Saunaklub-Betreiber von Vorwürfen freigesprochen

In der Printausgabe der Rheinzeitung vom 18.5.2012 berichtet Redakteur Ulf Steffenfauseweh über die Einstellung des Verfahrens, das überregional für Aufruhr gesorgt hat.
Teil des Verfahrens gegen Geldbuße eingestellt
■ Puderbach. Am vierten Verhandlungstag im Prozess gegen das Betreiberpärchen eines Saunaklubs in der VG Puderbach ging es sehr schnell: Richter Manfred Ihrlich sprach die beiden Angeklagten frei, nachdem bereits zuvor ein Teil des Verfahrens abgetrennt und gegen Auflage eingestellt worden war.
Bei Letzterem ging es um den juristisch etwas schwammigen Vorwurf der Zuhälterei. Hier zahlten die 29-jährige Rumänin und ihr 67-jähriger deutscher Ehegatte jeweils 2000 Euro an die Staatskasse. Einen entsprechenden „Deal” hatten die Prozessparteien offensichtlich vorher schon ausgehandelt.
Ansonsten räumte auch Staatsanwalt Moritz Bente in seinem Schlussplädoyer ein, dass die „langwierige Beweisaufnahme” nicht dazu geführt habe, die Angeklagten des „Menschenhandels mit Ausbeutung zur Prostitution” zu überführen. Es habe sich gezeigt, dass die Klubbetreiber die rumänischen Frauen nicht mit falschen Versprechungen in den
Westerwald geholt hätten. Vielmehr hätten sie vorher gewusst, worauf sie sich einlassen.
Auch seien die Angaben einer Zeugin – von zehn geladenen Prostituierten waren im Verlauf des Prozesses nur zwei vor Gericht erschienen (die RZ berichtete) – nicht zu widerlegen, dass es keine Verbote gab und sie ihren Pass hätte behalten können. Da zudem die Erinnerungen der Beamten und Dolmetscher an die polizeilichen Vernehmungen lückenhaft waren, sei auch nicht zu beweisen gewesen, dass das Selbstbestimmungsrecht der Frauen beeinträchtigt war.
Ähnlich urteilte Richter Ihrlich. Er führte aus, dass ein „normales Regel- und Kontrollsystem” heute auch bei Prostituierten erlaubt sei und meinte damit die in Rede stehenden Anwesenheitspflicht während der Öffnungszeiten und das Verbot privater Kontakte zu Kunden. Auch die Drohung, die Prostituierten bei Verstößen nach Hause zu schicken, sei nicht strafbar „Wenn ich ein Bordell betreibe und die Mädels funktionieren nicht, darf ich das machen”, sagte Ihrlich. Die Tatsache, dass sie aus wirtschaftlicher Not heraus dort arbeiten, genüge nicht für eine Verurteilung.
–> Diskussion im Freiercafe


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