Fachtagung zur Prostitution

Kiel. Fernab vom Rotlichtviertel in Kiel suchten Fachleute und Sozialarbeiter die Wirklichkeit – jenseits aller Klischees über das sogenannte älteste Gewerbe der Welt. Contra, eine Einrichtung des Frauenwerks der Nordkirche, hatte gestern zur Tagung über „Prostitution in Schleswig-Holstein“ eingeladen. „Sex und sexualisierte Weiblichkeit sind alltäglich und akzeptiert, trotzdem werden Prostituierte in der Öffentlichkeit marginalisiert“, sagte Susanne Sengstock, Stellvertretende Leiterin des Frauenwerks, auf der Tagung in Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde).

Ziel war es, Fachkräfte, Politik und Verwaltung an einen Tisch zu bringen. Zudem sollten junge Polizeianwärter für die Vielschichtigkeit des Themas sensibilisiert werden, sagte Surya Stülpe von Contra. „Es gibt nicht die eine Situation, in der sich alle Prostituierten befinden“, betonte Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD). Ina Hunecke, Dozentin an der Fachhochschule Altenholz konkretisierte: „Im Bereich der Sexarbeit gibt es drei große Gruppen, die oft in einen Topf geworfen werden.“ Zum einen gebe es diejenigen, die Prostitution freiwillig ausübten und gerne in diesem Beruf tätig seien. Diese Frauen bezeichneten sich auch lieber als Sexarbeiterinnen, um sich vom negativ behafteten Begriff „Prostituierte“ zu distanzieren, sagte die promovierte Juristin und Fachautorin. Drogenabhängige, Minderjährige und psychisch Kranke bildeten eine Sondergruppe. Frauen, die unfreiwillig in die Prostitution gerieten oder aus ihren Heimatländern verschleppt wurden, sind eine dritte Kategorie.

Den Frauen, die das Gewerbe anzieht, fehle es vor allem an Beratung, sagte Kriminalhauptkommissarin Silke Dörnerus. Um die Situation zu verbessern, hat Contra eigens einen Flyer gestaltet, der auf Möglichkeiten zum Selbstschutz hinweist. Dörner leitet die Ermittlungsgruppe „Milieu“ in Kiel und sucht oft den direkten Kontakt zu Prostituierten. Sie und ihre Kollegen führen in Kieler Bordellen regelmäßig Kontrollen durch. Unter den rund 250 Prostituierten in der Landeshauptstadt sind nach Angaben Dörners vor allem osteuropäische Frauen, die vor allem in Bordellen arbeiten.

Quelle: http://www.weser-kurier.de/region/niedersachsen_artikel,-Fachtagung-zur-Prostitution-_arid,648910.html