Bono Direkthilfe – Selbstbestimmt Leben

Familien, die auf Verkehrsinseln leben, Kinderprostitution, Menschenhandel – es gibt Orte auf der Welt, da gehören diese Dinge zum Alltag. Die Bono-Direkthilfe kämpft seit über 25 Jahren von Bensberg aus dagegen an.
BERGISCH GLADBACH – Obwohl die Medien täglich die Welt ins Wohnzimmer bringen, ist manches doch zu weit entfernt, um es begreifen zu können – oder auch zu wollen. Kinder, die verschleppt und zur Prostitution gezwungen werden, Frauen, die wegen ihrer Brandnarben aus der Gesellschaft verstoßen werden, Familien, die auf einer Verkehrsinsel leben. Seit über 25 Jahren knüpft die Hilfsorganisation Bono-Direkthilfe von Bensberg aus Netze in fremde Welten und lässt sie mit unserer näher zusammenrücken.
„Eigentlich möchte ich nicht, dass wir beide hier im Vordergrund stehen“, sagt Projektkoordinator Urban Philippek im Gespräch mit ihm und dem Vorsitzenden Michael Müller-Offermann. Lieber das gute Dutzend ehrenamtlich aktiver Mitglieder, die das Herz der Organisation ausmachen. Lieber die sechs Projekte in Nepal und Indien, die Bono unterstützt. Die Bono-Direkthilfe ist nicht selbst vor Ort, sondern unterstützt Partnerorganisationen wie Maiti Nepal oder New Light, die sich in der anderen Welt besser auskennen. Die Bensberger prüfen akribisch Budget- und Projektpläne, kontrollieren Finanzposten und Aktivitätenberichte. Sämtliche Verwaltungskosten bestreiten sie mit den Beiträgen der 170 Mitglieder. Jeder gespendete Euro geht komplett in die Hilfe und soll komplett sinnvoll eingesetzt werden. Rund 100 000 Euro waren es im Jahr 2010. Die gute Tat (lateinisch „bonum“, das Gute) gab dem Verein seinen Namen. Kinder stehen im Mittelpunkt der Arbeit der Partnerorganisationen. Die holen die Kinder von der Straße oder aus den Zimmern im Rotlichtviertel, in denen sie keine andere Wahl haben, als ihren Müttern bei der Arbeit zuzusehen. Die Helfer befreien auch Kinderund Jugendliche,die zur Prostitution gezwungen werden, in spektakulären Razzien aus den oft illegalen Bordellen. Sie besorgen ihnen einen sicheren Aufenthaltsort sowie Essen, Bildung und Zuneigung.
Doch Geld und gute Taten spiegeln noch nicht das komplette Wesen der Hilfe wieder. Dazu braucht es die Menschen, auf der nehmenden wie auf der gebenden Seite – und nicht immer lässt sich genau unterscheiden, wer gerade auf welcher Seite steht. Regelmäßig besuchen Bono-Mitarbeiter auf private Kosten die Projekte vor Ort, umgekehrt reisen Kinder und Mitarbeiter der Organisationen nach Deutschland. Urban Philippek, Lehrer an der Marie-Curie-Realschule, sagt: „Es war erst etwas seltsam, was den Kindern hier am meisten imponiert hat.“ Denn das war die Stille und das waren die Bürgersteige. „Als ich ein halbes Jahr später in Indien war, war mir klar, warum“, so Philippek. Auf dem Laptop lässt er Fotos von Kalkutta durchlaufen: Momentaufnahmen, Menschen, Eindrücke. Eine Gasse, in der Mensch und Tier nebeneinander leben, Müll, der nicht so schnell entsorgt werden kann, wie er entsteht, ein schmutziger Fluss, in dem Kinder schwimmen. Kinder in der Schule, beim Mittagsschlaf auf dem Teppich; Kinder, die lernen und immer wieder Kinder, die lächeln.
„Man muss sich vorher damit beschäftigen“, sagt Michael Müller-Offermann. „Bürgerkrieg, Ausgangssperre, 14 Stunden täglich kein Strom“, waren die Bedingungen, denen der selbstständige Bauingenieur beim ersten Besuch im nepalesischen Kathmandu begegnete. Trotz aller Vorbereitung sei die Realität erschlagend. Philippek, der miterlebt hat, wie behinderte Kinder zum Betteln durch Autofenster gehalten werden, sagt: „Die erste halbe Stunde durch Kalkutta habe ich gar nicht sprechen können. Da ist man mittendrin.“ Entweder komme man dann nie wieder oder man wolle immer wiederkommen. Und dann reden die beiden Helfer über „die unglaubliche Gastfreundschaft“, das friedliche Nebeneinander von Religionen, die Fröhlichkeit trotz größter Armut. „Das fängt schon einiges auf“, sagt Müller-Offermann und seine Mimik bedeutet, dass „einiges“ untertrieben ist. Urban Philippek hat seine „Lieblingsschule“ in Kalkutta entdeckt. Er beschreibt das Helfersystem, in dem Ältere zusammen mit Jüngeren lernen. Erschwärmt von sozialem Bewusstsein, von „unglaublicher Disziplin und Gier auf Lernen“. Von Überlegenheit könne „wegen unserer paar Euro mehr in der Tasche“ keine Rede sein: „Auf der Suche nach dem persönlichen Glück sind wir ihnen ganz sicher nicht überlegen.“
Sieben Jahre in Nepal
Während sich die Bono-Direkthilfe in den ersten Jahren ihres Bestehens in Polen engagierte, werden seit 13 Jahren Projekte in Indien und Nepal unterstützt. Angefangen hat es dort mit Gereon Wagener, dem heutigen zweiten Vorsitzenden. Der Bensberger Betriebswirt ließ seinen gut bezahlten Job sausen und blieb sieben Jahre in Nepal. Das Netzwerk wuchs. Inzwischen machen Schulen und Schüler mit, sammeln Spenden, pflegen Brieffreundschaften. Andere Organisationen in Deutschland kooperieren. Der Verein wuchs, die Professionalität wuchs, das Aufgabengebiet wuchs. Auch die Kinder wuchsen. Aus den Kindern der Prostituierten wurden Jugendliche – zu alt für das Heim, zu alt für die Schule, aber immer noch zu benachteiligt, um auf eigenen Füßen stehen zu können. Entstanden sind neue Projekte, die sich um diese Jugendlichen kümmern. Viele von ihnen haben inzwischen studiert oder eine Ausbildung.
Was Urban Philippek bei seinem Indien-Aufenthalt am meisten berührt hat, waren nicht die Kinder der Prostituierten, nicht die Sterbenden im Mutter-Teresa-Haus, nicht die ausgesetzten Babys. Es war eine ganz alltägliche Situation. „Wir kamen gut gesättigt aus einem Restaurant“, erzählt er, „und sahen auf der Straße Menschen sitzen, die Hunger hatten.“ Ein Schlüsselerlebnis, das für eine gelebte Globalisierung steht, die Stückchen aus der einen Welt in die andere verpflanzt und das Bewusstsein verändert. Satt zu sein, ist nicht länger eine Selbstverständlichkeit, Stille kann für Jugendliche mehr als Langeweile bedeuten, Schule mehr als notwendiges Übel, vielmehr als einzige Chance zu einem selbstbestimmten Leben.
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Übung macht den Meister.
o.ä. reichen. Seine Grenzen muß jeder selber ausloten. Zuviel schadet der Erektion! Auch die Wahl es Getränks sollte bedacht werden. Bier mach eher lull und plall und erfreut sich bei den Damen nicht unbedingt großer Beliebtheit.


















































































