Nebel im Sperrbezirk

Ein berechtigter und wichtiger Einspruch der Zeit in Bezug auf die Zahlen und Statistiken, auf die sich in der gegenwärtigen Diskussion immerzu berufen wird. Es gibt keine verlässlichen Studien oder Zählungen im Bereich Prostitution. Somit argumentieren alle Beteiligten mit mehr oder minder fiktiven Zahlen!

Die Prostitutionsdebatte leidet unter einem großen Manko: Es fehlen verlässliche Untersuchungen. von Caroline von Bar

Jeder macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt: Es ist nichts Ungewöhnliches daran, dass bei gesellschaftlichen Großkontroversen jede Seite diejenigen Zahlen anbringt, die zu ihren Argumenten passt. An der Prostitutionsdebatte der vergangenen Wochen allerdings fällt auf, wie wenige Fakten überhaupt genannt werden – und wie beständig die immer gleichen Zahlen kursieren, ohne dass klar ist, woher sie kommen.

Angeblich gibt es in Deutschland, so liest und hört man immer wieder, 400.000 Prostituierte. Die Anstifterin der Debatte, Alice Schwarzer, sprach zu Beginn von 700.000 Huren, hat sich aber nach unten korrigiert. Sie bleibt jedoch bei der Feststellung, dass die allerwenigsten Prostituierten ihre Arbeit freiwillig machten – bis zu 90 Prozent seien als Kind missbraucht worden.

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Die letztgenannte Prozentzahl stammt immerhin aus der Farley-Studie, die Schwarzer in der ZEIT (Nr. 49/13) erwähnte und die 2009 in neun Ländern durchgeführt wurde. Damals wurden in Kanada, Kolumbien, Deutschland, Mexiko, Südafrika, Sambia, Thailand, in der Türkei und in den USA Prostituierte befragt. In Deutschland waren es, wie in der Studie nachzulesen ist, ganze 54 Prostituierte in Hamburg, darunter zumindest ein Teil aus einer Unterkunft für Drogenabhängige. Von diesen in Hamburg vor mehreren Jahren interviewten 54 Prostituierten gaben genau 26 an, als Kind missbraucht worden zu sein, also 48 Prozent. Das ist grauenhaft genug – aber wie repräsentativ ist es?

Gegenüber anderen in der Rotlichtdebatte kursierenden “Fakten” ist noch größere Vorsicht geboten, und die Herkunftsanalyse gestaltet sich viel komplizierter. Das gilt insbesondere für die Zahl der Prostituierten. Wie errechnen sich die oft zitierten 400 000? Neu ist diese angeblich “seriöse Schätzung” nicht, sie wurde bereits 2001 in der offiziellen Begründung für das damals beschlossene Prostitutionsgesetz genannt. Wie ein hartnäckiger Reporter der Welt am Sonntag herausfand, nutzt auch das Statistische Bundesamt intern die Größenordnung 400 000 als “Zuschätzung”, um zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik Deutschland zu berechnen. Denn zum BIP gehören laut europäischer Definition auch jene volkswirtschaftlichen Leistungen, die (legal oder illegal) im Rotlichtmilieu erbracht werden. Die Wiesbadener Statistiker betonen aber in einer schriftlichen Erklärung, dass ihren Zahlen zur Prostitution keine statistischen Erhebungen zugrunde lägen und man sie deshalb eigentlich nicht veröffentliche – die “üblichen Qualitätsmaßstäbe” gälten hier explizit nicht.

Alle nutzen diese Zahl, gefühlt schon immer – aber wer hat sie erfunden? Die Soziologinnen Barbara Kavemann und Elfriede Steffan erforschen seit Jahren die Situation der Prostituierten in Deutschland. In einem Anfang des Jahres veröffentlichten Aufsatz schreiben sie, die Zahl der Prostituierten in Deutschland werde “weit überschätzt”. Die Zahl von etwa 400 000 Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen mit einer Million Kundenkontakten pro Tag sei bereits Ende der 1980er Jahre in der Aktivistinnen-Szene entstanden und entbehre jeder “wissenschaftlichen Grundlage”. Seriöse Hochrechnungen seien damals auf 64 000 bis 200 000 Prostituierte gekommen. Neuere Schätzungen dieser Art lägen nicht vor. “Insgesamt ist festzustellen”, schreiben Kavemann und Steffan, “dass zum Thema Prostitution in Deutschland zu wenig Erkenntnisse vorliegen.”

Die Öffentlichkeit diskutiert also mit aller Leidenschaft über ein Gewerbe, von dem wir noch nicht einmal wissen, wie viele Frauen und Männer es betrifft. Alice Schwarzer schreibt, in 90 bis 95 Prozent der Fälle würden die Freier “auf billige, verfügbare Frauen” treffen, die “oft kein Wort Deutsch können”, und beruft sich dabei auf Polizeischätzungen. Das europäische Netzwerk Tampep kam durch Befragungen insbesondere von Sozialarbeitern 2008 auf einen Migrantenanteil von 65 Prozent unter den Prostituierten in Deutschland. Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Vielleicht auch nicht. Der Migrantenanteil wird regional und in den verschiedenen Bereichen der Prostitution unterschiedlich hoch eingeschätzt. Es gibt eine Art Grundkonsens, wonach wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Prostituierten ausländischer Herkunft ist. Aber genau weiß es niemand.

Die Frage, wie viel Prozent der Prostituierten zu ihrer Arbeit gezwungen werden, lässt sich vor diesem Hintergrund kaum beantworten – zumal es keinen Konsens darüber gibt, wo Zwang in der Prostitution anfängt und wo er aufhört. Es gibt lediglich Zahlen des Bundeskriminalamts, wonach im Jahr 2011 640 Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung ermittelt wurden.

Das Familienministerium nimmt das Zahlenwirrwarr offenbar hin. Auf der Homepage ist nachzulesen: “Zur Anzahl der Prostituierten in Deutschland gibt es keine fundierten statistischen Daten.” Nur, warum eigentlich nicht? Eine “zuverlässige Einschätzung”, heißt es auf der Ministeriumswebseite, werde auch dadurch erschwert, dass viele Frauen “dieser Tätigkeit nur nebenbei, gelegentlich oder für einen kurzen Lebensabschnitt nachgehen”. Die Soziologie-Professorin Kavemann von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin fügt auch die Mobilität der Prostituierten an: Nur wenige hätten einen festen Standort. Wer zählen will, läuft also Gefahr, doppelt zu zählen. Kavemann weist außerdem darauf hin, dass sich die Prostituierten nicht amtlich registrieren müssten – was angesichts der gesellschaftlichen Stigmatisierung auch nicht wünschenswert sei.

Ist es also schlicht unmöglich, herauszufinden, wie viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter es gibt? “Nichts ist unmöglich!”, antwortet Barbara Kavemann. Vielmehr sei die Prostitution “kein Thema, das die Politik gern aufgreift”. Im Klartext: Für Studien über Prostitution will niemand Geld ausgeben. Elfriede Steffan vom Forschungsinstitut SPI betont, es gebe nur “sehr eingeschränkt” Daten zur Prostitution, in jeglicher Hinsicht. Ihr sei beispielsweise keine einzige repräsentative Befragung über die Einstellung der Bevölkerung zur Prostitution in Deutschland bekannt.

Nach all den Debatten scheint das Rotlichtmilieu also noch immer eine Art Sperrbezirk zu sein. Zumindest für die Wissenschaft.

Quelle: http://www.zeit.de/2013/50/prostitution-debatte-fakten-zahlen

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Ein Gesetz, das Zuhältern dient

Ein Kommentar aus der Augsburger Allgemeinen zum aktuellen Prostitutionsgesetz und zu aktuell geplanten Änderungen des Gesetzes:

Was gut gemeint war, ist nach hinten losgegangen: Als Rot-Grün vor einem Jahrzehnt ein Prostitutionsgesetz auf den Weg brachte, sollte das den Frauen helfen. Von Jörg Heinzle

Sie sollten Rechte bekommen wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Und ihre soziale Ächtung sollte ein Ende haben. Eingetreten ist davon nichts. Im Gegenteil: Heute arbeiten mehr Frauen unter unwürdigen Bedingungen als damals. Und eine Prostituierte muss es sich noch immer gut überlegen, ob sie zu ihrem Beruf öffentlich steht.

Das Gesetz hatte zahlreiche Geburtsfehler, von denen vor allem Zuhälter und Geschäftemacher im Rotlichtmilieu profitierten. Die rot-grüne Regierung hatte das Bild einer selbstbewussten Prostituierten vor Augen, als sie das Gesetz verabschiedete. In der Realität aber drängen immer mehr Frauen aus Osteuropa ins Milieu. Und die sind in den meisten Fällen abhängig von ihrem Zuhälter. Sei es aus Geldnot, aus falsch verstandener Liebe – oder aus purer Angst.

Es ist dringend nötig, das Gesetz so zu ändern, dass die Polizei in Bordellen wieder besser kontrollieren kann. Es geht nicht darum, Frauen zu schikanieren, die selbstbestimmt arbeiten. Es geht darum, Opfer besser zu schützen. Dass nun auch noch Männer bestraft werden sollen, die zu einer Zwangsprostituierten gehen, hat dagegen eher eine symbolische Wirkung. Wie soll ein Freier erkennen, ob eine Frau unter Druck steht? Sie selbst wird es ihm in der Regel nicht sagen.

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de

Drogen, Huren, Profi-Kicker – Das dubiose Kartell des “Paten von Köln”

Und nochmal focus.de…Hat zwar nur am Rande mit Paysex zu tun, aber dennoch ganz unterhaltsam…

Ihm werden enge Kontakte ins Rotlichtmilieu nachgesagt, zum Profi-Fußball und zu Spitzenermittlern: “Hells Angel” Neco A. greift offenbar nach Frank Hanebuths  Rocker-Macht in Europa – dank eines Netzwerks aus Drogen, Huren und Profi-Kickern.

Nach der Festnahme von Frank Hanebuth will er der neue Mann an der Spitze der „Hells Angels“ werden: Neco A. Seine Geschäfte haben ihre Wurzeln offenbar in einer deutschen Millionenmetropole. Als „Pate von Köln“ hat  sich der 41-Jährige laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung Ende der neunziger Jahre einen Namen im Rotlichtmilieu gemacht. Zwischenzeitlich scheint er sein Netzwerk aus Bordellen und Prostituierten auf ganz Europa ausgeweitet zu haben – über Mittelsmännern an Puffs in ganz Europa mit, schreibt die Zeitung und beruft sich auf spanische Ermittlungsakten.

Geschäfte mit Heroin

Aber auch im weltweiten Drogenhandel soll A. eine große Nummer zu sein: Mit Heroin aus Südamerika, das er laut der „Bild“-Zeitung per Schiff nach Europa schmuggelt, scheint er ein Vermögen zu machen. Wie es in dem Bericht weiter heißt, habe er versucht, mehrere Millionen aus Drogen- und Waffengeschäften über ausländische Banken zu waschen.

Außerdem soll der „Hells-Angel“ beste Kontakte in den türkischen Profi-Fußball haben. Einem Kicker soll er während einem Aufenthalt in Deutschland eine Nobelkarosse besorgt haben, seine Mitarbeiter machen Geschäfte mit Spielern aus der türkischen ersten Liga, schreibt das Blatt.

Kontakte zu Spitzen-Ermittlern

Doch damit nicht genug: Laut dem Bericht werden ihm auch Kontakte zu Interpol-Ermittlern nachgesagt. Er soll über die Ermittlungsschritte der spanischen Polizei gegen seinen Vorgänger Hanebuth bestens informiert gewesen sein – angeblich von seinem Kontakt bei der europäischen Polizeibehörde Interpol. Nutten, Heroin, Profi-Kicker und Top-Ermittler: Sein Netzwerk ist sein Kapital. Kein Wunder also, dass spanische Ermittler Neco A. laut “Bild” jetzt zum mächtigsten Rocker Europas erklärt haben.

Quelle: http://www.focus.de

“Prostitution ist in der Mitte der Gesellschaft”

Ein Roman über das Rotlichtmilieu, Freier und Prostitution – lesenswert? Könnte ja ganz amüsant sein, wer weiß…

Leben als Material: Ulrich Wickert im Gespräch mit dem Autor Clemens Meyer über seinen Bordellroman “Im Stein”

Es gibt wenige deutsche Schriftsteller, die so wirklichkeitsversessen sind, wie der Leipziger Clemens Meyer. Für seinen neuen Roman hat er umfangreich im Rotlichtmilieu recherchiert, in Deutschland und auch in Japan. “Im Stein”, gerade bei S. Fischer erschienen, gilt als einer der Favoriten für den Deutschen Buchpreis, der im Oktober verliehen wird. Der Journalist und Buchautor Ulrich Wickert spricht mit Meyer über käuflichen Sex, das Leben und das Schreiben.

Ulrich Wickert:

Der Begriff “Im Stein” kommt in Ihrem Roman auch vor, aber eher nebenbei. Häuser sind aus Stein gebaut, aber in Ihrem Roman geht es um Frauen und Männer und die Fleischeslust.

Das ist zugegebenermaßen ein etwas kryptischer Titel. “Im Stein” bedeutet auch natürlich die Stadt, in der das spielt. Die Figuren sind gefangen in diesen Mauern. Es ist auch das romantische Motiv mit drin, das steinerne Herz, der steinerne Gast, der Mann aus Stein. Und es ist archäologisch gemeint: Wir gehen in einem Kapitel in die Schichten der Erde hinein. Wir beobachten die versteinerten Figuren, als wenn wir in einer Million Jahren draufgucken würden.

Ich halte “Im Stein” für einen großen Gesellschaftsroman, wie er seit sehr Langem in Deutschland nicht mehr geschrieben worden ist. Allerdings schildern Sie die Gesellschaft aus einem Blickwinkel, der bei vielen Menschen noch als tabu gilt.

Das sogenannte Rotlichtmilieu ist ja eigentlich ein Ort, eine Zone, in dem sich die ganze Gesellschaft trifft. Hier gibt es eben auch Vorgänge, wie sie allerorten vorkommen – in der Hochfinanz, in der Handelswelt, in der Industrie. Es treffen sich dort alle Schichten. Es ist ein Spiegelbild, aber auch ein Zerrbild der Gesellschaft.

Was ist Prostitution für Sie?

Sie ist ein Phänomen, das es seit vielen Jahrhunderten gibt. Man denkt, sie spiele sich am Rande der Gesellschaft ab, tatsächlich aber ist sie in unserer Mitte. Sie ist ein Geschäft, das durch das Internet eine unglaubliche Beschleunigung erfahren hat. Hier treffen unglaublich viele Schicksale, Menschen und Leben aufeinander. Sie ist ein großer Wirtschaftszweig, aber noch viel mehr als das. Sie ist ein Mythos von eigentlich shakespeareschem Ausmaß.

Der Leser merkt, dass der Roman zum großen Teil in Leipzig und Halle spielt. Die Städte werden aber nicht genannt.

Zum Teil ist es natürlich Leipzig. Aber die Stadt ist auch etwas größer. Ich wollte einen mythologischen allgemeingültigen Raum eröffnen, den Roman einer ostdeutschen, mitteldeutschen Metropolis erzählen, eines großen Sündenbabel. Es sollte sich ein bisschen von Leipzig entfernen, weil mir diese Stadt auch zu klein vorkam und ich auch nicht wollte, dass Recherchen angestellt werden: Gibt es diese Leute? Gibt es diesen oder jenen Zimmervermieter, Immobilienkönig, Rotlichtkönig?

Wie ausführlich und wie lange haben Sie recherchiert?

Ich habe im Laufe der fünfzehn Jahre Arbeit am Buch bestimmt 60, 70, 80 Frauen getroffen und mit ihnen gesprochen, allerdings nicht als klassischer Fragesteller. Wenn man fragt, sind die Auskünfte nicht besonders gut. Man muss warten, bis das fließt. Und dann habe ich die Ohren und Augen offen gehalten, habe geschaut, was es alles so gibt, habe auf Gerüchte gehört, habe Figuren umkreist, ohne dass die mich überhaupt persönlich kennen. Ich habe keine der Rotlichtgrößen persönlich getroffen – auf die Entfernung ja, ich habe den einen oder anderen gesehen, habe mich in der Nähe aufgehalten. Aber das Wichtigste war die Lektüre – Wirtschaftsromane, Lebensberichte von Prostituierten. Aber ich musste das wieder verlassen, denn ich wollte keinen Milieuroman schreiben, wie Wolf Wondratscheks “Einer von der Straße”. Ich merkte schon relativ schnell, dass das nicht alles sein kann, dass nur allein die genaue Kenntnis des sogenannten Rotlichtmilieus mich auf Dauer nicht weiterbringen würde. Es musste da noch viel, viel mehr hineinfließen.

Im dem Roman geht es in vielen Details darum, wie das Gewerbe ausgeübt wird. Trotzdem habe ich den Eindruck, Sie gehen sehr brav mit dem Sex um. Sind Sie prüde?

Nein, eigentlich nicht, aber ich freue mich, dass Sie das so sehen. Ein paar Leute haben auch ganz schön geschluckt. Ich glaube aber, dass der Sex, der dort stattfindet, natürlich auch ein anderer Sex ist als der leidenschaftliche Sex unter Partnern. Es ist eben doch eine unterkühlte Sexualität.

Ich habe auch oft geschmunzelt. Da gibt es Abkürzungen, die eine Art Betriebsanleitungen sind. ELFOKB, Dinge, wo ich dann gar nicht weiß, was es eigentlich ist. Was ist zum Beispiel EL?

Das müsste Eierlecken sein. Das Bizarrste, was mir untergekommen ist, ist AHV. Das ist Achselhöhlenverkehr. Ja, das findet man, das Sexalphabet. Und das wird immer mehr und am Ende verliert man auch den Überblick. Da gibt es etwa diese Figur Eggi, einen Freier, den Prototyp des Kunden, der von einer Sauerei in die nächste tappt. Aber dieser Sex bleibt natürlich an der Oberfläche. Je mehr sich dieser Eggi in die Perversion reinwirft, umso lächerlicher wird’s eigentlich. Ich will überhaupt nicht gegen den Sex mit Prostituierten sprechen. Ich glaube, dass da auch durchaus das eine oder andere Mal ein guter Sex entstehen kann. Aber es ist natürlich eine andere Sexualität.

Ist “Im Stein” nicht auch ein Ost-West-Roman?

Ja. Es geht unter anderem um die Kämpfe zwischen westdeutschen und ostdeutschen Zuhältern. Der Begriff Zuhälter taucht übrigens im Roman kaum auf. Die Figuren verwehren sich dagegen. Aber es gab die Zeit um 1990, da kam die alte Ludengarde rüber gefahren und wollte diesen großen neuen Markt abgrasen, während sich die ostdeutsche Szene erst einmal formieren musste.

Bei Ihnen wird der käufliche Sex zum größten Teil wie ein ganz normales Arbeitsleben geschildert, wie am Fließband.

Es ist auch der Versuch, das eben als eine “normale” Arbeit darzustellen. Die Frauen sagen: Ich mache das, weil ich das machen will, weil ich Geld verdienen will. Das ist ein gewaltiger Wirtschaftszweig. Aber die Zeiten werden ja auch schlechter, die Frauen beklagen sich, dass das Internet alles abgrabe. Jetzt gibt’s schon auf Facebook den Bumsbutton, mit dem man sich verabreden kann, und noch ganz andere Plattformen. Die klassische Prostitution wird schwierig. Im Netz kann man sich schnell verabreden oder pausenlos Pornos konsumieren, während man sich früher nur damit anheizte und dann zu Prostituierten ging. Dieser Wandel der Sexindustrie spielt auch eine Rolle.

Sie haben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert. Lernt man da Schreiben?

Eigentlich nicht. Ich glaube sogar, dass man in jener Zeit manche Kapitel von mir hier durch den Fleischwolf gedreht hätte. Ich weiß es nicht. Aber es war eine gute Zeit. Ich habe gelernt, wie intensiv man an einem Text arbeiten muss. Ich habe tolle Kollegen kennengelernt, Sten Nadolny, Ulrich Plenzdorf, Josef Haslinger. Ich bin wahrscheinlich im nächsten Jahr selbst dort Dozent.

Wenn ich mir die deutsche Gegenwartsliteratur anschaue, dann sehe ich niemanden, der sich so wie Sie in das Leben stürzt, an ihm auch leidet, und mit einem starken Werk dann wieder daraus auftaucht. Was bedeutet Leben für Sie?

In erster Linie ist es Material. Eigentlich ist es auch gemein, das so zu sagen. Denn ich habe ja auch ein ganz normales Privatleben. Aber das Leben in all seinen Facetten hat mich immer interessiert. Wenn ich Zeitung lese, dann stolpere ich immer über diese schlimmen Dinge. Ich schüttle dann den Kopf und sage, mein Gott, das ist ja alles nicht zu fassen. Wieso ist denn der Mensch so, wie er ist?

Leiden Sie eigentlich als Autor auch mit, wenn sie schwer erträgliche Kapitel schreiben, etwa jenes über die Suche eines Vaters nach seiner jungen Tochter, die längst im Milieu verschwunden ist?

Gerade an diesem Kapitel habe ich lange dran geschrieben, über einen Monat. Da saß ich in Split an der Adria, und draußen schien die Sonne. Und ich habe nachts gejammert: O Gott, o Gott, das ist ja alles furchtbar. Das ist das Paradox mit der Zeit. Plötzlich ist es dann vorbei, und es steht da. In dem Augenblick, wo man es schreibt, scheint die Zeit nicht zu vergehen, wie es mit allen intensiven, tragischen oder dramatischen Dingen ist. Es nimmt kein Ende. Und dann plötzlich, irgendwann ist es vorbei, und jetzt sitze ich hier – seltsam.

Wer einen Autor von außen betrachtet, sagt sich leicht, es sei eine einsame Arbeit. Aber ich selbst habe als Autor nie das Gefühl, einsam zu sein, denn ich lebe ja mit all meinen Figuren. Ich lebe in der Geschichte, die ich schreibe. Trotzdem kann dies für das private Umfeld schwer zu ertragen sein.

Ja, da gehe ich mit Ihnen. Einsam ist das Material. Man spricht ja mit den Figuren. Man umgibt sich mit den Recherchen, mit den Figuren, mit den Stimmen. Aber im Privaten? Deswegen habe ich meinen Arbeitsraum in Leipzig, wohin ich mich zurückziehe. Das ist auch nicht immer einfach für die zwischenmenschlichen Beziehungen, die man pflegt, oder den Partner, die Frau. Aber da muss man dann durch. Das ist eben einfach so. Die Kunst steht doch an erster Stelle, das lässt sich nicht ändern. Da will ich mich auch nicht beklagen. Wenn ein Buch fertig ist, dann hab ich auch immer viel Zeit für die zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich hoffe, die liest das jetzt nicht.

Gibt es bei Ihnen dieses Gefühl, das ich scherzhaft die postnatale Depression nenne? Das Werk ist draußen, und der Autor ist leer.

Ja. Das war irgendwann im April, Mai. Da merkte ich plötzlich, dass ich vollkommen kraftlos und auch physisch ausgebrannt war. In den letzten Monaten des Schreibens waren auch alle erschrocken, wenn sie mich gesehen haben, die Leute vom Fischer Verlag, die Lektoren. “Du bist ja ganz dünn geworden. Na ja, ist doch klar, wenn man nur von Whisky, von Schnaps und Zigaretten lebt, dann ist das schwierig.

Quelle: http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article119569350/Prostitution-ist-in-der-Mitte-der-Gesellschaft.html

Krach im Bordell: Preisnachlass beruhigt die Gemüter

Eine kleine, aber feine Meldung!


Diez – Elf Champagner hatte der Freier in einem Bordell in Diez seiner Flamme spendiert und selbst zehn Bier getrunken, dann gab es Streit über die Rechnung.

In einem Klub des Rotlichtmilieus hat sich ein Kunde am späten Donnerstagabend über den Tisch gezogen gefühlt. Nachdem er sich erst so spendabel gezeigt hatte, wurde er kleinlich, als ihm die Rechnung präsentiert wurde und er mehrere Hundert Euro zahlen sollte. Daraufhin verständigte er die Polizei. Nachdem der Mann nach Polizeiangaben das Herz des Klubbetreibers in einem längeren Gespräch erweichen konnte, gewährte dieser schließlich einen Preisnachlass in Höhe von 20 Euro, und alle Parteien waren zufrieden. Die Beamten brauchten nicht einzugreifen.

Quelle: www.rhein-zeitung.de

Prostituierte in Berlin: Das Rotlicht-Milieu breitet sich aus

Berlin – Auch in Außenbezirken bieten sich neuerdings Prostituierte auf der Straße an. Denn die traditionellen Straßenstrichbereiche in der City sind voll. Viele Frauen kommen aus Südosteuropa. Prostitution ist in Deutschland ein legales Gewerbe.

Die Polizei beobachtet derzeit, dass immer mehr Frauen aus Südosteuropa nach Berlin kommen und dann hier als Prostituierte arbeiten. Weil die traditionellen Straßenstrichbereiche aktuell ausgelastet sind, weichen die neu zugewanderten Frauen an den Stadtrand aus – nach Buch, Weißensee und Hohenschönhausen.

Das hat sich auch in einschlägigen Internetportalen herumgesprochen. Männer berichten davon, dort Prostituierte besucht zu haben, 40 bis 50 Euro hätten sie für Sex ohne Gummi bezahlt. Die Frauen kämen aus Bulgarien und Rumänien, sie stünden tagsüber dort, doch „die Verrichtung ist leider nur im Auto möglich“, schrieben die Freier.

Außer an den bekannten Rotlichtmeilen zwischen Kurfürsten- und Bülowstraße in Tiergarten und Schöneberg, der Oranienburger Straße in Mitte und rund um die Straße des 17. Juni in Charlottenburg stehen Prostituierte neuerdings auch an der Hobrechtsfelder Chaussee im Pankower Ortsteil Buch und an der Darßer Straße zwischen Hohenschönhausen und Weißensee.

Grundsätzlich erlaubt

Polizeibeamte haben einige der Frauen dort überprüft und die Fachdienststellen für Rotlichtkriminalität informiert. Mehr tut die Polizei derzeit nicht. Denn Prostitution sei grundsätzlich erlaubt, seitdem am 20. Dezember 2001 das Prostitutionsgesetz beschlossen wurde, erklärt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Auch das Ordnungsamt hat keine Handhabe“, sagt Pankows Stadtrat für Ordnungsangelegenheiten, Torsten Kühne (CDU). „Das ist alles völlig legal.“

Die Prostituierten-Selbsthilfe-Organisation Hydra bestätigt ebenfalls eine „gewisse Zunahme“. „Wenn mehr Frauen kommen, ist eben auch die Kurfürstenstraße irgendwann voll“, sagt eine Mitarbeiterin. Frauen aus EU-Ländern, die in ihrer Heimat oft keine Arbeit fänden, könnten ganz regulär als Selbstständige in Deutschland tätig werden.

So legal das Sex-Gewerbe am Straßenrand auch ist, etliche Anwohner reagieren empört und beschweren sich in den Bezirksämtern. Im Forstamt Buch ärgert sich Leiter Romeo Kappel über die „Verschmutzungen am Straßenrand“. Er meint benutzte Kondome und gebrauchte Taschentücher, von denen immer mehr an der Hobrechtsfelder Chaussee liegen. Und er befürchtet, dass die Prostitution mit kriminellen Delikten einhergehen könnte. Die Polizei kann diesen Zusammenhang jedoch nicht bestätigen.

Emails und Anrufe

Am Donnerstagabend reagierten die Behörden in Lichtenberg. Polizisten vom Abschnitt 61 und Vertreter des Bezirksamtes besichtigten den Straßenstrich an der Darßer Straße in Hohenschönhausen. Prostituierte trafen sie dort nicht an, diese waren wohl gewarnt worden. Zur Runde gehörte auch der Kreisvorsitzende der CDU Lichtenberg, Martin Pätzold. „Es gab Beschwerden von Bürgern beim Bezirksamt, auch mich haben Emails und Anrufe erreicht“, sagt er.

Der Bezirk Lichtenberg will nun eingreifen, wenigstens mit stadtgestalterischen Maßnahmen. So sollen Sträucher und Bäume beschnitten werden, um das Geschäft mit dem käuflichen Sex zu erschweren. Gerade die Freier werden nicht gern beobachtet. Zum größten Teil befindet sich der Strich zwar an brachliegenden Gewerbeflächen, allerdings gibt es auch ein Oberstufenzentrum und Wohnhäuser in der Nähe. Die Polizei wird öfter Streife fahren. „Wir wollen auch mit den Frauen sprechen, das Gesundheitsamt soll dabei sein“, sagt Pätzold. Oft seien die Frauen in Notlagen, ihnen müsste Hilfe angeboten werden.

In Mitte – dort liegen der Straßenstrich Oranienburger Straße und der Strich an der Kurfürstenstraße in Tiergarten-Süd – kümmern sich muttersprachliche Sozialarbeiterinnen vom Verein Olga um die südosteuropäischen Frauen. Die Sozialarbeiter geben Ratschläge zur Gesundheit und Hygiene und helfen, den Ausstieg aus dem Geschäft zu erleichtern. Manche Frauen sind drogenabhängig. Hilfe sei aber nicht einfach zu leisten, sagt der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD). Oft wechselten die Prostituierten nach einigen Monaten. „Dann fangen die Sozialarbeiterinnen wieder von vorn an.“

Einen Sperrbezirk, wie in einigen Städten üblich, lehnt Hanke ab. „Sperrbezirke verdrängen das Problem.“ Für Berlin sei es besser, ein paar wenige feste Standorte zu haben, damit man sich um die Frauen kümmern könne, sagt Hanke.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/berlin/prostituierte-in-berlin-das-rotlicht-milieu-breitet-sich-aus,10809148,23961110.html

Urteil im Menschenhandelsprozess erwartet

Nach der Großrazzia im Rotlichtmilieu von Mitte April, bei der drei Männer und eine Frau festgenommen wurden, wird heute vor dem Landgericht ein erstes Urteil erwartet. Angeklagt ist ein 53 Jahre alter Familienvater aus Saarbrücken. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zu Menschenhandel und Zuhälterei vor.

Der Mann soll in seinem Etablissement im Saarbrücker Stadtteil Güdingen eine junge Rumänin beschäftigt haben. Die Hälfte ihres Liebeslohns musste die 18-Jährige an den Angeklagten abführen. Ein weiteres Viertel soll der Angeklagte für den Zuhälter der jungen Frau einbehalten haben.

Der 53-Jährige ist weitgehend geständig. Gegen den rumänischen Zuhälter und gegen ein Ehepaar aus Riegelsberg laufen getrennte Verfahren. Der Rumäne soll junge Frauen aus seinem Heimatland nach Deutschland geschleust haben. Sie arbeiteten in Bordellen des Ehepaars aus Riegelsberg.

Alle Beschuldigten in U-Haft

Alle Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft. Sie waren Mitte April bei einer Großrazzia im Saarbrücker Rotlichtmilieu festgenommen worden. Der Prozess gegen den Bordellbetreiber wird am Mittwoch fortgesetzt. Dann wird bereits das Urteil erwartet.

Quelle: http://www.sr-online.de/sronline/nachrichten/panorama/prozess_menschenhandel_rotlichtmilieu100.html

Harburger Saunaclub: Die Liebes-Falle des Hells Angels Dariusch F.

Dariusch F., auch bekannt als “der Schlächter” (was für ein netter Spitzname…) und seine Komplizin, eine Prostituierte wurden wegen einer Abzocknummer inhaftiert. Aber mal ehrlich, wer da zahlt ist doch selber Schuld! Naja, das Spiel mit der Liebe… ;) Aber lest selbst…

Gefürchteter Streetfighter, Scharfschütze und Hells Angel: Dariusch F. (33) galt bisher im Milieu eher als Mann fürs Grobe. Nun hat er offenbar seine Methoden verfeinert: Mit einer „Liebesfalle“ soll er Puffgästen 122.000 Euro aus der Tasche gezogen haben.

Gemeinschaftlicher gewerbsmäßiger Betrug – so lautet der Vorwurf der Ermittlungsbehörden. Dariusch F. soll zwischen August 2012 und Mai 2013 drei Bordell-Gäste eines Harburger Saunaclubs (Motto: „Sie liegen uns am Herzen“) ausgenommen haben.

Eine 19-jährige Prostituierte soll ihren „Stamm-Freiern“ vorgegaukelt haben, dass sie sich aus dem Milieu „freikaufen“ könne. Offenbar waren die Herren verliebt. Die Männer übergaben ihr Beträge zwischen 27.000 und 55.000 Euro. Doch kaum hatten die 19-Jährige und ihr mutmaßlicher „Beschützer“ Dariusch F. das Geld eingesackt, war von Aussteigen aus dem Milieu keine Rede mehr. „Wegen Wiederholungsgefahr“, so Staatsanwalt Carsten Rinio, kamen die Rotlicht-Größe und die Prostituierte in Haft.

Mit Dariusch F. sitzt eine Kiez-Figur mit schillernder Vergangenheit im Knast. Der Kampfsportler (genannt „Dari“) war es, der 2008 bei einer Milieu-Auseinandersetzung vor der Shell-Tankstelle am Hammer Deich 25 Mal mit einer „Glock“-Pistole feuerte, um so das Interesse der Polizei auf sich zu ziehen. Während die Beamten ihn griffen, konnten seine zehn Komplizen flüchten. Lediglich wegen unerlaubten Waffenbesitzes wurde der ehemalige Bundeswehr-Scharfschütze zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

„Dari“ F. wurde Hells Angel. Bei der dubiosen Rotlicht-Vereinigung „O.G. Brotherhood“ dagegen will Dariusch F. nie gewesen sein. Bei dem Hannoveraner Ableger der Höllenengel aber fungierte er sogar als „Sergeant at Arms“. Und war damit enger Vertrauter von Frank Hanebuth, des Deutschland-Chefs der Rockerbande. Der 49-Jährige sitzt zurzeit auf Mallorca ein – weil die Hells Angels Bordell-Besucher ausgeplündert haben sollen.

Quelle: http://www.mopo.de

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Rockerboss in Handschellen

Der Rockerboss Frank Hanebuth – eine große Persönlichkeit im Rotlichtviertel von Hannover – wurde von der spanischen Polizei in Mallorca festgenommen.

Von Thomas Kröter

Frank Hanebuth ist eine der schillerndsten Figuren im Rotlichtmilieu von Hannover. Nun hat die Polizei ihn auf Mallorca festgenommen


So sieht einer aus, dem man auch am Tage ungern begegnet: Fast zwei Meter groß, an die 140 durchtrainierte Kilo schwer, tätowierte Unterarme so stark wie anderer Menschen Oberschenkel. Das ist Frank Hanebuth, 49 Jahre alt. Lange war er der ungekrönte König des Rotlichtviertels in Hannover. Nun ist der Glatzkopf mit dem Mongolenbart verhaftet worden. Dem Versuch, seinen Wirkungskreis vom Steintor nach Mallorca zu verlagern, hat die spanische Polizei mit einer international koordinierten Großaktion vorerst ein Ende bereitet.

Die Operation trug den Namen „Casablanca“, wie die Stammkneipe, in der sich Hanebuth und seine Freunde trafen. 31 Wohnungen und Lokale sind nach Angaben des spanischen Innenministeriums durchsucht und mehr als 20 Männer sowie eine Frau festgenommen worden. Es wurden Autos, Waffen und Schmuck beschlagnahmt. Den Festgenommenen werden Zuhälterei, Nötigung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. Angeblich wollten sie auf Mallorca eine Formel-1-Rennstrecke bauen und so Erlöse aus illegalen Geschäften waschen.

Minister Jorge Fernández Díaz sprach von einem schweren Schlag gegen die Organisation der Hells Angels, die sich verschiedenen Formen der Kriminalität widme. Die spanischen Sicherheitskräfte seien von Europol, der niederländischen und österreichischen Polizei unterstützt worden. Aus Deutschland waren Beamte mehrerer Landeskriminalämter beteiligt.

Spitzname: der Lange

Er vertraue der spanischen Justiz, ließ Frank Hanebuth seinen spanischen Anwalt erklären. Er warte die Akteneinsicht ab. Da er sich nichts habe zuschulden kommen lassen, habe er auch nichts zu befürchten. Der Hannoverschen Allgemeinen hatte er kürzlich erklärt, er stehe auf Mallorca in Verhandlungen, „einen mittleren Gastronomiebetrieb zu übernehmen“.

Hanebuth (Spitzname: „der Lange“) ist eine der schillerndsten Figuren im deutschen Rocker- und Rotlichtmilieu. 2010 hatte der „Präsident“ der Hells Angels in Hannover einen „Friedensvertrag“ mit den rivalisierenden „Bandidos“ ausgehandelt, der jedoch nicht lange Bestand hatte. Nur einige Jahre hielt seine „Befriedung“ des Rotlichtmillieus. Um die Jahrtausendwende verdrängte er die bis dahin rivalisierenden Banden von Albanern, Russen und Türken.

Durch seinen Rechtsanwalt Götz-Werner von Fromberg, der ihn als „Ordnungsfaktor“ bezeichnet, bekam er auch Kontakt zur informellen „Hannover-Connection“ um den Finanzmagnaten Carsten Maschmeyer. Ein führender Polizist der Stadt wurde 2011 seines Amts enthoben, weil er in der Kneipe „Sansibar“ im Einflussgebiet Hanebuths gefeiert hatte. Kurz darauf kündige „der Lange“ an, sich aus dem Steintorviertel zurückzuziehen.

Im Mai 2012 wurde sein Haus in Hannover bei einer Razzia unter Beteiligung der GSG 9 gestürmt. Der Vorwurf, er habe den Mord an einem Rocker in Auftrag gegeben, erhärtete sich nicht. Ein Kronzeuge hatte falsch ausgesagt. Hanebuth ist Vorbild für eine Figur in einem ARD-„Tatort“, der im Zuhältermilieu von Hannover spielt.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/politik/kriminalitaet-rockerboss-in-handschellen,10808018,23837168.html