lieber sind sie Tagelöhnerinnen geblieben. Auch auf eine Rentenversicherung verzichten fast alle.

Ganzer Artikel: sueddeutsche.de