Escort Lady in Düsseldorf vom Kunden getötet?

Jedenfalls berichten die Medien heute etwas in der Art, zum Beispiel die Rheinische Post:

Mord in Düsseldorfer Hotel
Kunde tötete Escort-Dame

Die Polizei hat neue Hinweise zum Fall der ermordeten Frau, die in einem Hotel in Düsseldorf gefunden wurde: Es handelt sich um die 25-jährige Christina B., die bei einem Escort-Service arbeitete. Sie kannte den Mann, der sie vermutlich erstochen hat, seit Monaten.

Christina B. stammt aus Rumänien, ihre Mitbewohnerin hatte das Opfer auf der Wache in Mörsenbroich als vermisst gemeldet, erklärte die Polizei am Samstagmittag bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Die Obduktion am Freitag ergab, dass die 25-Jährige mit mehreren Stichen durch ein Messer oder einen ähnlichen Gegenstand getötet wurde. Die Leiche wurde entkleidet in einer Suite im sechsten Stock aufgefunden, ein Sexualdelikt schließt die Polizei aber aus.

Der mutmaßliche Täter war ein Kunde des Opfers. Es handelt sich dabei um einen Deutschen, der unter seinem richtigen Namen in dem Hotel eingescheckt hat. Er und die Frau wohnten seit dem 18. Januar dort. Laut Polizei kannten sie sich seit Monaten und haben sich regelmäßig getroffen. Zu den Tatmotiven wollten sich die Ermittler nicht äußern. Der Deutsche ist bisher nicht mit Gewaltdelikten in Erscheinung getreten. Gesucht wird der mutmaßliche Täter wegen Totschlag, da sich bisher keine Anhaltspunkte für einen Mord ergeben hätten.

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Hotels auf Malediven sollen Wellnessbereiche schließen

Colombo — Zur Prostitutionsbekämpfung hat die Regierung der Malediven die Schließung der Wellnessbereiche in den Hotels des Inselstaats im Indischen Ozean angeordnet. Der Erlass des Tourismusministeriums gelte auch für Kosmetik- und Massagesalons in allen Beherbergungsbetrieben der Malediven, sagte ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung reagierte mit der Entscheidung auf Proteste einer einflussreichen Islamistenpartei, die in den Wellnessanlagen Horte der Prostitution vermutet.
Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen auf den aus 1192 Inseln und Inselchen bestehenden Malediven. Das Land ist vor allem ein Ziel von Luxus- und Hochzeitsreisen. Im zu Ende gehenden Jahr wurden nach offiziellen Angaben rund 850.000 Touristen gezählt. Der Islam ist auf den Malediven Staatsreligion. Noch vor wenigen Tagen hatte Staatschef Mohammed Nasheed allerdings bei seinen rund 330.000 Landsleuten für eine tolerante Religionsauslegung geworben.

Quelle: AFP

Osnabrück: Hasepark-Anwohner ärgern sich über Hinterlassenschaften des Straßenstrichs

Osnabrück. „Das ist einfach eklig.“ Stephanie und Heinz-Hermann Lünnemann sind sauer. Seit einigen Wochen findet auf einem Bolzplatz nahe ihrem Haus reger nächtlicher Verkehr statt. Das wäre bis auf die hässlichen Furchen durch Autoreifen noch erträglich, wenn nicht noch andere „Andenken“ der Straßenprostitution übrig blieben – unter anderem gebrauchte Kondome.

Familie Lünnemann ist vor einigen Jahren in das kleine Viertel zwischen Mindener Straße und Hasepark gezogen. Viele Familien leben inzwischen dort. Die Kinder haben hinter den Häusern an der Hase ein Stück Natur zum Spielen. Und dann ist da noch ein Bolzplatz, der rege genutzt würde, wenn inzwischen nicht schon etliche Eltern wie die Lünnemanns ihren Kindern verboten hätten, dort zu spielen.

Seitlich von der Schellenbergbrücke vor der Firma Restemeyer führt ein Schotterweg für Spaziergänger, Jogger und Radfahrer zu dem etwas verborgen liegenden Platz. Gerade diese Abgeschiedenheit scheint in den vergangenen Wochen verstärkt Prostituierte und ihre Kunden anzuziehen. Ein einsamer rot-weißer Poller kann den Verkehr nicht stoppen. Rechts und links davon wäre selbst für einen Lkw Platz genug zum Durchfahren.

Im Jahr 2006 hatte die Stadt das Bahnhofsviertel zum Sperrbezirk für Prostitution erklärt. Kurze Zeit später siedelte sich der Straßenstrich im Hasepark an. Heinz-Hermann Lünnemann kennt das Bild der parkenden Wagen, wenn er am späten Abend mit seinem Hund die letzte Runde vor der Nachtruhe dreht.

Der Bolzplatz wird nach seinen Beobachtungen erst seit einigen Wochen angefahren. Möglicherweise hätten sich die Dienstleisterinnen einen neuen Platz suchen müssen, nachdem die gepflasterte Zufahrt zur Baustelle Schellenbergbrücke mit zwei Flatterbändern gesperrt worden ist, vermutet er. Seitdem lägen auf dem Weg zum und auf dem Bolzplatz immer neue Kondome.

Lünnemann und anderen wütenden Anliegern ist klar, dass Prostitution weder verboten noch abgeschafft werden kann. Wenn sie nicht im und um den Hasepark stattfindet, dann eben anderswo in der Stadt. Aber ihre Hinterlassenschaften wie Kondome und Hygienetücher sollten die Damen und ihre Freier doch gefälligst wieder mitnehmen, fordern die Anlieger. Oder wenigstens ordnungsgemäß entsorgen: Auf dem Bolzplatz steht ein Abfalleimer.

Jürgen Wiethäuper, Fachdienstleiter für Ordnung und Gewerbe bei der Stadt Osnabrück, inspizierte die Lage am Bolzplatz noch am gleichen Tag, nachdem unsere Zeitung die Anliegerbeschwerde weitergeleitet hatte. „Das geht natürlich gar nicht“, sagte der städtische Pressesprecher Sven Jürgensen nach Wiethäupers Bericht. Ein Verbot des „horizontalen Gewerbes“ an dieser Stelle sei nicht möglich, weil sie außerhalb des Sperrbezirks liegt. Nun werde unter anderem geprüft, ob eine wirksame Sperrung des Schotterweges dem Treiben ein Ende bereiten kann.

Ganzer Artikel: Osnabrücker Zeitung

Die Frau, die Huren nass macht

Martha Ramseyers (87) spritziger Kampf gegen die Prostitution. Von der Dachterrasse ihres Hauses begoss sie Freier und Sex-Workerinnen, bis die Polizei und die Hausverwaltung einschritten.

Martha kennt da gar nichts. Martha. Nicht Frau Ramseyer. Da ist auch nicht mehr Herr Bahnerth, sondern Michi. Martha nimmt immer den direktesten aller Wege. Und keine Blätter vor den Mund. Die Jungs von ihrer Hausverwaltung nennt sie unverblümt «Arschlöcher». Ihr Lieblingspolitiker ist Blocher: «Weil er das Maul aufmacht.» Eine halbe Stunde zuvor hat sie noch gesagt: «Hör bloss auf mit Politik, Michi. Damit hab ich gar nichts am Hut. Politik ist eine Hure. Hat mir mein Vater damals mit auf den Weg gegeben.»

Martha ist 87, das, was man wohl eine rüstige Rentnerin nennt, und nach sieben Jahren im Rotlicht-Kleinbasel schon ein Original und eine kleine Berühmtheit auch. Hat einen Fanclub, weil sie sich, bewaffnet nur mit einem Gartenschlauch, gegen eine Handvoll Huren und deren Gefolge vor ihrem Hauseingang gewehrt hat. «Seniorin macht die Huren nass», stand in den Zeitungen, «Martha for president» und «Super-Martha» in den Kommentaren. Man nennt sie auch Lady Gaga Nummer 2. Weil sie tut, was sie will, und weil sie manchmal in selbst genähten Charleston-Kostümen anzutreffen ist, samt Federboa, und weil es ihr egal ist, was andere über sie denken.

Sie wohnt in der Alterssiedlung Ecke Ochsengasse und Webergasse, 5. Stock, hat einen «Hausfreund», aber darüber will sie nichts sagen, fast nichts jedenfalls, sie sagt nur, dass er jünger sei. Wie bei allen älteren Damen ist ihre Wohnung ein Sammelsurium an Erinnerungen. Drei Zimmer, ungefähr 130 Fotos, ein Fernsehsessel und überall dieser süsslich-abgestandene Duft des Alters, der einen an Grossmütter erinnert. Sie kommt gerade vom Arzt. Irgendein Check. Martha ist auf Blutverdünner. «Weisst Du, was ich dem Arzt gesagt habe? Dass ich gesund bin, weil ich 30 Jahre nicht beim Arzt war. Und dass ich nicht mehr komme, weil ich gesund bleiben möchte.»

Martha mag Busreisen

Von ihrem Balkon aus sieht sie ein bisschen Rhein. Wasser ist wichtig für Martha. Die glücklichste Zeit ihres Lebens war, als sie zusammen mit ihrem Mann 25 Jahre lang Bademeisterin in Arlesheim war. Schöne Erinnerungen hat sie an Jugowlawien, als sie und ihr Mann FKK-Urlaub machten, und ihr Leben mit ihrem Mann hört auf, zwei Wochen bevor sie mit einem neuen Wohnwagen für länger ans Nordkap fahren wollen. Die beiden lebten damals in einem Wohnwagen in Zurzach. Ihr Mann ging Velo fahren und kam nicht mehr nach Hause. «Ist einfach vom Rad gekippt. Dabei war er Sportler, Sattler und Tapezierer und erst 64 Jahre alt.» Martha war 54 damals, 1978. Sie kam zurück nach Basel.

Um Martha in ihrer süssen Exzentrik zu verstehen, hilft diese Geschichte. Martha mag Busreisen. War sogar, aber das ist nicht die eigentliche Geschichte, schon in Faenza nahe Ravenna, wo der einstige Formel-1-Rennstall Minardi zu Hause war, eine sympathische Truppe, die alles hatte ausser ein schnelles Auto, «Und, Michi, stell dir vor: Da haben wir eine Runde auf der Testrennstrecke gedreht. Mit dem Bus! Wir ganz allein!»

Vor ein paar Sonntagen nun war sie mit dem Bus in Heidelberg, es gab Mittagessen und danach spielten fünf Santigläuse Schubidubidu-Jazz. Wer noch konnte, wippte mit, aber Martha stand auf und tanzte: «Ganz alleine. Nein, das macht mir nichts aus. Was kann ich dafür, wenn die Männer faul sind?» So ist sie. Wo es Leben gibt, ist Martha, und wo Martha ist, ist auch Leben.

«Willst Du einen Schnaps, Michi?», fragt sie immer wieder. «Nein danke.» «Einen Whisky?» «Danke, Martha. Aber es ist zehn Uhr morgens.» «Na und? Du lebst ja auch jetzt und nicht nur abends, oder? Einen Kräuterschnaps vielleicht?» «Nein, Martha, wirklich nicht.» «Mein Motto, Michi, ist: Halb besoffen, ist rausgeschmissenes Geld. Dann iss halt Pralinen und Weihnachtskekse.» «Ja, Martha.»

Keine Frage, sie würde es wieder tun. Oder immer noch: Die Prostituierten, Zuhälter und Freier von oben mit einem Schlauch bespritzen, damit sie nicht mehr auf der Mauer des breiten Eingangs der Altersiedlung lümmeln. Und rauchen und trinken und einfach alles liegen lassen. «Eine einzige Schweinerei», sagt Martha. Stand da oben, die Martha, auf der damals noch allgemein zugänglichen Dachterrasse, nahm den Schlauch in die Hand und spritzte den Eingang frei. Mehrmals. Alle kamen, «Blick», «20 Minuten», «Telebasel» und schliesslich auch die Polizei. «Frau Ramseyer. Wenn Sie damit nicht aufhören, müssen wir was tun.» «Mir doch wurst», hat sie gesagt, fröhlich Interviews gegeben und weiter zielsicher die Benutzer der Toleranzzone nass gemacht. «Wenn niemand was tut, tue ich was», sagt sie heute noch. Und: «Ich habe mich gewehrt.»

Martha mag Achtung

«Aber man kann doch nicht einfach Leute mit einem Schlauch abspritzen, Martha. Das leuchtet doch irgendwie ein.» Sie zuckt mit der Schulter. «Ich schon. Ich war Bademeisterin. In Arlesheim. 25 Jahre lang … Und bei Coca- Cola habe ich auch 18 Jahre lang gearbeitet. Und früher hab ich Polizisten im Eglisee schwimmen beigebracht …» «Ich weiss, Martha.» «Ja. Wenn Du meinst. Gut. Also, wenn die nicht dort gestanden hätten, vor meinem Eingang, hätte ich ja nicht spritzen müssen.» «Aber wieso, Martha, so generell?» «Weil ich keine Huren vor meiner Haustüre will und Pack auch nicht.»

Martha steht auf. Will von was anderem erzählen. Sagt, dass sie gelernte Pelznäherin sei, zeigt ihre Pelze, redet von den 80 Puppen, die sie mal hatte und denen sie Kleider genäht hat. Dass sie an der Fasnacht 25 Jahre lang Einzelmaske gewesen sei. Dass sie mit ihrem Mann zehn Jahre im Wohnwagen nahe Bad Bellingen gelebt hat, bevor sie im Wohnwagen nach Zurzach gegangen seien, wo er dann vom Velo … Sagt, dass sie diesen Teppich, «auf dem du deine Füsse hast, Michi», selbst geknüpft hat. Martha hat immer alles auf einmal im Kopf, Vergangenes, längst Vergangenes, alles ist eine Erinnerung, die ins Hier und Jetzt will, alles ist von gleicher Dringlichkeit. Dass sie Porsche gefahren ist. Dass sie ein Testament gemacht hat: «Hat 75 Franken gekostet.» Dass sie ein «Superleben» gehabt hat. Dass sie bei Coca-Cola 75 Franken am Tag verdient hat.

Ob dann was Besonderes vorgefallen sei, dass sie plötzlich den Schlauch genommen habe? «Nein. Ich hatte es einfach satt, dass die Huren mir Arschloch sagen und den Stinkefinger zeigen.» «Und warum haben sie dir Arschloch gesagt, Martha?» «Weil ich, wenn ich nach Hause gekommen bin, immer gesagt habe, sie sollen verschwinden von hier. Ich zahle hier 1600 Franken Miete. Dann haben die mir Arschloch gesagt, Michi. Und das brauche ich nicht. Und ich habe ja noch ein bisschen Stolz im Kreuz. Da habe ich sie vollgespritzt. Tja. Und dann waren sie weg. Da habe ich mir gesagt: Alles richtig gemacht, Martha.»

Ein paar Tage später war ein Schloss an der Tür, die auf die Dachterrasse führt, und Marthas beherzte Spritzattacken für eine hurenfreie Welt vor ihrem Hauseingang vorbei. «Das mit dem Schloss war die Verwaltung. Auch alles Arschlöcher, Michi, ich sags dir gerne nochmals. Bei so was reagieren die. Aber als mein Nachbar dreieinhalb Wochen tot in seiner Wohnung lag, waren die natürlich nirgends. Typisch. Der Schlauch war auch weg. Da hab ich gesagt, der Schlauch sei Privateigentum. Da haben sie ihn wieder hingetan. Vielleicht doch ein Schnäpschen, Michi?»

Martha mag Verse

Zugegeben, das klingt derb; eine 87-Jährige, die «Arschloch» sagt. Und auch wenn es aus dem Mund von Martha kommt, klingt es deswegen nicht schmeichelhafter. Aber das ist Martha. Und die Narrenfreiheit des Alters und eine Portion Altersradikalität. Eine alte Dame, die keine Kompromisse mehr eingehen mag. Deren Hobby stricken und nähen ist, und die, wenn sie schwimmen geht, immer noch mit einem Spiessli ins Wasser taucht. Oder «Startsprung», wie sie sagt. Die auf die Frage, wie es so sei, alt zu sein, antwortet: «Ich muss mir Mühe geben.» Die alle zwei Wochen zum Masseur geht und es geniesst. Auch, weil es die Krankenkasse bezahlt. Die dannzumal kremiert werden möchte. Und vor allem möchte sie keine Abdankung. Die «mit warmen Händen» gibt, denjenigen, die sie liebt, alles. Den andern Saures.

Es ist jetzt elf Uhr vormittags, neun Pralinen und 13 Weinachtskekse später. Auf dem Tisch mit Häkeldecke liegen Fotoalben, Zeitungsausschnitte und zwei Ordner mit Versen. Martha dichtet gerne und trägt dann vor. Rezitiert aus einer Melange zwischen Schnitzelbänken und Gedichten, die Verse haben Titel wie: «Wer älter wird, ist selber schuld.» Und dann: «Michi, nicht doch ein Schnäpschen?» «Ich muss los, Martha, so langsam.» «Ach so. Hab ich dir eigentlich schon meinen Lieblings-Santiglaus-Vers gesagt?»

Ganzer Artikel: basolline.ch

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Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit

Die Süddeutsche Zeitung setzt sich mit den Folgen des Prostitutionsgesetzes auseinander.

“Frei von Zwang ist letztlich keine”: Mit dem 2002 in Kraft getretenen Prostitutionsgesetz wollte die damalige Bundesregierung die Situation der Frauen im Rotlichtmilieu verbessern. Das angeblich älteste Gewerbe der Welt sollte raus aus der rechtlichen Grauzone und rein in die Sozialversicherung. Doch viele Hoffnungen wurden enttäuscht.

Niemand zwingt sie, außer dem Leben selbst. Die Mutter, die eine Krebstherapie braucht, der Sohn, der eine vernünftige Schule besuchen soll. Um das nötige Geld nach Hause zu bringen, wird sie auch an diesem Abend ihre hohen grünen Stiefel anziehen. Dann, wenn der Kleine in seinem Bett ganz regelmäßig atmet. Sie wird sich davonstehlen aus ihrer Wohnung in Polen, gen Westen fahren, nach Berlin. In der Dämmerung wird sie zurück sein, der Sohn braucht sein Frühstück.

In Berlin kennt man sie und ihre grünen Stiefel: auf der Kurfürstenstraße, dem billigsten Strich der Stadt. Ihre Geschichte und ihren Namen aber kennt nur Angelika Müller, 53, die hier seit 15 Jahren als Krankenschwester in der Hilfseinrichtung “Frauentreff Olga” arbeitet.

Ökonomische Notwendigkeiten zwingen Frauen auf die Straße

Hinter der rußigen Häuserfassade im ersten Stock erzählt Müller an diesem Tag von den Frauen, die ganz unten stehen, im Leben wie in der Hierarchie des Rotlichts. Hier prostituiert sich das Elend, hier tragen die Frauen keine einheitlichen Moonboots wie in der Oranienburger Straße, sondern Brandlöcher und Laufmaschen, und darunter verbergen sich bei den meisten der gut 220 Frauen blaue Flecken. Male, die kein Freier sieht, dem eine von ihnen in einer dunklen Ecke die schnelle Befriedigung verschafft. Male, die nur Angelika Müller sieht.

Zwangsprostitution allerdings – das sei ein großes Wort, findet die Krankenschwester, es täusche klare Grenzen vor, wo keine seien. Am Beispiel der Frau mit den grünen Stiefeln könne man das sehen: Nicht nur die rohe Gewalt von Männern, auch ökonomische Notwendigkeiten zwingen Frauen auf die Straße. Eine krebskranke Mutter, ein Sohn, der es mal besser haben soll. Drogen, Schulden. “Frei von Zwang”, sagt Angelika Müller, “ist letztlich keine hier.”

Vor zehn Jahren hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das die Karten neu mischen sollte: Das Prostitutionsgesetz, in Kraft getreten am 1. Januar 2002, gab den Frauen erstmals einen Anspruch auf ihren Lohn, den sie vor Gericht einklagen können. Es sollte die Rechte der Frauen stärken, nicht aber die der Zuhälter. Und doch sollten diese erstmals legal Bordelle führen können und so für bessere Arbeitsbedingungen sorgen.

Das angeblich älteste Gewerbe der Welt sollte raus aus der rechtlichen Grauzone und rein in die Sozialversicherung. Man darf nach zehn Jahren sagen, dass viele Hoffnungen enttäuscht wurden.

Eine fließende Halbwelt

Wenn das Prostitutionsgesetz ein Experiment war, dann ist Berlin, die Stadt mit einem Dutzend Straßenstrichen, das perfekte Versuchslabor: Das Rotlichtgeschäft haben hier nicht ein paar wenige Kiezgrößen in ihren festen Händen wie in Hamburg oder ein paar alteingesessene Dynastien wie in Frankfurt.

Die Prostitution ist in Berlin nie in einen Sperrbezirk gepresst worden, sie ist verstreut geblieben, kleinteilig, und das heißt auch: immer in Bewegung. Eine Drei-Zimmer-Wohnung irgendwo in einem Hochhaus, eine Hotline und eine Anzeige in der Boulevardzeitung dazu – schnell ist das aufgemacht, schnell wieder geschlossen.

Es ist eine fließende Halbwelt, der Schriftsteller Thomas Brussig hat sie vor vier Jahren als “Berliner Orgie” porträtiert. Er protokollierte, wie die etwa 6000 bis 8000 Prostituierten Berlins in ungezählten Mini-Etablissements leben. Die meisten dieser kleinen Clubs hat der Markt längst wieder verschluckt und neu ausgespuckt, sagt die Berliner Soziologin Christiane Howe, die das Rotlichtmilieu systematisch untersucht. Nirgends in Deutschland reagiere die Rotlichtbranche derart schnell auf Veränderungen.

Dennoch: Die Hoffnung des Gesetzgebers, möglichst viele Prostituierte würden durch das Prostitutionsgesetz ordentliche Arbeitsverträge bekommen und in die Sozialkassen einzahlen, hat sich in Berlin kaum erfüllt, wie andernorts auch. Das hat das Familienministerium inzwischen selbst eingeräumt. Zahlen liefert das Ministerium nicht, nur eine Beobachtung: Die Prostituierten wollen sich nicht fest binden. Lieber sind sie Tagelöhnerinnen geblieben. Auch auf eine Rentenversicherung verzichten fast alle.

Ganzer Artikel: sueddeutsche.de

Ficken auf Rädern

Hans Ulrich Gumbrecht beschäftigt sich in seinem Blog bei der FAZ mit seinem Freund Klaus Birnstiel und dessen Sexualität als Rollifahrer.

Exzerpt:

Auch behinderte Menschen finden sexuelle Erfüllung, doch so manches Mal zahlen sie einen hohen Preis dafür – und finden kurzes, momenthaftes Glück in bezahlten Armen, Augenblicke sexueller Präsenz, körperlichen Seins ‘trotz’ körperlicher Behinderung. Die Debatte um gesellschaftlich sanktionierte (und das heißt: subventionierte) sexuelle Dienstleistungen für behinderte Menschen wird verschiedentlich geführt. Was in Deutschland legal, aber tabuisiert ist, wird zum Beispiel in der biederen Schweiz wesentlich offener gehandhabt. Die Leere aber, die käuflicher Sex hinterläßt, ist mit nichts zu beschreiben – nicht zu beschreiben in den Gesichtern derjenigen, die verkaufen (immer noch, und selbstverständlich: Frauen, überwiegend), und nicht zu beschreiben in den Gesichtern derjenigen, die kaufen (ebenso immer noch, und ebenso selbstverständlich: Männer, überwiegend). Wer einmal in die merkwürdig umflorten Augen tatsächlich recht ordentlich bezahlter Callgirls geschaut, sich mit den eigenen Komplexen, den Schuldgefühlen, dem kaum zu unterdrückenden Impuls, sich irgendwie jetzt sofort zu entschuldigen, konfrontiert gesehen hat, weiß, wovon hier die Rede ist. Dennoch geht es hier nicht um haltloses Moralisieren. Denn solange bestimmte Standards (safe, sane, consensual, wie in anderen sexuellen Parallelwelten auch) eingehalten werden, ist schwer einzusehen, warum Prostitution eigentlich so verdammenswert sein soll. Daß Sex als Ware das überbordende Verlangen nach körperlicher Präsenz kaum zu stillen vermag, das wiederum ist ein ganz anderer Punkt.

Die heile Welt sexueller Sozial-Pädagogik, die uns aktuelle gender-Theorie ausmalt, aber ist pure Fiktion, gezeugt in amerikanischen Seminarräumen und zu voller Blüte gelangt auf dem Boden rotgrün gefärbter europäischer political correctness. Und sie kann auch gar nichts anderes sein: Schließlich kann eine Theorie sexueller Gegenwärtigkeit, welche Körperlichkeit allenfalls als Effekt diskursiver Vermittlungen gelten läßt, kaum der Tatsache Rechnung tragen, daß behinderte Menschen insbesondere in ihrer Sexualität beständig an gläserne Decken stoßen. Eine an Multipler Sklerose im fortgeschrittenen Stadium erkrankte Frau auf dem Dancefloor, ein Querschnittsgelähmter im Club: seltene Bilder, und noch seltener wird aus den Bildern körperliche Realität – und Aktivität. Denn das Begehren nach sexueller Präsenz stößt an die Grenzen einer vollständig diskursivierten Sexualität, die Sex am liebsten ganz ohne Körper haben möchte: Sex der nicht schmutzig ist, Sex der nicht weh tut, Sex der niemals schiefgeht, Sex der keinem zu nahe tritt und Sex der nicht häßlich ist.

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Im Freiercafe haben wir wiederum unsere eigene Rolli Corner, die im Wesentlichen von einem Ficker namens Rolliman gefüttert wird und der – schau an – ist ebenfalls aktiver Blogger und zwar hier.

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Frankreich gegen die Prostitution – Strafe für Freier?

Frankreich will massiv gegen die Prostitution vorgehen, das französische Parlament berät über einen entsprechenden Gesetzesvorschlag. Um gegen die Prostitution vorgehen zu können, sollen Kunden (also die so genannten Freier) bestraft werden. Der Gesetzesentwurf wurde von einer Kommission vorbereitet, deren Mitglieder sich über alle Parteien im Parlament rekrutieren. Das Gesetz soll im Januar 2012 rechtswirksam werden, sofern das französische Parlament diesem Gesetzesentwurf zustimmen sollte.

Das älteste Gewerbe der Welt, so wird das knallharte Geschäft mit Frauen (in der Regel!) und ihren Körpern romantisch verklärt, doch ob ein gesetzliches Verbot die Lage der Prostituierten bessern wird, darf zu Recht bezweifelt werden. Der Rückgriff auf moralische Werte, die scheinbar aus dem letzten Jahrhundert stammen, wird das Gewerbe für Prostituierte nochmals verschärfen, Prostitution wird in die Illegalität abgedrängt. Schon 1960 hatte das französische Parlament die Absicht der Aufhebung der Prostitution verkündet.

1946 wurde ein Gesetz (unter Zustimmung der rechtskonservativen und der kommunistischen Partei) verabschiedet, welches Bordelle verbietet. Seitdem dürfen Prostituierte offiziell nur auf der Straße arbeiten. Um die Jahrtausendwende wurden wiederum eine Reihe von Gesetzen gegen die Prostitution verabschiedet, erst durften Prostituierte Freier unter Androhung von herben Geldstrafen aktiv nicht ansprechen, dann kurz darauf auch nicht passiv (anlächeln, mit den Augen zwinkern, Strafe bis zu 3750 Euro).

In der französischen Gesellschaft verbreitet sich zunehmend die Ansicht (und zwar in allen politischen Lagern),Prostitution spreche gegen die Menschenwürde und gegen das Menschenrecht. In Frankreich werden an die 20.000 Prostituierte vermutet, genaue Zahlen sind nicht bekannt, da die strafrechtliche Verfolgung eben nicht fördernd für die Transparenz ist. Die Strafe für die so genannten Freier soll bis zu 3000 Euro Geld- und bis zu sechs Monaten Freiheitsstrafe betragen. Ein ähnliches Gesetz wurde 1999 in Schweden verabschiedet.

Daher nimmt es nicht Wunder, dass die Gewerkschaft der Prostituierten Strass (Syndicat du Travail Sexuel) Sturm gegen das neue Gesetz läuft. Die, die vermeintlich beschützt werden sollen, wehren sich gegen das Gesetz. Unbestreitbar ist, dass in diesem Gewerbe ein hohes Gewaltpotential vorhanden ist. Frauen werden entführt (z.B. aus Osteuropa) oder unter falschen Versprechungen ins jeweilige Land gelockt und gnadenlos ausgebeutet. Auf der anderen Seite prostituieren sich Menschen freiwillig und arbeiten knallhart. Ob die Abdrängung ins kriminelle Milieu diesen Menschen helfen wird, eine müßige Frage. Und so lange gesellschaftliche Rahmenbedingungen sich nicht ändern, wird kein Gesetz diese Bedingungen überstülpen können. So sind die Pariser regelrecht stolz auf Moulin Rouge. Wieder einmal zeigt sich, Moral kann nur verlogen und heuchlerisch sein.

Ganzer Artikel –> asantenews.de

Vor EM-Auslosung: Proteste gegen Prostitution

Kiew (SID) – Wenige Stunden vor der Gruppenauslosung für die Fußball-Europameisterschaft 2012 haben ukrainischen Frauen mit einer Protestaktion auf das Problem Prostitution hingewiesen. Vor dem Olympiastadion in Kiew, wo am 1. Juli 2012 das Finale der EURO 2012 in Polen und der Ukraine ausgetragen wird, wiesen die nur spärlichen bekleideten Damen vor der versammelten Press aus ganz Europa darauf hin, dass in ihrem Land nach wie vor Zuhälter ihr Unwesen treiben würden.

“Wir wollen auf die Situation der Frauen in der Ukraine aufmerksam machen”, sagte Inna Schewtschenko von der Frauen-Organisation Femen, die für die Selbstbestimmung des Menschen, insbesondere der Frauen eintritt. Femen tritt seit geraumer Zeit mit seinen Oben-ohne-Protesten gegen Wahlfälschungen, Sextourismus und Sexismus in Erscheinung. Die Organisation befürchtet, dass während der EM-Endrunde (8. Juni bis 1. Juli) vor allem in der Ukraine die Prostitution erheblich ansteigt.

Der Protest wurde allerdings schnell durch ukrainische Sicherheitskräfte unterbunden, die die Frauen in Polizeifahrzeugen abtransportierten.

Ganzer Artikel: Die Zeit

“Falscher Perso”: Minderjährige will auf den Strich

Ein junge Frau will sich bei der Polizei als Prostituierte anmelden – mit einem gefälschten Ausweis. Das Mädchen war in Wirklichkeit noch minderjährig!

München – Laut Polizeibericht kam am Montag eine, wie sich später herausstellte minderjährige Rumänin zur Dienststelle des Kommissariats 35. Sie wollte sich dort zur Ausübung der Prostitution anmelden. Dafür legte sie eine rumänische ID-Karte vor, welche sie als 23-Jährige auswies. Da die Beamten vor Ort Fälschungsmerkmale an dem Dokument feststellten wurde dieses beim Bayerischen Landeskriminalamt begutachtet. Dabei konnte zweifeslfrei festgestellt werden, dass es sich bei dem Ausweis um eine Fälschung handelt.

Damit konfrontiert gab die Rumänin schließlich zu, dass sie minderjährig ist und sich den Ausweis beschafft hatte, um in München als Volljährige der Prostitution nachgehen zu können. Sie wurde vorläufig festgenommen. Zwischenzeitlich erging Haftbefehl gegen sie.

Ganzer Artikel: Münchener Abendzeitung

DVD- Tipp: “Frauenzimmer” 30

Christel (58 Jahre) hat mit 51 Jahren mit der Prostitution begonnen. Nach der Scheidung von ihrem Mann hat die zweifache Mutter sich entschieden diesen Weg zu gehen – auch um ihre bis dahin unbefriedigende Sexualität neu zu erkunden. Sie geht in ihrer neuen Berufung völlig auf und hat neues Selbstbewußtsein gewonnen. Ihre anfängliche Skepsis, ob sie als Dame, die in die Jahre gekommen ist, mit der jungen Konkurrenz mithalten kann, ist vollends verflogen. Dabei ist sie eine ganz „normale“ Großmutter, die gerne Zeit mit ihren Enkelkindern verbringt und auch sonst äußerlich in keiner Weise in diese Branche einzuordnen wäre. Sie sieht ihren Job nicht nur als Geldquelle, sondern auch als Quell des Glücks für die trostlosen Jahre ohne erfüllendes Liebesleben.

Paula (49 Jahre) ist seit 25 Jahren Prostituierte. Angefangen hat sie schon in der ehemaligen DDR, wo ein Freund sie jedesmal nach dem Sex mit 25 DM „belohnte“. Sie hat sich darüber nicht viele Gedanken gemacht, sondern freute sich über die Zuwendung, an der sie sehr viel Spaß hatte. Heute arbeitet sie als Chefin eines fünfköpfigen Bordells. Über Kundenmangel kann sie sich nicht beschweren. Sie hat sich an das schnelle und leichte Geld gewöhnt und liebt es ihr Einkommen mit vollen Händen auszugeben. Ganz so rosarot war ihr Leben allerdings nicht immer. Nach einer mißlungenen Flucht aus der DDR wurde sie festgenommen und sieben Jahre inhaftiert. Während dieser Zeit wurde sie mißbraucht. Ihre Traumata, die sie dort durchlitten hat, verarbeitet sie heute – so sagt sie selber- indem sie täglich einen Horrorfilm schaut. Das sei für sie eine Art Therapie.

Karolina (64 Jahre) ist für ihr Alter außergewöhnlich jung und attraktiv geblieben. Sie arbeitet als Domina und ist mittlerweile so routiniert, dass ihr der Spagat zwischen Arbeit und Alltag grotesk vorkommt. So kommt es ab und zu vor, dass sie während einer Session an die Hausarbeit denkt. Nicht selten denkt sie über ihre Jugendtage und die Erziehung nach, die so gar nicht zu ihrem eigenen Kopf passten. Immer schon wollte sie das Leben in vollen Zügen genießen und selbstbestimmt und mutig sein. Diese Lebensphilosophie hat sie sich auf ihrem Körper verewigen lassen: Ihr Rücken schmückt die Aufschrift: Carpe diem- nutze den Tag. Karolina ist seither so fasziniert vom tätowieren, dass sie selber den Entschluß gefasst hat ein Tatoo-Studio zu betreiben.

Dieser Dokumentarfilm ist einer der wenigen Gelegenheiten sich von Vorurteilen über eine verpönte Branche zu befreien. Dank der erfrischend offenen und selbstverständlichen Art der Protagonisten erhält man Einblicke, die der Zuschauer sicherlich nicht erwartet.

Frauenzimmer
Saara Aila Waasner
74 Minuten Spieldauer
Lighthouse Home Entertainment
14,99€

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Mancher Porno-Konsument würde sich das auch gerne leisten

Dominique Strauss-Kahn gilt jetzt offiziell als sexsüchtig. Sexologe Werner Huwiler über echte und falsche Sexsucht sowie Therapiemöglichkeiten.

Dominique Strauss-Kahn hat sich zwischen Geschäftsterminen offenbar Prostituierte «wie Pizzas» liefern lassen. Würde Sie ihn als sexsüchtig bezeichnen oder ist er einfach ein notorischer Fremdgeher?
Die Diagnose Sexsucht ist zwar in aller Munde, aber gibt es eigentlich nicht. Die Frage, ob jemand sexsüchtig ist, hängt von der Möglichkeit ab, ob man noch Herr seiner Triebe ist. Wer seine Sexualität nicht steuern, auch mal zurückhalten kann, ist süchtig. Bei Prominenten ist eine Diagnose besonders mit Vorsicht zu geniessen. Als Kranker erntet man ja Mitleid, was man nach einem Skandal gut gebrauchen kann.

Ein renommierter französischer Sexologe sagt, Dominique Strauss-Kahn sei krank. Wie sähe nun eine Therapie aus?
Man schaut, wie er in seiner Sexualität funktioniert. Wie erregt er sich? Was für Fantasien hat er? Aber auch: Wohin will er, was ist sein Ziel? Weil Sexualität nicht nur im Kopf stattfindet, macht man mit Sexsüchtigen auch Körperübungen im Bereich der Atemtechnik sowie Bewegungs- und Entspannungstechniken. Bei Porno-Süchtigen können auch Anleitungen zu erweiterten Methoden von Selbstbefriedigung ein Teil davon sein.

Strauss-Kahns Sucht ist nicht die Pornografie, sondern Prostituierte aus Fleisch und Blut. Sieht die Therapie da anders aus?
Nein. Ob sich die Sucht über Pornografie oder Besuche bei Prostituierten manifestiert, spielt keine Rolle. Das hängt ja auch von den finanziellen Möglichkeiten ab. Mancher Porno-Konsument würde sich das auch gerne leisten.

Ist Pornografie nicht anonymer und deshalb gefährlicher, was eine Suchtentwicklung angeht? Oder spielen bei Prostituierten andere Suchtmechanismen?
Dranghaftigkeit hängt nicht von der Art des Inputs ab. Dranghaftigkeit entsteht aus der Art, wie eine Person seine Sexualität gestaltet. Welche Lernschritte hat jemand gemacht? An welche Limiten stösst die Person? Was wird als genussvoll empfunden?

Hatte Strauss-Kahns Machtposition einen Einfluss auf sein Suchtverhalten?
Wahrscheinlich schon. Doch jede Sexsucht sieht anders aus, es gibt keine eindeutige Typologie eines Sexsüchtigen. Neben Prominenten wie Strauss-Kahn oder Tiger Woods trifft es auch den Büezer von der Strasse.

Sind ältere Männer häufiger sexsüchtig?
Nein. Es fällt bei diesen Männern einfach mehr auf. Bei jungen Männern gilt ein aktives Sexualleben oder die intensive Beschäftigung mit Sexualität als normal.

Also ist Sexsucht keine Tragödie des Alterns: Die Lust bleibt, aber die Möglichkeiten werden weniger?
Für einige mag das zutreffen. Aber das Gegenteil ist wohl weiter verbreitet: Dass einem die Lust im Alter abhanden kommt.

Gibt es heute wirklich mehr Sexsüchtige als früher?
Es gibt da noch keine zuverlässigen Studien. Was sich geändert hat, ist die Verfügbarkeit von Pornografie. Früher gab es ein paar einschlägige Heftchen, heute eröffnet sich mit dem Internet ein Meer an Porno-Sites. Handkehrum gibt es die Prostitution – und exzessive Nutzer davon – seit Ewigkeiten.

Gibt es für Sexsüchtige eine Art Anti-Viagra?
Es gibt chemische Keulen, aber die sind so stark, dass man sie in der Regel nur bei Sexualstraftätern einsetzt. Denn damit nur die Lust zu steuern, ist unmöglich, diese Medikamente beeinträchtigen auch andere Befindlichkeiten und Körperfunktionen.

Strauss-Kahns Frau distanziert sich von ihm. Welche Rolle kommt dem Partner eines Sexsüchtigen zu?
Das kommt auf die Vereinbarung an. Dominique Strauss-Kahn führte offenbar eine offene Beziehung. Ob das stimmt oder behauptet wurde, um den politischen Schaden zu begrenzen, weiss ich nicht. Bei meinen Patienten ist es oft so, dass die Partnerinnen zwar wissen, dass es andere Frauen gibt – aber das ganze Ausmass nicht kennen. Wenn das auffliegt, kommt es meistens zum Beziehungsabbruch, weil es nicht mehr um ausserpartnerschaftlichen Sex geht, sondern um Vertrauen.

Ganzer Artikel: Tagesanzeiger.ch

Griechen infizieren sich absichtlich mit HIV –

Die Zahl der HIV-Infektionen steigt in Griechenland sprunghaft an. Viele Menschen stecken sich in ihrer Verzweiflung absichtlich mit dem tödlichen Virus an. Denn die staatlichen Leistungen für Infizierte liegen weit über denen für Arbeitslose.

In Griechenland stecken sich offenbar Menschen absichtlich mit dem HI-Virus an, um Sozialhilfe zu erhalten. Das berichten Ärzte und Seuchenexperten in Athen. Schockierend nennt der Klinikdirektor des Athener Rotkreuz-Krankenhauses und Epidemiologe Marios Lazanas die Entwicklung. Mehrere Patienten hätten sich ihm offenbart und ihre finanzielle Not als Grund für eine bewusste Infektion genannt. Er führt diese vor allem unter Drogenabhängigen umgreifende Praxis daher auf die aktuelle Wirtschaftskrise und die Perspektivlosigkeit der Menschen zurück. „Uns erschüttert jedoch, dass sich einige Menschen deshalb absichtlich anstecken“, erklärt der Vorsitzende der griechischen Forschungsgruppe zur Aids-Bekämpfung.

HIV-Positive beziehen in Griechenland zusätzlich zu ihren Medikamenten lebenslang etwa 700 Euro im Monat. Das ist deutlich mehr als zum Beispiel Arbeitslose erhalten. Sie müssen sich unabhängig von der Höhe ihres letzten Einkommens mit 461 Euro monatlich begnügen und bekommen das Geld maximal ein Jahr lang.

Spritzbesteck als HIV-„Lieferant“
„Vor allem Heroinsüchtige infizieren sich absichtlich“, sagt Jenny Kremastinou, die kommissarische Vorsitzende des nationalen Seuchenkontrollzentrums. Die Abhängigen würden gezielt das Spritzbesteck bereits angesteckter Freunde benutzen. Die vorgelegten Statistiken bestätigen die schockierende Theorie. Unter Drogensüchtigen gab es 2010 bis Ende Oktober schon 190 Neuinfektionen. Im gesamten Vorjahr wurden nur 14 Fälle registriert. Setzt sich der Trend in diesem Jahr fort, bedeutete dies mehr als eine Versechzehnfachung der HIV-Infektionen unter Drogensüchtigen. Mitverantwortlich für den sprunghaften Anstieg dürften aber auch Sparmaßnahmen bei den staatlich finanzierten Suchtberatungsstellen sein. Sie mussten tiefe Einschnitte hinnehmen und ihr Angebot stark einschränken. Doch auch die Statistik für Neuinfektionen in allen Bevölkerungsgruppen verzeichnet mit Stand Oktober im Vergleich zum gesamten Vorjahr bereits einen Anstieg um mehr als 50 Prozent.

„Es gibt in der Tat auch Transsexuelle, die darüber nachdenken, ob es sich mit einer Aids-Infektion einfacher leben lässt“, sagte die transsexuelle Aktivistin Paola Revenioti gegenüber FOCUS Online. Revenioti sprach mit infizierten Transsexuellen. Diese führten seit ihrer HIV-Infektion angesichts der staatlichen Zuwendung ein einfacheres Leben. Transsexuelle sind oft auf die Prostitution als Lebenserwerb beschränkt. Doch der Markt ist seit dem Ausbruch der Finanzkrise noch härter umkämpft. Illegale Einwanderinnen bieten ihren Körper in ihrer großen Not für Beträge von nur noch rund 20 Euro an – und missachten darüber hinaus jedes Gesundheitsrisiko.

Der griechische Gesundheitsminister Andreas Loverdos sieht deshalb in der unkontrollierten Straßenprostitution illegaler Einwanderer beiderlei Geschlechts einen entscheidenden Faktor für den explosiven Anstieg der Infektionsrate. Er rief die Griechen über die Medien dazu auf, keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Prostituierten zu haben. „Denn dies ist der Weg, auf dem die Seuche in die Familien getragen wird“, mahnte Loverdos.

Die griechischen Medien sehen im Spardiktat des Staates nur die vordergründige Ursache für das schockierende Phänomen der vorsätzlichen HIV-Infektionen. Der eigentliche Grund sei, dass es in Wirklichkeit noch nie ein soziales Netz in Griechenland gegeben habe. Denn genauso wie sich die Politiker mit geschönten Zahlen in die Eurozone gemogelt hätten, seien in Sachen Sozialleistungen jahrelang nur potemkinsche Dörfer aufgebaut worden.

Ganzer Artikel: Focus.de

Drogenhöhle mit Babystrich in Basel?

Nach dem Gesichtsschuss in einem Basler Tattoo-Studio kommen Details über eine bislang völlig unbekannte Szene zum Vorschein. Es geht um Minderjährige, Drogen und Prostitution. Insider packen aus.

Sie wollten nur ein bisschen «chillen», verabredeten sich im Tattoo- und Piercing-Studio Cadaphy. Doch dann griff der 23-jährige Pablo* zur Waffe und schoss Lea* brutal ins Gesicht. Seither liegt die 16-Jährige im Koma. Was Pablo zu dieser Wahnsinnstat trieb, ist weiterhin unklar. Die Staatsanwaltschaft konnte sie noch nicht befragen. Jetzt packen jugendliche Szene-Kenner aus.

Marco (Name der Redaktion bekannt) ist 19 und kennt das Opfer Lea sowie mehrere Leute, die in den Tattoo-Fall involviert sind. Und Marco weiss: Im Tattoo-Studio wurde nicht nur gechillt. Im Hinterzimmer des Studios wurden Drogen vertickt. Und das nicht nur an der Feldbergstrasse. In ganz Basel gebe es mehrere solche für Drogendeals «getarnte» Orte.

«Die Mädchen prostituieren sich für Drogen»

Der Teenager weiss von Dutzenden von Basler Jugendlichen, die sich in der Drogen-Szene bewegen. «Viele gehen nicht zur Schule oder sind arbeitslos», sagt Marco. Am Tag hängen sie auf Hauspartys rum. Am Abend, hauptsächlich ab Donnerstag, seien sie in bestimmten Klubs unterwegs. «Dort gibt es schon für Kids ab 15 Drogen und Sex auf den Toiletten.» Die Minderjährigen kommen ohne Ausweis in die Klubs. Dort wird mit Hasch, Koks, Speed und weiteren Drogen gedealt.

«Die Mädchen prostituieren sich für Koks, viele Jungs sind Dealer, um sich ihre eigenen Drogen finanzieren zu können», sagt Marco. Und er ist nicht der Einzige, der von dem Treiben weiss. 20 Minuten Online hat mit einer weiteren Jugendlichen gesprochen, die unabhängig von Marcos Schilderungen die Vorgänge bestätigt. Die 18-Jährige, die sich in diesem Milieu bewegt, sagt: «Die Szene trifft sich in mindestens drei Basler Klubs.» Ausweise kontrolliere dort niemand und unter den Mädchen, die sich für Drogen verkauften, seien nicht wenige Minderjährige.

Niemand realisiere, wie viele Jugendliche in Basel involviert seien, sagen die Kenner der Szene. Die Polizei habe keine Ahnung, sagt Marco. Der Basler Jugendanwalt Beat Burkhardt sagt: «Das ist mir neu, davon ist mir nichts bekannt.» Doch auf die leichte Schulter will man die Sache nicht nehmen. Man gehe den Hinweisen nach, sei sehr interessiert, eine solche Szene – falls sie denn existiere – «trockenzulegen», so Burkhardt weiter. «So etwas akzeptieren wir in Basel nicht.»

Auch Marco möchte dem Ganzen nicht mehr länger zusehen. «Es muss gestoppt werden, sonst gibt es weitere schlimme Fälle wie den Schuss ins Gesicht im Tattoo-Studio.»

Ganzer Artikel: 20min.ch

Wie der Sex nach Deutschland kam: Im Sittlichkeitskampf

SACHBUCH: Die Historikerin Sybille Steinbacher erzählt “Wie der Sex nach Deutschland kam”.

Der Sex kam in den nicht ganz zu Recht als prüde, muffig und verklemmt verschrienen 50er Jahren nach Deutschland – als Begriff und als Freizeitunterhaltung. Der Kampf der kirchlichen und teilweise der politischen Eliten “gegen Schmutz und Schund” und für das, was in ihrem Jargon Sittlichkeit hieß, war nur ein Rückzugsgefecht. Es waren also nicht erst die 68er, die mit dem Muff von tausend Jahren auch in den Betten Schluss machten. Die sexuelle Revolution begann fast zwanzig Jahre früher, nämlich 1953, mit dem Kinsey-Report. Mit ihm wurden Sexualverhalten und -moral ein öffentlich diskutiertes Thema. Dies sind zentrale Thesen der Historikerin Sybille Steinbacher in ihrem gründlichen, meinungsstarken und für eine wissenschaftliche Arbeit unterhaltsam geschriebenen Buch “Wie der Sex nach Deutschland kam”.

Die Jugendschützer waren oft frühere Nazis
Damals war in Flugblättern zu lesen: “Wer sich dennoch entschließt, den Film zu besuchen, macht sich zum Wegbereiter des Kultur-Bolschewismus. Er soll sich nicht beklagen, wenn morgen oder übermorgen der militärische oder politische Bolschewismus über uns hereinbricht. Und die Frauenwelt, die sich den Film ansieht, soll nicht jammern, wenn sie später entsprechend gewertet und behandelt wird.” Heißt: Frauen, welche “Die Sünderin” anschauen, sind selbst schuld, wenn sie schließlich von den bolschewistischen Horden vergewaltigt werden. Es nützte natürlich alles nichts, die Leute liefen massenweise erst recht in den Film.

Doch wurde der Sittenverfall – da ging es argumentativ drunter und drüber – gern auch mit den Amerikanern mit ihrer angeblich oberflächlichen Kultur in Verbindung gebracht, wahlweise auch mit dem sittenlosen Nationalsozialismus. “Im Sittlichkeitskampf ließ sich moralischer Reflexionsbedarf in Bezug auf die NS-Vergangenheit abarbeiten”, sagt Steinbacher.

Wie widersprüchlich und verlogen dieser Kampf war, geht auch daraus hervor, dass die beamteten Sittlichkeitskämpfer bei Polizei und anderen Behörden nicht selten ehemalige und rehabilitierte Nationalsozialisten waren. Steinbacher macht immer wieder auf “die handfesten Zusammenhänge zwischen rigider Sexualmoral und nationalsozialistischen Tätern als deren Exekutoren” aufmerksam – “eine Tatsache, keine Einbildung der protestierenden Jugend der späten sechziger Jahre”. Dem Kampf gegen den Sittenverfall widmeten sich die Justiz, das Bundeskriminalamt – und in jedem Bundesland eine eigene Zentralstelle für jugendgefährdende Schriften.

Steinbacher schildert ausführlich die unternehmerische Karriere von Beate Uhse. Jahrzehntelang beschäftigten sich die Gerichte mit ihr. Doch die Bevölkerung kaufte millionenfach jene Broschüren und Artikel, die Beate Uhse und viele andere Versandhändler zur Verbesserung der “Ehehygiene” anboten. Steinbacher: “Fortschritt war die kulturelle Orientierungsnorm der Zeit, und Erotikkonsum entwickelte sich zum Symbol gestiegenen Lebensstandards. Sex und alles, was dazu gehörte, wurden zum konsumierbaren Freizeitvergnügen und zum Ausweis eines guten, sozusagen modernen Lebens.”

Die Konsumgesellschaft fegte die Sexualmoral der bürgerlichen Eliten hinweg, die laut Steinbacher seit dem Kaiserreich “stets als Hilfskonstrukt gegen die Moderne fungiert” hatte. Sex wurde selbst zum Konsumgut. Illustrierte wie Quick und Stern profitierten von der Sexwelle und trieben sie gleichzeitig voran. Schließlich resignierte die Kirche, und auch der Staat machte sich am Ende die Ansicht zu eigen, dass er nicht zu bewerten habe, was die Bürger in ihren Betten treiben. Mit der Strafrechtsreform der sozialliberalen Koalition wurden zahlreiche Verstöße gegen die Sittlichkeit entkriminalisiert; auch die Verbreitung unzüchtiger Schriften war nicht mehr verboten. Seither ist Sex allgegenwärtig: in den Medien, im Kino, im Pop, in der Werbung.

Auch wenn die “sexuelle Revolution” neue Zwänge schuf und schon gar nicht, wie die 68er gemeint hatten, die politische Revolution vorantrieb, so trug sie doch dazu bei, das alte Frauenbild zu zerstören. In der bürgerlichen Familie war die Frau Hüterin der Familie, das hieß, auch von Sitte und Anstand. Und das bedeutete, dass sie den Mund halten, keine Ansprüche stellen und dem Manne untertan sein sollte. Diesem Bild folgte die Mehrheit der Frauen nicht mehr, und so mussten Kirche und bürgerliche Eliten ohnmächtig ansehen, wie ihre Deutungshoheit über die Sexualmoral verfiel. Und Deutungshoheit ist eben immer auch ein Stück Macht.

– Sybille Steinbacher: Wie der Sex nach Deutschland kam. Der Kampf um Sittlichkeit und Anstand in der frühen Bundesrepublik. Siedler Verlag, München 2011. 576 Seiten, 28 Euro.
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Menschenhändler zwangen Opfer in Wien zu Prostitution

Schlag gegen bulgarische Gruppe – Auch Minderjährige und Behinderte unter den Opfern

Wien – Tagsüber mussten sie auf den Straßenstrich gehen – in der Mariahilfer Straße, in der U-Bahn-Station Westbahnhof, wo die Stammfreier zu ihnen kamen. Wurde es dunkel, brachten die Zuhälter sie in schmuddelige Bordelle – waren dort zu viele Frauen, mussten sie im Auto schlafen. “Sie” sind die Opfer eines Clans bulgarischer Menschenhändler, die mindestens 28 Frauen aus ihrer Heimat in Wien zur Prostitution gezwungen haben sollen.

Eineinhalb Jahre ermittelte die Exekutive beider Länder für die “Operation Montana”, am 14. November schlugen die Fahnder ab fünf Uhr morgens zu. Sieben mutmaßliche Haupttäter – alle Mitglieder einer Familie – wurden festgenommen, insgesamt sind es 22 Beschuldigte, dazu kommen 34 Kontaktpersonen, die teils kleinere Aufgaben im Rahmen des Menschenschmuggels erledigten. 31 Opfer sind bekannt, neben den Frauen auch drei Männer, die zum Betteln gezwungen wurden. Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt schätzte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz, dass es rund 100 Betroffene gibt.

Benannt ist die Operation nach einem verarmten Landstrich im Nordwesten Bulgariens. Mehrere der Opfer stammen von dort, in die Prostitution wurden sie mit der “Lover-Boy-Methode” gelockt. Die männlichen Verdächtigen spielten den Frauen – eine davon minderjährig, eine behindert – die große Liebe vor. Schirmten sie immer mehr von der Familie ab, versprachen Verdienstmöglichkeiten im Westen. In Wien mussten sie dann um 20, 30 Euro ihren Körper verkaufen. Gezwungen mit Schlägen, Vergewaltigungen und Drohungen gegen die Familie.

Dreijähriger als Pfand

In einem Fall war der dreijährige Sohn eines Opfers in der Hand eines mutmaßlichen Täters, schildert Claudia Dannhauser von der Wiener Polizei. Die Frau sorgte dennoch für einen Durchbruch bei den Ermittlungen: Sie vertraute sich bei der vorgeschriebenen Kontrolluntersuchung einer dortigen Mitarbeiterin an – was ungewöhnlich ist. Denn viele der Frauen sahen sich bei der Befragung durch die Polizei zunächst nicht als Opfer. “Es hat erst dann ,Klick’ gemacht”, sagt Dannhauser. Viele waren bis zuletzt überzeugt, für ihren Freund für eine bessere Zukunft zu arbeiten.

“In einem Fall hat eines der Opfer zu Hause von ihren Erlebnissen erzählt. Doch ihre Schwester war überzeugt, dass ihr das nicht passieren könnte, und ließ sich mit einem Verdächtigen ein”, erzählt Tatzgern. Möglichkeiten zum Ausbruch hatten sie kaum. “Die meisten sprechen weder Englisch noch Deutsch und können lateinische Schrift nicht lesen.”

Als Illustration für die Forderung der Grünen, Menschenhandel als Asylgrund zuzulassen, sieht Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) den Fall nicht. “Wir haben in Österreich bereits einen sehr hohen Schutz für Opfer.” EU-Bürgerinnen stehe frei, ob sie in die Heimat oder hierbleiben wollen, manchmal bekämen sie auch eine neue Identität. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 24.11.2011)

Hintergrund: Montana – die ärmste Region der EU

Die Stadt Montana liegt im Nordwesten Bulgariens und damit in jenem Landesteil, der laut Eurostat 2008 die ärmste Region in der EU war. Das BIP pro Person machte lediglich 28 Prozent des EU-Durchschnitts aus. “Eckpunkte” sind die Städte Montana, Vraza und Vidin. Die Region grenzt an Rumänien und Serbien. Die Nordwestecke Bulgariens ist seit der Wende als “rote” Hochburg bekannt, da sich die Linke dort behauptete. Das Region wird im Land spöttisch als “nordverfallene” bezeichnet. Laut Nationaler Statistik ist es der Landesteil mit der geringsten Beschäftigungsquote, mit der raschesten Alterung der Bevölkerung und der niedrigsten Geburtenrate. Die Arbeitslosigkeit beträgt offiziell nur zwölf Prozent, wird aber weit höher geschätzt, da sie lediglich die registrierten Arbeitssuchenden ausweist.Bemühungen der Regierung, durch Programme und finanzielle Anreize Investoren anzulocken, haben wenig Erfolg gebracht. Gewisse Hoffnungen sind mit dem Bau einer Donaubrücke bei Vidin und damit einer direkten Verbindung nach Rumänien verbunden. Deren Fertigstellung lässt allerdings noch auf sich warten. (APA)

Ganzer Artikel von Michael Möseneder
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