Sperrgebietsverordnung..Verwirrung

In Steinheim und Klein-Auheim ist Prostitution verboten. Die alten Regelungen zu Sperrbezirken spielen in Hanau jedoch in der Praxis keine Rolle mehr.

Im Hanauer Ordnungsamt sind bisher keine Beschwerden über Frauen, die in ihrer Wohnung sexuelle Dienste anbieten, bekannt, sagt der Chef des Ordnungsamts, Thorsten Wünschmann. Somit scheint das, was jüngst in Frankfurt für Aufregung sorgte, in Hanau kein Problem zu sein: die sogenannte Wohnungsprostitution. Die Stadt Frankfurt hatte einen Massagesalon in einem Wohnhaus im Stadtteil Bornheim verboten und sich dabei auf die seit 1986 geltenden Sperrbezirke berufen. Der Vermieter des Salons, der von außen nicht als solcher zu erkennen ist, hatte sich dagegen erfolgreich vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel gewehrt. Prostitution könne nicht mehr per se als Störung des öffentlichen Anstands eingestuft werden, sagten die Richter.

Auch in Hanau gibt es Sperrbezirke, festgeschrieben in der „Verordnung zum Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes im Regierungsbezirk Darmstadt“ im Jahr 1979. Demnach ist es in Steinheim, Klein-Auheim und dem kleinen Innenstadtareal zwischen Mühlstraße, Leimenstraße, Salzstraße und Rosenstraße „verboten, der Prostitution nachzugehen“.

Zudem existieren Sperrbezirke für Prostitution auf öffentlichen Straßen und Plätzen, also für den Straßenstrich. Demnach dürfen rund um Lamboystraße und Friedberger Straße keine sexuellen Dienste angeboten werden. Dasselbe gilt für das Gebiet zwischen Kanaltorplatz (Hauptpost) und Marktplatz, Römerstraße und Krämerstraße. Dort existieren seit Jahrzehnten Sexshops, ein Bordell, Spielhallen und anderes Etablissements, der Straßenstrich ist dort aber verboten.

Kein Straßenstrich in Hanau

Diese fast 35 Jahre alte Verordnung spiele aber in der Praxis keine Rolle mehr, sagt Wünschmann. Zudem gebe es in Hanau derzeit keine Frauen oder Männer, die auf der Straße sexuelle Dienste anbieten würden. Diese Einschätzung bestätigt die Polizei.

Auch sonst haben Ordnungsamt und Polizei über das Prostitutionsgewerbe in Hanau keine Besonderheiten zu berichten. Die „Handvoll Bordellbetriebe“, seien „unauffällig“, sagt Wünschmann. Dazu gehören Gewerbe in der Oderstraße, am Kanaltorplatz und am Hauptbahnhof. Bei den regelmäßigen Kontrollen gebe es „fast keine Beanstandungen“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen. Es komme zwar immer mal wieder vor, dass eine Frau keine gültigen Papiere habe. Es gebe aber keine Hinweise auf Zwangsprostitution, organisierten Menschenhandel oder andere „milieuspezifische Kriminalität“.

Während die angemeldeten Bordelle amtsbekannt sind, ist das bei der Wohnungsprostitution komplizierter. Wenn Frauen oder Männer in Wohnungen sexuelle Dienste anbieten, müssen sie das nicht bei der Gewerbeaufsicht melden. Sie könnten es zwar, sagt Wünschmann, manche täten das auch. Doch „Prostituierte“ gebe kaum jemand an, eher noch Massagesalon oder Begleitservice. Deshalb kann Wünschmann für Hanau keine Zahl nennen, schätzt aber, „dass es wenige sind“.

Wohnungsprostitution ist kein klar definierter Begriff. Wesentliches Merkmal ist aber, dass außen nicht erkennbar ist, welche Dienste drinnen angeboten werden. Das gilt zum Beispiel auch für die Frauen in der Daimlerstraße, die zwar in Anzeigen und im Internet werben, an der Tür aber keine Hinweise angebracht haben.

Quelle: fr-online.de