Herford: Rotlicht hat Konjunktur

Zahl der Bordelle ist seit 2002 gestiegen / Warum es weniger Ermittlungsverfahren gibt
VON JOBST LÜDEKING
Herford. “Es ist keine Entwicklung, auf die wir stolz sein können”, kommentierte Herfords ehemaliger Landrat Manfred Kluge (CDU) bei einer Veranstaltung zum Thema Innere Sicherheit im Jahr 2001 die Existenz von 22 Bordellen im Wittekindsland. Mittlerweile ist die Zahl längst überholt. Auf rund 70 Bordelle und bordellähnliche Etablissements wird der Rotlicht-Sektor zwischen Rödinghausen und Herford mittlerweile geschätzt.
In Herford, aber auch in Bünde, Löhne oder Kirchlengern haben die “Betriebe” ebenfalls in den letzten Jahren Konjunktur. Nahe der Bünder oder der Ahmser Straße in Herford haben sich seit 2002 bereits neue Bordelle etabliert.

Entgegengesetzt verlief die Entwicklung bei der Justiz: Strafverfahren wegen ausbeuterischen Menschenhandels im Rotlichtbereich gibt es kaum noch. Der bis 2002 übliche Straftatbestand “Förderung der Prostitution” wurde gesetzlich abgeschafft und gerade viele Frauen aus Osteuropa haben durch den Beitritt ihrer Heimatstaaten zur EU ein Aufenthaltsrecht erhalten.

Ist jedoch wirklich alles in Ordnung, der Rotlicht-Bereich einfach nur eine florierende Branche? Mira von Mach von der kirchlichen Hilfsorganisation Nadeschda in Herford, die sich für Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution einsetzt und die Frauen betreut, glaubt aufgrund ihrer Erfahrungen nicht daran.

Auch Ermittler sind da skeptisch. Von Mach sieht hier aber gerade die Polizei am Zug: ” Im Bereich Prostitution ist es wie beim Drogenhandel. Es ist ein Kontrolldelikt.” Wenn nicht kontrolliert werde, gebe es keine registrierten Verstöße, die geahndet werden könnten. Doch die Zahl der Polizisten in Herford schrumpft stetig, während die Zahl der Rotlicht-Etablissements gewachsen ist. “Wir sind regelmäßig zusammen mit anderen Behörden wie Zoll, Steuerfahndung und den Baubehörden unterwegs und kontrollieren”, erklärt Polizeisprecher Uwe Maser. Das Ergebnis dieser behördlichen Besuche führe aber nur in “sehr wenigen Fällen zu Ermittlungsverfahren”.

Ein Beamter, der namentlichen nicht genannt werden will, verweist auf den überaus hohen Zeitaufwand und die Tatsache, dass der Straftatbestand Menschenhandel wesentlich schwieriger nachzuweisen ist als früher. Was Osteuropa angehe, wüssten mittlerweile die meisten von dort kommenden Frauen, dass es bei Jobs in Deutschland um Prostitution gehe.

Ausnahmen gebe es bei Opfern aus Bulgarien und Rumänien, wo es mehr Analphabetinnen gebe, die die Zuhälter tatsächlich noch mit den Versprechungen von Putz-Jobs in die Bundesrepublik locken könnten. Dies gelte, so Mira von Mach, auch für Frauen, die aus Afrika stammten und hier zur Prostitution gezwungen würden. Oft dauere es sehr lange, bis sich die Frauen ihnen offenbaren und über ihre Erlebnisse reden, berichtet die Nadeschda-Mitarbeiterin weiter.

Doch so viel Zeit wie die Nadeschda-Mitarbeiterinnen haben die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft meist nicht. Sie hoffen auf eine veränderte Gesetzeslage.

Nordrhein-Westfalen: Im Paradies der Sextouristen

Hat das Prostitutionsgesetz Deutschland zur Drehscheibe für Frauenhandel gemacht? In NRW debattieren Politiker mit Prostituierten, Freiern und Bordellbetreibern – auf der Suche nach Verbesserungen im Rotlichtmilieu.

Von Reiner Burger, Düsseldorf/Duisburg

In der aktuellen Debatte über das 2001 von der damaligen rot-grünen Bundestagsmehrheit verabschiedete Prostitutionsgesetz gibt es auch unter Frauenpolitikerinnen zwei Lager. Kritikerinnen wie die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer sind davon überzeugt, dass die Norm von grundlegendem Übel ist. Das Gesetz trage die Handschrift von Frauenhändlern und ihren Lobbyisten. Seither sei Deutschland zur europäischen Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies für Sextouristen geworden. Schwarzer wünscht sich eine gesellschaftlich-moralische Ächtung der Prostitution und formuliert als politische Utopie die Abschaffung der Prostitution. Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, vor allem Armuts- und Zwangsprostitution mit neuen Straftatbeständen härter zu ahnden.

Verteidigerinnen sehen in dem Gesetz dagegen einen geradezu emanzipatorischen Akt. Sie verweisen darauf, dass mit dem Ende der Sittenwidrigkeit der Prostitution die Rechtlosigkeit der Prostituierten beendet worden sei. Prostituierte könnten nun das vorab vereinbarte Entgelt auch einklagen, für sie bestehe nun auch Zugang zur Sozialversicherung. Auch habe das Prostitutionsgesetz Ausbeutung und Menschenhandel nicht hervorgebracht, sagt die frauenpolitische Sprecherin der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, Josefine Paul. Die nordrhein-westfälische Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne) formuliert nüchtern: „Prostitution gibt es, ob man sie untersagt oder nicht. Sie lässt sich nicht verbieten. Wer ihr offiziell keinen Raum geben will, verdrängt sie in die Illegalität mit all ihren negativen Folgen.“

Runder Tisch will Selbstbestimmungsrecht stärken

Ein Verbot würde für Prostituierte die Gefahr von Ausbeutung und Gewalt nur noch weiter vergrößern, statt sie mit mehr Rechten zu stärken, sagt die Emanzipationsministerin. Allerdings müsse das Prostitutionsgesetz weiter entwickelt werden. Dazu sei eine auf Wissen basierende ethische Diskussion mit allen Beteiligten nötig. Als Beitrag dazu versteht Steffens einen „Runden Tisch“ zum Thema Prostitution, den sie 2011 in ihrem Ministerium eingerichtet hat. Seine Aufgabe ist es, „die Umsetzung des Prostitutionsgesetzes voranzubringen und Handlungskonzepte zu erarbeiten“.

Leitgedanken des Gremiums sind laut einer internen Selbstdarstellung, das Selbstbestimmungsrecht der Prostituierten zu stärken, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern, Zwangsprostitution und Menschenhandel zu bekämpfen, aber auch an einer „Entstigmatisierung“ der Prostitution mitzuwirken.

Das in Deutschland bisher einzigartige Gremium hat seither schon dreizehn Mal getagt. In der ersten Sitzung ging es um eine Evaluation des Prostitutionsgesetzes, es folgten Treffen zu Themen wie „Prostitution und Gesundheit“, „Männliche Prostitution, Prostitution Transsexueller“, zuletzt befasste sich der „Runde Tisch“ Mitte Oktober mit der Besteuerung der Prostitution, am 27. April 2014 kommt man im Ministerium zusammen, um über „Sexualassistenz“, also sexuelle (Ersatz-)Dienstleistungen Prostituierter für Ältere und Behinderte zu sprechen.

Sexarbeiter auf freiwilliger Basis

Am Tisch sitzen Ministerialbeamte, Ordnungsamtsmitarbeiter, Sozialarbeiter, Wissenschaftler und auch zwei Prostituierte, die sich als „Sexarbeiterinnen“ bezeichnen. Bei Bedarf werden auch Bordellbetreiber ins Ministerium geladen. Sogar Freier kamen schon – nachdem ihnen das Gremium Anonymität zugesichert hatte.

Claudia Schwartz-Zimmermann, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik im nordrhein-westfälischen Emanzipationsministerium, sitzt dem Gremium vor. „Als Kind der Frauenbewegung der siebziger Jahre hatte ich beim Thema Prostitution zunächst Berührungsängste“, sagt Schwartz-Zimmermann. Bevor sie die Leitung des „Runden Tischs“ übernahm, habe sie eine gewisse Sympathie für die Anti-Prostitutions-Kampagne von Alice Schwarzer gehabt. „Immerhin geht es ihr um die Würde der Frauen und um Selbstbestimmung.“ Heute begreife sie, wie komplex die Wirklichkeit der Prostitution sei. „Ich bedaure die Polarisierung in der Diskussion, sie bringt uns nicht weiter und verletzt viele Frauen, die aus eigener Entscheidung in der Sexarbeit tätig sind.“ Claudia Schwartz-Zimmermann versucht sich auch durch Vorort-Termine ein eigenes Bild zu machen. In Köln und Duisburg hat sie sich Großbordelle angeschaut, in Bochum ein Wohnungsbordell. Die Abteilungsleiterin Frauenpolitik räumt ein, dass der Fokus des „Runden Tischs“ auf der freiwilligen Prostitution liege, also auf den sogenannten Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern. Anders formuliert: Das Leitbild des Düsseldorfer „Runden Tischs“ sind Prostituierte, die selbstgewählt, selbstbewusst und selbstbestimmt tätig sind.

„Selbst der Tierschutz ist besser geregelt“

Nach Einschätzung von Prostitutions-Gegnern wie Alice Schwarzer handelt es sich bei „Sexarbeitern“ zumeist um Lobbyistinnen und Lobbyisten der Prostitutionsindustrie. 90 Prozent der Prostituierten in Deutschland seien aber Armuts- und Zwangsprostituierte, sagt Schwarzer. Sie wirft dem linken und liberalen Milieu vor, in der Sexualpolitik völlig versagt zu haben und spricht von „liberalen und linken Prostitutions-Schönrednern“.

Konkrete Ergebnisse hat der „Runde Tisch Prostitution“ bisher noch nicht vorgelegt. Schon angefertigte Zwischenberichte sind nicht öffentlich. „Vielleicht ist unser wichtigstes Zwischenergebnis, dass die Grenzen zwischen Prostitution und Menschenhandel in Wirklichkeit oft fließend sind“, sagt Zimmermann-Schwartz. Und trotzdem ist sich die Leiterin des „Runden Tischs“ zur Prostitution sicher: „Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem liberalen Prostitutionsgesetz und dem Menschenhandel ist nicht identifizierbar.“

Bei solchen Sätzen muss Helga Tauch schwer schlucken. Seit Jahren ist die Sozialarbeiterin für die einst in Afrika von einer deutschen Ordensfrau gegründete christliche Organisation „Solidarity with women in distress“ (Solwodi) im Duisburger Stadtteil Hochfeld unterwegs, der ähnlich wie die Dortmunder Nordstadt von Zuwanderung aus Bulgarien geprägt ist. Solwodi kümmert sich in enger Zusammenarbeit mit der Polizei speziell um Opfer von Menschenhandel. Mittlerweile 1000 Frauen hat Solwodi in ganz Deutschland betreut. „Liberale Gesetze wie in Deutschland führen zu mehr Prostitution und mehr Kriminalität“, sagt Tauch. „Selbst der Tierschutz ist in Deutschland besser geregelt.“ Aus jahrelanger Erfahrung wisse sie, die Zahl der Frauen, die der Prostitution freiwillig nachgingen, sei verschwindend gering. „In vielen Fälle ist der Begriff Freiwild angebracht, nicht das Wort freiwillig.“ Wer etwas anderes behaupte, bagatellisiere Prostitution.

Quelle: http://www.faz.net

Gegen den Strich

Ein Artikel zur Lage der Prostitution in Berlin – auch mit Stimmen pro Prostitution.

von T. Buntrock, S. Dassler

Arbeiten Huren freiwillig oder unter Zwang? In Berlin gibt es beide Phänomene – und viel Kriminalität

Berlin – Die Meinungen gehen auseinander: „Der Appell von Alice Schwarzer gegen Prostitution wirft uns um Jahre zurück“, sagt Nadine S., die sich vor einigen Jahren als Sexarbeiterin selbstständig gemacht hat. „Meine Kunden sind zu 99 Prozent sehr anständige Menschen“, sagt sie, „es wäre absurd, sie oder mich durch ein Verbot der Prostitution zu kriminalisieren, zumal sie mich als Liebesexpertin schätzen und respektvoll behandeln.“

Dobrinka L. hat da durchaus andere Erfahrungen gemacht. „Ich würde lieber als Putzfrau arbeiten“, sagt die 34-jährige Bulgarin, die seit zwei Jahren in Neukölln anschaffen geht, ihre Kunden sind oft türkische Männer. „Mein einziger Trost ist, dass meine beiden Töchter hier in Berlin in die Schule gehen“, sagt sie. „Vielleicht können sie einen guten Beruf lernen.“

Für Jana Weber vom Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen ist ihr Beruf ein guter. „Das Bild, das gegenwärtig von Politikern und manchen Prominenten verbreitet wird, ist falsch“, sagt sie. „Es gibt Fälle von Menschenhandel, aber hier werden nicht hunderttausend Frauen sexuell geknechtet.“ Ähnlich sieht man das bei Hydra e.V. – einem Verein, der seit 33 Jahren Prostituierte in Berlin berät. Weitaus mehr als die aktuelle Debatte interessiere die Ratsuchenden, dass viele Jobcenter keine Leistungen zahlen, weil sie bezweifeln, dass die Frauen selbstständig arbeiten. Auf höchstens drei Prozent schätzt man in der Beratungsstelle die Zahl der Frauen, die zum Anschaffen gezwungen werden.

Ob in einem Wohnungsbordell, im Massagesalon, einem Großpuff oder auf dem Straßenstrich – in Berlin herrscht keine „Luxusprostitution“, sondern ein „Billigmarkt“, sagt Leonie von Braun, zuständig für Menschenhandel und Zwangsprostitution bei der Staatsanwaltschaft. Gerade 20 Euro zahlten die Freier für Oralverkehr auf dem Straßenstrich rund um die Kurfürstenstraße oder Bülowstraße in Tiergarten und Schöneberg-Nord. Geschlechtsverkehr kostet rund 30 Euro, meist benutzen die Freier kein Kondom. Wer sie im „Escort-Service“ nach Hause begleitet oder in einem Wohnungsbordell bedient, verlange meist 100 Euro.

Die Spezialermittler für Rotlichtkriminalität beim Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft kümmern sich um Zwangsprostitution und Menschenhandel – also solche Fälle, in denen Frauen mutmaßlich gezwungen werden, sich für Sex zu verkaufen oder wenn minderjährige Mädchen missbraucht und dafür nach Deutschland verschleppt werden. Wie schon seit Jahren stammen die meisten Frauen aus Rumänien und Bulgarien. Ihnen werden von Landsleuten Jobs als Pflegekraft versprochen – sie dann aber mit Drohungen und Gewalt zur Prostitution gezwungen. Eine neuere Masche sei das „Loverboy“-Phänomen: Anwerber spielten den Frauen vor, unsterblich verliebt zu sein und eine Familie gründen zu wollen. In Berlin entpuppt sich der „Loverboy“ dann als Zuhälter. Zahlen, wie viele Frauen hier zum Sex gezwungen werden, kann von Braun nicht nennen. Nur selten vertrauen sich die Opfer der Polizei an. Seit fünf Jahren registrieren die Behörden zunehmend Nigerianerinnen, die mit falschen Papieren ausgestattet in Bordellen anschaffen müssen. Sie werden gefügig gemacht, in dem ihnen gedroht wird, dass der Voodoo-Priester sie auch aus der Ferne jederzeit mit Tod und Gebrechen bestrafen könne.

Für Nadine S. sind das schlimme Auswüchse, die aber mit dem „eigentlichen Gewerbe“ nichts zu tun haben. „Leider gibt es Menschenhandel, doch warum redet niemand über die Leute auf dem Bau, in der Gastronomie oder in Privathaushalten?“, fragt sie.

Quelle: http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/809448/

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Zuhälter kassiert fünf Jahre: Schulfreund auf den Strich gezwungen – als Frau!

Was für eine skurrile Meldung aus der Schweiz – kaum zu glauben…

ZÜRICH – Weil Peter (30) dem Zuhälter Gyula K. (33) Geld schuldete, zwang ihn dieser, als Frau verkleidet am Zürcher Sihlquai anschaffen zu gehen. Wegen dieser Tat muss Gyula K. 5 Jahre in den Knast.

Wie treibt man bei einem Freund Schulden ein? Dafür hatte der ungarische Zuhälter Gyula K. (33)* ein besonderes Rezept. Er schickte Petar(30)**, den er seit dem Kindergarten kannte, auf den Strich des Zürcher Sihlquai.

Dort musste der Computertechniker geschminkt mit Perücke als Frau verkleidet anschaffen. Während es sich Gyula in einem Hotelzimmer bequem machte, musste sein Freund im kurzen Miniröcklein in der eisigen Februarkälte seine Runden drehen.

Dafür stand Gyula K. am Dienstag vor Gericht.

Am Abend sprach der Richter das Urteil: K. ist schuldig des Menschenhandels, der Förderung der Prostitution und der Erpressung.

Die Strafe: 5 Jahre Knast, plus 25′000 Franken Schmerzensgeld an den Sexsklaven und  20′000 Franken für die Prostituierte.

Opfer zusammengeschlagen

Gemäss Staatsanwältin Silvia Steiner hatte Gyula K. seinem «Freund» noch in Ungarn mehrere kleine Darlehen gegeben. Als Zins verlangte er gleich das Doppelte. Als Petar nicht mehr zahlen konnte, zwang ihn der Zuhälter Bankkredite aufzunehmen. Das Geld sackte Gyula ein. Zur Einschüchterung schlug er den Techniker zusammen oder drohte ihn in einem Kanal zu versenken.

Danach verschacherte er den eingeschüchterten Mann seiner Tante, einer Prostituierten als Arbeitssklaven. Ein Lohn für seine Haushaltstätigkeit erhielt der arme Petar nicht.

«Wie ein Leibeigener»

«Der Beschuldigte hielt den Geschädigten wie einen Leibeigenen», schreibt die Staatsanwältin in ihrer Anklageschrift.

Zu guter Letzt musste der Sklave nach Zürich folgen, um auf dem Sihlquai als Frau Männer oral zu befriedigen. Dabei war Petar heterosexuell.

Gyula, ein Unschuldslamm?

Heute musste sich Gyula K. deswegen vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. Und er spielte das Unschuldslamm. «Ich hatte mit seinem Hierherkommen nach Zürich gar nichts zu tun», beteuerte er. Er habe Petar weder geschlagen, noch bedroht. Der Freund habe ihm auch alles zurückbezahlt.

«Weshalb hat er sie denn dermassen belastet», wollte der Gerichtspräsident Roland Heimann wissen.

«Damit er in das Opferprogramm kommt, eine Entschädigung kriegt und in der Schweiz bleiben kann», erklärt Gyula K.

In eine Grube geworfen

Auch im Fall einer weiblichen Prostitierten (24), die für ihn laut Anklage auf dem Sihlquai arbeiten musste, argumentierte der Zuhälter deckungsgleich. Um die Frau gefügig zu machen, soll er sie in Ungarn in eine Grube geworfen und mit Erde zugedeckt haben.

In Zürich wollte er die Frau, weil sie zuwenig angeschafft hatte,  aus dem Hotelfenster werfen. Dies war nur wegen  ihrer massiven Gegenwehr misslungen.

Die Staatsanwältin beantragt den Zuhälter wegen Menschenhandel, Förderung der Prostitution und versuchter Erpressung mit 4 1/2 Jahre Knast zu bestrafen.

* Name bekannt

** Name geändert

Quelle:

http://www.blick.ch

Sozialarbeiterin über Prostitution: „Wir brauchen kein neues Gesetz“

Ein Interview auf taz.de über die Diskussion eines Prostitutionsverbots.

Juanita Henning von der Beratungsstelle Doña Carmen kritisiert das neue Gesetzesvorhaben zur Prostitution. Menschenhandel hält sie für einen Kampfbegriff.

taz: Frau Henning, es gibt derzeit eine neue Debatte über das Verbot der Prostitution. Gleichzeitig plant die künftige Große Koalition ein neues Prostitutionsgesetz. Ist das in Ihrem Interesse?

Juanita Rosina Henning: Die Debatte über das Verbot geht an den tatsächlichen Problemen völlig vorbei. Das betrifft vor allem das geplante Gesetzesvorhaben.

Was rügen Sie an den Plänen?

Dabei geht es um eine weitgehende Reglementierung von Prostitutionsstätten. Die Betreiber sollen alle Frauen, die bei ihnen tätig sind, bei den Behörden melden. Sie sollen die aufenthaltsrechtlichen Papiere der Frauen kontrollieren. Die Frauen würden möglicherweise alle zentral polizeilich registriert. Das lehnen wir entschieden ab.

Das Argument für mehr Kontrolle lautet, dass man so dem Menschenhandel wirksamer begegnen könne.

„Menschenhandel“ – das ist doch ein Kampfbegriff gegen die Prostitution. Dass der Begriff mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Im Jahre 2010 gab es 761 Fälle von mutmaßlichen Opfern von Menschenhandel, bei geschätzt 200.000 Prostituierten. Davon waren 159 Fälle, in denen die Opfer tatsächlich Gewalt, Drohung, körperliche Misshandlung erlebt hatten. Das sind also weniger als ein Promille.

Es heißt ja immer, die Dunkelziffer sei so hoch, weil es sich um organisierte Kriminalität handelt und die Frauen sich nicht trauten, auszusagen.

In den vergangenen elf Jahren gab es im Schnitt pro Jahr 130 gerichtlich festgestellte Täter im Menschenhandel, das Täter-Opfer-Verhältnis war dabei in etwa eins zu eins. Das spricht gegen organisierte Kriminalität. In einer Studie des Bundeskriminalamtes von 2006 konnte keine organisierte Kriminalität in diesem Bereich festgestellt werden.

Das heißt, das Bild der armen Frau aus Osteuropa, die nach Deutschland gelockt und hier von einer Bande unter Druck gesetzt wird, ist falsch?

Ja. Ich habe selbst eine Studie durchgeführt, bin durch die Bordelle gegangen, habe die Frauen interviewt. Über 90 Prozent der Frauen, die nach Deutschland kommen, wissen, dass sie in der Prostitution arbeiten werden.

Es besteht also kaum Handlungsbedarf?

Doch. Aber wir brauchen eben kein neues Sondergesetz, das die Bordelle stärker kontrolliert, um gegen die Fälle von Gewalt und Misshandlung vorgehen zu können. Dazu reichen die Strafrechtsparagrafen, die es gibt: Nötigung, Erpressung, Körperverletzung. Es geht auch viel ums Arbeitsrecht, Einbehaltung von Lohn etwa. Da müsste man nur die normale Rechtsprechung greifen lassen. Gewerberechtlich reicht es aus, wenn Prostitutionsstätten nach Paragraf 14 der Gewerbeordnung anzeigepflichtig wären.

Was fordern Sie noch?

Wir wollen zum Beispiel, dass selbstständige Prostitution endlich als freiberufliche Tätigkeit anerkannt wird. Damit hätten die Frauen mehr Möglichkeiten, auch in Wohngebieten legal zu arbeiten. Außerdem sind wir für die Abschaffung der Strafrechtsparagrafen, die Zuhälterei und die Förderung der Prostitution verbieten. Damit wird es Arbeitgebern nämlich unmöglich gemacht, Prostitution als sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis anzubieten.

Quelle: http://www.taz.de/Sozialarbeiterin-ueber-Prostitution/!127961/

Polizei und Staatsanwaltschaft bringen bulgarische Zuhälterbande hinter Schloss und Riegel

Darmstadt. Gemeinsame Pressemeldung des Polizeipräsidiums Südhessen / der Staatsanwaltschaft Darmstadt Darmstadt: Menschenhandel, Zuhälterei, Schutzgelderpressung / Polizei und Staatsanwaltschaft bringen bulgarische Zuhälterbande hinter Schloss und Riegel / Haftbefehle gegen vier Männer und zwei Frauen

Polizei und Staatsanwaltschaft Darmstadt haben am Mittwoch (20.11.2013) mit einem großangelegten Polizeieinsatz eine bulgarischeZuhälterbande hinter Schloss und Riegel gebracht. Bei den Maßnahmen waren auch Einsatzkräfte der Hessischen Bereitschaftspolizei und des Hessischen Landeskriminalamts beteiligt. Mit Haftbefehlen und Durchsuchungsbeschlüssen des Amtsgerichts Darmstadt ausgestattet, nahmen die Beamten am Morgen sechs Wohnunterkünfte in Offenbach und Darmstadt unter die Lupe. Dabei und bei sich anschließenden gezieltenFahndungsmaßnahmen wurden 16 Personen – zehn Männer im Alter zwischen20 und 42 Jahren, sechs Frauen im Alter zwischen 20 und 33 Jahren – festgenommen. Zudem wurden weitere Beweismittel gefunden, deren Auswertung andauert. Sechs der Festgenommenen, vier Männer und zwei Frauen wurden am Donnerstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Den Tätern werfen die Ermittler Menschenhandel, Zuhälterei und Schutzgelderpressung im Zusammenhang mit Prostitution auf dem Darmstädter Straßenstrich vor. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten seit einigen Monaten umfassend gegen die von Offenbach aus operierende Bande. Nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehördenhatte sich die Bande unter Anwendung von Drohungen und Gewalt auf demDarmstädter Straßenstrich mit Frauen aus ihrem Heimatland gegen unliebsame Konkurrenz durchgesetzt. Einige der jetzt Inhaftierten waren bereits im Jahr 2011 wegen Bedrohung und Körperverletzung zu Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Die umfangreichen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft gingen jedoch parallel weiter. Danach mussten Prostituierte ihre Tageseinnahmen abgeben und erhielten lediglich etwas Geld für Essen, Trinken und Zigaretten. Zuhälter der unteren Rangfolge zahlten “Standgeld” an dieHaupttäter und überwachten in deren Auftrag den Straßenstrich. Wer sich den führenden Köpfen der Gruppierung entgegenstellte oder sich ihr nicht anschloss, wurde massiv eingeschüchtert und musste mit empfindlichen Repressalien rechnen. Unter anderem liegen den Ermittlern auch beweiskräftige Erkenntnisse vor, dass Frauen aus dieser Gruppe unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aus ihrem Heimatland Bulgarien nach Deutschland gelockt und hier zur Prostitution gezwungen wurden. Als Kopf der Bande gilt ein 36-jähriger Mann, der sich unter den Inhaftierten befindet.

Quelle: http://www.echo-online.de/region/polizeimeldungen/Polizei;art6510,4489067

Prostitution: Kein Beruf wie jeder andere

Zum Teil berechtigte Kritik oder nur heiße Luft? Melde dich doch bei uns im Forum an – freiercafe.org - und diskutiere mit unseren vielen netten Mitgliedern!

Möglicherweise sind die pädophilen Strömungen in den achtziger Jahren nicht die einzige Zeitbombe in den Händen von Bündnis 90/Die Grünen. Auch die Anerkennung der Prostitution als regelrechter Beruf könnte sich zum Bumerang für die Gutmenschen-Partei entwickeln.

Zur Erinnerung: Ende 2001 hat die damals regierende rot-grüne Koalition das Prostitutionsgesetz (Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten – ProstG) verabschiedet, das am 1. Januar 2002 rechtswirksam wurde. Im wesentlichen wurde damit die Prostitution zum normalen Beruf erklärt. Davor war diese Tätigkeit nicht illegal, galt aber als sittenwidrig, wurde also toleriert. Die rot-grüne Regierung argumentierte, sie wolle den Prostituierten mehr Sozial- und Rechtssicherheit geben. In Wahrheit gehörte diese Initiative zu deren gesellschaftspolitischen Vorhaben, wie auch die Einführung der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“, die (regulierte) Abgabe von schweren Drogen usw. Medial wurde damals das Gesetz insbesondere durch die Talkshows von Arabella Kiesbauer, Hans Meiser, Vera am Mittag, Sonja und andere vorbereitet. Dort traten laufend Prostituierte auf und berichteten im Detail von ihrem Broterwerb.

Das Gesetz war aus sozialpolitischer Perspektive ein Flop, denn wenige haben ihre Tätigkeit überhaupt als Gewerbe eingetragen. Im Jahr 2007 hatten nicht einmal ein Prozent aller Betreffenden einen Arbeitsvertrag. Eine Krankenversicherung hatten die wenigsten. Trotzdem wurde durch dieses Gesetz Werbung für Prostitution möglich. Davor war sie aufgrund der Sittenwidrigkeit verboten. (Hier gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen, doch die wichtigsten Gerichtsurteilte begünstigen die Werbefreiheit). Einzige Beschränkung dieser Werbung ist heute der Jugendschutz.

Menschenhandel in Größenordnungen erleichtert

Das Gesetz passierte aufgrund der Mehrheitsverhältnisse leicht die Abstimmungen im Bundestag und erzeugte auch sonst relativ wenig Polemik. Heute sähe das anders aus: Aufgrund des rasant steigenden Menschenhandels – auch in Industriestaaten, inklusive Deutschland –, sind Gesetze wie das deutsche Prostitutionsgesetz inzwischen mächtig in die Kritik geraten. Laut Schätzungen der OSZE bringen Menschenhändler jedes Jahr zwischen 120.000 und 500.000 Frauen von Mittel- und Osteuropa nach Westeuropa und zwingen sie oft zur Prostitution (Die Welt vom 5. April 2013). Menschenhandel geht meist mit Zwangsprostitution, Kinderprostitution und Kinderpornographie einher.

Nach zehn Jahren der Einführung des Prostitutionsgesetzes weiß man: Die Anerkennung und die Legalisierung der Prostitution als Beruf erleichtert den Menschenhandel. Eine Studie, die von der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben wurde, hat gezeigt, daß Deutschland eine Drehscheibe moderner Sklaverei ist. Demnach stieg der Menschenhandel allein zwischen 2008 und 2010 um 18 Prozent. Der Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt Niedersachsen, Christian Zahel, geht davon aus, daß neun von zehn Betroffenen zur Prostitution gezwungen werden.

Das rot-grüne Gesetz wirkte sich aus verschiedenen Gründen fatal aus. Zum einen ermöglichte das Gesetz die Einrichtung von Bordellen und damit eine Struktur, in welchem illegale Aktivitäten hinter einer legalen Fassade organisiert werden können.

Deutschland mittlerweile „Puff Europas“

Aber das ist nicht alles. Der Kriminalexperte Manfred Paulus, der sich mit seinen Büchern über die organisierte Pädophilie einen Namen machte (z. B. „Grünkram“, 1998), erklärte Anfang des Jahres 2013 gegenüber dem Deutschlandfunk, daß das Prostitutionsgesetz die Polizeikontrollen erheblich erschwert habe: „Ich habe dieses Gesetz schon als Zuhälterschutzgesetz bezeichnet, weil ich gewaltige Nachteile einfach sehe. Da wurde im Zusammenhang mit dieser Gesetzgebung zum Beispiel die Förderung der Prostitution aufgehoben, der Tatbestand, das war immer ein Ermittlungstatbestand, der uns die Türen geöffnet hat. Die Polizei hat mehr oder weniger inzwischen Schwierigkeiten, solche Kontrollen vorzunehmen, und das führt natürlich nicht zur Aufdeckung von Kriminalität.“ Im selben Interview erklärte Paulus, daß das Gesetz im „Milieu“ nie angekommen sei, was auch nicht erwartet werden konnte.

Anfang dieses Jahres ging die FAZ der Frage nach, ob die Legalisierung der Prostitution die Kriminalität reduzieren könne. Das Ergebnis: „Die Liberalisierung fördert den Menschenhandel und steigert damit die Zahl der Menschen, die als Ware in ein Land geschafft werden“.

Aus diesem Grund wird Deutschland laut Focus vom 20. Dezember 2012 als „Puff Europas“ bezeichnet: „Deutschland ist für die Menschenhändlerringe ein wichtiger Markt.“ Nicht verwunderlich: Nach Recherchen des früheren Bundespolizisten und jetzigen Bestsellerautoren Stefan Schubert erreichten selbst schmucklose mittelgroße Bordelle einen Jahresumsatz von mehr als einer Million Euro. Insgesamt würden im deutschen Rotlicht-Milieu geschätzt jährlich 14,5 Milliarden Euro umgesetzt.

Alice Schwarzer kritisiert die Grünen massiv

Das Ganze ist dermaßen ein Skandal, daß sich selbst Linke inzwischen zu Wort melden. Alice Schwarzer kritisierte in einem taz-Artikel vom 13. August 2013 zum Pädophilie-Skandal bei den Grünen, daß diese Partei nicht verstehe, daß Prostitution immer Ausbeutung sei: „Heute sagt derselbe Beck über Prostitution, für ihn ‘ein Beruf wie jeder andere’, wörtlich: ‘Wenn Leute etwas anbieten, andere es kaufen wollen und es keine ökologischen oder sozialen Nebenwirkungen gibt, die man dringend unterbinden muß, dann nehme ich das zur Kenntnis und störe mich nicht weiter dran.’ Sexualität als Ware. Der schlimmste Albtraum aufrichtiger AufklärerInnen ist wahr geworden. Und die Parallelen im Diskurs um die Pädophilie und dem über die Prostitution drängen sich regelrecht auf: Auch die heute über 90 Prozent Armuts- und Zwangsprostituierten in Deutschland werden geleugnet, und es ist  von ‘Einvernehmlichkeit’ und ‘Freiwilligkeit’ die Rede.“

In der nächsten Legislaturperiode müßte das Thema auf dem Tisch landen, nicht zuletzt auf Druck der EU, die schärfere Rechtsvorschriften fordert. Die Frist dazu war der 6. April 2013 – Deutschland ließ sie verstreichen.

Quelle: http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M5631915b487.0.html

Huder soll 18-Jährige zur Prostitution gezwungen haben

Hude/Oldenburg Wegen Menschenhandels, Zuhälterei und Vergewaltigung muss sich seit Montag ein 32 Jahre alter Mann aus Hude vor dem Oldenburger Landgericht verantworten. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, eine 18-Jährige aus Rumänien mit brutalster Gewalt und Vergewaltigungen zur Prostitution gezwungen zu haben.Laut Anklage hatte er die junge Frau in einer Diskothek in Rumänien angesprochen. Er soll ihr in Deutschland eine Arbeit versprochen und sie dann nach Hude gebracht haben. Den Ermittlungen zufolge begann dort für die 18-Jährige ein Albtraum.

Der Angeklagte, der in Haft sitzt, bestritt am Montag indes die Vorwürfe. Er habe die junge Frau in einem Reisebus nach Deutschland getroffen. Er habe ihr erzählt, dass er einen Bekannten habe, der ein Bordell eröffnen möchte und dafür noch Prostituierte suche. Die 18-Jährige sei einverstanden gewesen. Sie habe von Anfang an gewusst, dass sie als Prostituierte habe arbeiten sollen, behauptet der 32-Jährige. Er habe sie dann auch täglich zu einem Bordell nach Bremen gefahren.

Das Gericht setzte die Hauptverhandlung anschließend mit der Vernehmung der 18-Jährigen fort. Sie bestätigte in vollem Umfang die Anklagevorwürfe und erzählte, wie sie zunächst drei Wochen lang durch Schläge und Vergewaltigungen gefügig gemacht worden sei. Täter soll nicht nur der Angeklagte sein, sondern auch dessen Bekannter. Trotz der Aussage der Frau gestaltet sich der Prozess schwierig. Die angeklagten Taten liegen bereits sechs Jahre zurück. Erst nach Jahren der Prostitution war die junge Frau in einem Bordell in Papenburg aufgegriffen und kontrolliert worden. Der Polizei hatte sie dann ihre Leidensgeschichte erzählt.

Gegen den Angeklagten wurde Haftbefehl erlassen. Weil er sich zu der Zeit in Rumänien aufhielt, wurde er dort in Auslieferungshaft genommen und nach Deutschland überstellt. Für das Verfahren sind vier Verhandlungstage terminiert worden.

Quelle: www.nwzonline.de

Schwere Vorwürfe

Eine ordentliche Liste an Anklagepunkten…

Ein Rumäne (32) soll eine 18-jährige Landsfrau für den Einsatz in einem Bremer Bordell nach Hude verbracht haben. Der Angeklagte streitet die Vorwürfe ab.

Von HELMUTH RIEWE

HUDE · OLDENBURG. Wegen Menschenhandel, Zuhälterei und Vergewaltigung hat sich seit Montag ein 32-jähriger rumänischer Staatsbürger vor dem Landgericht Oldenburg zu verantworten. Dem nicht geständigen Angeklagten wird vorgeworfen, im Mai 2007 eine damals 18-jährige Landsfrau aus Rumänien nach Hude verbracht zu haben. Dort soll die junge Frau mehrfach vergewaltigt und für den Einsatz in einem Bremer Bordell gefügig gemacht worden sein. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft haben der Angeklagte und ein bisher nicht ermittelter Mittäter die Hilflosigkeit der Frau ausgenutzt. In der Wohnung eines deutschen Staatsbürgers in Hude hätten der Angeklagte und die junge Frau mehrere Wochen gemeinsam gewohnt. Dort sei es zu zwei Vergewaltigungen und einem Vergewaltigungsversuch gekommen. Demoralisiert von den Drohungen und den Gewaltanwendungen habe die damals 18-Jährige gegen ihren Bordelleinsatz keinen Widerstand mehr geleistet. Sämtliche Einnahmen habe sie an ihre Peiniger abliefern müssen.

Diese Schilderung bestritt der Angeklagte vehement. Er behauptete, die junge Frau sei aus freien Stücken mit ihm nach Deutschland gekommen. Er habe ihr lediglich die 110 Euro vorgestreckt, die für die Busfahrt von Rumänien nach Norddeutschland fällig geworden waren. In den Folgewochen habe er dieses Geld in Raten zurückerhalten. Er selbst sei nie in dem Bordell in Bremen gewesen, auch habe er das angebliche Opfer nie geschlagen oder missbraucht.

Quelle: http://www.dk-online.de/nachrichten/lokal/hude/683582-25/story.html

Urteil im Menschenhandelsprozess erwartet

Nach der Großrazzia im Rotlichtmilieu von Mitte April, bei der drei Männer und eine Frau festgenommen wurden, wird heute vor dem Landgericht ein erstes Urteil erwartet. Angeklagt ist ein 53 Jahre alter Familienvater aus Saarbrücken. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zu Menschenhandel und Zuhälterei vor.

Der Mann soll in seinem Etablissement im Saarbrücker Stadtteil Güdingen eine junge Rumänin beschäftigt haben. Die Hälfte ihres Liebeslohns musste die 18-Jährige an den Angeklagten abführen. Ein weiteres Viertel soll der Angeklagte für den Zuhälter der jungen Frau einbehalten haben.

Der 53-Jährige ist weitgehend geständig. Gegen den rumänischen Zuhälter und gegen ein Ehepaar aus Riegelsberg laufen getrennte Verfahren. Der Rumäne soll junge Frauen aus seinem Heimatland nach Deutschland geschleust haben. Sie arbeiteten in Bordellen des Ehepaars aus Riegelsberg.

Alle Beschuldigten in U-Haft

Alle Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft. Sie waren Mitte April bei einer Großrazzia im Saarbrücker Rotlichtmilieu festgenommen worden. Der Prozess gegen den Bordellbetreiber wird am Mittwoch fortgesetzt. Dann wird bereits das Urteil erwartet.

Quelle: http://www.sr-online.de/sronline/nachrichten/panorama/prozess_menschenhandel_rotlichtmilieu100.html

Mehr Frauen wagen, auszusagen

Opfer von Frauenhandel landen auch in der Schweiz. Viele von ihnen sind sehr jung. Doro Winkler von der Zürcher Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) sagt, was dagegen getan werden kann.

WOZ: Doro Winkler, laut NZZ werden in Rumänien viel mehr Fälle von Menschenhandel vor Gericht gebracht als hierzulande. Macht die Schweiz etwas falsch?
Doro Winkler: Wir nehmen an, dass die Zahl der Verurteilungen auch in der Schweiz steigen wird. Heute sind mehr Frauen bereit, gegen Menschenhändler auszusagen, als noch vor fünf Jahren. Bis rechtskräftige Urteile vorliegen, dauert es aber lange. In der Strafverfolgung hat sich vieles verbessert, doch der Opferschutz kommt immer noch zu kurz.

Droht einer Frau die Ausschaffung, wenn sie sich illegal in der Schweiz aufhält und an die Polizei wendet?
Erkennt die Polizei sie als mutmassliches Opfer, kann das Migrationsamt ihr dreissig Tage Bedenkzeit gewähren, damit sie sich überlegen kann, ob sie aussagen will oder nicht. Falls ja, bekommt sie eine Kurzaufenthaltsbewilligung. Wenn sie bei einer Rückkehr gefährdet ist, kann sie ein Härtefallgesuch stellen. Letztes Jahr haben erstmals acht Frauen eine Härtefallbewilligung bekommen.

Und wenn eine Frau nicht aussagen kann oder will?
Dann kann sie auch ein Gesuch stellen, hat aber wenig Chancen auf eine Bewilligung. Wir kritisieren das: Betroffene müssen in jedem Fall geschützt werden, unabhängig von ihrer Aussagebereitschaft. Das fordert auch der Europarat; das Ausländergesetz sollte das besser berücksichtigen.

Wichtig ist: Von Menschenhandel sind nicht nur illegal anwesende Frauen betroffen. Manche Opfer sind legal in der Schweiz, zum Beispiel durch Heirat.

Ist mehr Fahndung nötig?
Ja, die Polizei sollte auf die Bekämpfung des Menschenhandels mehr Gewicht legen. Und weniger etwa auf die Verfolgung illegal Anwesender. Denn Menschenhandel verletzt die Integrität von Menschen massiv, während Illegale nichts verbrochen haben. Wofür die Ressourcen eingesetzt werden, ist ein politischer Entscheid.

In den letzten Jahren hat die FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration zwanzig minderjährige Opfer von Menschenhandel betreut. Werden die Opfer immer jünger?
Nein. Aber viele, die wir als knapp Volljährige betreuen, wurden noch minderjährig zu Opfern. Ein Drittel der Frauen, die wir betreuen, ist unter 22.

Was ist anders, wenn die Opfer so jung sind?
Sie erleben mitten in ihrer Entwicklung zur Frau, während der Entdeckung ihres Körpers, diesen brutalen Bruch. Meistens sind sie von Bekannten angeworben worden. Die Gewalt und die Erfahrung der Ausbeutung hinterlassen tiefe Spuren. Minderjährige Frauen brauchen eine intensivere Betreuung und mehr Zeit. Manchmal verhalten sie sich auch uns gegenüber rebellisch.

Wie ist die Betreuung in den Herkunfts­ländern?
Sehr unterschiedlich. In Thailand gibt es gute Strukturen, in Brasilien je nach Region. Das Netzwerk La Strada leistet gute Arbeit in verschiedenen osteuropäischen Ländern. In Ungarn, von wo in den letzten Jahren die meisten Opfer stammten, gibt es allerdings kaum etwas. Viele Frauen wollen auch gar keine Nachbetreuung, sie möchten nach Hause und vergessen, was passiert ist. Manche merken aber später, dass es nicht geht, und melden sich wieder bei uns.

Die FIZ arbeitet mit der Inter­national Organization for Migration zusammen, die von MenschenrechtsaktivistInnen kriti­siert wird. Laufen Sie da nicht Gefahr, Teil der Migrationsabwehr zu werden?
Wir arbeiten auch mit Akteuren, die politisch nicht auf unserer Linie sind. Unsere Haltung ist klar: Wir stehen ein für die Bewegungsfreiheit aller auf diesem Planeten. Aber um den Menschenhandel zu bekämpfen und Betroffene unterstützen zu können, braucht es auch die pragmatische Zusammenarbeit.

Menschenhandel und Prostitution sind Sex-and-Crime-Themen. Wie beurteilen Sie die Berichterstattung darüber?
Inhaltlich wird oft zu wenig unterschieden zwischen Menschenhandel und Sexarbeit. Viele Sexarbeiterinnen arbeiten selbstbestimmt, ohne ausgebeutet zu werden. Diese Vermischung dient der Sache überhaupt nicht. Und dann stören mich die Bilder: Sie zeigen Sex­arbeiterinnen fast immer aus der Perspek­tive der Freier. Warum nicht einmal die Perspektive der Frauen zeigen, also den Blick auf die Freier? Oder beispielsweise das Zimmer, in dem eine Frau lebt?

Die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) in Zürich setzt sich für Migrantinnen ein, 
die von Gewalt und Ausbeutung betroffen sind. 
Zur FIZ gehört die Anlaufstelle Makasi, wo Opfer von Frauenhandel umfassend unterstützt werden.

Ganzer Artikel: woz.ch

Uneinsichtiger Menschenhändler und Zuhälter

Mehrfach vorbestrafter Ungar schickt zwei Landsfrauen auf den Strassenstrich am Sihlquai, überwacht, bedroht und misshandelt sie

Er habe die Frauen wie eine Ware behandelt, sei niederträchtig, menschenverachtend und skrupellos vorgegangen, hat sich am Mittwoch ein Ungar vom Obergericht anhören müssen. Der Uneinsichtige wird zu 6 1/2 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Ein Gewitter ist losgebrochen, und zwar just in dem Moment, als der Gerichtspräsident am späten Mittwochabend sein Verdikt verkündet und begründet hat, und die Situation draussen passte bestens zur Stimmung drinnen. Mehr als zehn Stunden lang wurde das Verhalten eines heute 34-jährigen, mehrfach vorbestraften Ungarn beleuchtet, der zwei Landsfrauen aufs Übelste ausgenutzt und misshandelt hatte. Er schickte sie am Sihlquai auf den Strich und trieb sie zur Arbeit an, auch wenn sie krank waren, er überwachte, bedrohte und schlug sie, nahm ihnen das Geld ab und äusserte sich in den primitivsten Worten über sie – was durch abgehörte Telefongespräche dokumentiert ist. Das Obergericht sprach von einem niederträchtigen, menschenverachtenden und skrupellosen Vorgehen und verurteilte den Uneinsichtigen und nicht Geständigen zu 6 1/2 Jahren Freiheitsstrafe, kombiniert mit einer unbedingten Geldstrafe: unter anderem wegen Menschenhandels, Förderung der Prostitution und Körperverletzung.

Versammlung der Zuhälter

Der Ungar, der im Gegensatz zu den beiden Prostituierten nicht der Ethnie der Roma angehört, muss seinen Opfern zudem eine Genugtuung von je 15 000 Franken bezahlen. Er hatte, wie bereits vor der Vorinstanz, vergeblich seine Unschuld beteuert und einen Freispruch verlangt. Der Mann befindet sich seit über drei Jahren ununterbrochen im Gefängnis; wenn er dereinst seine Strafe abgesessen hat, wird er von den ungarischen Behörden in Empfang genommen, die wegen weiterer Delikte einen internationalen Haftbefehl ausstellen liessen. Der 34-jährige Familienvater ist seit 2001 immer wieder mit der Justiz in Konflikt geraten und musste auch schon in Ungarn eine mehrjährige Freiheitsstrafe absitzen. In Zürich trieb er bis zu seiner Verhaftung als Zuhälter und Menschenhändler sein Unwesen, organisierte in einem einschlägigen Hotel im Stadtkreis 4 Versammlungen mit Zuhältern und Prostituierten, um Preise festzulegen. Vor Gericht jedoch stritt er jegliche Machenschaften im Sexmilieu ab. Mit der einen, älteren Frau habe er gar nichts zu tun gehabt, und die jüngere sei seine Lebenspartnerin gewesen; man habe zusammen gewohnt und mit ihrem Prostituierten-Einkommen bloss die gemeinsamen Lebenskosten bestritten.

Ganz anders tönt es allerdings in den abgehörten Telefonanrufen und in den Aussagen der beiden Frauen, die vom Verteidiger als unglaubhaft, widersprüchlich, realitätsfremd und überspitzt bezeichnet wurden. Der Zuhälter prahlte am Telefon gegenüber seiner Mutter und seinem Sohn damit, dass er die Frauen schlage und dafür sorge, dass sie möglichst viel arbeiteten. In Briefen, die er aus dem Gefängnis zu schmuggeln versuchte, oder gegenüber Mitgefangenen droht er der Staatsanwältin und den beiden Opfern, die es wagten, Zeugnis abzulegen, mit Rache – und beschreibt seine Zukunftspläne dergestalt, dass er in Ruhe leben und sich fünf Frauen halten wolle.

Keine emanzipierten Frauen

Das Obergericht fällte ein differenziertes Urteil; es gab Freisprüche bezüglich einzelner Vorwürfe, die nach Meinung der Berufungsinstanz zu wenig belegt sind. So wurde der Ungar nur in Bezug auf das eine Opfer wegen Menschenhandels schuldig gesprochen, jedoch in Bezug auf beide Frauen der Förderung der Prostitution. Das Gericht bewertete die Aussagen der beiden Frauen grundsätzlich als glaubhaft und trägt ihrer schwierigen Situation Rechnung. Die Staatsanwältin, die auf Fälle von Menschenhandel und Zuhälterei spezialisiert ist, schilderte die zweifache Diskriminierung der Opfer: als Roma-Frauen und als Prostituierte, die auf dem Strassenstrich arbeiteten und damit innerhalb des Sexgewerbes der untersten Hierarchiestufe angehörten. Die Frauen, so die Staatsanwältin, seien weder emanzipiert noch selbstbewusst und gingen davon aus, dass sie einen Beschützer brauchten; dies nicht zuletzt deshalb, weil in ihrem Heimatland die Prostitution verboten ist und deshalb nur unter schwierigen, gefährlichen Bedingungen ausgeübt werden kann. Eine der beiden Frauen hatte sich bereits in Ungarn prostituiert, weil sie für ihre drei Kinder aufkommen musste, und hatte sich gegenüber dem 34-jährigen Landsmann verschuldet. Sie wurde wie eine Ware von Ort zu Ort verschoben und mindestens einmal spitalreif geprügelt – von ihm und einem anderen Zuhälter, im Hotelzimmer im Kreis 4.

Ganer Artikel: nzz.ch

Binational vereint gegen Menschenhandel

Beschützen, verhindern, verfolgen und binational vereint vorgehen: Das sind die vier Pfeiler, auf denen neue Bemühungen im Kampf gegen Menschenhandel basieren. Das Konzept wird in Kooperation mit Rumänien erprobt.

Menschenhandel wird in der Schweiz mit ganz unterschiedlichen Ansätzen bekämpft – von verwaltungsinternen und externen Fachstellen, die, im besten Fall, ihr Know-how bündeln, Diskrepanzen überwinden und gemeinsam vorgehen. Runde Tische beispielsweise und ähnliche, interdisziplinär zusammengesetzte Gremien gegen Menschenhandel gibt es im Bund und in einigen Kantonen schon seit längerem. Neu hat das Bundesamt für Polizei nun damit begonnen, die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinaus zu intensivieren. Ein erstes derartiges Projekt erprobt Bundesrätin Simonetta Sommaruga derzeit mit Rumänien: Weil seit 2007 eine enge, gut funktionierende polizeiliche Kooperation mit Rumänien besteht, auf der aufgebaut werden kann, und weil die Schweiz zunehmend zum Ziel- und Transitland für rumänische Menschenhändler wird. «Die Schweiz und Rumänien», konstatiert Sommaruga, «haben ein gemeinsames Problem, das sie nur gemeinsam lösen können.»

Die Arbeit aufgenommen

Um den Menschenhändlern das Handwerk zu legen, deren Opfer zu erkennen und möglichst gut zu betreuen, nicht zuletzt auch in ihrer wichtigen Funktion als Zeugen im Strafverfahren, hat die Justizministerin eine schweizerisch-rumänische Arbeitsgruppe initiiert. Die neue Kooperation war Ende letzten Jahres anlässlich eines Besuchs in Bukarest auf Ministerebene beschlossen worden, und bereits Mitte Februar kam es zum ersten Treffen der rund dreissigköpfigen Fachexperten-Gruppe – wiederum in Bukarest. Die Schweizer Delegation wird von Boris Mesaric geleitet, dem Geschäftsführer der Koordinationsstelle gegen Menschenhandel und Menschenschmuggel (KSMM), die dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) angegliedert ist.

Zur Schweizer Gruppe gehören Vertreter von Fedpol und vom Bundesamt für Migration, Vertreter der Kantone und Städte sowie zwei verwaltungsexterne Fachstellen. Die rumänische Delegation hingegen setzt sich ausschliesslich aus Behördenvertretern zusammen; auf den Beizug von Nichtregierungsorganisationen wird bis anhin verzichtet. Und dies, obwohl Bundesrätin Sommaruga bei ihrem Aufenthalt in Bukarest eine international anerkannte und gut vernetzte, private Fachstelle gegen Menschenhandel, Adpare genannt, besucht hatte. Die Justizministerin liess sich in einer Bukarester Schutzwohnung von Adpare ausführlich über die Situation von Opfern informieren – und über die Verfolgung und Bestrafung der Täter. Was sofort ins Auge springt: Im Vergleich zur Schweiz kommt es in Rumänien viel häufiger zu Verfahren gegen Menschenhändler. Rumänische Polizeivertreter sprachen anlässlich des Besuchs von Bundesrätin Sommaruga von 415 Gerichtsverfahren gegen Menschenhändler im Jahr 2010, wovon knapp die Hälfte letztinstanzlich schuldig gesprochen und verurteilt wurden; in der Regel zu mehrjährigen Freiheitsstrafen. In der Schweiz hingegen wurden 2010 nur 52 Straftaten im Zusammenhang mit Menschenhandel polizeilich registriert, letztes Jahr waren es sogar lediglich 45. Die Anzahl der Verurteilungen bewegt sich in der Schweiz in den letzten zehn Jahren zwischen 2 und 12; 2010 kam es schweizweit nur gerade zu 4 Verurteilungen wegen Menschenhandels. Einiges häufiger werden allerdings Schuldsprüche wegen Förderung der Prostitution gefällt.

«Diese Unterschiede waren ein Thema beim ersten Treffen der binationalen Arbeitsgruppe in Bukarest», sagt Boris Mesaric. Der KSMM-Geschäftsführer ist sich bewusst, dass in der Schweiz nur wenige Opfer von Menschenhandel identifiziert werden. Das liege unter anderem an der föderalistischen Struktur, also an der von Kanton zu Kanton unterschiedlichen Intensität und Professionalität im Kampf gegen Menschenhandel. Im zentralistisch funktionierenden Staat Rumänien ist diese Aufgabe straffer organisiert und damit weniger verzettelt. Neben den polizeilichen Fachkräften gibt es innerhalb der Verwaltung eine nationale Koordinationsstelle, die mit identifizierten Opfern arbeitet und landesweit fünfzehn Auffangzentren unterhält. Menschenhandel findet in Rumänien auch innerhalb der Landesgrenzen statt. Es geht um Handel und Ausbeutung zum Zwecke der Prostitution (die in Rumänien zwar streng verboten, aber durchaus existent und sichtbar ist), um Arbeitseinsätze oder um Betteln und Stehlen. Vor allem Roma-Kinder und alte Leute, so die Einschätzung der rumänischen Fachleute, würden von kriminellen Banden zum Betteln gezwungen.

Synchrone Aktionen

Mesaric erhofft sich von der binationalen Arbeitsgruppe eine effizientere Vorgehensweise zwischen Fachleuten, die sich gegenseitig kennen und vertrauen: «In der Polizeiarbeit sind persönliche Kontakte wichtig.» Idealerweise würden die Täter künftig in synchronen Aktionen verfolgt. Angestrebt wird zudem, dass Opfer von Menschenhandel auch dann unter Einhaltung der strafprozessualen Regeln als Zeugen befragt werden können, wenn sie sich bereits wieder in Rumänien aufhalten. Zur Mitarbeit im Strafverfahren liessen sich die Opfer nur motivieren, so Mesaric, wenn sie sich in ihrem Heimatland sicher fühlten und eine Chance auf Reintegration erhielten. Die Schweizer Delegation hat sich zusichern lassen, dass Opfer von Menschenhandel, die im Ausland zur Prostitution angehalten wurden, in Rumänien nicht bestraft werden. Das Fedpol schätzt, dass in der Schweiz derzeit mehr als tausend rumänische Frauen als Prostituierte tätig sind – rund zwanzig Prozent von ihnen nicht freiwillig.

Die vier Pfeiler

«Unsere Bemühungen stützen sich auf die vier Pfeiler Schutz, Prävention, Verfolgung und gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten, und zwar eben über die Landesgrenzen hinaus», sagt Mesaric. Die Zusammenarbeit mit Rumänien stellt für Justizministerin Sommaruga einen ersten Testlauf dar: Gelingt er, so fasst sie ähnliche Kooperationen mit anderen Ländern ins Auge – im Vordergrund stehen Bulgarien und Ungarn.

Ganzer Artikel: NZZ

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Zuhälter zu 13 Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt

Frankfurt/Main (dapd-hes). Das Landgericht Frankfurt am Main hat am Dienstag einen 34 Jahre alten Mann wegen Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, Zuhälterei und Vergewaltigung zu 13 Jahren Haft verurteilt. Zudem ordneten die Richter die anschließende Sicherungsverwahrung an. Der Angeklagte muss außerdem insgesamt rund 240.000 Euro an seine Opfer bezahlen.

Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass der selbst aus Ungarn stammende Zuhälter seine aus ärmlichen Verhältnissen kommenden Opfer aus diesem Land nach Deutschland gelockt, zur Prostitution gezwungen und schwer misshandelt hat. Die Frauen wurden laut Urteil in einem Bordell eingesperrt und mussten 19 Stunden am Stück arbeiten. Der Angeklagte habe sie mit Schlafentzug, Stromschlägen und massiver Gewalt traktiert, wenn sie seiner Meinung nach zu wenig verdienten.

Ganzer Artikel: Welt.de

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Gegen den Willen im Schaufenster

Manchmal sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen. Darauf möchte diese virale Online-Aktion gegen Menschenhandel aufmerksam machen. Sechs vermeintliche Prostituierte preisen sich im berühmten Amsterdamer Rotlicht-Viertel hinter Schaufenstern an. Plötzlich beginnen sie eine beeindruckende Tanz-Choreografie für die Zuseher zu inszenieren. Nur mit dem Ende – damit hat keiner aus dem begeisterten Zufalls-Publikum gerechnet.

Mitreißende elektronische Musik ertönt, immer mehr Menschen bleiben stehen, um den Flashmob der anderen Art mitzuerleben. Am Ende der Tanzshow erscheint in leuchtenden Lettern über dem Bordell der eigentlich Grund der Aktion: “Jedes Jahr wird tausenden Frauen eine Tanzkarriere in Westeuropa versprochen. Leider landen sie dann hier. Stoppen Sie den Handel. Menschen sollten nicht gekauft oder verkauft werden.”

Zur Prostitution gezwungen
Das kurze, aber unter die Haut gehende Video ist Teil einer Kampagne der internationalen Organisation “Stop the Traffik”, deren Ziel es ist, auf das globale Problem des Menschenhandels aufmerksam zu machen und einen Wandel herbeizuführen. Die Idee für den Spot hat die niederländische Werbe-Agentur “Duval Guillaume Modem” geliefert, die sich etwa auch für die Aufsehen erregende “TNT”-Kampagne verantwortlich zeigt.

Mit der Aktion in Amsterdam möchte das Unternehmen “alle darauf aufmerksam machen, dass viele dieser Mädchen Opfer von Menschenhandel sind und gegen ihren Willen in der Prostitution landen”. Bleibt zu hoffen, dass der Spot auch Wirkung zeigt.

Weiterführender Link: Stop the traffic

Ganzer Artikel: news.at

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