Herford: Rotlicht hat Konjunktur

Zahl der Bordelle ist seit 2002 gestiegen / Warum es weniger Ermittlungsverfahren gibt
VON JOBST LÜDEKING
Herford. “Es ist keine Entwicklung, auf die wir stolz sein können”, kommentierte Herfords ehemaliger Landrat Manfred Kluge (CDU) bei einer Veranstaltung zum Thema Innere Sicherheit im Jahr 2001 die Existenz von 22 Bordellen im Wittekindsland. Mittlerweile ist die Zahl längst überholt. Auf rund 70 Bordelle und bordellähnliche Etablissements wird der Rotlicht-Sektor zwischen Rödinghausen und Herford mittlerweile geschätzt.
In Herford, aber auch in Bünde, Löhne oder Kirchlengern haben die “Betriebe” ebenfalls in den letzten Jahren Konjunktur. Nahe der Bünder oder der Ahmser Straße in Herford haben sich seit 2002 bereits neue Bordelle etabliert.

Entgegengesetzt verlief die Entwicklung bei der Justiz: Strafverfahren wegen ausbeuterischen Menschenhandels im Rotlichtbereich gibt es kaum noch. Der bis 2002 übliche Straftatbestand “Förderung der Prostitution” wurde gesetzlich abgeschafft und gerade viele Frauen aus Osteuropa haben durch den Beitritt ihrer Heimatstaaten zur EU ein Aufenthaltsrecht erhalten.

Ist jedoch wirklich alles in Ordnung, der Rotlicht-Bereich einfach nur eine florierende Branche? Mira von Mach von der kirchlichen Hilfsorganisation Nadeschda in Herford, die sich für Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution einsetzt und die Frauen betreut, glaubt aufgrund ihrer Erfahrungen nicht daran.

Auch Ermittler sind da skeptisch. Von Mach sieht hier aber gerade die Polizei am Zug: ” Im Bereich Prostitution ist es wie beim Drogenhandel. Es ist ein Kontrolldelikt.” Wenn nicht kontrolliert werde, gebe es keine registrierten Verstöße, die geahndet werden könnten. Doch die Zahl der Polizisten in Herford schrumpft stetig, während die Zahl der Rotlicht-Etablissements gewachsen ist. “Wir sind regelmäßig zusammen mit anderen Behörden wie Zoll, Steuerfahndung und den Baubehörden unterwegs und kontrollieren”, erklärt Polizeisprecher Uwe Maser. Das Ergebnis dieser behördlichen Besuche führe aber nur in “sehr wenigen Fällen zu Ermittlungsverfahren”.

Ein Beamter, der namentlichen nicht genannt werden will, verweist auf den überaus hohen Zeitaufwand und die Tatsache, dass der Straftatbestand Menschenhandel wesentlich schwieriger nachzuweisen ist als früher. Was Osteuropa angehe, wüssten mittlerweile die meisten von dort kommenden Frauen, dass es bei Jobs in Deutschland um Prostitution gehe.

Ausnahmen gebe es bei Opfern aus Bulgarien und Rumänien, wo es mehr Analphabetinnen gebe, die die Zuhälter tatsächlich noch mit den Versprechungen von Putz-Jobs in die Bundesrepublik locken könnten. Dies gelte, so Mira von Mach, auch für Frauen, die aus Afrika stammten und hier zur Prostitution gezwungen würden. Oft dauere es sehr lange, bis sich die Frauen ihnen offenbaren und über ihre Erlebnisse reden, berichtet die Nadeschda-Mitarbeiterin weiter.

Doch so viel Zeit wie die Nadeschda-Mitarbeiterinnen haben die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft meist nicht. Sie hoffen auf eine veränderte Gesetzeslage.

Nordrhein-Westfalen: Im Paradies der Sextouristen

Hat das Prostitutionsgesetz Deutschland zur Drehscheibe für Frauenhandel gemacht? In NRW debattieren Politiker mit Prostituierten, Freiern und Bordellbetreibern – auf der Suche nach Verbesserungen im Rotlichtmilieu.

Von Reiner Burger, Düsseldorf/Duisburg

In der aktuellen Debatte über das 2001 von der damaligen rot-grünen Bundestagsmehrheit verabschiedete Prostitutionsgesetz gibt es auch unter Frauenpolitikerinnen zwei Lager. Kritikerinnen wie die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer sind davon überzeugt, dass die Norm von grundlegendem Übel ist. Das Gesetz trage die Handschrift von Frauenhändlern und ihren Lobbyisten. Seither sei Deutschland zur europäischen Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies für Sextouristen geworden. Schwarzer wünscht sich eine gesellschaftlich-moralische Ächtung der Prostitution und formuliert als politische Utopie die Abschaffung der Prostitution. Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, vor allem Armuts- und Zwangsprostitution mit neuen Straftatbeständen härter zu ahnden.

Verteidigerinnen sehen in dem Gesetz dagegen einen geradezu emanzipatorischen Akt. Sie verweisen darauf, dass mit dem Ende der Sittenwidrigkeit der Prostitution die Rechtlosigkeit der Prostituierten beendet worden sei. Prostituierte könnten nun das vorab vereinbarte Entgelt auch einklagen, für sie bestehe nun auch Zugang zur Sozialversicherung. Auch habe das Prostitutionsgesetz Ausbeutung und Menschenhandel nicht hervorgebracht, sagt die frauenpolitische Sprecherin der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, Josefine Paul. Die nordrhein-westfälische Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne) formuliert nüchtern: „Prostitution gibt es, ob man sie untersagt oder nicht. Sie lässt sich nicht verbieten. Wer ihr offiziell keinen Raum geben will, verdrängt sie in die Illegalität mit all ihren negativen Folgen.“

Runder Tisch will Selbstbestimmungsrecht stärken

Ein Verbot würde für Prostituierte die Gefahr von Ausbeutung und Gewalt nur noch weiter vergrößern, statt sie mit mehr Rechten zu stärken, sagt die Emanzipationsministerin. Allerdings müsse das Prostitutionsgesetz weiter entwickelt werden. Dazu sei eine auf Wissen basierende ethische Diskussion mit allen Beteiligten nötig. Als Beitrag dazu versteht Steffens einen „Runden Tisch“ zum Thema Prostitution, den sie 2011 in ihrem Ministerium eingerichtet hat. Seine Aufgabe ist es, „die Umsetzung des Prostitutionsgesetzes voranzubringen und Handlungskonzepte zu erarbeiten“.

Leitgedanken des Gremiums sind laut einer internen Selbstdarstellung, das Selbstbestimmungsrecht der Prostituierten zu stärken, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern, Zwangsprostitution und Menschenhandel zu bekämpfen, aber auch an einer „Entstigmatisierung“ der Prostitution mitzuwirken.

Das in Deutschland bisher einzigartige Gremium hat seither schon dreizehn Mal getagt. In der ersten Sitzung ging es um eine Evaluation des Prostitutionsgesetzes, es folgten Treffen zu Themen wie „Prostitution und Gesundheit“, „Männliche Prostitution, Prostitution Transsexueller“, zuletzt befasste sich der „Runde Tisch“ Mitte Oktober mit der Besteuerung der Prostitution, am 27. April 2014 kommt man im Ministerium zusammen, um über „Sexualassistenz“, also sexuelle (Ersatz-)Dienstleistungen Prostituierter für Ältere und Behinderte zu sprechen.

Sexarbeiter auf freiwilliger Basis

Am Tisch sitzen Ministerialbeamte, Ordnungsamtsmitarbeiter, Sozialarbeiter, Wissenschaftler und auch zwei Prostituierte, die sich als „Sexarbeiterinnen“ bezeichnen. Bei Bedarf werden auch Bordellbetreiber ins Ministerium geladen. Sogar Freier kamen schon – nachdem ihnen das Gremium Anonymität zugesichert hatte.

Claudia Schwartz-Zimmermann, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik im nordrhein-westfälischen Emanzipationsministerium, sitzt dem Gremium vor. „Als Kind der Frauenbewegung der siebziger Jahre hatte ich beim Thema Prostitution zunächst Berührungsängste“, sagt Schwartz-Zimmermann. Bevor sie die Leitung des „Runden Tischs“ übernahm, habe sie eine gewisse Sympathie für die Anti-Prostitutions-Kampagne von Alice Schwarzer gehabt. „Immerhin geht es ihr um die Würde der Frauen und um Selbstbestimmung.“ Heute begreife sie, wie komplex die Wirklichkeit der Prostitution sei. „Ich bedaure die Polarisierung in der Diskussion, sie bringt uns nicht weiter und verletzt viele Frauen, die aus eigener Entscheidung in der Sexarbeit tätig sind.“ Claudia Schwartz-Zimmermann versucht sich auch durch Vorort-Termine ein eigenes Bild zu machen. In Köln und Duisburg hat sie sich Großbordelle angeschaut, in Bochum ein Wohnungsbordell. Die Abteilungsleiterin Frauenpolitik räumt ein, dass der Fokus des „Runden Tischs“ auf der freiwilligen Prostitution liege, also auf den sogenannten Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern. Anders formuliert: Das Leitbild des Düsseldorfer „Runden Tischs“ sind Prostituierte, die selbstgewählt, selbstbewusst und selbstbestimmt tätig sind.

„Selbst der Tierschutz ist besser geregelt“

Nach Einschätzung von Prostitutions-Gegnern wie Alice Schwarzer handelt es sich bei „Sexarbeitern“ zumeist um Lobbyistinnen und Lobbyisten der Prostitutionsindustrie. 90 Prozent der Prostituierten in Deutschland seien aber Armuts- und Zwangsprostituierte, sagt Schwarzer. Sie wirft dem linken und liberalen Milieu vor, in der Sexualpolitik völlig versagt zu haben und spricht von „liberalen und linken Prostitutions-Schönrednern“.

Konkrete Ergebnisse hat der „Runde Tisch Prostitution“ bisher noch nicht vorgelegt. Schon angefertigte Zwischenberichte sind nicht öffentlich. „Vielleicht ist unser wichtigstes Zwischenergebnis, dass die Grenzen zwischen Prostitution und Menschenhandel in Wirklichkeit oft fließend sind“, sagt Zimmermann-Schwartz. Und trotzdem ist sich die Leiterin des „Runden Tischs“ zur Prostitution sicher: „Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem liberalen Prostitutionsgesetz und dem Menschenhandel ist nicht identifizierbar.“

Bei solchen Sätzen muss Helga Tauch schwer schlucken. Seit Jahren ist die Sozialarbeiterin für die einst in Afrika von einer deutschen Ordensfrau gegründete christliche Organisation „Solidarity with women in distress“ (Solwodi) im Duisburger Stadtteil Hochfeld unterwegs, der ähnlich wie die Dortmunder Nordstadt von Zuwanderung aus Bulgarien geprägt ist. Solwodi kümmert sich in enger Zusammenarbeit mit der Polizei speziell um Opfer von Menschenhandel. Mittlerweile 1000 Frauen hat Solwodi in ganz Deutschland betreut. „Liberale Gesetze wie in Deutschland führen zu mehr Prostitution und mehr Kriminalität“, sagt Tauch. „Selbst der Tierschutz ist in Deutschland besser geregelt.“ Aus jahrelanger Erfahrung wisse sie, die Zahl der Frauen, die der Prostitution freiwillig nachgingen, sei verschwindend gering. „In vielen Fälle ist der Begriff Freiwild angebracht, nicht das Wort freiwillig.“ Wer etwas anderes behaupte, bagatellisiere Prostitution.

Quelle: http://www.faz.net

Prostitutionsdebatte: Das Geschäft mit dem Sex – Warum Männer ins Bordell gehen

Bochum. In halb Europa diskutieren Politiker und Frauenrechtlerinnen darüber, wie Huren geholfen werden kann. Doch der Kontinent ist uneinig, ob ein Verbot oder die Legalisierung von Prostitution der richtige Weg ist. Weitgehend unbeachtet bleibt dabei, warum Männer überhaupt ins Bordell gehen. Einblicke in eine bizarre Parallelwelt.

Es ist spät geworden, Torsten und Stefan haben noch nichts gegessen. Also erstmal ‘ne Pizza. Die jungen Männer – beide sind 24 – sitzen in einem Restaurant mitten im Bochumer Rotlichtviertel. Ein schmaler Raum mit kleinen Tischen und wenigen Stühlen, vor der Tür staubige Plastikpflanzen – in dieser Pizzeria kommt es nicht auf die Atmosphäre an.

Ein paar Männer sitzen alleine und schweigend vor ihren Tellern. Hier gebe es „die geilste Pizza in ganz Bochum“, sagt Torsten, die große Salami kostet fünf Euro. Sie möchten „Grundlage schaffen“, Torsten und Stefan haben heute Nacht noch was vor. Sie wollen Sex. Im Puff.

Der „Eierberg“ ist über Bochums Grenzen hinaus bekannt, und das liegt nicht nur am einprägsamen Namen, den der Volksmund dem Viertel am Rand der Innenstadt gegeben hat. Rund um die Gußstahlstraße liegt eine Vergnügungsmeile mit Table-Dance-Bars und Bordellen, eine der größten in NRW. Am Wochenende arbeiten in den Clubs bis zu 200 Frauen. Was denken Huren und Freier über die Prostitutionsdebatte, die aus Frankreich nach Deutschland rüberschwappt? Eindrücke aus einer bizarren Parallelwelt.

Bochum ist nicht Amsterdam, aber die Rotlichtviertel der Städte ähneln sich. 22 Uhr, über das Kopfsteinpflaster flanieren Männer mit glänzenden Augen. Rechts und links sitzen Frauen in Schaufenstern, sie suchen Blickkontakt.

Unter der Woche ist nicht so viel los, dennoch sind an diesem Abend ein paar Dutzend Männer unterwegs. Ein dürrer Endfünfziger mit hoher Stirn schlendert durch die Gasse. Sein Blick ist starr, er mustert eine junge Frau mit roter Brille. Dann geht er zum nächsten Fenster. Mit der Zeitung will er nicht reden: „Hau ab!“ Also weiter.
Ein Kunde sagt: „Ich brauch’ das einfach ab und zu“

Drei angetrunkene Burschen stehen in einer dunklen Ecke und kichern. Dass Pariser Politiker französische Freier mit hohen Geldbußen bestrafen wollen, haben sie bislang nicht mitbekommen, aber sie brauchen nicht lange zur Meinungsbildung. „Ich bin oft hier, bestimmt einmal die Woche“, sagt einer aus dem Trio. Er sieht aus wie ein Junge, nicht älter als 20. „Wenn Prostitution verboten wird, würde mir was fehlen. Ich hab’ gerade keine Freundin, was soll ich denn sonst machen?“

Sein Kumpel schnippt eine Kippe auf die Straße und bläst den Qualm in die kalte Dezemberluft. Er schaltet sich ins Gespräch ein: „Ich brauch’ das hier einfach ab und zu. Das ist doch nicht schlimm, darum müssen sich die Politiker nicht kümmern.“

Schlimm ist, dass sich manche Frauen nicht freiwillig verkaufen. Groben Schätzungen zufolge arbeiten in Deutschland etwa 300.000 sogenannte Sexarbeiterinnen. Es heißt, viele von ihnen werden dazu gezwungen. In Bochum seien solche Fälle allerdings Ausnahmen, sagen sie beim Verein Madonna, der Selbsthilfeorganisation der Bochumer Huren.
Die meisten Freier sind sehr höflich

Sandy kommt schnell zur Sache. „Hast du Lust?“, fragt sie und lehnt sich aus dem Fenster. Aus ihrem Mund klingt die Frage nicht anrüchig, sondern ganz natürlich, wie ein „Wollen wir tanzen?“ in der Disco. Sandy ist 22, hübsch, blond, sie trägt schwarze Reizwäsche. Ihr Zimmer wirkt karg, aber sauber: ein Bett, ein Waschbecken, Gleitgel, eine Schüssel Kondome. Als sie erfährt, dass ihr Gast nur reden will, ist sie nicht begeistert. „Aber ein paar Minuten habe ich.“

Sandy arbeitet seit zwei Jahren als Prostituierte. Sie habe damals schnelles Geld machen wollen. „Natürlich habe ich auch schlechte Erfahrungen gemacht. Manche Männer sind einfach ekelig, ungepflegt. Aber die meisten sind sehr höflich und dankbar.“

Wie sie ihr Geld verdiene, gehe niemanden etwas an. Sie tue sogar etwas Gutes: „Ich möchte nicht wissen, wie viele Vergewaltigungen ich schon verhindert habe, weil die Männer bei mir Druck ablassen konnten.“ Ob sie gar keine Hilfe von der Politik brauche? Sandy überlegt.

Vielleicht könne es ja ein Gesetz geben, das ungeschützten Sex verbiete. Denn immer wieder kämen Kunden zu ihr, die kein Präservativ tragen wollten. „Ohne mach ich’s nicht“, aber sie weiß, dass einige Kolleginnen nicht so wählerisch sind. „So“, sagt sie dann, „jetzt muss ich wieder ein bisschen Geld verdienen.“

Inzwischen ist es halb zwölf. Torsten und Stefan, die beiden Freier aus der Pizzeria, haben aufgegessen. Wo sie nun hinwollen? „Erstmal zu der Schwatten da“, sagt Stefan und zeigt auf ein Schaufenster. „Und wenn ich kann, später vielleicht noch zu ‘ner anderen. Kost’ ja nur 30 Euro.“

Prostitution: Frankreich verbietet käuflichen Sex

Die Nationalversammlung hat in erster Lesung einem Gesetz zugestimmt, das nach dem Vorbild von Schweden potenzielle Kunden von Prostituierten mit Geldstrafen abschrecken soll.

Von unserem Korrespondenten RUDOLF BALMER  (Die Presse)

Paris. Kaum ein Gesetz hat in Frankreich in den vergangenen Jahren die Wogen so hochgehen lassen: Am Mittwoch hat die Nationalversammlung in erster Lesung ein Verbot von käuflichem Sex beschlossen. Wer künftig Prostituierte aufsucht, muss mit einer Strafe rechnen. Das Gesetz soll potenzielle Kunden abschrecken. Bezahlter Sex wird – für die Freier – zu einem Delikt, das mit 1500 Euro Geldbuße und im Wiederholungsfall mit bis zu 3700 Euro bestraft werden kann. Das Gesetz sieht als Alternative vor, dass sich von der Polizei in flagranti ertappte Klienten in einem Kurs über die Lebensrealitäten der Prostituierten informieren lassen.

Umstritten war vor allem, dass den illegal aus Afrika, China und Osteuropa eingereisten Prostituierten nach sechsmonatiger Tätigkeit mit einer Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung der Ausstieg aus dem Sexgewerbe erleichtert werden soll. Die Opposition sieht darin einen Anreiz für Immigration. Um in Kraft treten zu können, braucht das Gesetz noch die Billigung des Senats.

Prostitution ist in Frankreich weder als illegale noch als berufliche Aktivität gesetzlich anerkannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind aber die Bordelle geschlossen worden, und jede Form der Zuhälterei wird streng geahndet. Das hatte jedoch nicht einmal zu einem spürbaren Rückgang der Prostitution geführt, wie ein neues Gesetz unter Präsident Nicolas Sarkozy, das passive und aktive Kundenanwerbung auf dem Straßenstrich für strafbar erklärte. Laut Hilfsorganisationen wurden die Sexarbeiterinnen nur vermehrt in den Untergrund getrieben, wo sie erst recht der Gewalt skrupelloser Freier und ihrer Zuhälter ausgesetzt waren. Wegen dieser kontraproduktiven Effekte wurde das Gesetz jetzt aufgehoben.

Auch unter Feministen umstritten

Mit der Kriminalisierung der Kunden verfolgt der Gesetzgeber nun eine andere Logik: Statt des Angebots wird die Nachfrage attackiert. Das wurde zuerst in Schweden und danach in anderen skandinavischen Ländern bereits mit einigem Erfolg versucht.

Die Fronten in der seit Wochen erbittert geführten Debatte gehen quer durch die politischen Parteien und selbst die Vereine zum Schutz der Prostituierten. Feministische Organisationen wie „Osez le féminisme“ haben vor dem Parlament für das neue Prostitutionsgesetz demonstriert. Es gab aber auch prominente feministische Stimmen, die wie beispielsweise die Philosophin Elisabeth Badinter dagegen sind, weil eine solche Form der Prohibition das Recht der Frauen, frei über ihren Körper zu verfügen, infrage stelle.

In Frankreich ist der Griff zum gesetzlichen Verbot fast immer ein Reflex. In einer anderen Frage, im Kampf gegen Drogen, haben sich die Prohibition und Kriminalisierung des Konsums in Frankreich als weitgehend nutzlos oder gar kontraproduktiv erwiesen.

Quelle: http://diepresse.com/home/panorama/welt/1494326/Prostitution_Frankreich-verbietet-kaeuflichen-Sex

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Ein Gesetz, das Zuhältern dient

Ein Kommentar aus der Augsburger Allgemeinen zum aktuellen Prostitutionsgesetz und zu aktuell geplanten Änderungen des Gesetzes:

Was gut gemeint war, ist nach hinten losgegangen: Als Rot-Grün vor einem Jahrzehnt ein Prostitutionsgesetz auf den Weg brachte, sollte das den Frauen helfen. Von Jörg Heinzle

Sie sollten Rechte bekommen wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Und ihre soziale Ächtung sollte ein Ende haben. Eingetreten ist davon nichts. Im Gegenteil: Heute arbeiten mehr Frauen unter unwürdigen Bedingungen als damals. Und eine Prostituierte muss es sich noch immer gut überlegen, ob sie zu ihrem Beruf öffentlich steht.

Das Gesetz hatte zahlreiche Geburtsfehler, von denen vor allem Zuhälter und Geschäftemacher im Rotlichtmilieu profitierten. Die rot-grüne Regierung hatte das Bild einer selbstbewussten Prostituierten vor Augen, als sie das Gesetz verabschiedete. In der Realität aber drängen immer mehr Frauen aus Osteuropa ins Milieu. Und die sind in den meisten Fällen abhängig von ihrem Zuhälter. Sei es aus Geldnot, aus falsch verstandener Liebe – oder aus purer Angst.

Es ist dringend nötig, das Gesetz so zu ändern, dass die Polizei in Bordellen wieder besser kontrollieren kann. Es geht nicht darum, Frauen zu schikanieren, die selbstbestimmt arbeiten. Es geht darum, Opfer besser zu schützen. Dass nun auch noch Männer bestraft werden sollen, die zu einer Zwangsprostituierten gehen, hat dagegen eher eine symbolische Wirkung. Wie soll ein Freier erkennen, ob eine Frau unter Druck steht? Sie selbst wird es ihm in der Regel nicht sagen.

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de

Politiker wollen Bordelle besser kontrollieren

Berlin  – Mehr Kontrolle und mehr Hilfe für die Opfer von Zwangsprostitution: Dem Wildwuchs im horizontalen Gewerbe will die Union Einhalt gebieten.

Um die Lage von Prostituierten in Deutschland zu verbessern, wollen CDU  und CSU  in der großen Koalition ein umfangreiches Maßnahmenpaket umsetzen. Zu den Eckpunkten, die Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) und die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär am Dienstag in Berlin vorstellten, gehören eine stärkere Regulierung der Bordelle  und eine bessere Unterstützung der Opfer von Zwangsprostitution.

Mit der Liberalisierung des Prostitutionsrechts vor zwölf Jahren sei Deutschland „zum Paradies für Freier und zur Vorhölle für viele Prostituierte geworden“, bemängelte Krings. Für die Opfer stellte er eine befristete Aufenthaltserlaubnis mit Option auf ein dauerhaftes Bleiberecht in Aussicht. Zudem forderte er eine Erlaubnispflicht für Bordelle mit regelmäßigen Kontrollen. Jede durchschnittliche Imbissbude werde derzeit besser kontrolliert als eine Prostitutionsstätte, sagte Krings.

Bär warb darüber hinaus für regelmäßige Pflichtuntersuchungen der Prostituierten bei den Gesundheitsämtern. Krings räumte ein, dass für derartige Kontrollen erhebliche personelle Ressourcen notwendig seien. „Es deshalb nicht zu tun, halte ich für unverantwortlich.“

Teil des Maßnahmenpakets ist auch die Strafandrohung gegen Freier, die bewusst die Dienste einer Zwangsprostituierten nutzen. Frings sagte, in solchen Fällen komme sogar eine Gefängnisstrafe in Betracht. Zwar werde es voraussichtlich nur wenige Verurteilungen geben, doch schon der „Abschreckungsdruck“ könne eine heilsame Wirkung haben.

dpa

Quelle: http://www.merkur-online.de

Sozialarbeiterin über Prostitution: „Wir brauchen kein neues Gesetz“

Ein Interview auf taz.de über die Diskussion eines Prostitutionsverbots.

Juanita Henning von der Beratungsstelle Doña Carmen kritisiert das neue Gesetzesvorhaben zur Prostitution. Menschenhandel hält sie für einen Kampfbegriff.

taz: Frau Henning, es gibt derzeit eine neue Debatte über das Verbot der Prostitution. Gleichzeitig plant die künftige Große Koalition ein neues Prostitutionsgesetz. Ist das in Ihrem Interesse?

Juanita Rosina Henning: Die Debatte über das Verbot geht an den tatsächlichen Problemen völlig vorbei. Das betrifft vor allem das geplante Gesetzesvorhaben.

Was rügen Sie an den Plänen?

Dabei geht es um eine weitgehende Reglementierung von Prostitutionsstätten. Die Betreiber sollen alle Frauen, die bei ihnen tätig sind, bei den Behörden melden. Sie sollen die aufenthaltsrechtlichen Papiere der Frauen kontrollieren. Die Frauen würden möglicherweise alle zentral polizeilich registriert. Das lehnen wir entschieden ab.

Das Argument für mehr Kontrolle lautet, dass man so dem Menschenhandel wirksamer begegnen könne.

„Menschenhandel“ – das ist doch ein Kampfbegriff gegen die Prostitution. Dass der Begriff mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Im Jahre 2010 gab es 761 Fälle von mutmaßlichen Opfern von Menschenhandel, bei geschätzt 200.000 Prostituierten. Davon waren 159 Fälle, in denen die Opfer tatsächlich Gewalt, Drohung, körperliche Misshandlung erlebt hatten. Das sind also weniger als ein Promille.

Es heißt ja immer, die Dunkelziffer sei so hoch, weil es sich um organisierte Kriminalität handelt und die Frauen sich nicht trauten, auszusagen.

In den vergangenen elf Jahren gab es im Schnitt pro Jahr 130 gerichtlich festgestellte Täter im Menschenhandel, das Täter-Opfer-Verhältnis war dabei in etwa eins zu eins. Das spricht gegen organisierte Kriminalität. In einer Studie des Bundeskriminalamtes von 2006 konnte keine organisierte Kriminalität in diesem Bereich festgestellt werden.

Das heißt, das Bild der armen Frau aus Osteuropa, die nach Deutschland gelockt und hier von einer Bande unter Druck gesetzt wird, ist falsch?

Ja. Ich habe selbst eine Studie durchgeführt, bin durch die Bordelle gegangen, habe die Frauen interviewt. Über 90 Prozent der Frauen, die nach Deutschland kommen, wissen, dass sie in der Prostitution arbeiten werden.

Es besteht also kaum Handlungsbedarf?

Doch. Aber wir brauchen eben kein neues Sondergesetz, das die Bordelle stärker kontrolliert, um gegen die Fälle von Gewalt und Misshandlung vorgehen zu können. Dazu reichen die Strafrechtsparagrafen, die es gibt: Nötigung, Erpressung, Körperverletzung. Es geht auch viel ums Arbeitsrecht, Einbehaltung von Lohn etwa. Da müsste man nur die normale Rechtsprechung greifen lassen. Gewerberechtlich reicht es aus, wenn Prostitutionsstätten nach Paragraf 14 der Gewerbeordnung anzeigepflichtig wären.

Was fordern Sie noch?

Wir wollen zum Beispiel, dass selbstständige Prostitution endlich als freiberufliche Tätigkeit anerkannt wird. Damit hätten die Frauen mehr Möglichkeiten, auch in Wohngebieten legal zu arbeiten. Außerdem sind wir für die Abschaffung der Strafrechtsparagrafen, die Zuhälterei und die Förderung der Prostitution verbieten. Damit wird es Arbeitgebern nämlich unmöglich gemacht, Prostitution als sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis anzubieten.

Quelle: http://www.taz.de/Sozialarbeiterin-ueber-Prostitution/!127961/

Drogen, Huren, Profi-Kicker – Das dubiose Kartell des “Paten von Köln”

Und nochmal focus.de…Hat zwar nur am Rande mit Paysex zu tun, aber dennoch ganz unterhaltsam…

Ihm werden enge Kontakte ins Rotlichtmilieu nachgesagt, zum Profi-Fußball und zu Spitzenermittlern: “Hells Angel” Neco A. greift offenbar nach Frank Hanebuths  Rocker-Macht in Europa – dank eines Netzwerks aus Drogen, Huren und Profi-Kickern.

Nach der Festnahme von Frank Hanebuth will er der neue Mann an der Spitze der „Hells Angels“ werden: Neco A. Seine Geschäfte haben ihre Wurzeln offenbar in einer deutschen Millionenmetropole. Als „Pate von Köln“ hat  sich der 41-Jährige laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung Ende der neunziger Jahre einen Namen im Rotlichtmilieu gemacht. Zwischenzeitlich scheint er sein Netzwerk aus Bordellen und Prostituierten auf ganz Europa ausgeweitet zu haben – über Mittelsmännern an Puffs in ganz Europa mit, schreibt die Zeitung und beruft sich auf spanische Ermittlungsakten.

Geschäfte mit Heroin

Aber auch im weltweiten Drogenhandel soll A. eine große Nummer zu sein: Mit Heroin aus Südamerika, das er laut der „Bild“-Zeitung per Schiff nach Europa schmuggelt, scheint er ein Vermögen zu machen. Wie es in dem Bericht weiter heißt, habe er versucht, mehrere Millionen aus Drogen- und Waffengeschäften über ausländische Banken zu waschen.

Außerdem soll der „Hells-Angel“ beste Kontakte in den türkischen Profi-Fußball haben. Einem Kicker soll er während einem Aufenthalt in Deutschland eine Nobelkarosse besorgt haben, seine Mitarbeiter machen Geschäfte mit Spielern aus der türkischen ersten Liga, schreibt das Blatt.

Kontakte zu Spitzen-Ermittlern

Doch damit nicht genug: Laut dem Bericht werden ihm auch Kontakte zu Interpol-Ermittlern nachgesagt. Er soll über die Ermittlungsschritte der spanischen Polizei gegen seinen Vorgänger Hanebuth bestens informiert gewesen sein – angeblich von seinem Kontakt bei der europäischen Polizeibehörde Interpol. Nutten, Heroin, Profi-Kicker und Top-Ermittler: Sein Netzwerk ist sein Kapital. Kein Wunder also, dass spanische Ermittler Neco A. laut “Bild” jetzt zum mächtigsten Rocker Europas erklärt haben.

Quelle: http://www.focus.de

Führt ein „Gütesiegel“ zu fairen Bedingungen für Prostituierte?

Gütesiegel für Bordelle? Keine allzu schlechte Idee. Was haltet ihr davon? Diskutiert doch in unserem unabhängigen Paysex-Forum freiercafe.org darüber mit vielen netten Mitgliedern!

Geschätzt etwa 14 000 Frauen bieten in Schleswig-Holstein käufliche Liebe an. Auf einer Fachtagung diskutierten Experten über bessere Hilfe und Beratung für die Betroffenen.

Kiel. Rund 100 Bordelle oder „bordellähnliche Betriebe“ gibt es in Schleswig-Holstein, dazu etwa 300 sogenannte Modellwohnungen. Das hat ein Bericht der Landesregierung jüngst ausgewiesen. Wie viele Prostituierte es im Land gibt, das aber weiß man nicht so genau. Auf 14 000 wird ihre Zahl geschätzt, gerade mal 107 sind als Selbstständige bei den Behörden gemeldet. All diesen Frauen Hilfe und Unterstützung anzubieten, damit sie nicht in die Abhängigkeit von Zuhältern kommen, das haben sich die 96 Teilnehmer der „Fachtagung Prostitution“ auf die Fahne geschrieben — Polizisten, Verwaltungsbeamte, Pädagogen —, die in Altenholz bei Kiel getagt haben.

Bei solchen Hilfsangeboten hinke Schleswig-Holstein anderen Ländern noch weit hinterher, betont Organisatorin Surya Stülpe. Eigentlich gebe es hier im Norden nur die von Land und Nordkirche getragene Fachstelle gegen Frauenhandel „Contra“ in Kiel, die sie leitet. Sie betreue die Opfer krimineller Machenschaften im Milieu, von Menschenhandel und Ausbeutung. Das gebe es leider immer wieder. Es gebe aber auch noch eine andere Seite der Prostitution: die Frauen, die freiwillig diesen Beruf ausüben. Sexarbeiterinnen. Die bräuchten andere Hilfsangebote.

In Bochum zum Beispiel hilft ihnen Mechthild Eickel in der Beratungsstelle „Madonna“. Da kämen zum Beispiel Frauen, die ins Gewerbe einsteigen wollen. „Wollen sie‘s zum Beispiel nur wegen hoher Schulden, weisen wir ihnen andere Wege zum Schuldenabbau auf. Sonst vermitteln wir Gespräche mit erfahrenen Sexarbeiterinnen.“ Die können den Anfängerinnen Tipps geben, wie man seine Selbstständigkeit erhält, wo man arbeiten kann oder wie man sich sozial absichert oder krankenversichert.

Genauso nachgefragt sei die Aussteiger-Beratung — wo gibt es Hartz IV oder Angebote des Jobcenters zum Beispiel. Außerdem gibt es Hilfe bei Schwangerschaft oder bei Ärger mit Bordellbetreibern.

„Wir haben mittlerweile sehr enge Kontakte zu vielen Frauen, aber auch zu den Betreibern. Einige holen uns extra für Beratungen ihrer Mitarbeiterinnen ins Haus.“ Außerdem suche man auch Modellwohnungen auf. Andere Kollegen kümmerten sich um Prostituierte auf dem Straßenstrich. Behörden und Polizei würden die Arbeit der Beratungsstelle unterstützen. Sie beuge schließlich dem Abrutschen der Frauen in wirtschaftliche Abhängigkeit und Ausbeutung vor, verhindere Kriminalität.

Eine solche Beratungsstelle für Schleswig-Holstein wäre ein wichtiges Fernziel, sagt Surya Stülpe. Als erstes steuert sie die Gründung eines „Runden Tisches Prostitution“ an, wie es ihn in Nordrhein- Westfalen schon gibt. Möglicherweise wird der auch die Idee vertiefen, die die Prostituierte Johanna Weber auf der Tagung vorstellte: Ein Gütesiegel für Bordelle. Um es zu erhalten, müssten die Häuser den Prostituierten gute und faire Arbeitsbedingungen bieten, die Einhaltung von Hygienestandards ermöglichen, zum Beispiel auch einen Notrufknopf in den Zimmern einbauen, sagt Surya Stülpe.

Wie die Einhaltung überwacht werden könnte, dazu gibt es noch keine konkreten Ideen. Die Prostituierten selber hätten, obwohl ihre Arbeit seit 2002 gesetzlich als Gewerbe anerkannt ist, noch keinen Berufsverband, die Gewerkschaften täten sich schwer, ihre Interessen zu vertreten. Vielleicht ließe sich aber auch all das durch einen Runden Tisch voranbringen.


Neues Gesetz soll soziale Absicherung schaffen

2002 wurde das Prostitutionsgesetz („Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten“) von der damaligen rot-grünen Bundesregierung auf den Weg gebracht. Es erklärte die Prostitution erstmals offiziell zur Dienstleistung. Prostituierte können sich seither als Selbstständige bei den Behörden anmelden und sich vor allem auch gesetzlich in der Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung versichern. Zudem ist das Entgelt, das sie von den Freiern für ihre Dienstleistungen einfordern, seither auch einklagbar. Das war zuvor, als Prostitution noch grundsätzlich als sittenwidrig galt, nicht möglich. Man wollte die Sexarbeiter und -arbeiterinnen damit vor der Ausbeutung durch Zuhälter schützen und sie sozial absichern. Bislang machen von den neuen gesetzlichen Möglichkeit aber offenbar nur wenige Prostituierte Gebrauch. Ein Bericht der Kieler Landesregierung wies im vergangenen Jahr nur knapp über 100 offiziell bei den Behörden angemeldete, selbstständige Prostituierte im Land aus.

Wolfram Hammer

Quelle: http://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/Fuehrt-ein-Guetesiegel-zu-fairen-Bedingungen-fuer-Prostituierte

Deutschland – Prostitution zwischen Schule und Abendbrot

Kinderprostitution soll es auch in Deutschland geben. :( Klar so etwas macht vor Landesgrenzen doch auch keinen Halt…

Kinderprostitution – damit verbindet man Sextourismus in Thailand oder vielleicht auch die kürzliche Festnahme von 150 mutmaßlichen Menschenhändlern in den USA. Doch es gibt sie auch in Deutschland.


Das Problem ist bekannt – das genaue Ausmaß nicht. “In Deutschland gibt es kaum Informationen zu Kinderprostitution, weil uns einfach das Wissen, die Fakten und die Zahlen fehlen”, sagt Mechtild Maurer, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung (ECPAT). Dabei sei für die Bekämpfung ein besseres Wissen unabdingbar.

Die Kriminalstatistik der Polizei sei zum einen nicht detailreich genug. So gebe sie zwar Auskunft über sexuelle Gewalt und Missbrauch, aber nicht über die dahinterliegenden Strukturen. Zum anderen finde Kinderprostitution im Verborgenen statt. In Bordellen, Clubs und eigens für Prostituierte angemieteten Wohnungen sind Minderjährige selten anzutreffen. Erhebungen sind deshalb schwierig. Es gibt nur wenige Anhaltspunkte wie etwa diesen: Bei der Dortmunder Mitternachtsmission, die eng mit Prostituierten zusammenarbeitet, ist etwa jede elfte hilfesuchende Person minderjährig. Insgesamt soll es in ganz Deutschland laut dem Berliner Verein Hydra bis zu 400.000 Prostituierte geben. Auch das Wissen über die Freier ist beschränkt. Was man weiß: Meist sind es Männer über 40, und sie kommen aus allen Milieus.

Viele Opfer aus Deutschland

Das punktuelle Wissen zeigt jedoch, dass viele Vorurteile über Prostitution falsch sind. “Wir wissen, dass Kinderprostitution vielfältiger ist als angenommen”, sagt Maurer. Ein Milliardengeschäft in der EU ist der Menschenhandel. Doch zu den Opfern gehören nicht nur Mädchen und junge Frauen etwa aus Osteuropa und Afrika, sondern auch viele Deutsche. Die Dortmunder Hilfsorganisation Mitternachtsmission schätzt, dass etwa zwei Drittel der von ihnen betreuten Jugendlichen – sofern sie nicht von Menschenhändlern zur Prostitution gezwungen werden - aus der Bundesrepublik stammen.

Manche von ihnen gehen einem geregelten Alltag nach, betreiben Prostitution zwischen Schule und Abendbrot. Andere wiederum stammen aus dem Drogenmilieu, finanzieren sich mit der Prostitution die Sucht und sind häufig obdachlos. Auch die Wege in die Prostitution sind vielfältig: Die Jungen und Mädchen kommen sowohl über Bekannte und Verwandte in die Prostitution als auch über fremde Männer und Frauen, die sich das Vertrauen der Jugendlichen mit Hilfe unterschiedlicher Tricks erschleichen.

Loverboys für Mädchen, offene Wohnungen für Jungs

Eine Herangehensweise, um Mädchen dazu zu bringen, sich zu prostituieren, ist der Einsatz sogenannter Loverboys, weiß Silvia Vorhauer, Sozialarbeiterin bei der Mitternachtsmission. “Loverboys sind meist junge Männer, die gezielt Mädchen in der Pubertät suchen und ansprechen – in Schulen, Kneipen, Diskotheken – und sie durch eine nette, charmante Art in eine emotionale Abhängigkeit bringen.” Die Mädchen sind vom Werben des Loverboys beeindruckt, verlieben sich.

Im Laufe der Beziehung werden sie dann von ihren ursprünglichen Freunden und der Familie isoliert, der Loverboy wird immer wichtiger. Schließlich erzählt er ihnen von seinen “Problemen”, weiß Vorhauer von der Vorgehensweise zu berichten. Zum Beispiel, dass er Spielschulden habe und von seinen Gläubigern körperlich bedroht werde. Die Mädchen müssten ihm helfen, schnell an Geld zu kommen. Viele ließen sich darauf ein und würden anschließend auf den Strich geschickt.

Zunehmend seien auch Jungen betroffen, erklärt Maurer. Diese würden jedoch mit anderen Mitteln angelockt – zum Beispiel durch sogenannte offene Wohnungen. Angemietet von Pädosexuellen, dienen sie zunächst einmal als Treffpunkt. “Man muss sich das so vorstellen, dass die Jungs eingeladen werden zum Spielen, es gibt Kicker, es gibt die Möglichkeit, Filme zu gucken, es gibt Playstations, und irgendwann werden vielleicht auch mal Pornos angeschaut”, sagt Maurer. Die Jungen bauen Beziehungen auf, freunden sich mit den Männern vielleicht sogar an. Schließlich werden sie aufgefordert, zuerst an sich und später auch an anderen sexuelle Handlungen vorzunehmen. Viele machen mit, weil sie sich unter Druck gesetzt fühlen.

Schwieriger Ausstieg

Der Kontakt zu den Betroffenen ist schwierig. Nur selten wenden sie sich von selbst an eine Hilfsorganisation. Häufig sind es Verwandte wie etwa die eigene Schwester, die Verdacht schöpfen und sich an Vereine wie die Mitternachtsmission wenden. Damit ist zwar ein erster Schritt getan, doch der Weg bis zum Ausstieg ist lang. Das liegt auch daran, dass viele Jugendliche sich ihrer eigenen Notlage zunächst gar nicht bewusst sind und ihren Einstieg in die Prostitution sogar positiv bewerten.

“Es gibt ein Phänomen – ‘Einstiegseuphorie’ nennen wir das. Das heißt: Die Mädchen – sie sind ja mitten in der Pubertät – lehnen sich gegen Regeln und Normen der erwachsenen Gesellschaft auf, gehen in die Prostitution und in ein Tabu – und dieses Tabu wird auch noch profitabel”, erklärt Sozialarbeiterin Vorhauer. Die Mädchen hätten zudem häufig Angst, dass die Sozialarbeiter die Beziehung zum Loverboy kaputt machen wollten. Ein Ausstieg erfolge deshalb erst dann, wenn die Mädchen es auch selbst wünschten. Das Wichtigste sei, das Vertrauen nicht zu zerstören, sagt Vorhauer.

Quelle: http://www.dw.de/prostitution-zwischen-schule-und-abendbrot/a-16996541

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Sextourismus: 5 Sterne im Bett

Die Idee soll neu sein??? In unserem Paysex-Forum freiercafe.org findet ihr neben einer netten Forengemeinschaft schon seit langem die detailliertesten und vielfältigsten Eindrücke sowie Informationen rund um Saunaclubs, Bordelle und Paysex!

URLAUBSVERGNÜGEN – Wo gibt’s den besten Sex? Unternehmer bieten nun eine Vergleichsplattform für Bordelle.

Urlaub soll entspannen und zwar in jederlei Hinsicht. Dabei ist nicht nur der Escort-Service groß im Rennen, auch Bordelle bieten Reisenden eine gute Gelegenheit, mal so richtig abzuschalten. Doch woher soll man wissen, ob das jeweilige Bordell für einen geeignet ist, wenn es an jeder Ecke welche gibt?

Die Idee ist gleichermaßen simpel wie revolutionär: Unternehmer haben nun eine Website ins Leben gerufen, auf der man verschiedene Bordelle nach unterschiedlichen Kriterien vergleichen kann. Während dieses Konzept in Bezug auf Hotels oder Restaurants bereits seit langem etabliert ist, kann man nun also seine Eindrücke und Erfahrungen aus den Laufhäusern mit anderen teilen und eine punktbasierte Bewertung zu Kriterien wie Sauberkeit, Service und Preis-Leistungsverhältnis abgeben. Außerdem werden die Lokalitäten samt ihrer Besonderheiten und Events vorgestellt und man hat die Möglichkeit, sich Fotos der Räume und der Angestellten anzuschauen. Bleiben da noch Fragen offen?

Quelle: Firmenpresse.de

Quelle: http://www.easyvoyage.de/aktuell/sextourismus-5-sterne-im-bett-11542

Minderjährige zur Prostitution gezwungen

Mit Eheversprechen, Schlägen, Tritten und wüsten Drohungen zwangen zwei 25 und 27 Jahre alte Bulgaren zwei minderjährige Mädchen zur Prostitution in Bordellen. Nach Geständnissen verhängte die Zweite Strafkammer des Landgerichts Traunstein gegen die Männer eine Haft- und eine Bewährungsstrafe.

Aufgeflogen war der Fall, als der Drahtzieher Emir H. mit den beiden 17 und 18 Jahre alten Mädchen im Zug von Verona nach München bei Brannenburg in eine Polizeikontrolle geriet. Wie sich herausstellte, hatten beide gefälschte Ausweise dabei, die H. für sie in Bulgarien hatte anfertigen lassen. Angeblich, so gaben die Zeuginnen zu Protokoll, hätten sie in Kassel an ein Bordell verkauft werden sollen bzw. hätten dort anschaffen sollen.

Im Rahmen der Vernehmungen kam eine verwickelte Geschichte zu Tage. Im Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht räumten Emir H. und der mitangeklagte Mitko M. die Vorwürfe größtenteils ein. Demnach waren die beiden Mädchen in Bulgarien aus einem Heim geflohen und zunächst bei dem als Bauarbeiter tätigen H. untergekommen. Mit der Aussicht auf gute Verdienstmöglichkeiten, Liebesschwüre und Eheversprechen brachte H. beide im September 2012 dazu, erstmals auf einem Lkw-Platz in Bulgarien als Prostituierte tätig zu werden, angeblich, um so den gemeinsamen Lebensunterhalt zu sichern. Davor hatten die damals 16 und 17 Jahre alten Mädchen keinerlei Erfahrung in dem Gewerbe.

Im Anschluß vermittelte H. die beiden Heimflüchtlinge bis Jahresende an zwei Bordelle in Griechenland. Während dieser Zeit wohnten sie in einer angemieteten Wohnung. Nachdem die Mädchen anfangs aufgrund der Versprechungen noch Hoffnungen hatten und sich in ihr Schicksal fügten, musste H. zunehmend rabiater vorgehen, um die beiden Minderjährigen weiter zur Prostitution zu zwingen. Es kam wiederholt zu Schlägen, Fußtritten und heftigen verbalen Drohungen. So drohte er der Jüngeren damit, er werde ihre Tochter verbrennen, falls sie ihn verlasse. Die Ältere schüchterte er damit ein, ihr im Falle der Flucht die Beine abzuschneiden. Den Gewinn aus der Prostitution mussten die beiden Minderjährigen bei H. oder dessen Cousin M. abliefern.

M. war offensichtlich als Handlanger, Aufpasser und Geldeintreiber eingesetzt, falls sein Cousin verhindert war. Während H. die Taten im großen und ganzen einräumte, widersprach er den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, die angeblich drogenabhängige Jüngere mit Drogen wie Amphetamin und Heroin versorgt und damit gefügig gemacht zu haben. Wie Vorsitzender Richter Erich Fuchs erklärte, gaben Haarprobenanalysen keinen hinreichenden Verdacht auf eine Drogensucht. Der Anklagepunkt wurde deshalb fallengelassen. Aufgrund der Geständnisse, die eine Vernehmung der Zeuginnen überflüssig machte, fiel bereits am ersten Verhandlungstag die Urteile. Während die eine Zeugin wieder in Bulgarien lebt, ist das zweite Opfer zwar noch in Deutschland, aber laut Kreisjugendamt Rosenheim „psychisch angeschlagen”.

Ermil H. wurde wegen gemeinschaftlichem schweren Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung sowie schwerer Körperverletzung und Anstiftung zur urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt. Sein Cousin Mitko M. kam mit einer Bewährungstrafe von ein Jahr und zehn Monaten davon.

Quelle: http://www.wochenblatt.de/nachrichten/traunstein/regionales/Prostitution-Menschenhandel-Bordell;art39,192399

Ärger über Rotlicht-Razzia

Ne Razzia, scheinbar nur um Präsenz zu zeigen…Das sind ja Methoden…


Von Christian Scheh

Unternehmer aus dem Bahnhofsviertel wettern gegen Großkontrolle der Polizei

Bei einer großangelegten Razzia im Rotlichtviertel hat die Polizei sechs Straftäter aus dem Verkehr gezogen. Geschäftsleute beurteilen die Kontrolle mit Hunderten Polizisten trotzdem als unverhältnismäßig. Manch einer wittert hinter der Aktion vor allem eines: den Wahlkampf.

Frankfurt.

188 kontrollierte Personen, sechs Festnahmen und Verhaftungen. Das ist die Bilanz einer großen Razzia, die die Polizei am Donnerstag im Rotlichtviertel gemacht hat. Es war kurz nach 19 Uhr, als aus verschiedenen Richtungen Mannschaftswagen mit insgesamt wohl 250 Beamten anrückten. Die Polizisten riegelten die Kreuzung von Elbe- und Taunusstraße ab. Keiner kam mehr rein, keiner mehr raus. Bis nach 1 Uhr war das Rotlichtviertel weitgehend lahmgelegt.

Der Schwerpunkt der Großrazzia lag wie schon so oft auf der Elbestraße zwischen Kaiser- und Niddastraße. Eine Polizeisprecherin sagte gestern, dass alle Gebäude im gesperrten Abschnitt kontrolliert worden seien – Bordelle, Spielhallen, Hotels und mehr. 188 Personen habe man insgesamt überprüft. Drei Prostituierte seien wegen Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz festgenommen worden, außerdem seien der Polizei drei mit Haftbefehl gesuchte Personen ins Netz gegangen – genauere Angaben dazu konnte die Sprecherin allerdings nicht machen.

Einen unmittelbaren Anlass für die Großkontrolle gab es nach Polizeiangaben nicht. Einmal mehr sei es darum gegangen, im Bahnhofsviertel Präsenz zu zeigen und Straftaten entgegenzuwirken, wie sie im Quartier häufig begangen werden. Vor allem Hehlerei und Verstöße gegen das Betäubungsmittel- und Aufenthaltsgesetz hob die Sprecherin hervor.

Stadtpolizei im Einsatz

Auch die Stadtpolizei des Ordnungsamts war an der Aktion beteiligt, sie überprüfte vor allem Betriebe in der Elbe- und Taunusstraße. Eine Bilanz zu den festgestellten Ordnungswidrigkeiten konnte die Behörde gestern noch nicht vorlegen, ein Sprecher sagte aber, dass unter anderem die hygienischen Verhältnisse in Restaurants und Lokalen und die Einhaltung des Jugend- und Nichtraucherschutzgesetzes unter die Lupe genommen worden seien.

In den vergangenen Monaten hatte die Polizei im Bahnhofsviertel mehrere Großrazzien gemacht und teils heftige Kritik seitens der Geschäftsleute geerntet. Die letzte Kontrolle vor Donnerstagabend lag noch nicht einmal einen Monat zurück. Der Stadtverordnete Gregor Amann, der im Bahnhofsviertel lebt, vermutet dahinter ein System: „In Wahlkampfzeiten erfreuen sich Razzien besonderer Beliebtheit“, betont der SPD-Politiker. „Da kann man zeigen, dass man für ,Law and Order‘ und die Sicherheit der Bürger steht“, sagt er in Anspielung auf Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU).

Der SPD-Mann hebt hervor, dass Razzien „spektakuläre Maßnahmen“ seien, mit denen man im Sommerloch gute Chancen habe, in die Medien zu kommen. Die Öffentlichkeitswirkung sei aber meist größer als das, was tatsächlich dabei herauskomme. „Wenn die Polizei drei Mädchen festnimmt, die sich illegal in Deutschland aufhalten, beeindruckt mich das jedenfalls nicht – die beeinträchtigen nicht die Sicherheit im Bahnhofsviertel.“

Ramme im Gepäck

Dass es bei Razzien um den großen Auftritt geht, liegt auch für einen Mitarbeiter der Table-Dance-Bar „Pure Platinum“ auf der Hand. „Die sind bei uns mit vermummten Polizisten eines Sondereinsatzkommandos rein und hatten sogar eine Ramme dabei“, erzählt er. Gäste, Angestellte und Tänzerinnen seien kontrolliert worden. „Sogar ein Drogenspürhund wurde eingesetzt.“ Warum die Polizei so „martialisch“ auftrat, kann er nicht verstehen: „Das war hier ein ganz normaler Abend.“ Einen Holzknüppel, der offenbar als Waffe gewertet wurde, hätten die Beamten noch in der Nacht wieder zurückgebracht.

Bahnhofsviertel-Insider berichten, dass das „Pure Platinum“ wie bestimmte Laufhäuser in der Elbestraße mit den Rockern der Hells Angels in Verbindung steht. Ist das der Grund für die offensive Gangart der Polizei? Ein Bordellbetreiber aus der Elbestraße betont jedenfalls, dass die Razzia schlecht fürs Geschäft gewesen sei. „In Hessen sind gerade Sommerferien, außerdem ist Ramadan. Wenn dann noch eine Razzia hinzukommt, merkt man das schon.“ Der Unternehmer ärgert sich darüber, dass die Polizei immer wieder im Rotlichtviertel zuschlägt: „Die sollen doch mal eine Razzia auf der Freßgass’ machen, da würden sie mit Sicherheit auch illegal Beschäftigte finden.“ Die Probleme mit der Straßenprostitution und der Drogenszene im Bahnhofsviertel lösten die Kontrollen jedenfalls nicht.

Nicht nur bei Geschäftsleuten aus dem Milieu stoßen die Razzien auf wenig bis gar keine Gegenliebe, auch Spielhallenbetreiber zeigen sich empört darüber, dass die Polizei immer wieder in ihren Betrieb eingreift: „Wenn die Polizei eine Razzia startet, können Sie an dem Abend kein Geschäft mehr machen“, sagt Wolfgang Schroth vom „Sky Casino“. Nach der Razzia im Juni habe er ein Gespräch mit der Polizei geführt und sich über die ständigen Kontrollen beschwert. Daraufhin habe ihn die Polizei am Donnerstag in Ruhe gelassen: „Die sind nicht bei mir rein, ich musste meine Türen aber schließen. So eine Kontrolle kostet mich richtig Geld.“

Ebbe in der Kasse

Der Nachtclub „Pik Dame“ von Oliver Gauß ist ebenfalls regelmäßig von Razzien betroffen: „Die Kontrollen gehen brutal aufs Geschäft, zumal sie inzwischen sehr, sehr oft stattfinden“, sagt der Unternehmer. Er hat zwar Verständnis für die Polizisten, „die ja nur ihren Job machen“; ihm ist auch klar, dass es Gründe für die Kontrollen gibt: „Wenn alles gesperrt ist und keiner mehr zum Club gelangt, ist das aber natürlich ein Problem für uns.“

Die Polizei steht im Hinblick auf das Bahnhofsviertel vor einem Dilemma: Kontrolliert sie zu wenig, werden ihr die Probleme – zum Beispiel mit der offenen Drogenszene – vorgehalten, kontrolliert sie zu viel, beschweren sich die Geschäftsleute. Dass das Bahnhofsviertel mit seinen teils undurchsichtigen Strukturen ein Kriminalitätsschwerpunkt bleibt, ist in diesem Jahr allerdings schon mehrfach deutlich geworden: Für das größte Aufsehen sorgte eine Auseinandersetzung in der Moselstraße. Dabei wurde ein gänzlich unbeteiligter Streetworker angeschossen und lebensgefährlich verletzt.

Quelle: http://www.fnp.de/rhein-main/frankfurt/Aerger-ueber-Rotlicht-Razzia;art675,587956

derwesten.de berichtet aus Oberhausen

Derwesten.de berichtet zwischen Love Parade und Rot-Grüner Euphorie heute aus dem Rotlichtbezirk in Oberhausen:

Oberhausen. Nach Behauptungen des Sozialprojektes “Lilja”, das von der Aktion Mensch mitfinanziert wird, gibt es mehr Zwangsprostitution als gemeinhin angenommen. Viele Frauen sagten aus Angst nicht bei der Polizei aus. Ein Besuch in Oberhausens Rotlicht-Bezirk.

Es ist ein düsteres, schreckliches Bild, das die Sozialarbeiterin vom Solwodi-Projekt „Lilja“ von den Schicksalen der Prostituierten an der Flaßhofstraße zeichnet. Zwangsprostituion scheint, so die 33-Jährige, die ihren Namen aus Sicherheitsgründen lieber nicht nennt, eher die Regel denn die Ausnahme zu sein. „Nur weil die Frauen aus Angst nicht aussagen, kann die Polizei sagen, dass es kaum Zwangsprostituierte gibt“, sagt die „Lilja“-Mitarbeiterin.

Die 33-Jährige, selber Rumänin, und eine bulgarische Kollegin kümmern sich seit 2009 um die Frauen, die sich in den Häusern an der Flaßhofstraße prostituieren. „Lilja“ heißt das Projekt der Hilfsorganisation. Die Mitarbeiterinnen von „Lilja“ sind oft der einzige Kontakt zur Welt jenseits des Bordellbetriebes, den die meist sehr jungen Frauen, die dort arbeiten, haben. „Lilja“ jedoch, zu 70 Prozent finanziert von der Aktion Mensch und zu 30 Prozent von Solwodi, läuft im März 2012 aus. „Wenn wir weg sind, sind die Frauen allein“, sagt die Sozialarbeiterin, als sie ihr Projekt Oberhausener Politikern noch einmal vorstellt.

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Auch die Leserkommentare lassen mal wieder tief blicken.

Alle Kerle lebenslang wegsperren

Das fordert Lea Ackermann in der heutigen Ausgabe der Welt Online zwar noch nicht, aber stattdessen, das Freiertum unter Strafe zu stellen. Schließlich gäbe es keine selbstbestimmten Prostituierten und der böse Freier sei per se pervers:

Bei den vermeintlich abenteuerlichen Wohnungsbesuchen lauert häufig die Gefahr, Opfer qualvoller Sexpraktiken zu werden, von denen die Vergewaltigung nicht mal die schlimmste ist. Immer wieder werden auch Fälle von perversen Freiern bekannt, die die Prostituierten so scheußlich behandeln, dass diese anschließend Selbstmord begehen wollen und zum Beispiel nackt auf die Straße vor ein Auto springen. In populären Bordellen in NRW sehen Prostituierte oft über ein halbes Jahr lang nicht ein Mal das Tageslicht…

Welt Online: … und zu großem Wohlstand bringt es dann vermutlich auch nicht jede …
Lea Ackermann: … nicht jede? Ich kenne keine! Mit der vermeintlichen Freiwilligkeit ist es übrigens auch nicht weit her.
Welt Online: Eine Minderheit der Prostituierten gilt aber als freiwillig tätig.
Lea Ackermann: Diese Einschätzung ist zweifelhaft, wenn man auf die Lebensläufe dieser Frauen blickt.

Welt Online: Was schlagen Sie stattdessen vor?
Lea Ackermann: Ich empfehle das Vorbild Schweden. Dort ist nicht die Prostitution, sondern das Freiertum unter Strafe gestellt. Wird ein Freier erwischt, muss er Strafgeld zahlen. Da wurde ein Blickwechsel vollzogen: Wer einen Menschen kaufen will, handelt strafbar. Das hat einen Gesinnungswandel bewirkt. In Schweden halten rund 80 Prozent Prostitution für ein Übel, in Deutschland eher 20 Prozent.

Wer es sich komplett antun will:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article12447273/Prostitution-wird-zum-normalen-Beruf-verklaert.html

Das Schlimme ist, dass es Menschen, männliche wie weibliche gibt, die sowas befürworten. Unter dem Deckmäntelchen altruistischer Menschenliebe machen sie sich zu Bestimmern der Lebensentwürfe Anderer und sprechen sich dafür gegenseitig heilig. Nach den letzten 20 liberalen Jahren steht die Gegenbewegung in den Startlöchern und ich befürchte, früher oder später werden wir das schwedische Modell auch hier am Arsch haben. Dann werden wir alle gute Menschen und die Mädchen ficken wieder zuhause für einen Euro die Stunde AO. Oder sie vertrauen sich einer Mafia an, die sie illegal woanders hinbringt. Zum Beispiel nach Schweden, in irgendwelche Hinterhofpuffs.