Prostitution in Berlin – Sex ohne Grenzen

Ein, wie ich finde, lesenswerter, weil nicht eindimensionaler, Artikel über Prostitution und Freier – sogar mal mit Freierstimmen! Es wird vieles beschrieben, aber wird auch zwischen den Zeilen geurteilt? Entscheidet selbst…

Weil Prostitution in Deutschland legal ist, strömen Schweden, Briten und Schweizer ins Land. Vor allem nach Berlin. Während derzeit in der Politik über härtere Gesetze und Strafen diskutiert wird, ist käuflicher Sex billig wie selten zuvor. Ein Besuch in einem Flatrate-Bordell.
Was Åke an Berlin besonders gefällt, ist nicht die Museumsinsel oder der Fernsehturm, es sind nicht mal die Bierpreise, es sind die Frauen, die er hier getroffen hat. Die Berliner Frauen nämlich wissen, was sie wollen. Sein Geld. Dafür, sagt Åke, wüssten sie auch, was sie zu geben bereit sind. Ein wenig Smalltalk, viel Sex. Åke lächelt zufrieden. Über so viel Eindeutigkeit freut er sich.

Åke ist 49 Jahre und ziemlich groß. Er kommt aus Stockholm, Schweden, und seine weißblonden Haare bilden einen auffälligen Kontrast zu seiner Bräune. Er sieht aus wie jemand, der ohne Weiteres für eine Rasierwasser-Werbung gebucht werden könnte.

Natürlich hat er einen Nachnamen. Doch den braucht es nicht, dort, wo er jetzt ist.

An einem Mittwoch im November sitzt Åke auf einer Couch in einer Berliner Vier-Zimmer-Wohnung. Vor ihm ein flacher Tisch mit Schälchen voller Erdnüsse, aus den Lautsprecherboxen über ihm dudelt Elektropop. Hier wird jeder beim Vornamen genannt.

Åke trägt nur ein Handtuch um die Hüften, so wie alle in der Wohnung. Neben dem Zimmer, in dem er sitzt, und einer Sauna, gibt es ein Bad, eine Küche und einen Raum groß wie ein Saal. Darin stehen zwei riesige Betten. Es riecht nach warmer Saunaluft.

Kein Name an der Klingel

Auf dem Klingelschild am Eingang zu der Wohnung steht kein Name, sondern kleingedruckt Öffnungszeiten. Vor den Fenstern hängen Vorhänge. Sonst deutet wenig darauf hin, dass in diesen Zimmern jeden Tag 30, 40, manchmal 70 Männer Sex haben. Je nachdem, wie die Stimmung ist, sind drei, vier, fünf Männer gleichzeitig mit einer oder zwei Frauen aktiv. Die Wohnung liegt in einem der Berliner Kieze, in dem die Mieten erst seit kurzem steigen. Sie ist eines von etwa 800 Bordellen, die es in der Stadt geben soll.

In den vergangenen Wochen ist viel über Frauen gesagt und geschrieben worden, die mit Sex ihr Geld verdienen. Alice Schwarzer stellte ihr neues Buch vor, in Talkshows prangerten die einen Prostitution an, während die anderen ihr Gewerbe verteidigten. Mit den Männern, den Kunden, sprach kaum jemand. Weshalb zwar viele vermuten, aber kaum jemand weiß: Wer sind die Freier?

Männer wie Åke, ohne die es diese Wohnung nicht gäbe; ohne die sich CDU und SPD derzeit nicht in Ankündigungen überbieten würden, Prostitution bald schärfer regeln zu wollen.

Kaum Informationen über die Freier

Verlässliche Daten über Freier gibt es wenige, Schätzungen zufolge bezahlen 600 000 Männer bundesweit jeden Tag für Sex. Bordellbetreiber, Sexualberater und Polizisten halten hinsichtlich der Herkunft der Freier die „Jedermann-These“ für plausibel. Demnach stammen Freier aus allen sozialen Schichten, Kulturen und Altersgruppen.

In Berlin gibt es neben kleinen und großen Bordellen kilometerlange Straßenstriche, bekannt sind Kurfürstenstraße, Tiergarten und Oranienburger Straße. Dazu kommen Straßen in Buch, Neukölln, Hohenschönhausen und Spandau.

Åke hat sich an diesem Mittwochabend gerade erst in einem Taxi von einem Geschäftstreffen zu der Wohnung fahren lassen. Er will entspannen. Wie die meisten der 30 Männer, die gerade in der Sauna schwitzen – oder eben Sex haben – ist Åke nicht zum ersten Mal hier. Er mag die Gemütlichkeit, den Smalltalk auf der Couch, vor allem mag er das Unkomplizierte. „Ich habe nun mal viel Lust auf Sex und bin bereit, zu zahlen, wenn es sein muss“, sagt Åke.

Irgendeine dieser Wohnungen ist immer offen, wenn eine Reise ihn nach Berlin führt. Das läuft dann ab wie bei dieser: Åke klingelt, zahlt 70 bis 100 Euro, legt seine Klamotten ins Regal, duscht, nimmt ein Handtuch, nippt an einer Cola, isst einen Happen, und überlegt sich, mit wem er diesmal anfängt.

Kondome in Körben

Die Wohnung ist kein Puff wie man ihn aus Filmen kennt, mit Zimmern wie Verrichtungsboxen, die von dunklen Gängen abgehen. Hier gibt es einen für alle einsehbaren Tummelplatz, in dessen Mitte Kingsize-Betten stehen, neben denen Kondome in Körben liegen.

Auf diesen Betten treffen viele Männer auf wenige Frauen. Wenn eine Frau nicht mehr möchte, geht sie duschen, für sie kommt eine Neue auf’s Bett. Das ist „Flatrate-Sex“, den Alice Schwarzer als besonders frauenverachtend bezeichnet hat, den CDU und SPD verbieten wollen.

Einmal zahlen, den ganzen Sex haben

Das Prinzip ist simpel: Wer einmal Eintritt zahlt, darf Sex mit den anwesenden Frauen haben bis der Laden am späten Abend schließt. Gruppensex gefällt nicht jedem. Das Konzept aber wird populärer, Läden wie dieser boomen. In traditionellen Puffs schließlich kostet eine halbe Stunde 50 Euro und jede Minute länger extra.

Åke machen nackte Männer neben ihm nichts aus. Sein Selbstbewusstsein schützt ihn davor, sich zu genieren. Man glaubt ihm sofort, dass er nie Mühe hatte, Frauen in der Uni, im Job, in der Disko kennenzulernen. Respektvoll erzählt er von seinen Exfreundinnen, davon, wie erstaunlich verständnisvoll sie auf seine Lust, mit anderen zu schlafen, reagiert hätten. Derzeit habe er keine Freundin. Und wenn doch, sagt er, wäre er trotzdem hier.

Aus der Dusche kommt Jana. Sie föhnt ihre roten Haare, reckt den Kopf und stellt fragend einen Vergleich an, der Åke gefällt: Ob er nicht dieser Hollywood-Typ sei, der neulich „in so einem Politik-Film“ zu sehen war? Åke lächelt, nein, Robert Redford sei dann doch jemand anderes: „But thanks for asking!“

Åke und Jana steuern das Kingsize-Bett an, ein Tross schweigsamer Mittvierziger trottet hinterher. Jana ist beliebt. Sie macht es auch anal.

In Schweden machen sich Freier schon strafbar

Von der Forderung, käuflichen Sex hierzulande zu bestrafen, hat Åke gehört. In Schweden, wo er mit Booten handelt und den Sozialdemokraten beigetreten ist, machen sich Freier schon strafbar.

Auch das trägt zu dem bei, was Prostitutionsgegner anprangern: Weil käuflicher Sex in Deutschland legal ist, strömen Schweden, Briten, Schweizer ins Land – und vor allem nach Berlin. Bordellbetreiber und Huren berichten von Kunden aus ganz Europa. Und seit Jahrzehnten war Sex nicht so billig.

Gerade 70 Euro kostet Åke der ganze Abend diesmal – in Stockholm ist das sein Stundenlohn. Für das Geld gibt es außerdem viel mehr als schnellen, heimlichen Verkehr auf Parkplätzen, der auch in Schweden zu haben ist. In Deutschland wird für Fetisch- und Gruppensex geworben.

Aber warum versucht Åke nicht, Frauen bei Kongressen oder in Bars kennenzulernen? Er, der mit Robert Redford verglichen wird. Die Zeit sei ihm zu schade, sagt er. Außerdem sei er gar nicht sicher, ob ihn nicht auch etwaige Affären eher wegen seines Geldes nehmen wollten als wegen seiner babyblauen Augen. Und Jana, meint Åke, sehe ziemlich glücklich aus.

Jana, 28 Jahre, ausgebildete Krankenschwester, sagt: „Ich bin Hobbyhure.“ Als sie anfing, mit zwei, drei Männern gleichzeitig zu schlafen, habe sie dafür kein Geld bekommen. Sie habe in Sexforen und Clubs nach Gelegenheiten gesucht. Am Wochenende kann man Jana heute noch in Berliner Clubs treffen, tanzend, knutschend, mit Männern, Frauen, Pärchen.

Erst Krankenschwester, jetzt Hobbyhure

Erst andere Frauen, „richtig Professionelle“, hätten darauf bestanden, dass sie Geld nehme. Nun macht auch Jana 70 Euro die Stunde. Als Krankenschwester waren es 15,50 Euro.

Später an diesem Mittwoch betritt ihr Freund die Wohnung. Alexander, Anfang 30, Pädagoge aus Berlin, ist ein freundlicher, jungenhafter Mann. Er sagt: „Ich wollte meine Liebste abholen.“

Alexander besitzt keine Boote und ist oft damit beschäftigt, seinen Vater zu pflegen. „40 Jahre Bau, das hat bei meinem Alten schon Spuren hinterlassen“, sagt Alexander und nimmt sich eine Fanta. Jana habe er über ein Dating-Portal kennengelernt. Durch sie habe er zum Gruppensex gefunden. Klar, inzwischen zahle er Eintritt in verschiedenen Etablissements, sei also auch ein Freier. Ihn habe die Beziehung mit Jana „einfach geiler“ gemacht, er brauche mehr als früher. „Ich muss einiges nachholen“, sagt Alexander. „Bis 30 war ich ein Nerd.“

Keine Frauen mit blauen Flecken

Jana ist auf einem der Kingsize-Betten beschäftigt. „Vögeln“ würde sie sagen, „arbeiten“ würde das Finanzamt sagen, „ausgebeutet und erniedrigt werden“, würden wahrscheinlich Alice Schwarzers Anhängerinnen sagen. Ist Jana eine typische Sexarbeiterin, Alexander ein typischer Freier?

„Das nun auch nicht“, sagt er. „Viele Mädchen wollen schnell möglichst viel verdienen, oder die füttern einen Macker durch.“ Alexander meint Frauen aus Osteuropa. Dass die meisten von ihnen zur Prostitution gezwungen würden, glaubt er nicht. Aus reiner Lust machten sie es aber auch nicht, sondern des Geldes wegen, wie wohl kaum jemand gern hauptberuflich Putzen gehe.

Jana hat zusammen mit einer Freundin angefangen – der Betreiber der Wohnung habe ihnen gleich gesagt, wer einen Zuhälter hat, brauche es gar nicht erst versuchen. Für Frauen mit blauen Flecken gilt das sowieso. Es gebe ohnehin ausreichend Interessentinnen, sagt der Betreiber. Viele Läden werden außerdem von der Polizei überprüft, die Frauen einzeln zu den Arbeitsbedingungen befragt.

Dorfkönige in Berlin

Dass nicht jeder Gast ein scheuer Spätzünder ist, wird kurze Zeit später deutlich. Es klingelt, die zuständige Hausdame öffnet die Tür, kalte Luft strömt in den Flur, schwere Schuhe poltern über das Parkett, in ihnen steckt ein grinsender Hüne: „Ah, ein neues Gesicht!?“ Die Hausdame sagt artig: „Ich bin die Maria!“

Jana ist fertig, kommt nackt aus dem Zimmer. Der Hüne winkt, man kennt sich, er kommt wöchentlich. Einige sagen, er erzähle gern Herrenwitze, nach denen er zustimmendes Gelächter erwarte. Irgendwo in der Provinz werde er als Dorfkönig verhätschelt. Mit diesem Ego fahre er nach Berlin. Hier wird er nur „der Magdeburger“ genannt.

Der Magdeburger ist einer jener Männer, die einen Schlüsselanhänger ihres Fußballvereins haben und wissen, in welcher Tankstelle auf 500 Kilometern Autobahn der Liter zwei Cent günstiger ist.

Er ist so etwas wie der beschwerdeführende Verbraucherschützer unter den Freiern. So wie er online in Autoforen nach Winterreifen sucht und Kommentare über den Service in Werkstätten hinterlässt, so informiert er sich auf Erotikseiten, ob „irgendwo eine Neue angeboten“ wird.

Freier kommentieren in Internetforen

In den Chats auf den Internetseiten für Freier wird hemmungslos kommentiert. „Kriegt beim Blasen den Mund nicht auf“, steht dann da, oder „die mit den vielen Tätowierungen sieht halt schon etwas verlebt aus“. Hoffentlich, schreibt ein anderer, seien keine „Möchtegern-Porno-Stuten“ da, sondern „naturgeile Mädels“.

Naturgeil ist beliebt. Åke, Alexander und der Magdeburger sagen unabhängig von einander, „nichts sei abtörnender“, als eine Frau, die eigentlich keinen Sex wolle. Nicht nur die Freier, auch Jana und die Hausdame Maria berichten, dass viele Gäste explizit nach Frauen fragten, die nur gelegentlich Sex für Geld haben. Professionelle Huren, womöglich „noch süchtig“, seien zumindest in dieser Wohnung nicht begehrt.

Für den Magdeburger ist das Freierdasein ein sorgsam gepflegtes Hobby. Seit der Wende ist er in halb Norddeutschland unterwegs gewesen. Selbstverständlich weiß er, wie viele Damen es waren: „ganz bald 1500“.

Der Magdeburger ist geschieden, die gemeinsame Tochter bald erwachsen. Dürfte sie sich prostituieren? Nein, aber es gebe auch noch eine Menge anderer Jobs, die sie nicht machen sollte. Er macht ein Bier auf, verschränkt die Hände hinter dem Kopf.

Keine Schamgefühle für bezahlten Sex

Ist ihm peinlich, dass er 99 Prozent der Frauen in seinem Leben bezahlen musste? Nein, und wenn er nicht bei einem Sportverband angestellt wäre, dürfte man seinen vollen Namen notieren. Unbezahlten Sex hatte er lange nicht. „Und wenn schon“, sagt er. „Auch für die meisten normalen Frauen ist Geld nu’ ma’ ein wichtiger Grund überhaupt… Kennen sie eine, die einen armen Schlucker nimmt?“

Enttäuscht klingt der Magdeburger nicht. Sollte er über die Macht des Geldes in dieser Welt mal traurig gewesen sein, ist das lange her. „Auf die eine oder andere Art wollen Frauen halt Kohle, mindestens aber Anerkennung für Sex.“

Åke kommt ins Zimmer, seine weißblonden Strähnen sind verschwitzt. Der Magdeburger fragt ihn prompt, wer alles da sei. Ah, die Sarah auch, passt, die hatte er noch nicht. Routiniert hebt er sich aus der Couch.

Åke beginnt ungefragt: „In Schweden herrschen die Taliban, die Feministinnen-Taliban.“ Die Frauenpolitik seines Landes gehe ihm zu weit. Gegen Zwangsprostitution – Åke spricht von „organisierter Vergewaltigung“ – müsse der Staat hart vorgehen. Wer aber sein Auto, seine Schulden, seinen Lifestyle lieber durch Sex finanzieren wolle als durch Kellnern, solle in Ruhe gelassen werden.

In zwei Wochen ist er wieder in Berlin.

Quelle:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/prostitution-in-berlin-sex-ohne-grenzen/9126180.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/prostitution-in-berlin-kondome-in-koerben/9126180-2.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/prostitution-in-berlin-keine-frauen-mit-blauen-flecken/9126180-3.html

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Prostituierte in Berlin: Das Rotlicht-Milieu breitet sich aus

Berlin – Auch in Außenbezirken bieten sich neuerdings Prostituierte auf der Straße an. Denn die traditionellen Straßenstrichbereiche in der City sind voll. Viele Frauen kommen aus Südosteuropa. Prostitution ist in Deutschland ein legales Gewerbe.

Die Polizei beobachtet derzeit, dass immer mehr Frauen aus Südosteuropa nach Berlin kommen und dann hier als Prostituierte arbeiten. Weil die traditionellen Straßenstrichbereiche aktuell ausgelastet sind, weichen die neu zugewanderten Frauen an den Stadtrand aus – nach Buch, Weißensee und Hohenschönhausen.

Das hat sich auch in einschlägigen Internetportalen herumgesprochen. Männer berichten davon, dort Prostituierte besucht zu haben, 40 bis 50 Euro hätten sie für Sex ohne Gummi bezahlt. Die Frauen kämen aus Bulgarien und Rumänien, sie stünden tagsüber dort, doch „die Verrichtung ist leider nur im Auto möglich“, schrieben die Freier.

Außer an den bekannten Rotlichtmeilen zwischen Kurfürsten- und Bülowstraße in Tiergarten und Schöneberg, der Oranienburger Straße in Mitte und rund um die Straße des 17. Juni in Charlottenburg stehen Prostituierte neuerdings auch an der Hobrechtsfelder Chaussee im Pankower Ortsteil Buch und an der Darßer Straße zwischen Hohenschönhausen und Weißensee.

Grundsätzlich erlaubt

Polizeibeamte haben einige der Frauen dort überprüft und die Fachdienststellen für Rotlichtkriminalität informiert. Mehr tut die Polizei derzeit nicht. Denn Prostitution sei grundsätzlich erlaubt, seitdem am 20. Dezember 2001 das Prostitutionsgesetz beschlossen wurde, erklärt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Auch das Ordnungsamt hat keine Handhabe“, sagt Pankows Stadtrat für Ordnungsangelegenheiten, Torsten Kühne (CDU). „Das ist alles völlig legal.“

Die Prostituierten-Selbsthilfe-Organisation Hydra bestätigt ebenfalls eine „gewisse Zunahme“. „Wenn mehr Frauen kommen, ist eben auch die Kurfürstenstraße irgendwann voll“, sagt eine Mitarbeiterin. Frauen aus EU-Ländern, die in ihrer Heimat oft keine Arbeit fänden, könnten ganz regulär als Selbstständige in Deutschland tätig werden.

So legal das Sex-Gewerbe am Straßenrand auch ist, etliche Anwohner reagieren empört und beschweren sich in den Bezirksämtern. Im Forstamt Buch ärgert sich Leiter Romeo Kappel über die „Verschmutzungen am Straßenrand“. Er meint benutzte Kondome und gebrauchte Taschentücher, von denen immer mehr an der Hobrechtsfelder Chaussee liegen. Und er befürchtet, dass die Prostitution mit kriminellen Delikten einhergehen könnte. Die Polizei kann diesen Zusammenhang jedoch nicht bestätigen.

Emails und Anrufe

Am Donnerstagabend reagierten die Behörden in Lichtenberg. Polizisten vom Abschnitt 61 und Vertreter des Bezirksamtes besichtigten den Straßenstrich an der Darßer Straße in Hohenschönhausen. Prostituierte trafen sie dort nicht an, diese waren wohl gewarnt worden. Zur Runde gehörte auch der Kreisvorsitzende der CDU Lichtenberg, Martin Pätzold. „Es gab Beschwerden von Bürgern beim Bezirksamt, auch mich haben Emails und Anrufe erreicht“, sagt er.

Der Bezirk Lichtenberg will nun eingreifen, wenigstens mit stadtgestalterischen Maßnahmen. So sollen Sträucher und Bäume beschnitten werden, um das Geschäft mit dem käuflichen Sex zu erschweren. Gerade die Freier werden nicht gern beobachtet. Zum größten Teil befindet sich der Strich zwar an brachliegenden Gewerbeflächen, allerdings gibt es auch ein Oberstufenzentrum und Wohnhäuser in der Nähe. Die Polizei wird öfter Streife fahren. „Wir wollen auch mit den Frauen sprechen, das Gesundheitsamt soll dabei sein“, sagt Pätzold. Oft seien die Frauen in Notlagen, ihnen müsste Hilfe angeboten werden.

In Mitte – dort liegen der Straßenstrich Oranienburger Straße und der Strich an der Kurfürstenstraße in Tiergarten-Süd – kümmern sich muttersprachliche Sozialarbeiterinnen vom Verein Olga um die südosteuropäischen Frauen. Die Sozialarbeiter geben Ratschläge zur Gesundheit und Hygiene und helfen, den Ausstieg aus dem Geschäft zu erleichtern. Manche Frauen sind drogenabhängig. Hilfe sei aber nicht einfach zu leisten, sagt der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD). Oft wechselten die Prostituierten nach einigen Monaten. „Dann fangen die Sozialarbeiterinnen wieder von vorn an.“

Einen Sperrbezirk, wie in einigen Städten üblich, lehnt Hanke ab. „Sperrbezirke verdrängen das Problem.“ Für Berlin sei es besser, ein paar wenige feste Standorte zu haben, damit man sich um die Frauen kümmern könne, sagt Hanke.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/berlin/prostituierte-in-berlin-das-rotlicht-milieu-breitet-sich-aus,10809148,23961110.html

Bezirk schickt Rasenmäher gegen Huren

Verrückt: Rasenmäher als Einsatzmittel gegen Huren? Klingt ja schon etwas menschenfeindlich…

Lichtenberg – „Verkehrsberuhigung“ mit dem Rasenmäher: Das Bezirksamt will die Unkrautwiesen an der Darßer Straße mähen – die Freier der Straßenhuren können dann nicht mehr ungesehen in den Sattel steigen. Hofft man.

Die fünf neuen Oststraßenstriche (KURIER berichtete) geraten endlich unter Druck. In Lichtenberg gab es jetzt einen Ortstermin, an dem der Polizei-Abschnittleiter Markus Knapp, Fabian Peter vom Büro des zuständigen Stadtrats Nünthel und der Lichtenberger CDU-Vorsitzende Martin Pätzold teilnahmen.

Peter erklärte dem KURIER, dass es mit der Mäh-Aktion aber noch etwas dauern kann – das Grünflächenamt sei im Moment mit der Beseitigung der Gewitterschäden beschäftigt, und für den Einsatz einer Firma müsse erst Geld bereitgestellt werden.
Das gilt auch für die Idee, den Graaler Weg mit Pollern zu blockieren, damit Freier nicht mit dem Auto und der jeweiligen Sexualdienstleisterin hineinfahren können. Pätzold: „Die Straße kann so lange gesperrt bleiben, bis sich auf dem Gewerbegebiet dort Gewerbe ansiedelt.“

Auch die Polizei will öfter vorbeischauen – allerdings kann sie nicht wirklich tätig werden, solange die Prostituierten halbwegs bekleidet sind und sich gesetzesgetreu benehmen. Nach KURIER-Informationen sind Sozialarbeiterinnen dabei, die Frauen auf Hilfe durch das „Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienfragen“ im Bezirk oder durch die Prostituierten-Organisation Hydra hinzuweisen.

Quelle: http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/lichtenberg-bezirk-schickt-rasenmaeher-gegen-huren,7169128,23960080.html#

Blöd jelofen

Liebeskasper nennt man in nicht nur Foren Männer, die sich in Prostituierte verlieben, sie bia zue Selbstaufgabe finanziell unterstützen, eifersüchtig auf andere Freier sind, meinen, die Frau “da rausholen” zu müssen und, da die Zuneigung nicht auf Gegenseitigkeit beruht, von der Frau verarscht und ausgenutzt werden.
Die Zeit Online erzählt so eine Geschichte, emotional, aber ohne Hohn gegenüber den Beteiligten.

Das Unglück des Klaus Schulz* beginnt an dem Tag, als er sich endlich verliebt. Es ist ein Nachmittag im Juli 2006. Kurz nach 17 Uhr stellt Schulz seinen silbernen Mercedes an einer Tankstelle in Halle an der Saale ab. Es ist heiß und schwül. Feierabendverkehr donnert nebenan auf zwei Spuren stadtauswärts. Während Schulz tankt, sieht er im Schatten des Vordachs eine Frau stehen: schwarze Jeans, schwarzes Top, lange, wasserstoffblonde Haare – er schaut direkt noch mal hin. Wie schön sie ist, sagt er sich und blickt zu Boden. Klaus Schulz, 36, ledig, hat seit elf Jahren keine Freundin. Die Frau kommt auf ihn zu. »Hallo«, sie lächelt ihn an. »Kann ich was für dich tun?«

»Is alles blöd jelofen«, sagt er. Er spricht diesen sachsen-anhaltinischen Dialekt, der wie eine Mischung aus Berlinerisch und Sächsisch klingt. »Es kann sein, dass ich ein bisschen weine«, sagt er.

Zum Artikel

Beethoven statt Blasen

Und nochmal die Bild:
Klassische Musik soll die Damen des Gewerbes von einem Standort an der Berliner Kurfürstenstraße vertreiben:

An der Berliner Kurfürstenstraße soll ein Einkaufszentrum entstehen, inklusive Parkdeck mit 370 Stellplätzen. Doch direkt vor dem Grundstück bieten Huren auf dem berüchtigten Straßenstrich ihre Dienste an.

Der Plan: viele Fußgängerüberwege, Video-Überwachung, helle Beleuchtung, Kassen-Automaten nur im Inneren des Einkaufscenters – und klassische Musik! Versuche hätten gezeigt, dass Klassik Freier und Huren nervt.

Die Idee mit der Musik ist nicht ganz neu, wurde im Ausland schon irgendwo erfolgreich praktiziert, auch schon an Bahnhofsvorplätzen, wo sich Drogenabhängige gesammelt hatten.
Vermutlich wird es den Strich am Ende um ein paar Meter verlagern, Platz ist an und um die Kurfürstenstraße ja genug.

Blick in den Termin-Kalender einer Hure

Von Steuerberater bis Domina-Sex: das Wochen-Programm der Prostituierten Kate aus Mitte.

Ihren ersten Termin in dieser Woche hatte Kate am Montag um 8 Uhr. Bürgeramt Mitte, Führerschein-Antrag stellen. Der letzte Termin beginnt Sonntag um 20 Uhr. Dann trifft die 22-Jährige einen Stammkunden. Erst zum gemeinsamen Abendessen. Danach zum Sex.

Blick in den Terminkalender einer Hure: Kate, Prostituierte aus Mitte, notiert minutiös, was sie von Montag bis Sonntag abzuarbeiten hat, beruflich und privat. Termine zwischen Freudenhaus und Mädelsabend, Domina-Sex und Steuerberater.

„Wenn man wie ich unter der Woche täglich im Bordell arbeitet, dazu noch Escort-Besuche in Wohnung oder Hotel anbietet, kann man sich schnell verzetteln“, sagt sie. „Momentan habe ich zusätzlich auch ständig Fahrschulstunden. Und mindestens einmal pro Woche muss ich mir Zeit fürs Fitnessstudio nehmen.“

Interessant sind die Details in ihrem Kalender, so wie am Dienstag. Zwischen 11 und 16 Uhr arbeitet Kate im Wilmersdorfer Bordell Van Kampen. „Gummifrau kommt“, steht darunter. „Das ist eine selbstständige Händlerin, bei der wir Kondome, Gleitgel und Massageöl diskret im Laden kaufen können.“

Für den Escort am Donnerstag hat sich ein Freier High Heels und schwarze Spitzendessous gewünscht. „Er ist SK, also Stammkunde“, erklärt Kate. „Das ist ein Hinweis, dass ich ihn kenne und seine Adresse bereits im Handy gespeichert habe.“

Kate, die ihren echten Namen geheim halten will, arbeitet seit zwei Jahren als Prostituierte. Ihre Lehre zur Hotelfachfrau hat sie abgebrochen, „die Arbeit wurde langweilig und war nicht gut bezahlt“.

Ein Freund vermittelte ihr dann den Kontakt zum Bordell. „Prostitution ist ganz sicher nicht mein Traumjob, aber ich verdiene gut“, sagt Kate. Wie viel im Monat, verrät sie nicht, über Geld schweigt die Szene lieber.

Ihren Eltern hat sie gebeichtet, womit sie ihren Lebensunterhalt verdient. Doch bei gemeinsamen Abendessen (Samstag) oder dem Muttertags-Brunch mit Mama spricht die Familie nicht über Kates Job. „Sie wollen das nicht“, sagt sie. „Und ich fände es auch merkwürdig, wenn mein Papa mich fragen würde, wie der Arbeitstag so war.“

Ganzer Artikel: bz-berlin.de

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Geplantes Bordell wieder Thema für Richter

Eigentlich hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin den Bau eines Laufhauses an der Potsdamer Straße Ecke Kurfürstenstraße bereits im Juni 2010 untersagt. Jetzt wurde die Berufung der Klägerin zugelassen.

Das geplante Laufhaus an der Potsdamer Straße Ecke Kurfürstenstraße beschäftigt weiter die Gerichte. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hat die Berufung der Klägerin zugelassen, die dort ein Großbordell einrichten möchte.

Das Verwaltungsgericht hatte die Entscheidung des bezirklichen Bauamtes, eine Baugenehmigung für solch eine Vergnügungsstätte zu versagen, als richtig bestätigt. Zwar sei das Vorhaben in dem Gebiet zulässig. Im Hinblick auf seine Größe und unter Berücksichtigung des bereits vorhandenen Rotlicht-Gewerbes verstoße es jedoch gegen das Gebot der Rücksichtnahme. Mit dem Laufhaus in der beabsichtigten Größe – geplant sind rund 50 Zimmer, die Prostituierte anmieten, um dort bei geöffneter Tür auf Kunden zu warten – käme Prostitutionsgewerbe in einem städtebaulich nicht mehr vertretbaren Umfang hinzu, urteilten die Richter in erster Instanz.

Das OVG wird sich mit dem Fall frühestens 2012 beschäftigen. Am heutigen Dienstag lädt der Nachbarschaftstreff an der Bülowstraße 94 ab 19 Uhr zum Thema „Nachbarschaft und Prostitution“ ein. Die Leiterin des Frauentreffs Olga und eine Kriminaldirektorin berichten auch über Prostitution und Menschenhandel.

Ganzer Artikel –> Morgenpost.de

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Mehr Minderjährige auf dem Strich

Die Zahl der minderjährigen Zwangsprostituierten steigt – und immer mehr suchen Beratungsstellen auf.

Immer mehr minderjährige Zwangsprostitierte in Berlin. Die Zahl der minderjährigen Opfer wächst kontinuierlich, erklärte am Mittwoch die Leiterin der Beratungsstelle des Caritas-Fachverbandes „In Via“, Barbara Eritt. Kamen die Frauen in den 1990er Jahren mehrheitlich aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion, sind es jetzt vor allem Bulgarien, Rumänien und afrikanische Länder.

Und immer mehr suchen in Berlin Hilfe bei Beratungsstellen. Nach Eritts Angaben wird ein Großteil der Frauen bei Razzien im Rotlichtmilieu aufgegriffen und dann den Hilfsorganisationen übergeben. Das Berliner Hilfsangebot von „In Via“ für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, besteht seit 15 Jahren. Seitdem hat „In Via“ 1.500 Frauen in Berlin betreut und 9.000 Beratungsstunden geleistet.

Eritt betonte weiter, dass zudem die Zahl der Frauen gestiegen ist, die über das Internet für die Prostitution angeworben werden. „In Chat-Rooms locken die Zuhälter junge Frauen in die Falle“, so Errit. Seit dem vergangenen Jahr gibt es auch in Brandenburg ein „In Via“-Präventionsprojekt zur Eindämmung sexuell übertragbarer Krankheiten im Prostitutions-Milieu. Dazu sucht eine Streetworkerin in Brandenburg und im grenzüberschreitenden Raum zu Polen Prostituierte auf.

Ganzer Artikel –> bz-berlin.de

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Roma-Kinder in Berlin – Aufstieg ins Elend

Der Spiegel berichtet:

Es ist eine neue Dimension der Not, mitten in Deutschland: Hunderte Roma-Kinder leben in Berlin in bitterer Armut, gehen nicht zur Schule. Für Lehrer, Sozialarbeiter, staatliche Stellen sind sie kaum zu erreichen. Manche geraten in die Fänge von Pädophilen und verkaufen ihren Körper als Stricher.

Berlin – Wenn seine Schüler plötzlich neue Schuhe tragen, neue Jeans, neue T-Shirts; wenn Firmen-Logos darauf sind, die sie teuer und wertvoll machen, dann fürchtet Jens-Jürgen Saurin das Schlimmste. Wenn seinen Schülern plötzlich nicht mehr anzusehen ist, dass sie in Häusern wohnen, vor denen sich der Müll stapelt; dass sie in Hinterhöfen und Treppenhäusern spielen, in denen alte Kühlschränke, Staubsauger, Sofas schimmeln, dann fürchtet Saurin, 61, weißes Haar, Schulleiter: Die Jungs sind hineingeraten in die Pädophilenszene Neuköllns.

“Wir haben nur in Einzelfällen die Bestätigung dafür, aber der Eindruck ist sehr stark”, sagt Saurin. Im Norden des Berliner Problembezirks sei “in schrecklichem Maße eine pädophile Szene zu beobachten”.
Saurin leitet die Adolf-Reichwein-Förderschule in Neukölln, einer der ärmsten Gegenden Berlins, die sich zugleich zum beliebten Ausgehbezirk wandelt. Die Bars und Clubs der Feierfreudigen liegen nur wenige Straßen entfernt. Er und seine Kollegen sind so etwas wie ein Kriseninterventionsteam der deutschen Bildungspolitik. Sie kümmern sich um jene Kinder, die es nicht gepackt haben an anderen Schulen; die oft aus armen Familien kommen, die es schwer haben im Leben.

Dutzende Kinder, die bei ihm lernen, stammen aus Roma-Familien – viele sind in den vergangenen Monaten aus Rumänien oder Bulgarien nach Berlin gekommen. Wenn es um das Abrutschen von Kindern ins Strichermilieu gehe, seien die ” Roma-Kinder eine besonders gefährdete Jungengruppe”, sagt Saurin.

Nicht nur Saurin, auch andere Sozialarbeiter und Bezirkspolitiker erzählen von Kindern, die ins Strichermilieu oder in die Fänge von Pädophilen geraten sind. Ralf Rötten von der Hilfsorganisation Berliner Jungs sagte der “taz”: “Ein großer Teil der Jungen, die Opfer pädosexueller Gewalt werden, sind Migranten.” Sie würden sich schämen, hätten Angst vor dem Gesichtsverlust. “Sie wollen nicht als homosexuell gelten.”

Rosa von Praunheim hat einen Film über Stricherjungs in Berlin gedreht, er lief auf der letzten Berlinale. Darin porträtiert er auch Roma-Jungs, denn 70 Prozent der männlichen Prostituierten in der Hauptstadt stamme mittlerweile aus Osteuropa, unter ihnen seien viele Roma, sagt er.

Erst langsam gerät das neue Elend in den Blick

Die Kinderprostitution und die sexuelle Gewalt gegen Kinder aus Roma-Familien in sozialen Brennpunkten – es sind Folgen einer Armut, die in ihrer Dimension neu ist in Deutschland.

Wenn über Roma berichtet wird, geht es meist um Diskriminierung und um Kriminalität. Dann leben die Klischees auf vom fahrenden Volk, das unter sich bleiben will. Von klauenden Kindern, von bettelnden Müttern, von Jugendlichen, die einem die Autoscheibe putzen, von Mafia-Strukturen – solche Dinge.

Erst langsam gerät das Elend in den Blick, in dem viele leben, auch mitten in deutschen Großstädten. Da gibt es Hilfsarbeiter, die von Menschenhändlern hergekarrt werden und als legale Sklaven schuften. Am härtesten jedoch trifft es die Kinder.
Tausende Roma-Familien leben in Deutschland, viele sind EU-Bürger, stammen aus Rumänien und Bulgarien. Sie dürfen ohne Arbeitsnachweis nur drei Monate bleiben, oft bleiben sie länger. Sie wollen den Aufstieg schaffen – und leben meist weiterhin im Elend; auch wenn es einigen gelingt, sich selbständig zu machen oder einen regulären Job zu finden.

Es bilden sich neue Parallelgesellschaften, in die vorzudringen nicht leicht fällt. “Wir haben es mit einer neuen Stufe der Armut zu tun”, sagt Neuköllns Migrationsbeauftragter Arnold Mengelkoch.

Ganzer Artikel –> spiegel.de

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Bei den Damen

Die linke Wochenzeitung Jungle World berichtet über ein skurriles Sexkino in Berlin.

Ein Besuch in einem Sexkino im Berliner Bezirk Neukölln.

von Iris Dankemeyer

Wer von der Karl-Marx-Straße am Magdalenenkirchhof in Richtung des Richardplatzes abbiegt, wird gleich zweifach an die Geschichte Rixdorfs erinnert. Der Blick auf den Böhmischen Gottesacker mag einem in Erinnerung rufen, dass der Kiez auf eine Ansiedlung böhmischer Exilevangelen durch Wilhelm I. etwa Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgeht. Gleich neben dem Friedhof, auf dem in Tradition der Herrnhuter Brüdergemeinde die Leichname noch nach Geschlechtern getrennt bestattet wurden, kann einem beim Anblick der roten Laterne einfallen, dass jenes Böhmisch-Rixdorf sich in nur wenigen Jahrzehnten zum Zentrum frivoler Unterhaltung entwickelt hatte, so dass Wilhelm II. es 1912 kurzerhand in »Neukölln« umbenannte, um mit dem neuen Namen alte Unsitten abzuschaffen.

Tatsächlich hängt die rote Laterne heute eher unvermittelt in einer verkehrsberuhigten Zone, umgeben von Mietshäusern, die zum Großteil von Familien bewohnt werden. Ein eher unauffälliges Schild verrät, dass es sich bei »Judy’s Kinobar« um ein Sexkino handelt.

Sexkinos sind mittlerweile ein Anachronismus. Was im Pornoboom der sechziger und siebziger Jahre seinen Höhepunkt fand, ist seit dem Aufkommen der Videotheken in den achtziger Jahren im Niedergang begriffen. Spätestens seit der Verbreitung von Internetpornographie, die alles, was zuvor schwer zu bekommen war, grenzen- und mühelos verfügbar macht, gehen die einschlägigen Kinos reihenweise ein. Wer in Zeiten von Youporn noch ein Pornokino aufsucht, muss einen besonderen Grund haben. Oder einer Generation angehören, die nie mit dem Internet vertraut geworden ist. In den übrig gebliebenen Läden sucht die Zuschauerschaft weniger das Neue – die Filmauswahl ist zuhause am Computer ohnehin größer – als vielmehr das Alte, den Nervenkitzel des halböffentlichen Zusehens, den Ausnahmecharakter des Ortes, das spezifische Flair der Umgebung….

Kompletter Artikel auf Jungle-world.com

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Auch der Herbst hat schöne Tage

Gibt es eigentlich Freier in Seniorenheimen?
Gibt es.
Derwesten.de berichtet:

Schätzungen zufolge tun in jedem zweiten Senioren- oder Pflegeheim Prostituierte ihren Dienst. Allein in Berlin haben sich bereits mehrere Dutzend Frauen auf alte und behinderte Menschen als Freier eingestellt.

Pflegeexperten wissen heute, wie ernst man sexuelle Interessen auch im hohen Alter nehmen muss, schon, um Übergriffe zu verhindern und das Pflegepersonal vor heiklen Wünschen zu schützen.

„Der Bedarf wird wachsen“, glaubt auch Marion Detlefs von Hydra. Es gebe immer mehr alte Menschen, die „nicht mehr diese 08/15-Stellungen abarbeiten wollen“. Und auch das Angebot dürfte größer werden: „Die Sexarbeiterinnen werden älter und können auf diese Weise lange in ihrem Beruf bleiben.“

Ganzer Artikel

Das Thema wird auch in unserem Forum diskutiert.

Was sagt eigentlich Frau Ackermann dazu?

Lulu – Die Nuttenrepublik

Am 11. Dezember hat an der Berliner Schaubühne ein ungewöhnliches Stück Premiere: Frank Wedekings Fünfakter “Lulu”, 1913 uraufgeführt, bedient sich in einer aktuellen Inszenierung von Volker Lösch unter dem Titel “Lulu – Die Nuttenrepublik” realer Sexworkerinnen als Darsteller auf der Bühne.

Die HP der Schaubühne beschreibt das so:

Diese Berlinerinnen sind Fachfrauen für die Sexualität, die Ängste und Wünsche von Männern, Profis für Selbstinszenierung und Rollenspiel – und nicht zuletzt Geschäftsfrauen, die ihre Ware auf dem Markt verkaufen. Sie werden als Sprechchor auftreten und mit ihren Geschichten eine Hauptrolle in »Lulu – Die Nuttenrepublik« spielen.

Zur Seite der Schaubühne

Volker Lösch hat zum Anlass der Inszenierung dem Deutschlandradio Kultur ein Interview gegeben.

Ein Auszug:

Stephan Karkowsky: Frank Wedekinds Bühnenstück “Lulu” entstand vor 100 Jahren – ein erotische Groteske, ein Panoptikum der Berliner Halbwelt und eine Anklage der Doppelmoral des Bürgertums. Für die Berliner Schaubühne adaptiert hat es nun Volker Lösch, ein Regisseur, der am liebsten Laiendarsteller auf die Bühne stellt, mit Vorliebe aus gesellschaftlichen Randgruppen. Diesmal eine Reihe von Sexarbeiterinnen. Am Samstag ist Premiere. Susanne Burkhardt hat während der Proben mit Lösch über seine Inszenierung gesprochen, und als Erstes hat Lösch hat ihr dabei verraten, ob man die Motive der literarischen Lulu mit denen von echten Prostituierten gleichsetzen kann.

Volker Lösch: Wir untersuchen jetzt einfach aufgrund der Verbindung der Biografien, Geschichten von Sexarbeiterinnen und dem, was Lulu macht, ob die Freier, die am Ende des Stückes im fünften Akt auf Lulu treffen, in ihren Verhaltensweisen, in ihren Beziehungen zu Lu so sehr viel anders sind als die Männertypen, die am Anfang auftauchen, also wie viel Prostitution steckt im Bürgertum oder in der Bürgerlichkeit.

Und andere Frage, anders herum, das ist auch sehr interessant, auch aufgrund der Geschichten, die die Frauen erzählen, wie viel Bürgerlichkeit oder wie viel bürgerliche Träume oder wie viel Sehnsucht nach Bürgerlichkeit haben denn Prostituierte. Und das durchdringt sich wechselseitig, ist bei Wedekind angelegt, und wir untersuchen es, stellen es auf den Prüfstand.

Susanne Burkhardt: Das ist ja ein von Ihnen gern gewähltes Mittel, dass sie sich einen Klassiker nehmen, eine Geschichte erzählen mit professionellen Darstellern, dass sie sich dann Betroffene oder …

Lösch: Soziale Gruppen …

Burkhardt: Laiengruppen, soziale Gruppen als Chor dazutun, das gab es ja bei, um nur einem Beispiel zu nennen, Gerhard Hauptmann “Die Weber”. Da haben Sie das mit einem Chor von Hartz-IV-Empfängern gemacht. In “Lulu” oder “Die Nuttenrepublik”, Sie haben es gerade schon angesprochen, sind es neben den Schauspielern dann auch Sexarbeiterinnen, also Frauen, die mit Sex oder mit Sexarbeit ihr Geld verdienen. Wieso ist es Ihnen so wichtig, echte Betroffene auf die Bühne zu stellen? Trauen Sie den künstlerischen Mitteln des Theaters nicht?

Lösch: Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich glaube, es gibt auch keine unechten Betroffenen, es gibt nur Betroffene, und die können erst mal aus erster Hand Geschichten erzählen. Ich lebe natürlich auch davon und mein Team lebt davon auch, dass wir am Anfang sehr viele Gespräche führen, also dass wir journalistisch arbeiten, und dass wir aufgrund dieser Gespräche ein unglaublich reichhaltiges Material zusammentragen, welches von Spezialistinnen, was Liebesbeziehungen, erotische Beziehungen, Sexbeziehungen zwischen Männern und Frauen betrifft, stammen. Es gibt keine größeren Expertinnen auf diesem Gebiet als Sexarbeiterinnen, und die können einem erst mal sehr, sehr viel dazu erzählen, können anhand ihrer Geschichten das Material gegenwärtig aufladen und können das Material, ohne es zu beschädigen, erweitern eigentlich.

Man kann das Stück natürlich so spielen, wie es da ist, aber man kann es natürlich auch anreichern, man kann es mit heutigen Assoziationen versehen, um es reicher zu machen, nicht um es schwächer zu machen, um es aufzuladen, um es ins Verhältnis zu setzen zum Heute, funktioniert der Text noch oder funktioniert er nicht. Man kann natürlich sagen, das kann ich mir auch denken dabei, ich guck zu und denk mir das Ganze selber dabei, nur die Erfahrungen, die da geschildert werden, jetzt an unserem Abend, anhand der erlebten Geschichten, sind so interessant, dass man fast einen eigenen Abend draus machen könnte. Man kann natürlich auch beide Geschichten verbinden und geht, glaube ich, dann mit einem reicheren Ergebnis raus, als wenn man es jetzt so spielt, wie es da steht.

Zum Interview

Das Stück ist vorläufig bis zum 23.1.2011 angesetzt.

Schnappschüsse von der Venus 2010

Die Venus 2010 verzeichnete mit 29000 Besuchern, das sind 4000 mehr als im vergangenen Jahr, einen Besucherrekord.

Die Homepage der Venus berichtet:

273 Aussteller aus 34 Ländern boten den Besuchern die neusten Trends der Erotikbranche: 3-D-animierte Erotikfilme, mobile Anwendungen, aber auch Amateur-Portale erfreuten sich großer Beliebtheit. Neben Produzenten von Filmen, Dessous und Lovetoys reihten sich auch Anbieter aus den Bereichen Mode, Möbel oder Kosmetik ein.

Highlight der 14.VENUS war eindeutig die langersehnte Rückkehr des VENUS Awards, der an die erfolgreichsten Branchengrößen verliehen wurde. Gemeinsam mit Moderator Markus Hagewald führte die ehemalige DSDS-Kandidatin Annemarie Eilfeld durch das Showprogramm.

Zur Seite der Venus

Auch der Trucker und der speedpanther05, zwei Jungs vom Freiercafe, durch ihre Teilnahme beim Gangbang auf den letzten beiden Freiercafe-Partyevents Vielen bekannt, waren vor Ort und haben uns ein paar Schnappschüsse mitgebracht.

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Was wurde aus: “KFZ-Kennzeichen von Freiern im Internet“?

Mit großem Dank an User Frankyk für das Verfassen dieses hochwertigen Artikels:

Was wurde aus:“ KFZ-Kennzeichen von Freiern im Internet“?
Eine kleine Meldung, eine große Aufregung – aber dann?

Die Meldung über einen Antrag Berliner Kommualpolitiker, wonach KFZ-Kennzeichen von Freiern im Internet angeprangert werden sollten,[http://www.bild.de/BILD/politik/2010...itikerin.html] verbreitete sich schnell in Freier-Kreisen und führte zu teilweise heftigen Reaktionen in den einschlägigen Foren [http://freierjournal.com/2010/10/02/...e-spucke-weg/]. Inzwischen ist es um das Thema ruhig geworden. Es war aus Datenschutzgründen ohnehin eine Totgeburt, aber das hat beim Aufregen nicht gestört, dazu war es viel zu plakativ. Schade eigentlich, denn der Anlass verdient eine nähere Betrachtung.

An den Reaktionen war oft erkennbar, dass der Stammtisch dominierte, also der Bauch dank erprobter Vorurteile sofort wusste was Sache ist, und das Ganze nicht durch sachliche Details verwässert werden sollte.

Da das Thema – zumindest in Berlin – erledigt ist, sich also die Gemüter vielleicht inzwischen beruhigen konnten, hier der Versuch, das Ganze mal aus der westlichen Ecke Deutschlands und nicht nur bezogen auf Berlin sachlich zu betrachten.

Es ging nicht um ein Verbot der Prostitution
Mag sein, dass die Texte der Pressemeldungen schuld an dem Eindruck waren, aber es ging bei dem Antrag nie um ein Verbot der Prostitution. Es ging um den Versuch einen Ausgleich zwischen Interssen herbeizuführen. Es ging darum, die langjährigen, immer exzessiveren Auswüchse der Straßenprostitution in einem Berliner Misch-/Wohngebiet einzudämmen. Das scheint dank der Berliner Gegebenheiten besonders schwierig zu sein, da Sperrgebiete nicht möglich sind (die Frage von deren Durchsetzbarkeit mal außer Acht gelassen). Die Prostitution solllte nicht verhindert, sondern lediglch verlagert werden. Dass das Mittel dazu untauglich war, lag vielleicht daran, dass alle vorherigen Versuche etwas zu ändern, im Sande verlaufen waren.

Wenn man sich mal die Mühe macht, sich die Protokolle und Sitzungsvorlagen der entsprechenden Ausschüsse bzw. der Bezirksverordnetenversammlung durchzulesen, stellt man fest, dass das Thema seit Jahren schwelt, ohne das trotz einer Fülle von mehr oder weniger interessanten Vorschlägen eine Lösung in Sicht ist. Die Vorschläge dazu waren keineswegs so radikal, wie die letzte Meldung suggeriert. Da war z . B. der Vorschlag, dass die Damen ihrem Gewerbe, wenn es sich schon nicht in eine geeignetere Gegend wie z. B. ein reines Gewerbegebiet [kein Wortspiel] verlagren, dann zumindest erst ab 21h öffentlich nachgehen sollten – mit Rücksicht auf die dort wohnenden Kinder.
…weiterlesen…

TV-Tipp: Frauenzimmer

Szene aus "Frauenzimmer"Der Film “Frauenzimmer” von Saara Aila Waasner, zu sehen am Montag, 08.11., 0:05 Uhr im ZDF, zeigt Mimente aus dem Leben dreier älterer Sexworkerinnen in Berlin. Christel (59), Paula (49) und Karolina (65) arbeiten in der Privatwohnung, im Puff bzw. im Dominastudio.

In der Süddeutschen gab es dazu ein Interview mit der Regisseurin.
Auszüge:

sueddeutsche.de: In Ihrem Film geht es um Frauen um die 50, die ihr Geld mit Sexarbeit verdienen – wie kamen Sie auf die Idee?

Saara Aila Waasner: Bei einem gemeinsamen Abendessen erzählte eine Bekannte, dass ihre Patentante als Sexarbeiterin arbeitet, obwohl sie über 60 ist. Ich war gerade auf der Suche nach einem Thema für meinen Abschlussfilm und habe gleich angefangen zu recherchieren. Es waren mehr ältere Frauen, als ich dachte, die ihr Geld auf diese Weise verdienen.

sueddeutsche.de: Und wie gehen die Frauen damit um, dass sie in einem Beruf arbeiten, der meistens mit jungen und faltenfreien Körpern verbunden wird?

Waasner: Sehr unterschiedlich. Wenn zum Beispiel Karolina, die Domina in dem Film, in einen Raum kommt, das ist ein Wow-Effekt. Sie ist jetzt 65 und hat Beine, das ist unglaublich. Da drehen sich auch die jungen Männer um. Das weiß sie und genießt es. Für Christel und Paula gehört das Älterwerden mehr dazu.

sueddeutsche.de: Hat sich für die Protagonistinnen etwas geändert seit dem Film?

Waasner: Christel ist jetzt dabei, sich langsam ‘rauszuschleichen’. Karolina hat ihr Studio geschlossen und will als Tätowiererin arbeiten. Und Paula arbeitet jetzt als Immobilienmaklerin. Ich glaube, das hat nicht unbedingt mit dem Film zu tun, sondern die Frauen waren gerade an einer Schwelle in ihrem Leben. Christel sagt, mit dem Film hat sie nun eine Zusammenfassung von ihrem Leben.

Zum gesamten Interview in der SZ

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