Fachtagung Sexarbeit – Prostitution ohne Klischees

Sex sells – aber was treibt die Menschen um, die ihren Körper verkaufen? Bei einer Fachtagung über Prostitution wird versucht, in Filmen, Workshops und Vorträgen Antworten auf diese Frage zu geben. Nicht nur Experten, auch interessierte Laien sind eingeladen.

So kann man das also auch sehen: „Sexarbeit ist kreativer Ausdruck meiner autonomen Persönlichkeit.“ Diese Aussage stammt von einer Frau, die ihren Körper verkauft. Und sich trotzdem oder gerade deswegen als selbstbestimmt erlebt.

Es ist die Protagonistin des Kurzfilms „Under The Red Umbrella“. Die Stuttgarter Regisseurin Julia Ostertag hat sie porträtiert. Und gibt in ihrem 15-minütigen Dokumentarfilm Einblicke, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu kurz kommen. Denn Prostituierte begegnen uns medial zumeist als übersexualisierte Projektionsfläche oder ausgebeutetes Opfer.

Der Film läuft bei einer Fachtagung über Prostitution vom 9. bis 10. Mai an der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW). Fachleute, Studierende und die interessierte Öffentlichkeit sind eingeladen, über „Sexarbeit im Spannungsfeld zwischen Autonomie und Sozialer Arbeit“ zu diskutieren. Es geht darum, wie sich Sexarbeit emanzipiert und professionalisiert. Und es geht auch darum, wie Hilfeeinrichtungen die Frauen unterstützen können.

Denn: Auch wenn Prostitution in Deutschland seit zehn Jahren eine legale Dienstleistung ist: Gleiche Rechte haben Sexarbeiterinnen deswegen noch lange nicht. In St. Georg etwa wird ihnen seit Jahresbeginn durch eine Kontaktverbotsverordnung quasi ein Arbeitsverbot erteilt. Freier können mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro belegt werden, wenn sie Kontakt zu Sexarbeiterinnen rund um den Hanspaplatz aufnehmen. Statt die Frauen zu kriminalisieren sollte man sie unterstützen, um so ihre Chancen auf Selbstbestimmung zu erhöhen, fordert die Hilfeeinrichtung Ragazza, die sich um drogenabhängige Prostituierte kümmert.

Bei den Workshops wird dieses Thema aufgegriffen: Es geht um „Straßenprostitution im Wandel“, „Mädchen zwischen Macht und Moral“ und die besonderen Probleme, denen sich transsexuelle Sexarbeiterinnen ausgesetzt sehen. Für die kostenpflichtigen Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich bei martina.jeschke@haw-hamburg.de

Und wer sich weitere Filme zum Thema ansehen möchte, kann sich schon einmal den Termin für das „1. Hamburger Sex Arbeit Film Fest“ merken: Es findet vom 8. bis 10. Juni im Centro Sociale statt.

Ganzer Artikel: HinzundKunzt

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Urteil: Bordell ist Gewerbe, kein Vergnügen

Gericht entscheidet, dass das “Geizhaus” mit 19 Prostituierten in der Nähe der Wandsbeker Automeile nicht geschlossen werden muss.

WANDSBEK. Das Hamburger Verwaltungsgericht hat ein Urteil im sogenannten Wandsbeker Bordellstreitgefällt: Das Geizhaus an der Angerburger Straße in der Nähe der Wandsbeker Automeile darf bleiben. Eine benachbarte Immobilienverwaltung hatte gegen den Bordellbetrieb geklagt, weil sie eine Beeinträchtigung ihrer Geschäfte fürchtete. Doch das Gericht erklärte jetzt Bordelle zum “Gewerbe aller Art” – und so ist eben jenes Gewerbe, das der Volksmund für das älteste der Welt hält, in einem Gewerbegebiet wie in Wandsbek zulässig.

Anders als vermutlich mancher Besucher es sieht, sind Bordelle nach Auffassung des Gerichts keine “Vergnügungsstätten”, zumindest baurechtlich. Stätten des Vergnügens sind zum Beispiel “Kinos, Tanzbars und Kabaretts” und nur dieses Vergnügen ist in Kerngebieten, also Gebieten mit Wohnungen, Geschäften aller Art und Behörden, “allgemein zulässig”. So steht es in dem 25-seitigen Urteil, das dem Abendblatt vorliegt. Demnach gehörten Bordelle nicht in die Nachbarschaft von Wohnungen oder ins Blickfeld allgemeiner Öffentlichkeit.

Das Geizhaus liegt jedoch im Gewerbegebiet an der Angerburger Straße 20. Auf den ersten Blick ist es nicht als Rotlichtbetrieb zu erkennen: Das Firmenschild mit gelben Lettern wirkt neutral, ein Comic-Geier soll auf die günstigen Preise hinweisen. Nur wer den ersten Stock des ehemaligen Geschäftshauses näher kennt, weiß, dass hier 19 Frauen ihrer Beschäftigung nachgehen. Den Eigentümern eines benachbarten Gewerbehauses ist der Betrieb jedoch ein Dorn im Auge: Sie hatten den Bezirk Wandsbek verklagt.

Ihrer Meinung nach sind Bordelle Vergnügungsbetriebe, die “das Rotlicht” fördern würden und ein “negatives gesellschaftliches Umfeld” schaffen würden. Die Kritiker befürchten ein “Trading down”, also die Entwicklung eines Quartiers mit pulsierendem Leben hin zu Leerständen und ausbleibender Kundschaft. Doch das Verwaltungsgericht findet am Geizhaus nichts “Anstößiges” oder für das Gewerbegebiet Schädliches.

Laut Urteil sei nicht zu befürchten, dass es durch das Geizhaus “zur Ansiedlung eines Rotlichtmilieus mit erheblichen geschäftsschädigenden Wirkungen für die umliegenden Gewerbebetriebe kommt”. Das Gericht hatte eigens einen Richter mit Fotoapparat in die Angerburger Straße zur Ortsbesichtigung geschickt, dessen Bilder vom Geizhaus im Prozess begutachtet wurden. Die Vorsitzende Richterin Sabine Krüger beurteilte die Wirkung des Bordells als “unspektakulär”, zumindest rein optisch. Sie sagte: “Das ist nicht besonders aufregend.”

Aufgeregt hatten sich dagegen bereits 2009 Politiker im Bezirk Wandsbek. Der Streit über angeblich große Bordelle hatte zu Zerwürfnissen innerhalb der Wandsbeker CDU geführt. Nach heftigen Bürgerprotesten hatte sich die CDU-Fraktion gegen die damalige Bezirksamtsleiterin Cornelia Schroeder-Piller (CDU) gestellt, die keine rechtlichen Bedenken gegen den Betrieb des Geizhauses hatte.

Auch die SPD übte scharfe Kritik und forderte “die Verhinderung der Angerburger Straße mit allen rechtlichen Mitteln”, wie der SPD-Bezirksabgeordnete Rainer Schünemann sagte. Richtig in Fahrt war die Diskussion gekommen, als angeblich ein Großbordell mit 300 Prostituierten und einer Vergnügungsmeile mit eigenem Autostrich unter Palmen in Wandsbek errichtet werden sollte. So warnte SPD-Politiker Schünemann damals: “Es steht zu befürchten, dass manche Leute viel vorhaben am Friedrich-Ebert-Damm. ” Doch es blieb bei Gerüchten.

In dem langjährigen Streit wird die Geizhaus Verwaltungs GmbH vom Rechtsanwaltsbüro Klemm & Partner vertreten. Anwalt Gero Tuttlewski begrüßt die Entscheidung und sagt: “Es bleibt also dabei: Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt. Dies hat aber auch zur Konsequenz, dass sich Bordellbetriebe grundsätzlich in allen Gewerbegebieten ansiedeln dürfen.”

Sei dies im Einzelfall städtebaulich unerwünscht, so müssten die Bezirke den Ausschluss von Bordellbetrieben ausdrücklich in ihren Bebauungsplänen aufnehmen. Anwalt Gero Tuttlewski erwartet, dass die Kläger in die Berufung gehen, er ist jedoch “zuversichtlich, dass die Entscheidung des Verwaltungsgerichts vor dem Oberverwaltungsgericht Bestand haben wird”. Die unterlegene Klägerseite wollte sich allerdings noch nicht äußern, sondern erst einmal das Urteil lesen.

Pikant: Das Urteil des Gerichts fußt auf einem Bebauungsplan, der inzwischen wieder geändert wurde. Der Bezirk Wandsbek hat nun die Ansiedlung von Bordellen nahe der Automeile Friedrich-Ebert-Damm verboten.

Freiercafe das unabhängige Paysex-Forum

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“Whores’ Glory” II

Der Autor Michael Glawogger im Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten:

Welturaufführung für den Grazer Michael Glawogger am Lido: Seine neueste Doku „Whores’ Glory“ (Untertitel: „Ein Hurenfilm“), vergangene Woche bei den Filmfestspielen in Venedig gezeigt, ist am Freitag in der OÖNachrichten-Filmnacht im Moviemento Linz zu sehen, im Beisein des Regisseurs.

OÖN: Haben Sie keinen deutschen Titel gefunden?

Glawogger: Würde es etwas Äquivalentes auf Deutsch geben, hätte ich es genommen. Aber „Hohelied der Huren“ etwa würde zu gespreizt klingen. Der englische Titel, meine ich, sagt alles am besten. Ich habe ihn von William Vollmanns Buch „Whores For Gloria“ geborgt. „Whores’ Glory“ deutet von vornherein eine gewisse Geste der Verbeugung an. Die Prostituierten, denke ich, tun dem Gleichgewicht der Geschlechter einen Riesengefallen. Der Titel ist eigentlich schon eine Aussage: Ich wollte mir das mit aller Achtung und mit Respekt anschauen.

OÖN: Wo lag die Initialzündung für dieses Projekt?

Glawogger: Bei meinem Film „Megacities“. Da war der meistdiskutierte Teil der Auftritt der Tänzerin Cassandra, einer Halbprostituierten. Die zahlreichen Diskussionen von damals gaben mir den Kick, dass im Umfeld von käuflichem Sex und Sexualität, die zur Schau gestellt wird, viel mehr steckt. Bei der Prostitution wird bekanntlich um Sex verhandelt, das ist nicht wie der Einkauf irgendeiner Ware. Ich dachte: So einfach kann das ja nicht sein, denn wenn man etwas derart Intimes wie Sex verkauft, kann es nicht bloß um Brösel gehen.

Rest des Interviews bei nachrichten.at:
http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/art16,703456

“Whores’ Glory”

Ganz normale junge Frauen auf dem Weg tratschen über ihren ganz normalen Alltag, bevor sie in stundenlanger Arbeit von routinierten Styling-Profis in strahlend schöne Göttinnen der Nacht verwandelt werden. Ein blutjunges, völlig verschüchtertes Mädchen wird von einer Bordell-Mutter, von der sie gerade um viel Geld gekauft wurde, über ihr Jobprofil und ihre Zukunftsaussichten aufgeklärt. Eine zwar nicht in Schönheit, aber in Würde gealterte Hure erzählt, wie man sich in der “guten alten Zeit” am besten davor drücken konnte, ungewaschenen Freiern einen zu blasen.

Michael Glawogger hat mit “The Whores’ Glory” einen Dokumentarfilm über Prostitution gedreht. Und gleichzeitig in einem Bildband seine Entstehung aufgezeichnet.

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Ich habe mich oft gefragt, ob es ein Bild zur Prostitution gibt“, schreibt Regisseur Michael Glawogger als ersten Satz des Vorwortes zu seinem Fotobuch „Whores’ Glory“. Der gebürtige Grazer Glawogger, zweifellos der nach wie vor überraschendste Filmemacher in Österreich, ist in seiner Pendelbewegung zwischen Dokumentarfilmen wie „Megacities“ und Spielfilmen wie zuletzt „Contact High“ und „Das Vaterspiel“ wieder beim Dokumentarischen angekommen: „Whores’ Glory“ zeigt in Form eines Triptychons drei höchst unterschiedliche Schauplätze der Prostitution. Im „Fishtank“ im buddhistischen Thailand sitzen die Frauen hinter einer Glasscheibe wie im Aquarium, die Freier wählen nach Blickkontakt per Nummer aus. Die „Stadt der Freude“ im islamischen Bangladesh ist ein riesiges mehrstöckiges Bordell-Matriarchat mit Hunderten von Prostituierten und ihren Kindern auf engstem Raum, geleitet vom „Rat der Mütter“. Durch die „Zona“ im katholischen Mexiko, nahe der texanischen Grenze, kreisen die Freier mit dem Auto langsam über eine Dreckstraße, während sie Ausschau halten.

Es berichtet diepresse.com

schwul, lesbisch, tot, lebendig, alt, jung

Der Spartensender ZDF.Kultur zeigte am Dienstag Abend Rosa von Praunheims sehenswerten Film “Tote Schwule, Lebende Lesben”. Leider ging der TV-Alert des Freierjournals zu spät an, um rechtzeitig darauf hinweisen zu können. Aber bei Youtube gibt es den Film auch in Teilen zu sehen. Er beleuchtet Randbereiche von Sexualität, politisch inkorrekt, aber ohne Dramatik, weil einfach tote Schwule und lebende Lesben vor der Kamera aus ihren Leben erzählen. Also Geschichten nicht aus dem unmittelbaren Umfeld des Paysex, aber fern jeder bürgerlichen Normalität.

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Außerdem ist alleine der Tipp, sich nicht Paraffinöl in die Eier zu spritzen, damit sie fetter aussehen, unbezahlbar, weil niemand so einen deformierten Schwanz haben will, wie der alte Herr, der aus seinem unglaublichen 90jährigen Leben als schwuler SM-ler erzählt.

Nach dem Rosa von Praunheim Film kam übrigens eine ebenfalls sehenswerte Realitydoku (eine richtige Realitydoku, nicht so ein Dreck, wie auf den Privaten) über ein jugendliches lesbisches Pärchen. Den Film
“Mädchen Liebe”
kann jeder in der ZDf-Mediathek in Vollversion als Stream anschauen.

Der Dokumentarfilm “Mädchen Liebe” von Sabine Michel porträtiert dann die 17-jährige Berlinerin Pauline, die versucht, sich auf ihre erste richtige Liebesbeziehung einzulassen und dabei zwischen den Fronten ihrer Familie zurechtzukommen. Bereits mit 14 Jahren wusste Pauline, dass sie lieber Mädchen als Jungen küsst. Eine Erkenntnis, die ihr das Leben nicht grade erleichtert: In der Schule ist sie seither eine Außenseiterin. Halt findet sie bei ihrer Mutter und in ihrem christlichen Glauben.

ZDF Kultur Themenabend, Infos über beide Filme

Wer ein bisschen über den eigenen Tellerrand schauen will:
Zum Stream “Wenn Mädchen Mädchen küssen: Mädchen Liebe”

Es müssen ja nicht immer die gepimpten Ladies von RTL2 sein, oder?

Und zu den lesbischen Mädchen gibt es ja den alten Kalauer über den 10jährigen Bengel, der gesagt hat
“Klar weiß ich, was lesbisch ist. Mein Onkel Jimbo hat Hunderte Filme darüber.”

In diesem Sinne

Gruß von Gollum

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Graphic Novel – Auf Freiersfüßen

Der Tagesspiegel berichtet

Der Comicautor Chester Brown hat sein Leben mit Prostituierten als Graphic Novel aufgearbeitet – sensibel, schonungslos und provokant. “Paying For It” zeigt, welches Potenzial der autobiographische Comic noch hat.

Beim ersten Mal fühlt er sich wie verwandelt: “Eine Last, die ich seit meiner Pubertät mit mir herumschleppte, war verschwunden.” Kurz zuvor war der Autor bei “Carla” gewesen, einer Prostituierten – und der ersten Frau, mit der er sich beim Sex ganz natürlich fühlte, wie er schreibt.

“Paying For It” heißt das neue Buch des Kanadiers Chestern Brown, der mit Titeln wie der auch auf Deutsch erschienenen Erzählung “Fuck” (“I Never Liked You”) in den späten 90er Jahren zu den Pionieren der neuen Welle autobiographischer Comics gehörte, die auch deutsche Zeichner wie Mawil oder Arne Bellstorf beeinflusst hat.

Mit seinem neuen 280-Seiten-Werk, das dieser Tage in die nordamerikanischen Buchläden kommt, zeigt sich der inzwischen 50-jährige Brown erneut als kompromissloser Meister des Genres.

Und er weiß zu provozieren: So kontrovers wie dieses Buch wurde schon lange kein Comic mehr in den nordamerikanischen Medien besprochen, beim Toronto Comic Arts Festival in der vergangenen Woche war “Paying For It” das mit Abstand meistdiskutierte Werk.

Wieviel Trinkgeld gibt man eigentlich?

Das liegt auch an dem Mut, ein so allgemeingültiges wie tabuisiertes Thema wie die Inanspruchnahme von Prostitution als autobiografische Erzählung zu behandeln. Zwar ist das in Browns Heimatland Kanada heikler als in Deutschland, da dort käuflicher Sex teilweise illegal ist. Aber diese rechtlichen – und zumindest in Nordamerika hochpolitischen – Fragen sind nur eine der vielen Ebenen von “Paying For It”. Im Zentrum stehen die manchmal irritierenden und traurigen, oft aber einfach sachlich-funktionalen und zumindest für Chester Brown beglückenden Beziehungen zu den Frauen, die er aufzusuchen begann, als er nach dem Ende seiner letzten monogamen Zweierbeziehung beschloss, künftig nur noch auf Freiersfüßen zu wandeln.

Brown präsentiert sich in klaren, reduzierten Linien und in sachlichem Erzählton als stoischer Charakter, der nach mehreren misslungenen festen Beziehungen zu Frauen nicht mehr an die Idee der romantischen Liebe glaubt. Sein Problem: Das Verlangen, keine feste Freundin mehr zu haben, ist ebenso stark wie das Verlangen nach Sex. Also beginnt er, erst zögerlich und voller ambivalenter Gefühle, später dann immer selbstverständlicher, Prostituierte aufzusuchen.

Dabei lässt er den Leser an den Gedanken teilhaben, die ihm durch den Kopf gehen – angefangen von der Frage, wie viel Trinkgeld man wohl geben sollte, bis hin zu den von Frau zu Frau variierenden Überlegungen, was während des Geschlechtsverkehrs wohl im Kopf der anderen Person vorgehen mag. Das ist schonungslos offen und zugleich sensibel geschildert. Die Frauen sind dabei – laut Brown auch zu ihrem eigenen Schutz – anonymisiert gezeichnet und tragen falsche Namen, lassen aber durch die Dialoge unterschiedliche Persönlichkeiten erkennen. Dennoch ist klar: In diesem Buch geht es weniger um die Prostituierten – dies ist ein faszinierender Ausflug in die Gefühls- und Gedankenwelt des Freiers, dem die Frauen letztendlich lediglich als Projektionsfläche seiner sexuellen Wünsche dienen.

Das mag und wird bei vielen Lesern Widerspruch provozieren. Wie er in seiner Schilderung die Frauen auf wenige körperliche Attribute reduziert, wie er ihre Vorzüge oder Nachteile mit anderen Freiern auf den einschlägigen Websites diskutiert – das kann man mit gutem Grund abstoßend finden. Der Grad an Intimität, die Brown seinem Publikum zumutet, dürfte manchen schockieren, seine kühl vorgetragenen Ansichten über die Prostitution muss man keineswegs teilen – aber unberührt lässt das Werk einen nicht, denn es wirft grundlegende Fragen über den oft funktionalen Charakter menschlicher Beziehungen auf, die viele Leser auch noch lange nach der Lektüre beschäftigen dürften.

„Aus dem Schatten der Scham treten”

Als Korrektiv der Brown’schen Gedanken und Wahrnehmungen fungieren Gespräche mit seinen Ex-Freundinnen und vor allem den Künstlerfreunden Seth und Joe Matt, die beide den nordamerikanischen Autorencomic ebenfalls sehr bereichert haben. Jeder hinterfragt auf seine Weise das Handeln des geschätzten Freundes Chester – teils aus moralischen Motiven, teils aus schierem Unverständnis und teils aus dem Glauben an die Überlegenheit der romantisch begründeten Zweierbeziehung gegenüber dem käuflichen Sex.

Mit verblüffender Ehrlichkeit und in sachlichem Ton bringt Chester Brown Licht in eine Schattenwelt, die nennenswerten Teilen der männlichen Bevölkerung nicht unbekannt ist – über die aber kaum jemand in der ersten Person auf so selbstverständliche Weise sprechen würde wie dieser Autor, der bereits in früheren Jahren mit Erzählungen wie “The Playboy” (über seine jugendliche Faszination für die gleichnamige Zeitschrift) gezeigt hat, dass auch die frustrierenden Seiten der sexuellen Selbsterfahrung adoleszenter Männer großartiger Comicstoff sein können – wenn sie denn mit der nötigen  Reflektionsfähigkeit und einer gehörigen Prise Selbstironie vermittelt werden.

Wie um sich zusätzlich abzusichern, hat er seinem Buch mehrere Zitate von Expertinnen hinzugefügt, die sich analytisch mit der Prostitution beschäftigen und die seine Darstellung begrüßen. So leitet die ehemalige Prostituierte Veronica Monet, die sich inzwischen als Autorin und Aktivistin für die Rechte von Prostituierten einsetzt, das Buch mit dem Wunsch ein, “dass andere Freier aus dem Schatten der Scham treten und sich so engagiert wie Chester für unsere Rechte einsetzen”.

Dass es auch gänzlich andere Sichtweisen auf das angeblich älteste Gewerbe der Welt gibt, macht Brown besonders am Schluss des Buches deutlich: Gut 50 Seiten lang sind die illustrierten Fußnoten, in denen er kritische Sichtweisen der Prostitution diskutiert und sich mit Einwänden und Vorurteilen auseinandersetzt.

Ein aufklärerisches, anrührendes, intimes, kontroverses und erzählerisch packendes Buch, das man nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen mag. Eine deutsche Ausgabe ist bislang nicht geplant, wie Chester Brown dem Tagesspiegel kürzlich am Rande des Toronto Comic Arts Festivals sagte. Bleibt zu hoffen, dass nach genauerer Lektüre doch noch ein deutscher Verleger erkennt, was für ein Meilenstein dieses Buch für die weitere Etablierung des erwachsenen Comics mit Anspruch ist.

Chester Brown: „Paying For It“, Drawn and Quarterly, 280 Seiten, Vorwort von Robert Crumb, ca. 15-17 Euro (online u.a. bei Amazon erhältlich, außerdem in gut sortierten Comicläden)

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Fotogalerie: Trostfrauen

Atemberaubende Fotoserie:

Während des zweiten Weltkriegs wurden sie in Asien von der japanischen Armee entführt, zur Prostitution gezwungen und vergewaltigt. Die Journalistin Hilde Janssen porträtierte zusammen mit dem Fotografen Jan Banning die heute über 80 jährigen Trostfrauen.

Zehntausende Frauen wurden im zweiten Weltkrieg systematisch vom japanischen Militär zur Prostitution gezwungen. Die sogenannten “Trostfrauen” wurden Tag für Tag misshandelt, gedemütigt und vergewaltigt.

Nach dem Krieg kehrten die wenigen überlebenden “Comfort Women” in ihre Heimat zurück. Dort wurden die meist schwer kranken und traumatisierten Frauen von ihren Mitmenschen verachtet. Nicht nur an den physischen, sondern vor allem an den psychischen Folgen der Zwangsprostitution litten die Frauen ein Leben lang.

Der Fotograf Jan Banning und die Journalistin Hilde Janssen besuchten in Indonesien heute noch lebende Frauen, die diese schreckliche Zeit miterlebten. In dem Buch “Comfort Women” sprechen 18 von ihnen ganz offen über ihre Vergangenheit. Um beide Seiten zu beleuchten, werden im Buch die Geschichten der Frauen und japanische Kriegspropaganda-Poster gegenübergestellt.

Jan Banning konzentrierte sich bei seiner Arbeit auf die Gesichter der betroffenen Frauen. Diese drücken noch nach Jahrzehnten die erlittenen seelischen Qualen aus. GEO.de zeigt ausgewählte Porträtfotos .

Ganzer Artikel auf geo.de

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Prostitution in Zürich

Zwischen 1880 und 1910 wandelte sich Zürich von einem Provinznest zu einer Stadt. Viele Menschen zogen in diesen Jahren aus den umliegenden ländlichen Gebieten in die Stadt. Armut und schwindende Verdienstmöglichkeiten in der Landwirtschaft veranlassten junge Frauen und Männer, in der Stadt Arbeit zu suchen. Die Zahl der Arbeit suchenden Frauen nahm stetig zu. Doch die Arbeitsplätze für Frauen waren knapp, die Löhne tief. Anfängerinnen verdienten in der Fabrik etwa 20 Franken im Monat. Der Fixlohn einer Kellnerin belief sich auf dieselbe Summe. Dienstmädchen verdienten sogar noch weniger.

Eine sehr schöne Bildertour, in der viele historische Abbildungen rund um das Züricher Milieu zu finden sind findet man auf moneymuseum.com.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zogen viele junge Frauen und Männer aus ländlichen Kantonen und dem benachbarten Ausland nach Zürich. Sie stammten meist aus der Unterschicht und hatten kaum je eine Ausbildung genossen. Ihre Hoffnung war, über den städtischen Arbeits- und Heiratsmarkt sozial emporzukommen.

Durch die Zuwanderung junger Männer bildete sich eine steigende Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen in der Stadt. Umgekehrt waren die jungen Frauen als Dienstmädchen, Kellnerinnen, Verkäuferinnen oder Fabrikarbeiterinnen meist mit prekären Arbeits- und Lohnverhältnissen konfrontiert. Viele machten die Erfahrung, dass ihre Arbeitgeber die Bitte um Lohnerhöhung mit der Antwort quittierten, sie könnten sich ja in ihrer Freizeit mit ihrem Hintern noch etwas dazu verdienen.

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Bei den Damen

Die linke Wochenzeitung Jungle World berichtet über ein skurriles Sexkino in Berlin.

Ein Besuch in einem Sexkino im Berliner Bezirk Neukölln.

von Iris Dankemeyer

Wer von der Karl-Marx-Straße am Magdalenenkirchhof in Richtung des Richardplatzes abbiegt, wird gleich zweifach an die Geschichte Rixdorfs erinnert. Der Blick auf den Böhmischen Gottesacker mag einem in Erinnerung rufen, dass der Kiez auf eine Ansiedlung böhmischer Exilevangelen durch Wilhelm I. etwa Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgeht. Gleich neben dem Friedhof, auf dem in Tradition der Herrnhuter Brüdergemeinde die Leichname noch nach Geschlechtern getrennt bestattet wurden, kann einem beim Anblick der roten Laterne einfallen, dass jenes Böhmisch-Rixdorf sich in nur wenigen Jahrzehnten zum Zentrum frivoler Unterhaltung entwickelt hatte, so dass Wilhelm II. es 1912 kurzerhand in »Neukölln« umbenannte, um mit dem neuen Namen alte Unsitten abzuschaffen.

Tatsächlich hängt die rote Laterne heute eher unvermittelt in einer verkehrsberuhigten Zone, umgeben von Mietshäusern, die zum Großteil von Familien bewohnt werden. Ein eher unauffälliges Schild verrät, dass es sich bei »Judy’s Kinobar« um ein Sexkino handelt.

Sexkinos sind mittlerweile ein Anachronismus. Was im Pornoboom der sechziger und siebziger Jahre seinen Höhepunkt fand, ist seit dem Aufkommen der Videotheken in den achtziger Jahren im Niedergang begriffen. Spätestens seit der Verbreitung von Internetpornographie, die alles, was zuvor schwer zu bekommen war, grenzen- und mühelos verfügbar macht, gehen die einschlägigen Kinos reihenweise ein. Wer in Zeiten von Youporn noch ein Pornokino aufsucht, muss einen besonderen Grund haben. Oder einer Generation angehören, die nie mit dem Internet vertraut geworden ist. In den übrig gebliebenen Läden sucht die Zuschauerschaft weniger das Neue – die Filmauswahl ist zuhause am Computer ohnehin größer – als vielmehr das Alte, den Nervenkitzel des halböffentlichen Zusehens, den Ausnahmecharakter des Ortes, das spezifische Flair der Umgebung….

Kompletter Artikel auf Jungle-world.com

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Die neue Sklaverei braucht keine Ketten

Die neuen Potsdamer Nachrichen stellen eine sehr couragierte Frau vor:

Lydia Cacho Ribeiro (* 12. April 1963 in Mexico City) ist eine mexikanische Journalistin, Feministin und Menschenrechtsaktivistin. (Wikipedia)

Menschenhandel und Sex-Mafia: Lydia Cacho recherchierte fünf Jahre in 47 Ländern. Günter Wallraff sagt, er kenne keine mutigere Frau als sie

Señora Cacho, wann wurden Sie zuletzt bedroht?

Das ist gar nicht lange her. Ein Mann sagte am Telefon, dass man mir die Hände abhacken und sie meinem Freund schicken würde, wenn ich weiter so viel Quatsch schriebe. Mein Sicherheitsberater hat herausgefunden, dass der Anruf wahrscheinlich von einem Angehörigen des mexikanischen Militärs kam.

Sie haben Personenschützer?

Selbstverständlich, schon seit einigen Jahren.

Das Magazin „Newsweek“ zählt Sie zu den 150 Frauen, die die Welt im Jahr 2010 bewegt haben. Auf der Liste befinden sich auch Michelle Obama, Angelina Jolie und Aung San Suu Kyi.

Das ist mir überhaupt nicht wichtig. Ich werte es lieber als Erfolg, dass ich mit meiner Arbeit einigen der Millionen von Frauen und Kindern eine Stimme geben konnte, die zur Prostitution gezwungen werden. Ich habe fünf Jahre lang in 47 Ländern recherchiert und das Gefühl, dass ich meinen Job als Journalistin erledigt habe: die Welt mit den Augen der Schwachen zu schildern, nicht mit dem zynischen Blick der Starken.

Nun ist der 1. Mai, der Tag der Arbeit …

… eigentlich ein guter Tag. Doch was erleben wir? Die explosionsartige Ausbreitung der Sklaverei. Laut UN leben zurzeit 27 Millionen Menschen in sklavenähnliche Verhältnissen. Das sind mehr als zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert, als zwölf Millionen Afrikaner verschleppt wurden.

Warum haben Sie vorwiegend über Zwangsprostitution recherchiert?

Weil fast 80 Prozent der neuen Sklaven Prostituierte sind, während der kleinere Teil der Sklaven als Hausangestellte, auf Zuckerrohrplantagen oder auf dem Bau arbeitet.

Wo liegt der Unterschied zwischen dieser neuen Sklaverei und der alten?

Die neue Sklaverei braucht keine Ketten mehr, ihre Waffe ist die kapitalistische Verwertungslogik. Diese Ideologie betrachtet den Menschen als Ressource, die ausgebeutet werden kann. Darunter leiden vor allem Frauen und Kinder in den Entwicklungsländern, weil sie keinerlei Schutz genießen……

Kompletter Artikel von Philipp Lichterbeck auf PNN.de

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Was macht ein Mann zum Mann?

Diese Frage beantwortete Herbert Grönemeyer schon vor Jahren in seinem bekannten Song Männer. Auf komplett anderem Wege nähert sich der hochdekorierte Fotojournalist Chad States diesem Thema in einem bemerkenswerten Fotoessay, das fast ohne Worte Bände spricht.

“I am strong emotionally, have always stood up for myself, and fear nothing. I happen to be physically strong, but that isn’t where I derive my masculinity.” —Bill

“The first thing I do when I walk into a room is figure out which male could kick my ass and which female I would like to fuck. Sometimes this is so subconscious, it is alarming.” —Andrew
Die komplette Fotoserie findet man auf motherjones.com

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Autoren streifen durchs Frankfurter Bahnhofsviertel

Rotlicht-Literaturtipp:

Ein Buch über Frankfurts Bahnhofsviertel: Der traditionelle Rotlicht- und Drogenbezirk hat sich in den vergangenen Jahren gemausert. Den Wandel dokumentieren jetzt fast 50 Schriftsteller, Soziologen, Stadtkundige und (Lebens-)Künstler in einem facettenreichen Band.

Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist Thema eines facettenreichen Buchs. Foto: Kammerer Frankfurt. Die einen machen seit jeher einen großen Bogen um das Frankfurter Bahnhofsviertel, die anderen haben es inzwischen als kultigen Szenetreff entdeckt. Der traditionelle Rotlicht- und Fixerbezirk, in dem 180 Nationalitäten auf engstem Raum miteinander leben, hat sich in den vergangenen Jahren gemausert. Es ist ein schillerndes Quartier entstanden, das neben altbekanntem Elend eine neue Vitalität ausstrahlt – auch wenn daraus noch kein zweites St. Pauli geworden ist.

Den Wandel des Bahnhofsviertel dokumentiert jetzt ein facettenreicher Band, in dem fast 50 Schriftsteller, Soziologen, Stadtkundige oder (Lebens-)Künstler ihre Erlebnisse beschreiben. Sie porträtieren die Menschen im Bahnhof und Viertel – oder erzählen Kurzgeschichten, die in anrüchigen Etablissements, den Bars und Kneipen oder plüschigen alten Hotels spielen.

Der Frankfurter Literat und Büchnerpreisträger Martin Mosebach hat sich im «Hotel Monopol» umgeschaut, das mit seinen Kristalllüstern und geräumigen Zimmern immer noch das Ambiente der Gründerzeit verströmt, dem das Viertel seinen Aufstieg verdankt. 1888 wurde der Hauptbahnhof fertig, der heute zu den größten Kopfbahnhöfen Europas zählt….

Ganzer Artikel auf Frankfurter Neue Presse

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Let‘s Whore

Frankfurt avanciert zur Hauptstadt der Hurenfilme. Während in Cannes und Venedig den besten Filmkunstwerken gehuldigt wird, geht es im Frankfurter Programmkino „Orfeos Erben“ deftiger zu. Aber nicht weniger künstlerisch. Von Donnerstag bis Sonntag steigt dort das Frankfurter Hurenfilm-Festival „Let‘s Whore“

Mit dabei ist die selten gezeigte Huren-Doku „Five Sex Rooms und eine Küche“. Die pikante Dokumentation begleitet den Alltag der Offenbacher Domina Lady Tara (Foto), die mit ihren Mädels zwischen Peitschen-Sex und Wachs-Spielen in der Küche klönt und über die Probleme des Alltags einer Hure berichtet.

Sie selbst gehört mit Kollegin Cindy und Regisseurin Eva Heldmann zu den Ehrengästen des Festivals. Die ehemalige Frankfurter Filmemacherin hat zusammen mit Orfeos-Erben-Chefin Antje Witte das Programm des Hurenfilm-Festivals ausgetüftelt: Gezeigt werden unter anderem „Modern Love is automatic, „Ramses“ von Romuald Karmakar, „Belle De Jour“ von Luis Bunuel, Fernando Leon de Aranoas „Princesas“ und die Performance „Let’s Talk About Sex“ mit den Travestiekünstlern Bridge Markland und Nikola Lutz.

Ruf der Huren verbessern

„Wir wollen mit diesem Festival den Ruf der Huren verbessern“, erklärt Antje Witte: „Diese Frauen nehmen am gesellschaftlichen Leben Teil, zahlen Steuern und werden trotzdem immer ausgeklammert….

Ganzer Artikel auf extratipp.com

Internetpräsenz “Orfeos Erben”

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Lulu – Die Nuttenrepublik

Am 11. Dezember hat an der Berliner Schaubühne ein ungewöhnliches Stück Premiere: Frank Wedekings Fünfakter “Lulu”, 1913 uraufgeführt, bedient sich in einer aktuellen Inszenierung von Volker Lösch unter dem Titel “Lulu – Die Nuttenrepublik” realer Sexworkerinnen als Darsteller auf der Bühne.

Die HP der Schaubühne beschreibt das so:

Diese Berlinerinnen sind Fachfrauen für die Sexualität, die Ängste und Wünsche von Männern, Profis für Selbstinszenierung und Rollenspiel – und nicht zuletzt Geschäftsfrauen, die ihre Ware auf dem Markt verkaufen. Sie werden als Sprechchor auftreten und mit ihren Geschichten eine Hauptrolle in »Lulu – Die Nuttenrepublik« spielen.

Zur Seite der Schaubühne

Volker Lösch hat zum Anlass der Inszenierung dem Deutschlandradio Kultur ein Interview gegeben.

Ein Auszug:

Stephan Karkowsky: Frank Wedekinds Bühnenstück “Lulu” entstand vor 100 Jahren – ein erotische Groteske, ein Panoptikum der Berliner Halbwelt und eine Anklage der Doppelmoral des Bürgertums. Für die Berliner Schaubühne adaptiert hat es nun Volker Lösch, ein Regisseur, der am liebsten Laiendarsteller auf die Bühne stellt, mit Vorliebe aus gesellschaftlichen Randgruppen. Diesmal eine Reihe von Sexarbeiterinnen. Am Samstag ist Premiere. Susanne Burkhardt hat während der Proben mit Lösch über seine Inszenierung gesprochen, und als Erstes hat Lösch hat ihr dabei verraten, ob man die Motive der literarischen Lulu mit denen von echten Prostituierten gleichsetzen kann.

Volker Lösch: Wir untersuchen jetzt einfach aufgrund der Verbindung der Biografien, Geschichten von Sexarbeiterinnen und dem, was Lulu macht, ob die Freier, die am Ende des Stückes im fünften Akt auf Lulu treffen, in ihren Verhaltensweisen, in ihren Beziehungen zu Lu so sehr viel anders sind als die Männertypen, die am Anfang auftauchen, also wie viel Prostitution steckt im Bürgertum oder in der Bürgerlichkeit.

Und andere Frage, anders herum, das ist auch sehr interessant, auch aufgrund der Geschichten, die die Frauen erzählen, wie viel Bürgerlichkeit oder wie viel bürgerliche Träume oder wie viel Sehnsucht nach Bürgerlichkeit haben denn Prostituierte. Und das durchdringt sich wechselseitig, ist bei Wedekind angelegt, und wir untersuchen es, stellen es auf den Prüfstand.

Susanne Burkhardt: Das ist ja ein von Ihnen gern gewähltes Mittel, dass sie sich einen Klassiker nehmen, eine Geschichte erzählen mit professionellen Darstellern, dass sie sich dann Betroffene oder …

Lösch: Soziale Gruppen …

Burkhardt: Laiengruppen, soziale Gruppen als Chor dazutun, das gab es ja bei, um nur einem Beispiel zu nennen, Gerhard Hauptmann “Die Weber”. Da haben Sie das mit einem Chor von Hartz-IV-Empfängern gemacht. In “Lulu” oder “Die Nuttenrepublik”, Sie haben es gerade schon angesprochen, sind es neben den Schauspielern dann auch Sexarbeiterinnen, also Frauen, die mit Sex oder mit Sexarbeit ihr Geld verdienen. Wieso ist es Ihnen so wichtig, echte Betroffene auf die Bühne zu stellen? Trauen Sie den künstlerischen Mitteln des Theaters nicht?

Lösch: Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich glaube, es gibt auch keine unechten Betroffenen, es gibt nur Betroffene, und die können erst mal aus erster Hand Geschichten erzählen. Ich lebe natürlich auch davon und mein Team lebt davon auch, dass wir am Anfang sehr viele Gespräche führen, also dass wir journalistisch arbeiten, und dass wir aufgrund dieser Gespräche ein unglaublich reichhaltiges Material zusammentragen, welches von Spezialistinnen, was Liebesbeziehungen, erotische Beziehungen, Sexbeziehungen zwischen Männern und Frauen betrifft, stammen. Es gibt keine größeren Expertinnen auf diesem Gebiet als Sexarbeiterinnen, und die können einem erst mal sehr, sehr viel dazu erzählen, können anhand ihrer Geschichten das Material gegenwärtig aufladen und können das Material, ohne es zu beschädigen, erweitern eigentlich.

Man kann das Stück natürlich so spielen, wie es da ist, aber man kann es natürlich auch anreichern, man kann es mit heutigen Assoziationen versehen, um es reicher zu machen, nicht um es schwächer zu machen, um es aufzuladen, um es ins Verhältnis zu setzen zum Heute, funktioniert der Text noch oder funktioniert er nicht. Man kann natürlich sagen, das kann ich mir auch denken dabei, ich guck zu und denk mir das Ganze selber dabei, nur die Erfahrungen, die da geschildert werden, jetzt an unserem Abend, anhand der erlebten Geschichten, sind so interessant, dass man fast einen eigenen Abend draus machen könnte. Man kann natürlich auch beide Geschichten verbinden und geht, glaube ich, dann mit einem reicheren Ergebnis raus, als wenn man es jetzt so spielt, wie es da steht.

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Das Stück ist vorläufig bis zum 23.1.2011 angesetzt.

Licht! Licht!

Steht zwar schon eine Woche in unserem Forum ist aber trotzdem lesenswert, jetzt, wo die Tage kürzer werden:

Ich sage Euch was: die allermeisten Huren sind (fast) pleite … Mieten und Strom werden nicht oder nur zögernd bezahlt … daher das Phänomen der prostitutionellen Mietnomaden und v.a. das, was mich seit langem beschäftigt:
Die DUNKELHEIT in den Lasterhöhlen: der Strom ist offenbar gekappt.

Vor Jahren besuchte ich gerne und oft ein Mädel, das v.a. dafür bekannt war, gegen Entgelt ein begehrtes Körpersekret abzusondern …. auf dem Wege zu ihrem Bett stolperte ich in der unendlichen Dunkelheit über ein weiss emailliertes Auffanggefäss, zu dem meine Oma Pisspott gesagt hätte …. sie versicherte mir, es sei ihre Ausscheidung …. wäre es anders gewesen …. es würde mich heute noch schütteln.

Die vollkommene Düsternis trieb vor allem zu Studentenzeiten Blüten …. ein Freund berichtete mir seinerzeit überzeugend, dass eine von ihm oft besuchte Hure in der kleinen Brinkgasse in Köln ihm ein Surrogat untergeschoben hätte, als sie für ein paar Tage nicht dienstfähig war …. erst als er im gewohnten Bären wuscheln wollte, fühlte er den offenbaren Betrug … Skandal !

Bei solchen Unlichtverhältnissen kommt es dann schon mal zu Verwechslungen: waren das nun die Backentaschen oder Brüste der Kleinigkeit 70 minus A …?

Ich möchte sehen, sehen, sehen …. dieses Verlangen kann üblicherweiser nur durch LICHT befriedigt werden … meinethalben auch künstliches ….

Ich bin bei lichtscheuen Huren dazu übergegangen, einen Euro auf das übliche Honorar draufzulegen … ich denke, das sollte für eine Vollillumination des Doms während einer Stunde reichen … und die Folge ? – Wir strecken uns auf dem Lotterbett aus … und Sie macht das Nachtlämpchen aus ….

Ich gehe jetzt nur noch zu Mädels aus dem Osten: ex oriente lux ….

Gute Nacht, Mädels und Jungs

Und lasst das Licht an !
TheTiger

Zum passenden Forenstrang “Gedanken zur Nacht”