Ein Gesetz, das Zuhältern dient

Ein Kommentar aus der Augsburger Allgemeinen zum aktuellen Prostitutionsgesetz und zu aktuell geplanten Änderungen des Gesetzes:

Was gut gemeint war, ist nach hinten losgegangen: Als Rot-Grün vor einem Jahrzehnt ein Prostitutionsgesetz auf den Weg brachte, sollte das den Frauen helfen. Von Jörg Heinzle

Sie sollten Rechte bekommen wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Und ihre soziale Ächtung sollte ein Ende haben. Eingetreten ist davon nichts. Im Gegenteil: Heute arbeiten mehr Frauen unter unwürdigen Bedingungen als damals. Und eine Prostituierte muss es sich noch immer gut überlegen, ob sie zu ihrem Beruf öffentlich steht.

Das Gesetz hatte zahlreiche Geburtsfehler, von denen vor allem Zuhälter und Geschäftemacher im Rotlichtmilieu profitierten. Die rot-grüne Regierung hatte das Bild einer selbstbewussten Prostituierten vor Augen, als sie das Gesetz verabschiedete. In der Realität aber drängen immer mehr Frauen aus Osteuropa ins Milieu. Und die sind in den meisten Fällen abhängig von ihrem Zuhälter. Sei es aus Geldnot, aus falsch verstandener Liebe – oder aus purer Angst.

Es ist dringend nötig, das Gesetz so zu ändern, dass die Polizei in Bordellen wieder besser kontrollieren kann. Es geht nicht darum, Frauen zu schikanieren, die selbstbestimmt arbeiten. Es geht darum, Opfer besser zu schützen. Dass nun auch noch Männer bestraft werden sollen, die zu einer Zwangsprostituierten gehen, hat dagegen eher eine symbolische Wirkung. Wie soll ein Freier erkennen, ob eine Frau unter Druck steht? Sie selbst wird es ihm in der Regel nicht sagen.

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de

Gegen den Strich

Ein Artikel zur Lage der Prostitution in Berlin – auch mit Stimmen pro Prostitution.

von T. Buntrock, S. Dassler

Arbeiten Huren freiwillig oder unter Zwang? In Berlin gibt es beide Phänomene – und viel Kriminalität

Berlin – Die Meinungen gehen auseinander: „Der Appell von Alice Schwarzer gegen Prostitution wirft uns um Jahre zurück“, sagt Nadine S., die sich vor einigen Jahren als Sexarbeiterin selbstständig gemacht hat. „Meine Kunden sind zu 99 Prozent sehr anständige Menschen“, sagt sie, „es wäre absurd, sie oder mich durch ein Verbot der Prostitution zu kriminalisieren, zumal sie mich als Liebesexpertin schätzen und respektvoll behandeln.“

Dobrinka L. hat da durchaus andere Erfahrungen gemacht. „Ich würde lieber als Putzfrau arbeiten“, sagt die 34-jährige Bulgarin, die seit zwei Jahren in Neukölln anschaffen geht, ihre Kunden sind oft türkische Männer. „Mein einziger Trost ist, dass meine beiden Töchter hier in Berlin in die Schule gehen“, sagt sie. „Vielleicht können sie einen guten Beruf lernen.“

Für Jana Weber vom Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen ist ihr Beruf ein guter. „Das Bild, das gegenwärtig von Politikern und manchen Prominenten verbreitet wird, ist falsch“, sagt sie. „Es gibt Fälle von Menschenhandel, aber hier werden nicht hunderttausend Frauen sexuell geknechtet.“ Ähnlich sieht man das bei Hydra e.V. – einem Verein, der seit 33 Jahren Prostituierte in Berlin berät. Weitaus mehr als die aktuelle Debatte interessiere die Ratsuchenden, dass viele Jobcenter keine Leistungen zahlen, weil sie bezweifeln, dass die Frauen selbstständig arbeiten. Auf höchstens drei Prozent schätzt man in der Beratungsstelle die Zahl der Frauen, die zum Anschaffen gezwungen werden.

Ob in einem Wohnungsbordell, im Massagesalon, einem Großpuff oder auf dem Straßenstrich – in Berlin herrscht keine „Luxusprostitution“, sondern ein „Billigmarkt“, sagt Leonie von Braun, zuständig für Menschenhandel und Zwangsprostitution bei der Staatsanwaltschaft. Gerade 20 Euro zahlten die Freier für Oralverkehr auf dem Straßenstrich rund um die Kurfürstenstraße oder Bülowstraße in Tiergarten und Schöneberg-Nord. Geschlechtsverkehr kostet rund 30 Euro, meist benutzen die Freier kein Kondom. Wer sie im „Escort-Service“ nach Hause begleitet oder in einem Wohnungsbordell bedient, verlange meist 100 Euro.

Die Spezialermittler für Rotlichtkriminalität beim Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft kümmern sich um Zwangsprostitution und Menschenhandel – also solche Fälle, in denen Frauen mutmaßlich gezwungen werden, sich für Sex zu verkaufen oder wenn minderjährige Mädchen missbraucht und dafür nach Deutschland verschleppt werden. Wie schon seit Jahren stammen die meisten Frauen aus Rumänien und Bulgarien. Ihnen werden von Landsleuten Jobs als Pflegekraft versprochen – sie dann aber mit Drohungen und Gewalt zur Prostitution gezwungen. Eine neuere Masche sei das „Loverboy“-Phänomen: Anwerber spielten den Frauen vor, unsterblich verliebt zu sein und eine Familie gründen zu wollen. In Berlin entpuppt sich der „Loverboy“ dann als Zuhälter. Zahlen, wie viele Frauen hier zum Sex gezwungen werden, kann von Braun nicht nennen. Nur selten vertrauen sich die Opfer der Polizei an. Seit fünf Jahren registrieren die Behörden zunehmend Nigerianerinnen, die mit falschen Papieren ausgestattet in Bordellen anschaffen müssen. Sie werden gefügig gemacht, in dem ihnen gedroht wird, dass der Voodoo-Priester sie auch aus der Ferne jederzeit mit Tod und Gebrechen bestrafen könne.

Für Nadine S. sind das schlimme Auswüchse, die aber mit dem „eigentlichen Gewerbe“ nichts zu tun haben. „Leider gibt es Menschenhandel, doch warum redet niemand über die Leute auf dem Bau, in der Gastronomie oder in Privathaushalten?“, fragt sie.

Quelle: http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/809448/

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Politiker wollen Bordelle besser kontrollieren

Berlin  – Mehr Kontrolle und mehr Hilfe für die Opfer von Zwangsprostitution: Dem Wildwuchs im horizontalen Gewerbe will die Union Einhalt gebieten.

Um die Lage von Prostituierten in Deutschland zu verbessern, wollen CDU  und CSU  in der großen Koalition ein umfangreiches Maßnahmenpaket umsetzen. Zu den Eckpunkten, die Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) und die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär am Dienstag in Berlin vorstellten, gehören eine stärkere Regulierung der Bordelle  und eine bessere Unterstützung der Opfer von Zwangsprostitution.

Mit der Liberalisierung des Prostitutionsrechts vor zwölf Jahren sei Deutschland „zum Paradies für Freier und zur Vorhölle für viele Prostituierte geworden“, bemängelte Krings. Für die Opfer stellte er eine befristete Aufenthaltserlaubnis mit Option auf ein dauerhaftes Bleiberecht in Aussicht. Zudem forderte er eine Erlaubnispflicht für Bordelle mit regelmäßigen Kontrollen. Jede durchschnittliche Imbissbude werde derzeit besser kontrolliert als eine Prostitutionsstätte, sagte Krings.

Bär warb darüber hinaus für regelmäßige Pflichtuntersuchungen der Prostituierten bei den Gesundheitsämtern. Krings räumte ein, dass für derartige Kontrollen erhebliche personelle Ressourcen notwendig seien. „Es deshalb nicht zu tun, halte ich für unverantwortlich.“

Teil des Maßnahmenpakets ist auch die Strafandrohung gegen Freier, die bewusst die Dienste einer Zwangsprostituierten nutzen. Frings sagte, in solchen Fällen komme sogar eine Gefängnisstrafe in Betracht. Zwar werde es voraussichtlich nur wenige Verurteilungen geben, doch schon der „Abschreckungsdruck“ könne eine heilsame Wirkung haben.

dpa

Quelle: http://www.merkur-online.de

Debatte um Prostitution: Der unsichtbare Freier

In der Prostitutionsdebatte werden alle Bereiche durchleuchtet: Huren, Bordelle, Gesetze. Nur die Männer nicht, die für Sex zahlen.


Hendrik T. hört die Tür hinter sich ins Schloss fallen und steht wieder auf der Straße. Keiner der vorbeihastenden Passanten bemerkt, wo er gerade herkommt. Er mischt sich in die Menge und beginnt zu weinen, ohne genau zu wissen, warum: Hendrik hat gerade zum ersten Mal für Sex bezahlt – so erinnert er sich.

„Wir fordern: Prostitution abschaffen!“, sagen Alice Schwarzer und die Zeitschrift Emma in einer Petition. Unterschrieben haben auch zahlreiche Prominente und PolitikerInnen. Der „Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen“ reagierte unmittelbar mit einem Gegenappell für Prostitution. Nun diskutiert die Gesellschaft wieder über die Prostitution und was denn nun das angeblich Beste für die Sexarbeiterinnen ist. Nur die Freier, Männer wie Hendrik T., kommen kaum zu Wort.

„Durch die momentane Berichterstattung fühle ich mich weder repräsentiert noch angesprochen“, sagt Hendrik T. „Das liegt wohl zum einen an dem sehr undifferenzierten Bild von Freiern innerhalb der Debatte. Zum anderen habe ich das Ganze vollkommen heimlich gemacht, wodurch ich es besser verdrängen und diesen schambesetzten Teil gut von mir lostrennen konnte.“

Hendrik T. ist 29 Jahre alt und Referendar an einer Berufsschule. Und er hatte in der Vergangenheit Sex mit Prostituierten. Offen und selbstbewusst darüber zu reden fällt ihm immer noch schwer. Wenn Hendrik T. über sich als Freier spricht, versteckt er sich hinter umständlichen Sätzen. Es klingt, als sei nicht er, sondern ein anderer Mann ins Bordell gegangen. Diskutieren Leute im Fernsehen oder in den Zeitungen über Prostitution, interessiert es Hendrik T. nur politisch, wie er sagt, als habe es mit ihm selbst nichts zu tun. „Wie der Syrienkonflikt.“

Dann zögert Hendrik T. lange und blickt konzentriert auf seine Hände. Als er wieder aufsieht, sagt er: „Wenn hingegen Menschen, die mir nahestehen, sich abfällig über Bordellbesucher äußern, greift mich das an, und ich fühle mich schuldig, voller Scham. Dann denke ich, dass ich einer von denen sein sollte, die sich für die Rechte von Prostituierten einsetzen und gleichzeitig respektvoll über Freier sprechen. Ohne selbst einer zu sein.“

Freier sind keine Täter, Huren keine Opfer

Alexa Müller, Mitarbeiterin des Vereins Hydra und selbst Sexarbeiterin, nennt mehrere Gründe, warum Erfahrungen von Freiern in der aktuellen Debatte keine Rolle spielen: „Es gibt kaum Freier, die sich öffentlich outen wollen. Viele schämen sich außerhalb der Bordelle in dieser moralgeschwängerten Kultur schon genug“, erklärt sie. Müller glaubt auch, dass Politik und Gesellschaft kein Interesse daran hätten, sich ausführlich mit den Freiern zu befassen, weil es das öffentliche Bild ins Wanken bringen könnte: „Kämen nette, respektvolle Klienten haufenweise zu Wort, würden das Täterbild des Freiers und somit auch das Opferbild der Hure nicht mehr stimmen. Diese Bilder sind bewusst von Medien und Politik für ihre Zwecke instrumentalisiert.“

Müller erwähnt, dass auch Frauen Kundinnen von ihr seien. Zum Beispiel weil sie Schwierigkeiten mit dem Orgasmus hätten und etwas lernen wollten, wie auch einige Männer. „Sind das dann auch Täterinnen?“, fragt sie. Falle der Täter auf einmal weg und der Freier sei Kunde, würde das den „gesellschaftlichen Schein von Anständigkeit und Moral“ erschüttern, meint Müller. „Stattdessen wird eine sexfeindliche Kultur zementiert, in der verschwiegen werden kann, wo die meiste sexuelle Gewalt stattfindet: in der Ehe und unter Menschen, die sich kennen.“

Wenn der Freier nicht länger als Täter gesehen würde, wer wäre dann für die Missstände im Bereich der Prostitution verantwortlich? Susanne K. arbeitete früher als Sexarbeiterin und ist heute Geschäftsführerin mehrerer Berliner Bordelle. „Die Freier sind nicht die Bösen“, sagt sie. „Es gibt auch Arschlöcher darunter. Aber in der Regel bezahlen sie, bekommen ihren Sex und gehen. Die Politiker hingegen nehmen nur und geben nichts.“ Sie meint damit die deutsche Steuerpolitik.

Die pauschalisierten Steuererhebungen, die gemäß dem Düsseldorfer Verfahren vorab über das Bordell abgerechnet werden müssen, erschweren die legale Prostitution für die Sexarbeiterin. Solange eine Sexarbeiterin gemeldet ist, verdiene der Staat an ihr, unabhängig davon, ob sie sich aus freiem Willen oder mangels einer Alternative prostituiere. Gleichzeitig blieben vielen durch Regelungen in der Asyl- und Sozialpolitik Alternativen zur Prostitution verwehrt: „Der Strich ist dann für viele Frauen doch besser als die Abschiebung oder kein Einkommen.“

Der erste ist „das Gesicht der Freier“

Christiane Howe, Sozialwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität, hat viel im Bereich der Prostitution geforscht und dabei besonders auch die Rolle des Freiers untersucht. Zur Abwesenheit des Freiers in der Debatte sagt sie: „Es ist immer eine große Hürde, der Erste zu sein, der sich outet. Dann ist man das Gesicht der Freier per se, und das haftet einem an. Man braucht ein ganz dickes Fell dazu.“ Howe findet es problematisch, dass in Forschung und Medien nur wenig über Freier bekannt ist: „Bis heute bestehen die hartnäckigsten Vorurteile: Freier sind allesamt fett, unattraktiv, einsam oder stehen mindestens unter einem enormen sexuellen oder wie auch immer gearteten Druck.“

Aus den wenigen vorliegenden Studien gehe jedoch hervor, dass die Gruppe der Freier in jeder Hinsicht heterogen sei. Um die Sexarbeiterinnen zu unterstützen, müssen Verhalten, Gefühle, Erfahrungen und Motive der Freier besser erforscht und verstanden werden.

Hendrik T. geht 2006 während seiner Studienzeit in Hamburg zu Sexarbeiterinnen. Prostitution ist zu diesem Zeitpunkt bereits legal – entsprechend der rot-grünen Gesetzesreform, die zum Ziel hatte, die Situation der Sexarbeiterinnen zu verbessern. „Die Gesetzeslage, aber auch die offene Verfügbarkeit haben die Besuche bei Prostituierten für mich leichter gemacht“, sagt Hendrik T. Als er das erste Mal ein Bordell aufsucht, muss er in keine zwielichtige Ecke schleichen, sondern findet Prostitution dort, wo er auch sonst häufig mit seinen Freunden unterwegs ist: auf der Hamburger Reeperbahn.

Er geht durch die bunt beleuchteten Straßen und ist unsicher und aufgeregt, aber nicht allein. „Die hohe Frequenz, mit der überall um mich rum Männer aus dem Treiben der Straße in Stripklubs und Bordelle abbogen, hat es leichter gemacht“, erinnert er sich. „Hätte ich befürchten müssen, dass die Polizei an der nächsten Ecke wartet und ich eine peinliche Anzeige bekomme, wäre die Hemmschwelle deutlich höher gewesen.“ Für ihn sei die Legalität wichtig gewesen, sagt Hendrik T., verallgemeinern lasse sich das aber nicht: „Wäre ich regelmäßiger zu Prostituierten gegangen, kann ich mir vorstellen, dass ich auf eine Weise abhängig geworden wäre. Dann wäre es vielleicht nebensächlich, ob Prostitution legal ist oder illegal, ich hätte es so oder so gemacht.“

Sehnsucht nach einem „positiven Gefühl“

Hendrik T. ist nur einer von vielen. Ist er als Freier verantwortlich für die Missstände im Bereich der Prostitution? Oder ist es vielmehr eine fragwürdige Politik, die nicht imstande ist, freiwillig als Sexarbeiterin tätige Frauen anzuerkennen und unfreiwillig oder alternativlos arbeitende zu schützen?

Heute glaubt Hendrik T., dass ihn Unzufriedenheit und Einsamkeit dazu gebracht haben, ins Bordell zu gehen. „Ich hatte Sehnsucht nach einem diffusen positiven Gefühl“, erinnert er sich. „Nachdem sich das Gefühl auch nach wiederholten Besuchen nie eingestellt hat, bin ich irgendwann nicht wieder hingegangen.“

Quelle: http://www.taz.de/!128316/

Zuhälter kassiert fünf Jahre: Schulfreund auf den Strich gezwungen – als Frau!

Was für eine skurrile Meldung aus der Schweiz – kaum zu glauben…

ZÜRICH – Weil Peter (30) dem Zuhälter Gyula K. (33) Geld schuldete, zwang ihn dieser, als Frau verkleidet am Zürcher Sihlquai anschaffen zu gehen. Wegen dieser Tat muss Gyula K. 5 Jahre in den Knast.

Wie treibt man bei einem Freund Schulden ein? Dafür hatte der ungarische Zuhälter Gyula K. (33)* ein besonderes Rezept. Er schickte Petar(30)**, den er seit dem Kindergarten kannte, auf den Strich des Zürcher Sihlquai.

Dort musste der Computertechniker geschminkt mit Perücke als Frau verkleidet anschaffen. Während es sich Gyula in einem Hotelzimmer bequem machte, musste sein Freund im kurzen Miniröcklein in der eisigen Februarkälte seine Runden drehen.

Dafür stand Gyula K. am Dienstag vor Gericht.

Am Abend sprach der Richter das Urteil: K. ist schuldig des Menschenhandels, der Förderung der Prostitution und der Erpressung.

Die Strafe: 5 Jahre Knast, plus 25′000 Franken Schmerzensgeld an den Sexsklaven und  20′000 Franken für die Prostituierte.

Opfer zusammengeschlagen

Gemäss Staatsanwältin Silvia Steiner hatte Gyula K. seinem «Freund» noch in Ungarn mehrere kleine Darlehen gegeben. Als Zins verlangte er gleich das Doppelte. Als Petar nicht mehr zahlen konnte, zwang ihn der Zuhälter Bankkredite aufzunehmen. Das Geld sackte Gyula ein. Zur Einschüchterung schlug er den Techniker zusammen oder drohte ihn in einem Kanal zu versenken.

Danach verschacherte er den eingeschüchterten Mann seiner Tante, einer Prostituierten als Arbeitssklaven. Ein Lohn für seine Haushaltstätigkeit erhielt der arme Petar nicht.

«Wie ein Leibeigener»

«Der Beschuldigte hielt den Geschädigten wie einen Leibeigenen», schreibt die Staatsanwältin in ihrer Anklageschrift.

Zu guter Letzt musste der Sklave nach Zürich folgen, um auf dem Sihlquai als Frau Männer oral zu befriedigen. Dabei war Petar heterosexuell.

Gyula, ein Unschuldslamm?

Heute musste sich Gyula K. deswegen vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. Und er spielte das Unschuldslamm. «Ich hatte mit seinem Hierherkommen nach Zürich gar nichts zu tun», beteuerte er. Er habe Petar weder geschlagen, noch bedroht. Der Freund habe ihm auch alles zurückbezahlt.

«Weshalb hat er sie denn dermassen belastet», wollte der Gerichtspräsident Roland Heimann wissen.

«Damit er in das Opferprogramm kommt, eine Entschädigung kriegt und in der Schweiz bleiben kann», erklärt Gyula K.

In eine Grube geworfen

Auch im Fall einer weiblichen Prostitierten (24), die für ihn laut Anklage auf dem Sihlquai arbeiten musste, argumentierte der Zuhälter deckungsgleich. Um die Frau gefügig zu machen, soll er sie in Ungarn in eine Grube geworfen und mit Erde zugedeckt haben.

In Zürich wollte er die Frau, weil sie zuwenig angeschafft hatte,  aus dem Hotelfenster werfen. Dies war nur wegen  ihrer massiven Gegenwehr misslungen.

Die Staatsanwältin beantragt den Zuhälter wegen Menschenhandel, Förderung der Prostitution und versuchter Erpressung mit 4 1/2 Jahre Knast zu bestrafen.

* Name bekannt

** Name geändert

Quelle:

http://www.blick.ch

Prostitutionsdebatte: “Sexarbeit wegen fehlender Perspektiven”

Ein recht bodenständiges, realistisches Interview über Prostitution mit Sabine Grenz. Sabine Grenz ist sozial- und kulturwissenschaftliche Genderwissenschaftlerin an der Uni Göttingen. Prostitutionsforschung ist ein Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Aus Armut oder Abenteuerlust: Manche Frauen entscheiden sich bewusst für die Prostitution, sagt Forscherin Sabine Grenz im Interview. Die Debatte müsse sachlicher werden. von Alexandra Endres

ZEIT ONLINE: Frau Grenz, warum gehen Männer zu Prostituierten?

Sabine Grenz: Die Gründe dafür sind so vielfältig, wie die Männer selber. Auf jeden Fall dient es auch der Bestätigung ihrer sexuellen Identität. Nehmen Sie zum Beispiel die Annahme, Männer seien triebhafter als Frauen. Es gibt sie erst seit dem 18. Jahrhundert. Sie ist medizinisch nicht belegt, aber ein fester Bestandteil der Vorstellungen, die über Männer gehegt werden und an die die Sexindustrie beständig anknüpft.

ZEIT ONLINE: Der Trieb ist da, weil wir an ihn glauben?

Grenz: Sexualität ist keine ‘natürliche’ Angelegenheit. Sie entsteht auf der Grundlage psychischer und soziokultureller Bedingungen. Wir müssen eine Situation erst als sexuell interpretieren, damit sexuelles Begehren entsteht. Im Alltag wird die Sexualität heterosexueller Männer viel häufiger angesprochen als die von Frauen, wodurch diese Annahmen bestätigt werden. Aber eine physiologische Grundlage für einen stärkeren männlichen Trieb gibt es nicht.

ZEIT ONLINE: Prostitution bestätigt also eine bestimmte Rollenverteilung.

Grenz: Sie bestätigt die vorherrschende Vorstellung davon, dass Männer triebhafter und damit auch egoistischer und weniger liebesfähig seien als Frauen. Eine Sexarbeiterin kann hier die klassische weibliche Rolle einnehmen, liebevoll und fürsorglich sein. Ist sie zu distanziert, oder schaut sie auf die Uhr, können Freier das unangenehm finden.

ZEIT ONLINE: Obwohl sie für die Zuwendung bezahlen?

Grenz: Jemandem Geld zu geben, ist auch eine Form der Fürsorge. Der Widerspruch zwischen Geld und Intimität ist nur ein scheinbarer, sonst würden sicher viele Ehen nicht funktionieren.

ZEIT ONLINE: Wie viele Männer gehen überhaupt zu Prostituierten?

Grenz: Es gibt kaum Zahlen darüber. Vor ungefähr zehn Jahren ergab eine Emnid-Befragung, dass etwa 30 Prozent der deutschen Männer mindestens einmal in ihrem Leben bei einer Sexarbeiterin waren. Ein Viertel davon ging wiederholt. Übrigens benutze ich hier die weibliche Form ‘Sexarbeiterin’, aber gemeint sind selbstverständlich auch Männer und Transsexuelle.

ZEIT ONLINE: Trotz der Legalisierung von Prostitution ist die Sexindustrie eine Schattenwirtschaft. Für wie groß halten Sie die Branche?

Grenz: Eine Schätzung geht von rund 14,5 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr aus. Als Grundlage werden 400.000 Sexarbeiterinnen in Deutschland genommen, was meiner Ansicht nach eine zu hohe Zahl ist. Wenn man sich anschaut, wie viele Sexarbeiterinnen in den Ballungsräumen geschätzt werden, und das auf ganz Deutschland hochrechnet, scheint die Anzahl von rund 200.000 wahrscheinlicher. Dadurch verringert sich auch der Umsatz.

ZEIT ONLINE: In der Öffentlichkeit zirkulieren viel höhere Zahlen.

Grenz: Ja, man liest häufig von 400.000 oder gar 700.000 Sexarbeiterinnen deutschlandweit. Diese Zahlen sind aber nicht belegt.

ZEIT ONLINE: Und wie viele Frauen werden zur Prostitution gezwungen? Die amtliche Statistik hat im vergangenen Jahr 558 Fälle von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung erfasst. Aber Polizisten, die im Milieu ermitteln, sagen, jährlich würden Zehntausende Frauen und Mädchen nach Deutschland gebracht. Die meisten unter Zwang.

Grenz: Es wurde einmal geschätzt, dass zwei bis 20 Prozent aller Sexarbeiterinnen zu ihrer Arbeit gezwungen werden….

ZEIT ONLINE: Dann käme man auf 4.000 bis 40.000 Zwangsprostituierte in ganz Deutschland.

Grenz: Ja, aber verlässliche Zahlen gibt es nicht, auch nicht über das Ausmaß des Menschenhandels. Innerhalb der EU gibt es auch in Bezug auf Osteuropa zunehmend Freizügigkeit. Es weiß auch niemand, wie viele von denen, die nach Deutschland geschmuggelt werden, das Land wieder verlassen oder ausgewiesen werden und wieder zurückkehren.

ZEIT ONLINE: Für wie glaubhaft halten Sie die Behauptung, dass diese Frauen freiwillig nach Deutschland kommen, um sich hier zu prostituieren?

Grenz: Es gibt Frauen, die sich ganz bewusst entscheiden, als Sexarbeiterin nach Deutschland zu gehen. Es ist eine Frage der Perspektiven, die die Frauen dort haben, von wo sie kommen. Manchmal geht es um Abenteuerlust, manche kommen aber auch aufgrund falscher Versprechungen und finden sich hier in einer Falle wieder.

ZEIT ONLINE: Die Frauen kommen aus ökonomischer Not?

Grenz: Ja, auch. Solange Armut besteht, wird es Menschen geben, die wegen fehlender Perspektiven in die Sexarbeit gehen. Durch Verschuldung bei Kontaktpersonen und – je nach Herkunftsland – Schleppern, kann aus der ursprünglich freien Entscheidung schnell eine Zwangslage werden. Die Grenzen sind fließend. Es gibt Migrantinnen, die selbstbestimmt arbeiten – ebenso wie es deutsche Sexarbeiterinnen gibt, die zur Sexarbeit gezwungen werden, oder deshalb Sexarbeit machen, weil sie keine Alternative sehen.

ZEIT ONLINE: Sie gehen lieber auf den Strich, als von Hartz IV zu leben oder einen schlecht bezahlten Job anzunehmen?

Grenz: Unter Umständen: Ja. Schauen sie sich an, welche Berufe die meisten jungen Frauen nach dem Schulabschluss wählen bzw. welche Ihnen empfohlen werden. Es sind überwiegend schlecht bezahlte Service- und Pflegeberufe. Das ist für manche keine wirklich bessere Tätigkeit, zudem unflexibler als die Sexarbeit. Wenn die strukturelle Ungleichheit zwischen beiden Geschlechtern beseitigt würde und Frauen – gleiches gilt für Migranten oder Migrantinnen – auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen hätten, gäbe es sicher weniger Sexarbeiterinnen; im Idealfall nur die, die es wirklich wollen. Das ist nämlich möglich, auch, wenn sich viele nicht vorstellen können, Sexualität als etwas Kommerzielles zu sehen. Sexarbeiterinnen können ein anderes Verhältnis dazu entwickeln.

ZEIT ONLINE: Wie viel kann eine Frau in dem Geschäft denn verdienen?

Grenz: Das hängt davon ab, unter welchen Bedingungen sie arbeitet. Zwischen 1.000 Euro pro Abend und so geringem Einkommen, dass man kaum über die Runden kommt, ist alles möglich. Zwei Prostituierte aus Rumänien, von denen ich kürzlich gelesen habe, kamen am Monatsende auf rund 2.000 Euro, schwarz natürlich. Das ist verhältnismäßig viel Geld, aber sie sorgen damit nicht unbedingt vor.

ZEIT ONLINE: Es mag mehr sein als in vielen anderen Berufen. Aber das Risiko, ausgebeutet zu werden, ist in einer kaum kontrollierbaren Branche wie der Sexindustrie doch viel höher – zumal für Frauen, die illegal hier sind und arbeiten.

Grenz: Ausbeutung von illegalen Einwanderern findet man auch in anderen Wirtschaftszweigen; in der Baubranche oder in der Landwirtschaft zum Beispiel. Darüber gibt es viel weniger Aufregung als über Zwangsprostitution, dabei ist der Skandal eigentlich derselbe. Der wesentliche Grund dafür scheint zu sein, dass Sexualität stärker emotional aufgeladen und mit unserer Identität verbunden ist, als andere Tätigkeiten.

ZEIT ONLINE: Sollte die nächste Bundesregierung das Prostitutionsgesetz nun ändern?

Grenz: Die derzeitige Gesetzeslage ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Bevor wir jedoch über Änderungen reden, müssen wir die Debatte versachlichen. Die momentane Aufregung tut der Sache nicht gut. Die Regierung Nordrhein-Westfalens folgt einem guten Ansatz…

ZEIT ONLINE: Welchem?

Grenz: Die Gesetzesänderung, die 2002 wirksam wurde, ist bis heute nicht vollständig in die Landes- und Kommunalpolitik eingeflossen. Um dies für NRW zu tun, wurde dort ein Runder Tisch zur Prostitution einberufen, bei dem alle Beteiligten miteinander ins Gespräch gebracht werden: Behörden, Beratungsstellen und Hilfseinrichtungen, die Sexarbeiterinnen selbst. Vor allem mit ihnen müsste viel mehr gesprochen werden als über sie. Um sie geht es schließlich.

Quelle:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-11/prostitution-freier-zwang-interview

http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-11/prostitution-freier-zwang-interview/seite-2

Prostitution in Berlin – Sex ohne Grenzen

Ein, wie ich finde, lesenswerter, weil nicht eindimensionaler, Artikel über Prostitution und Freier – sogar mal mit Freierstimmen! Es wird vieles beschrieben, aber wird auch zwischen den Zeilen geurteilt? Entscheidet selbst…

Weil Prostitution in Deutschland legal ist, strömen Schweden, Briten und Schweizer ins Land. Vor allem nach Berlin. Während derzeit in der Politik über härtere Gesetze und Strafen diskutiert wird, ist käuflicher Sex billig wie selten zuvor. Ein Besuch in einem Flatrate-Bordell.
Was Åke an Berlin besonders gefällt, ist nicht die Museumsinsel oder der Fernsehturm, es sind nicht mal die Bierpreise, es sind die Frauen, die er hier getroffen hat. Die Berliner Frauen nämlich wissen, was sie wollen. Sein Geld. Dafür, sagt Åke, wüssten sie auch, was sie zu geben bereit sind. Ein wenig Smalltalk, viel Sex. Åke lächelt zufrieden. Über so viel Eindeutigkeit freut er sich.

Åke ist 49 Jahre und ziemlich groß. Er kommt aus Stockholm, Schweden, und seine weißblonden Haare bilden einen auffälligen Kontrast zu seiner Bräune. Er sieht aus wie jemand, der ohne Weiteres für eine Rasierwasser-Werbung gebucht werden könnte.

Natürlich hat er einen Nachnamen. Doch den braucht es nicht, dort, wo er jetzt ist.

An einem Mittwoch im November sitzt Åke auf einer Couch in einer Berliner Vier-Zimmer-Wohnung. Vor ihm ein flacher Tisch mit Schälchen voller Erdnüsse, aus den Lautsprecherboxen über ihm dudelt Elektropop. Hier wird jeder beim Vornamen genannt.

Åke trägt nur ein Handtuch um die Hüften, so wie alle in der Wohnung. Neben dem Zimmer, in dem er sitzt, und einer Sauna, gibt es ein Bad, eine Küche und einen Raum groß wie ein Saal. Darin stehen zwei riesige Betten. Es riecht nach warmer Saunaluft.

Kein Name an der Klingel

Auf dem Klingelschild am Eingang zu der Wohnung steht kein Name, sondern kleingedruckt Öffnungszeiten. Vor den Fenstern hängen Vorhänge. Sonst deutet wenig darauf hin, dass in diesen Zimmern jeden Tag 30, 40, manchmal 70 Männer Sex haben. Je nachdem, wie die Stimmung ist, sind drei, vier, fünf Männer gleichzeitig mit einer oder zwei Frauen aktiv. Die Wohnung liegt in einem der Berliner Kieze, in dem die Mieten erst seit kurzem steigen. Sie ist eines von etwa 800 Bordellen, die es in der Stadt geben soll.

In den vergangenen Wochen ist viel über Frauen gesagt und geschrieben worden, die mit Sex ihr Geld verdienen. Alice Schwarzer stellte ihr neues Buch vor, in Talkshows prangerten die einen Prostitution an, während die anderen ihr Gewerbe verteidigten. Mit den Männern, den Kunden, sprach kaum jemand. Weshalb zwar viele vermuten, aber kaum jemand weiß: Wer sind die Freier?

Männer wie Åke, ohne die es diese Wohnung nicht gäbe; ohne die sich CDU und SPD derzeit nicht in Ankündigungen überbieten würden, Prostitution bald schärfer regeln zu wollen.

Kaum Informationen über die Freier

Verlässliche Daten über Freier gibt es wenige, Schätzungen zufolge bezahlen 600 000 Männer bundesweit jeden Tag für Sex. Bordellbetreiber, Sexualberater und Polizisten halten hinsichtlich der Herkunft der Freier die „Jedermann-These“ für plausibel. Demnach stammen Freier aus allen sozialen Schichten, Kulturen und Altersgruppen.

In Berlin gibt es neben kleinen und großen Bordellen kilometerlange Straßenstriche, bekannt sind Kurfürstenstraße, Tiergarten und Oranienburger Straße. Dazu kommen Straßen in Buch, Neukölln, Hohenschönhausen und Spandau.

Åke hat sich an diesem Mittwochabend gerade erst in einem Taxi von einem Geschäftstreffen zu der Wohnung fahren lassen. Er will entspannen. Wie die meisten der 30 Männer, die gerade in der Sauna schwitzen – oder eben Sex haben – ist Åke nicht zum ersten Mal hier. Er mag die Gemütlichkeit, den Smalltalk auf der Couch, vor allem mag er das Unkomplizierte. „Ich habe nun mal viel Lust auf Sex und bin bereit, zu zahlen, wenn es sein muss“, sagt Åke.

Irgendeine dieser Wohnungen ist immer offen, wenn eine Reise ihn nach Berlin führt. Das läuft dann ab wie bei dieser: Åke klingelt, zahlt 70 bis 100 Euro, legt seine Klamotten ins Regal, duscht, nimmt ein Handtuch, nippt an einer Cola, isst einen Happen, und überlegt sich, mit wem er diesmal anfängt.

Kondome in Körben

Die Wohnung ist kein Puff wie man ihn aus Filmen kennt, mit Zimmern wie Verrichtungsboxen, die von dunklen Gängen abgehen. Hier gibt es einen für alle einsehbaren Tummelplatz, in dessen Mitte Kingsize-Betten stehen, neben denen Kondome in Körben liegen.

Auf diesen Betten treffen viele Männer auf wenige Frauen. Wenn eine Frau nicht mehr möchte, geht sie duschen, für sie kommt eine Neue auf’s Bett. Das ist „Flatrate-Sex“, den Alice Schwarzer als besonders frauenverachtend bezeichnet hat, den CDU und SPD verbieten wollen.

Einmal zahlen, den ganzen Sex haben

Das Prinzip ist simpel: Wer einmal Eintritt zahlt, darf Sex mit den anwesenden Frauen haben bis der Laden am späten Abend schließt. Gruppensex gefällt nicht jedem. Das Konzept aber wird populärer, Läden wie dieser boomen. In traditionellen Puffs schließlich kostet eine halbe Stunde 50 Euro und jede Minute länger extra.

Åke machen nackte Männer neben ihm nichts aus. Sein Selbstbewusstsein schützt ihn davor, sich zu genieren. Man glaubt ihm sofort, dass er nie Mühe hatte, Frauen in der Uni, im Job, in der Disko kennenzulernen. Respektvoll erzählt er von seinen Exfreundinnen, davon, wie erstaunlich verständnisvoll sie auf seine Lust, mit anderen zu schlafen, reagiert hätten. Derzeit habe er keine Freundin. Und wenn doch, sagt er, wäre er trotzdem hier.

Aus der Dusche kommt Jana. Sie föhnt ihre roten Haare, reckt den Kopf und stellt fragend einen Vergleich an, der Åke gefällt: Ob er nicht dieser Hollywood-Typ sei, der neulich „in so einem Politik-Film“ zu sehen war? Åke lächelt, nein, Robert Redford sei dann doch jemand anderes: „But thanks for asking!“

Åke und Jana steuern das Kingsize-Bett an, ein Tross schweigsamer Mittvierziger trottet hinterher. Jana ist beliebt. Sie macht es auch anal.

In Schweden machen sich Freier schon strafbar

Von der Forderung, käuflichen Sex hierzulande zu bestrafen, hat Åke gehört. In Schweden, wo er mit Booten handelt und den Sozialdemokraten beigetreten ist, machen sich Freier schon strafbar.

Auch das trägt zu dem bei, was Prostitutionsgegner anprangern: Weil käuflicher Sex in Deutschland legal ist, strömen Schweden, Briten, Schweizer ins Land – und vor allem nach Berlin. Bordellbetreiber und Huren berichten von Kunden aus ganz Europa. Und seit Jahrzehnten war Sex nicht so billig.

Gerade 70 Euro kostet Åke der ganze Abend diesmal – in Stockholm ist das sein Stundenlohn. Für das Geld gibt es außerdem viel mehr als schnellen, heimlichen Verkehr auf Parkplätzen, der auch in Schweden zu haben ist. In Deutschland wird für Fetisch- und Gruppensex geworben.

Aber warum versucht Åke nicht, Frauen bei Kongressen oder in Bars kennenzulernen? Er, der mit Robert Redford verglichen wird. Die Zeit sei ihm zu schade, sagt er. Außerdem sei er gar nicht sicher, ob ihn nicht auch etwaige Affären eher wegen seines Geldes nehmen wollten als wegen seiner babyblauen Augen. Und Jana, meint Åke, sehe ziemlich glücklich aus.

Jana, 28 Jahre, ausgebildete Krankenschwester, sagt: „Ich bin Hobbyhure.“ Als sie anfing, mit zwei, drei Männern gleichzeitig zu schlafen, habe sie dafür kein Geld bekommen. Sie habe in Sexforen und Clubs nach Gelegenheiten gesucht. Am Wochenende kann man Jana heute noch in Berliner Clubs treffen, tanzend, knutschend, mit Männern, Frauen, Pärchen.

Erst Krankenschwester, jetzt Hobbyhure

Erst andere Frauen, „richtig Professionelle“, hätten darauf bestanden, dass sie Geld nehme. Nun macht auch Jana 70 Euro die Stunde. Als Krankenschwester waren es 15,50 Euro.

Später an diesem Mittwoch betritt ihr Freund die Wohnung. Alexander, Anfang 30, Pädagoge aus Berlin, ist ein freundlicher, jungenhafter Mann. Er sagt: „Ich wollte meine Liebste abholen.“

Alexander besitzt keine Boote und ist oft damit beschäftigt, seinen Vater zu pflegen. „40 Jahre Bau, das hat bei meinem Alten schon Spuren hinterlassen“, sagt Alexander und nimmt sich eine Fanta. Jana habe er über ein Dating-Portal kennengelernt. Durch sie habe er zum Gruppensex gefunden. Klar, inzwischen zahle er Eintritt in verschiedenen Etablissements, sei also auch ein Freier. Ihn habe die Beziehung mit Jana „einfach geiler“ gemacht, er brauche mehr als früher. „Ich muss einiges nachholen“, sagt Alexander. „Bis 30 war ich ein Nerd.“

Keine Frauen mit blauen Flecken

Jana ist auf einem der Kingsize-Betten beschäftigt. „Vögeln“ würde sie sagen, „arbeiten“ würde das Finanzamt sagen, „ausgebeutet und erniedrigt werden“, würden wahrscheinlich Alice Schwarzers Anhängerinnen sagen. Ist Jana eine typische Sexarbeiterin, Alexander ein typischer Freier?

„Das nun auch nicht“, sagt er. „Viele Mädchen wollen schnell möglichst viel verdienen, oder die füttern einen Macker durch.“ Alexander meint Frauen aus Osteuropa. Dass die meisten von ihnen zur Prostitution gezwungen würden, glaubt er nicht. Aus reiner Lust machten sie es aber auch nicht, sondern des Geldes wegen, wie wohl kaum jemand gern hauptberuflich Putzen gehe.

Jana hat zusammen mit einer Freundin angefangen – der Betreiber der Wohnung habe ihnen gleich gesagt, wer einen Zuhälter hat, brauche es gar nicht erst versuchen. Für Frauen mit blauen Flecken gilt das sowieso. Es gebe ohnehin ausreichend Interessentinnen, sagt der Betreiber. Viele Läden werden außerdem von der Polizei überprüft, die Frauen einzeln zu den Arbeitsbedingungen befragt.

Dorfkönige in Berlin

Dass nicht jeder Gast ein scheuer Spätzünder ist, wird kurze Zeit später deutlich. Es klingelt, die zuständige Hausdame öffnet die Tür, kalte Luft strömt in den Flur, schwere Schuhe poltern über das Parkett, in ihnen steckt ein grinsender Hüne: „Ah, ein neues Gesicht!?“ Die Hausdame sagt artig: „Ich bin die Maria!“

Jana ist fertig, kommt nackt aus dem Zimmer. Der Hüne winkt, man kennt sich, er kommt wöchentlich. Einige sagen, er erzähle gern Herrenwitze, nach denen er zustimmendes Gelächter erwarte. Irgendwo in der Provinz werde er als Dorfkönig verhätschelt. Mit diesem Ego fahre er nach Berlin. Hier wird er nur „der Magdeburger“ genannt.

Der Magdeburger ist einer jener Männer, die einen Schlüsselanhänger ihres Fußballvereins haben und wissen, in welcher Tankstelle auf 500 Kilometern Autobahn der Liter zwei Cent günstiger ist.

Er ist so etwas wie der beschwerdeführende Verbraucherschützer unter den Freiern. So wie er online in Autoforen nach Winterreifen sucht und Kommentare über den Service in Werkstätten hinterlässt, so informiert er sich auf Erotikseiten, ob „irgendwo eine Neue angeboten“ wird.

Freier kommentieren in Internetforen

In den Chats auf den Internetseiten für Freier wird hemmungslos kommentiert. „Kriegt beim Blasen den Mund nicht auf“, steht dann da, oder „die mit den vielen Tätowierungen sieht halt schon etwas verlebt aus“. Hoffentlich, schreibt ein anderer, seien keine „Möchtegern-Porno-Stuten“ da, sondern „naturgeile Mädels“.

Naturgeil ist beliebt. Åke, Alexander und der Magdeburger sagen unabhängig von einander, „nichts sei abtörnender“, als eine Frau, die eigentlich keinen Sex wolle. Nicht nur die Freier, auch Jana und die Hausdame Maria berichten, dass viele Gäste explizit nach Frauen fragten, die nur gelegentlich Sex für Geld haben. Professionelle Huren, womöglich „noch süchtig“, seien zumindest in dieser Wohnung nicht begehrt.

Für den Magdeburger ist das Freierdasein ein sorgsam gepflegtes Hobby. Seit der Wende ist er in halb Norddeutschland unterwegs gewesen. Selbstverständlich weiß er, wie viele Damen es waren: „ganz bald 1500“.

Der Magdeburger ist geschieden, die gemeinsame Tochter bald erwachsen. Dürfte sie sich prostituieren? Nein, aber es gebe auch noch eine Menge anderer Jobs, die sie nicht machen sollte. Er macht ein Bier auf, verschränkt die Hände hinter dem Kopf.

Keine Schamgefühle für bezahlten Sex

Ist ihm peinlich, dass er 99 Prozent der Frauen in seinem Leben bezahlen musste? Nein, und wenn er nicht bei einem Sportverband angestellt wäre, dürfte man seinen vollen Namen notieren. Unbezahlten Sex hatte er lange nicht. „Und wenn schon“, sagt er. „Auch für die meisten normalen Frauen ist Geld nu’ ma’ ein wichtiger Grund überhaupt… Kennen sie eine, die einen armen Schlucker nimmt?“

Enttäuscht klingt der Magdeburger nicht. Sollte er über die Macht des Geldes in dieser Welt mal traurig gewesen sein, ist das lange her. „Auf die eine oder andere Art wollen Frauen halt Kohle, mindestens aber Anerkennung für Sex.“

Åke kommt ins Zimmer, seine weißblonden Strähnen sind verschwitzt. Der Magdeburger fragt ihn prompt, wer alles da sei. Ah, die Sarah auch, passt, die hatte er noch nicht. Routiniert hebt er sich aus der Couch.

Åke beginnt ungefragt: „In Schweden herrschen die Taliban, die Feministinnen-Taliban.“ Die Frauenpolitik seines Landes gehe ihm zu weit. Gegen Zwangsprostitution – Åke spricht von „organisierter Vergewaltigung“ – müsse der Staat hart vorgehen. Wer aber sein Auto, seine Schulden, seinen Lifestyle lieber durch Sex finanzieren wolle als durch Kellnern, solle in Ruhe gelassen werden.

In zwei Wochen ist er wieder in Berlin.

Quelle:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/prostitution-in-berlin-sex-ohne-grenzen/9126180.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/prostitution-in-berlin-kondome-in-koerben/9126180-2.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/prostitution-in-berlin-keine-frauen-mit-blauen-flecken/9126180-3.html

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16.12. Große Samya-Weihnachtsparty

Das Samya vermeldet:

VORANKÜNDIGUNG!



16.12.2013

große Weihnachtsparty
im Samya

Besser schon mal vormerken……….. !!


Am 16.12.2013 steigt die große Samya-Weihnachtsparty

mit Live Musik und Weihnachtsbuffet.
Und wie jedes Jahr werden wieder alle vom Weihnachtsmann beschenkt.

Unser Tipp: Das sollte man sich besser nicht entgehen lassen.

Es grüßt das Samya und Team

Kontakt:

Samya
Kirschbaumweg 26 a
50996 Köln-Rodenkirchen
Tel.: 02236 96 96 36

http://www.samya.de/

Zum Samya-Forum im Freiercafe

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18.12. Weihnachtsparty im Club Mondial

Das Mondial meldet:

Liebe Gäste und Freunde!!

Weihnachtsparty im Mondial Erleben 18.12.2013.

Liebe Gäste ,

erleben Sie Weihnachten mal ganz anders. Feiern Sie mit unserem Mondial Team eine tolle
und exklusive Weihnachts-Party mit zuckersüßen Weihnachts-Bunnys.

Wir haben für Sie tolle Live Act´s

und unseren House

Dj Efe aus Istanbul.

Ein Weihnachtliches Buffet erwartet Sie.

Club Mondial Team

Kontakt:

Club Mondial
Hugo-Junkers-Straße 10
50739 Köln – Longerich
Telefon: 0221/97 99 88 88
http://www.club-mondial.de/

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Im Bordell verliebt: 25-jährige Prostituierte erpresst Mann

In einem Augsburger Bordell hat sich ein Mann in eine Prostituierte verliebt. Nach einer kurzen Beziehung wollte die 25-Jährige Geld von ihm. Als er nicht zahlte, drohte sie ihm. Von Peter Richter

Der gelernte Polsterer hatte sich 2012 beim Besuch eines Bordells im Augsburger Stadtteil Kriegshaber in eine der Prostituierten verliebt. Anfangs schien die aus der Slowakei stammende 25-Jährige seine Gefühle zu erwidern. Auch als die Frau Monate später das Liebesverhältnis für beendet erklärte, blieb man freundschaftlich verbunden.

Immer wieder lieh sich die kleine Frau mit den langen, blondierten Haaren Geld von dem Junggesellen, der nach wie vor in sie verliebt war. Am Ende waren es mehr als 6000 Euro, die ihr der Mann, vom ermittelnden Kripobeamten später als „äußerst gutmütig und leichtgläubig“ beschrieben, freiwillig gab.

Slowake sollte ihn erschlagen, falls er nicht zahlte

Als der 34-Jährige nicht mehr zahlen wollte, begann die Frau, Mutter eines kleinen Sohnes, ihn zu erpressen. Diesen Januar tauchte sie, begleitet von einem Landsmann, in seiner Wohnung auf. Der kräftig gebaute Slowake drohte: „Du gibst ihr jetzt sofort Geld, sonst schlage ich dich tot.“

Doch weil der 34-Jährige glaubhaft versicherte, nichts bei sich zu haben, nahm ihm das Paar nur das Mobiltelefon weg. Tags darauf verkauft es der Slowake in einem Handy-Shop.

Der Mann zahlte aus Angst

In den folgenden Wochen meldete sich die Prostituierte mehrmals bei ihrem früheren Liebhaber. Jedes Mal forderte sie Geld. Und der Mann zahlte, aus Angst. Bis er im April zur Polizei ging. Zwei Monate später wurden beide Täter verhaftet. Die Prostituierte, die zwischenzeitlich bei ihrer Mutter in der Slowakei gewesen war, kam selbst ins Augsburger Polizeipräsidium. Sie hatte erfahren, dass sie mit Haftbefehl gesucht wird.

Dies ist einer der Gründe, warum die Urteile des Schöffengerichts jetzt für beide Angeklagten milde ausgefallen sind. Beide waren sie geständig, sind nicht vorbestraft, haben zudem mehrere Monate Untersuchungshaft hinter sich.

Das Gericht hat die 25-Jährige zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, ihren mitangeklagten Landsmann von zwei Jahren. Viel hat nicht gefehlt, wie aus dem Urteil hervorgeht, und der angeklagte Slowake (Verteidiger Jörg Seubert) hätte ins Gefängnis zurück müssen. Denn er hatte sich einen perfiden Plan einfallen lassen, um den Erpressten noch mehr unter Druck zu setzen.

Eines Abends klingelte er, begleitete von zwei mit Baseballschlägern bewaffneten Männern, an der Wohnungstür der Schwester in Stadtbergen. Er forderte sie auf, ihrem Bruder auszurichten, man werde ihn schon noch finden.

Noch einmal trafen sich die Prostituierte und ihr früherer Lover am Hauptbahnhof, er übergab ihr 300 Euro. Fünf Tage später erstattete der Augsburger dann aber Strafanzeige.

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de

Schutz für Schimmelfahnder

Mal ein anderes Thema rund um Paysex und Bordelle. Geradezu erfrischend…

Bremerhaven. Arno Müller muss in den Puff. In mehrere. Auf seiner Liste sind die Etablissements aufgeführt, in denen der Lebensmittelkontrolleur nach dem Rechten schaut. Viele Bordellbesitzer kennt er schon seit Jahren. Andere haben das Geschäft gerade erst übernommen. Für ihn ist es Routine. Für viele Bordellbesitzer eine Schrecksekunde, wenn der Mann mit der Aktentasche unangekündigt klingelt. Von Lili Maffiotte

Zu jeder Tages- und Nachtzeit sind die Kontrolleure beim Lebensmittelüberwachungsdienst des Landes Bremen unterwegs. Im Rotlichtviertel macht das dann Sinn, wenn auch Betrieb ist. Freitagabend ist ein guter Zeitpunkt. Die Autos ziehen sich wie eine Perlenkette an den Koberfenstern vorbei, dahinter stehen die Frauen. Das Fenster geht auf, das Fenster geht wieder zu, wenn Arno Müller grüßt. Denn er ist nicht allein unterwegs. „Das sind meine Bodyguards“, scherzt er und zeigt auf die drei Polizeibeamten, die ihn begleiten.

Schluss mit lustig ist dann, wenn Arno Müller die Taschenlampe rausholt und Dinge findet, die ein Indiz für mangelnde Hygiene sind. An dem Abend hat er bereits eine Küche dicht gemacht. Sein Kollege Rolf Srba auch, der zeitgleich unterwegs ist. Kontrolliert wird stichpunktartig nach einem Zeitplan. Müller und Srba sind für rund 350 bis 400 Betriebe in Bremerhaven zuständig. Sie sind seit 1990 dabei. Und es gibt nichts, was sie noch nicht gesehen haben.

Auch mit Srba ist nicht gut Kirschen essen – vor allem dann nicht, wenn das Umfeld der Kirschen nicht sauber ist. Nachdem er sich vorstellt und sein Vorhaben anmeldet, scannt er die Küche ab. Arbeitsflächen, Fußboden, Abzugshauben. „Kann ich das Gesundheitszeugnis sehen“, fragt Srba den Koch. Das hat er nicht dabei. Nach dem Warum fragt Srba nicht. „Das ist so, als würden Sie ohne Führerschein Auto fahren“, belehrt er ihn.

Die Taschenlampe ist wichtig

Die Taschenlampe ist auch für ihn ein wichtiges Arbeitsgerät. Mit der beleuchtet er den Kühlraum der Gaststätte. Offene Speisen, Schimmel, abgelaufene Lebensmittel. „Die Küche mache ich dicht“, kündigt Srba an. Kaum eine Viertelstunde ist vergangen. Auch für den Lebensmittelüberwacher eine rekordverdächtige Zeit.

Dabei bleibt es aber nicht. Er findet Käse von Juni 2012, Puddingpulver von Februar 2011. Rotschimmel in der Geschirrspülmaschine, Plastikbehälter, in denen die Keime eine Party feiern. Der Friteusenkorb ist defekt, in der Gefriertruhe liegen Lebensmittel ohne Einfrierdatum. Die Mängelliste wird lang und länger. Srba erklärt dem Koch ruhig, was alles nicht geht. Die Gaststättenbesitzerin trägt währenddessen das Bier raus. Die Taschenlampe ist erbarmungslos.

„Aus den Lebensmitteln auf dem Boden können Sie noch ein Vier-Gänge-Menu zaubern.“ Srba versucht locker zu bleiben. Aber es ist ihm verdammt ernst. „Diese Küche ist eine Katastrophe“, sagt er der Ladenbesitzerin, die den Ernst der Lage noch nicht ganz begriffen hat. Sie muss alle offenen Lebensmittel wegschmeißen. Alles reinigen. Sie bekommt ein Bußgeld. Srba muss hart durchgreifen. Aber mit Fingerspitzengefühl. Ein Balanceakt. Am nächsten Tag will er zur Nachkontrolle vorbeischauen. „Dann muss das alles in Ordnung sein.“

Auch sein Kollege Müller, weiß, worauf er achten muss. Eiswürfelmaschinen etwa, in denen früher auch schon oft Darmbakterien gefunden worden sind. Oder ob der Sekt auch als Mischgetränk in der Getränkekarte aufgeführt ist. „Auf dieser Piccoloflasche steht, dass das ein Mischgetränk mit nur einem Prozent ist – das geht für gut 35 Euro über den Tisch und die Frauen werden nicht betrunken“, erklärt er.

Auf der anderen Seite des Tresens lassen sich die Freier vom Taschenlampenstrahl nicht stören, sie fummeln weiter an den Frauen herum. Auch Arno Müller lässt sich nicht stören. Weder von der Bullenhitze noch von den leicht bekleideten Frauen, die ihn entweder gelangweilt oder aber auch böse anschauen. Freunde macht er sich bei seinen Kontrollen nicht. Aber das ist auch nicht seine Aufgabe. „Für mich ist das oberste Gebot der Verbraucherschutz.“

Kurz nach Mitternacht. Die letzte Kneipe auf der Kontrollliste ist in Sicht. Die ist pickepackevoll – wie so mancher Seemann. Es ist laut, verraucht, aber hell. Arno Müller kann die Taschenlampe stecken lassen: Er sieht den Verstoß sofort. Der Besitzerin macht er eine klare Ansage: „Kein Essen, sonst Ärger.“ Überall in der Lessingstraße ist er fündig geworden. Küchenschaben. Schimmel. Dreck. Die Fristen sind gesetzt. Der Mann mit der Aktentasche kommt wieder. Das ist sicher. Und sicher wird er wieder etwas finden.

Quelle: http://www.kreiszeitung-wesermarsch.de

Clemens Meyer – Autor eines Rotlicht-Romans

Der gute Herr recherchierte also fünfzehn Jahre lang im Rotlichtmilieu – interessant…

Fünfzehn Jahre lang recherchierte der Leipziger Schriftsteller für seinen Roman “Im Stein”, er sprach mit Prostituierten und Hintermännern, erkundete das sogenannte Rotlichtmilieu. In diesem Sommer erschien das Epos, in dem Meyer sein Material zu einem sprachlich expressiven, kunstvollen Gesellschaftspanorama verdichtet hat. Meyer, geboren 1977 in Halle an der Saale, wurde für sein Prosawerk vielfach ausgezeichnet. “Im Stein” stand auf der Shortlist des deutschen Buchpreises und erhielt gerade den Bremer Literaturpreis 2014.

Quelle: http://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article122182213/Clemens-Meyer.html

06. + 07. 12. Nikolausparty – Nackte Nikoläusinnen stürmen das Panthera

Liebe Freunde des Haus Panthera

anlässlich des Nikolausfestes verwandelt sich das Haus Panthera in einen frivolen Tempel der speziellen Art.

Am 06. & 07. 12

feiern wir unsere große
Nikolausparty.

Alle Girls präsentieren sich äußerst sexy und tragen neben Nikolausmützen, High Heels und kleinen Accessoires nichts. Wo bekommt man zu diesem heiligen Fest derartig erotische Einsichten geboten?

Wie gewohnt lassen wir uns nicht lumpen und bieten Gourmets ein Top-Buffet mit festlichen Speisen.

Im Rahmen einer großen Tombola verlosen wir attraktive Gewinne.

Wir freuen uns, dich an diesen beiden Festtagen zu unseren Gästen zu zählen und versprechen ein sinnliches Mordsvergnügen. Eintritt: 50€.

Dein Haus Panthera.

Kontakt:

Haus Panthera
Robert-Zapp-Str. 2a
40880 Ratingen
Tel. 02102 7006336

http://hauspanthera.de/

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Im Bett mit Alice Schwarzer

Ein sehr lesenswerter Artikel, dieses mal kontra Prostitutionsverbot (hört, hört!) der Basler Zeitung, der mit Aussagen wie “Noch viel störender aber ist die Idee, nur die Freier zu bestrafen. Das ist, als wenn man den Junkie strafen, den Drogenhändler aber laufen lassen würde” aufwartet. Lesen!

Alice Schwarzers Argumente für ein Prostitutionsverbot fussen fast durchweg auf falschen Annahmen. Und ihr moralischer Rigorismus schadet der Gleichstellung.

Etwas muss man Alice Schwarzer lassen: Wenn sie ins Diskurshorn bläst, wie momentan mit ihrem Buch «Prostitution, ein deutscher Skandal», dann schreckt sie das Wild auch auf. Das ist aber mittlerweile das Einzige, was man ihr noch zugutehalten kann. Denn Frau Schwarzers Weltbild hat Schlagseite wie ein leckgeschlagenes Schiff kurz vor dem Untergang. Bei ihr ist die Unterscheidung zwischen schwarz und weiss, böse und gut, Täter und Opfer so trennscharf wie die Schuldzuweisung einseitig. Das schadet der Diskussion um die Gleichstellung.

Schwarzers Argumente für ein Prostitutionsverbot fussen fast durchweg auf falschen Annahmen. Prohibition hat ein gesellschaftliches Problem noch nie beseitigt, sondern immer nur kriminellen Organisationen den Weg freigeräumt. Aus ideologischen Gründen setzt Schwarzer zudem das gesamte Phänomen Prostitution mit Zwangsprostitution gleich.

Doch das entspricht nicht der Wahrheit. In ersterem Fall verkauft ein Individuum eine Dienstleistung, im zweiten werden Individuen verkauft. Und nur weil Frau Schwarzer es nicht gern sieht, dass Frauen sich freiwillig prostituieren, heisst das noch nicht, dass es das nicht gibt. Zwangsprostitution soll man mit aller Härte verfolgen, und der Staat soll Prostitution im Dienst der Sicherheit und Gesundheit regulieren wie alles andere auch. Aber im Bett seiner Bürger hat er genauso wenig zu suchen wie Alice Schwarzer.

Krieg gegen die Männer

Noch viel störender aber ist die Idee, nur die Freier zu bestrafen. Das ist, als wenn man den Junkie strafen, den Drogenhändler aber laufen lassen würde – ein ineffizientes und ungerechtes Vorgehen, weil es die moralische Verantwortung einseitig den Freiern zuschiebt. Darin verrät sich genau jene moralische Haltung, welche die männliche Sexualität insgesamt unter Verdacht stellt. Oder wie es die französische Philosophin Elisabeth Badinter in einem Interview am Montag ausdrückte: «Ich verstehe es als Kriegserklärung gegen die männliche Sexualität.» Genau darüber, wie die männliche Sexualität so in Verruf geraten und vor allem wie man sie wieder rehabilitieren kann, müsste die Debatte geführt werden. Dazu wären allerdings die Männer gefragt, die sich jedoch mehrheitlich schamvoll oder verärgert zurückgezogen haben.

Abgesehen davon ist der von Schwarzer vertretene moralische Rigorismus auch eine unerträgliche Bevormundung der Frauen, weil sie voraussetzt, dass alle so denken müssen wie sie. Sonst geraten sie unter Verdacht, keine richtige Frau oder vom Patriarchat verblendet zu sein und geschützt werden zu müssen – auch gegen ihren Willen. Ironischerweise lautete der Slogan der Abtreibungsbewegung «Mein Körper gehört mir». Nun will sie den Frauen vorschreiben, was sie mit ihrem Körper anfangen dürfen und was nicht.

Nicht zuletzt gibt es immer ein ökonomisches Element, wenn Männer und Frauen Beziehungen eingehen, seien diese langfristig und auf Ehe angelegt oder nur auf möglichst schnelle Triebbefriedigung. Und so ist die Grenze zur Prostitution gerade im grauen Mittelbereich nicht immer klar zu ziehen.

Prostitution hat bestimmt nichts Glamouröses und ist wohl auch nicht besonders gesund für die Seele. Andererseits sind auch nicht alle Männer per se Charakterschweine, nur weil sie Sex kaufen. Ich kenne einige, die das tun, manche sind sympathisch, andere nicht. Sicher hat nicht jeder ein Puff mit seiner Sexualität, nur weil er ins Puff geht.

Quelle: http://bazonline.ch

Sozialarbeiterin über Prostitution: „Wir brauchen kein neues Gesetz“

Ein Interview auf taz.de über die Diskussion eines Prostitutionsverbots.

Juanita Henning von der Beratungsstelle Doña Carmen kritisiert das neue Gesetzesvorhaben zur Prostitution. Menschenhandel hält sie für einen Kampfbegriff.

taz: Frau Henning, es gibt derzeit eine neue Debatte über das Verbot der Prostitution. Gleichzeitig plant die künftige Große Koalition ein neues Prostitutionsgesetz. Ist das in Ihrem Interesse?

Juanita Rosina Henning: Die Debatte über das Verbot geht an den tatsächlichen Problemen völlig vorbei. Das betrifft vor allem das geplante Gesetzesvorhaben.

Was rügen Sie an den Plänen?

Dabei geht es um eine weitgehende Reglementierung von Prostitutionsstätten. Die Betreiber sollen alle Frauen, die bei ihnen tätig sind, bei den Behörden melden. Sie sollen die aufenthaltsrechtlichen Papiere der Frauen kontrollieren. Die Frauen würden möglicherweise alle zentral polizeilich registriert. Das lehnen wir entschieden ab.

Das Argument für mehr Kontrolle lautet, dass man so dem Menschenhandel wirksamer begegnen könne.

„Menschenhandel“ – das ist doch ein Kampfbegriff gegen die Prostitution. Dass der Begriff mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Im Jahre 2010 gab es 761 Fälle von mutmaßlichen Opfern von Menschenhandel, bei geschätzt 200.000 Prostituierten. Davon waren 159 Fälle, in denen die Opfer tatsächlich Gewalt, Drohung, körperliche Misshandlung erlebt hatten. Das sind also weniger als ein Promille.

Es heißt ja immer, die Dunkelziffer sei so hoch, weil es sich um organisierte Kriminalität handelt und die Frauen sich nicht trauten, auszusagen.

In den vergangenen elf Jahren gab es im Schnitt pro Jahr 130 gerichtlich festgestellte Täter im Menschenhandel, das Täter-Opfer-Verhältnis war dabei in etwa eins zu eins. Das spricht gegen organisierte Kriminalität. In einer Studie des Bundeskriminalamtes von 2006 konnte keine organisierte Kriminalität in diesem Bereich festgestellt werden.

Das heißt, das Bild der armen Frau aus Osteuropa, die nach Deutschland gelockt und hier von einer Bande unter Druck gesetzt wird, ist falsch?

Ja. Ich habe selbst eine Studie durchgeführt, bin durch die Bordelle gegangen, habe die Frauen interviewt. Über 90 Prozent der Frauen, die nach Deutschland kommen, wissen, dass sie in der Prostitution arbeiten werden.

Es besteht also kaum Handlungsbedarf?

Doch. Aber wir brauchen eben kein neues Sondergesetz, das die Bordelle stärker kontrolliert, um gegen die Fälle von Gewalt und Misshandlung vorgehen zu können. Dazu reichen die Strafrechtsparagrafen, die es gibt: Nötigung, Erpressung, Körperverletzung. Es geht auch viel ums Arbeitsrecht, Einbehaltung von Lohn etwa. Da müsste man nur die normale Rechtsprechung greifen lassen. Gewerberechtlich reicht es aus, wenn Prostitutionsstätten nach Paragraf 14 der Gewerbeordnung anzeigepflichtig wären.

Was fordern Sie noch?

Wir wollen zum Beispiel, dass selbstständige Prostitution endlich als freiberufliche Tätigkeit anerkannt wird. Damit hätten die Frauen mehr Möglichkeiten, auch in Wohngebieten legal zu arbeiten. Außerdem sind wir für die Abschaffung der Strafrechtsparagrafen, die Zuhälterei und die Förderung der Prostitution verbieten. Damit wird es Arbeitgebern nämlich unmöglich gemacht, Prostitution als sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis anzubieten.

Quelle: http://www.taz.de/Sozialarbeiterin-ueber-Prostitution/!127961/