Gemeinsam mit Rumänien gegen die Mafia

Schweiz: Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat während ihres Arbeitsbesuches in Rumänien Opfer des organisierten Verbrechens besucht. Mit dem rumänischen Innenminister Traian Iglas vereinbarte sie am Dienstag in Bukarest die Einsetzung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zur Bekämpfung von Frauen- und Kinderhandel.

Bern. – Straftaten von rumänischen Staatsangehörigen haben in den vergangenen Jahren zugenommen, wie das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) am Dienstag mitteilte. Die Schweiz sei in erster Linie von Frauenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung in der Prostitution betroffen; die Opfer stammten mehrheitlich aus Osteuropa, darunter besonders Rumänien und Bulgarien.

Sommaruga bezeichnete die Zusammenarbeit mit den rumänischen Polizei- und Justizbehörden als gut – mit Verweis auf das seit 2008 bestehende Polizeiabkommen zwischen der Schweiz und Rumänien. Bukarest anerkenne zudem den Menschenhandel selber als Problem, sagte die Schweizer Justizministerin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Es handle sich um eine moderne Form von Sklaverei.

Handlungsbedarf besteht laut Sommaruga nicht nur bei der Strafverfolgung, sondern auch bei der Prävention, beim Opferschutz sowie bei der Wiedereingliederung betroffener Frauen und Kinder. Einen gewissen Nachholbedarf sieht die Justizministerin auch in der Schweiz, und zwar auf rechtlicher Ebene.

Anfang nächsten Jahres wird eine schweizerisch-rumänische Arbeitsgruppe eingesetzt, der neben Polizeivertretern auch Migrationsexperten und Vertreter nichtstaatlicher Organisationen (NGO) angehören. Zusätzliche Kosten entstehen für die Schweiz dadurch laut Sommaruga nicht, weil die personellen Ressourcen bereits vorhanden seien und lediglich noch vernetzt werden müssten.

Bundesrätin Sommaruga liess sich in Bukarest ausserdem von ihrem rumänischen Amtskollegen, Justizminister Catalin Predoiu, über den Stand der Justizreform und die Korruptionsbekämpfung informieren. Die Schweiz unterstützt einen zweistufigen Schengen-Beitritt Rumäniens. Erst im September war dem Land zusammen mit Bulgarien die Aufnahme wegen des Einspruchs der Niederlande und Finnlands verwehrt worden. (sda)

Quelle: Suedostschweiz.ch

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Löwenmütter in fremdem Geviert

Sie stehen Nacht für Nacht am Sihlquai, bieten am Strassenstrich ihre Dienste an und sind Objekt geharnischter Kritik. Kaum erwähnt wird jedoch, dass die jungen ungarischen Prostituierten mit ihrem Einkommen oft ganze Familien ernähren.

Sie stellen sich uns als Paulina, Renata, Moni und Edina vor, doch das sind ihre Künstlerinnennamen, die sie am Sihlquai benutzen, den Kunden gegenüber. Wie sie in Wirklichkeit heissen und warum sie in Zürich als Prostituierte arbeiten, auf der Strasse, weit weg von Familie und Freunden, Nacht für Nacht Gefahren in Kauf nehmen, stundenlang auf dem Trottoir auf und ab gehen, auch in Kälte und bei Regen, darüber reden sie mit den Männern nicht, die ihre Dienste beanspruchen. Dabei sind das oft die einzigen Schweizer, die sie während ihrer Arbeitsaufenthalte in Zürich kennenlernen – neben den Polizisten oder Vermietern, die für ein schäbiges Zimmer mindestens fünfhundert Franken pro Woche abknöpfen, die, selbstverständlich, im Voraus zu bezahlen sind. Die Zimmervermieter bleiben geschickt im Hintergrund und von der gesellschaftlichen Verachtung verschont, der hingegen die Prostituierten vollkommen ausgeliefert sind: Jeder spricht über sie, keiner redet mit ihnen. Von Passanten, Gaffern und vorbeifahrenden Autolenkern werden sie verhöhnt – doch was weiss man schon von ihnen?

Die vier Frauen, die wir am Sihlquai treffen und die uns, mithilfe einer Dolmetscherin, Red und Antwort stehen, sind zwischen 19 und 28 Jahre alt, kommen aus Budapest oder aus dem Osten Ungarns; zwei von ihnen arbeiteten schon in der Heimat als Prostituierte, zwei fingen als Neulinge am Sihlquai an. Ausser Moni, der Jüngsten, haben alle kleine Kinder und sind verheiratet. Sie vermissen ihre Familien schrecklich, schicken so oft wie möglich Geld nach Hause: für die Kinder, die Eltern, die Geschwister. «In ein paar Tagen fahre ich zurück nach Ungarn», erzählt Edina, die Älteste und Erfahrenste. «Ich habe hier innerhalb von zwei Jahren so viel verdient, wie ich es in Ungarn in fünfzig Jahren nicht geschafft hätte. Nun wünsche ich mir nichts anderes, als Hausfrau und Mutter zu sein.»

Moni sagt, sie wolle vier Jahre lang im Sexgewerbe arbeiten und in dieser Zeit Geld für eine Ausbildung sparen. Es sei ganz wichtig, betont sie, dass man rechtzeitig wieder aussteige und ein neues Leben beginne. Renata ist die Frechste von allen vieren und meint, pah, sie könne sich selber schützen, sie brauche keinen Zuhälter. Sie hat schon in Ungarn beschlossen, dass sie, wenn sie mit den Männern ins Bett gehe, damit auch verdienen wolle. Doch selbst sie, die Kecke, die Abenteurerin, träumt von einem ganz normalen, bürgerlichen Leben als Hausfrau und Mutter, in einem kleinen Haus in Ungarn, mit einem netten Auto und vielen, vielen Spielsachen für ihren Sohn. Vater, Mutter und Ehemann wissen, womit sie in Zürich ihr Geld verdient – was alles andere als selbstverständlich ist.

Paulina hüllt sich in eine dick wattierte Jacke, um die langen Stunden in der kalten Nacht zu überstehen. Sie tanzt auf dem Trottoirrand, das gibt ihr warm, und das soll die im Auto vorbeifahrenden Freier auf sie aufmerksam machen. Paulina hat in Zürich mit der Prostitution begonnen und ist, wie alle der befragten Frauen, mit einer Freundin hierher gereist, die ihr von den guten Verdienstmöglichkeiten vorgeschwärmt hatte. Ja, sagt Paulina, am Anfang sei es hart gewesen, und nein, ihre Familie wisse nichts von alldem. Die Mutter schaut während ihrer Abwesenheit zum fünfjährigen Sohn, und für beide schickt sie Geld nach Hause. Fragt man die vier Frauen nach ihren Freiern, so geben sie zurückhaltend Auskunft. Es gebe Anständige und weniger Anständige, heisst es etwa, unangenehm sei es, wenn sie die Preise zu drücken versuchten, küssen wollten oder ungeschützten Sex verlangten. Die fragile Moni sagt, sie fürchte sich vor den Männern, wenn sie hordenweise und angetrunken aufkreuzten. Solche Freier lehnt sie ab und läuft davon, in die Nähe einer anderen Frau, in die Sicherheit.

Dass der Strich am Sihlquai allenfalls bald aufgehoben wird und sich die Prostituierten auf einer Brache am Rande der Stadt anzubieten haben, mit Infrastruktur und Boxen für die Freierautos, das ist unter den Ungarinnen noch kaum ein Thema. Wenn sie an die nahe Zukunft denken, dann ist es jene in der Heimat – zurück bei der Familie, zurück bei den Kindern, für die sie in der Fremde anschaffen und für die sie fast alles tun würden: Löwenmütter eben.

Janine Schranz hat rund ein halbes Jahr lang Prostituierte am Sihlquai besucht und dabei, stets mit der Einwilligung der Frauen, fotografiert. Mit dieser Arbeit beendet sie ihr Volontariat bei der NZZ.

Ganzer Artikel –> nzz.ch

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Im Puff sind Schweizer Spitze

ZÜRICH – Jeder fünfte Schweizer war schon einmal im Puff. Im Europavergleich bezahlen nur die Spanier öfter für Sex – trotz drohender Staatspleite.

In Spanien boomt nur noch ein Geschäft: Die Prostitution. 39 Prozent der Männer gehen ins Puff. Schätzungsweise eine halbe Million Frauen verkaufen ihren Körper für Geld. Gesetzlich geregelt ist das Geschäft nicht.

Deshalb schaute die spanische Organisation zum Schutz von prostituierten Frauen «Apramp» genau hin und veröffentlicht eine neue Studie: Diese untersucht, wie viele Männer tatsächlich die sexuellen Dienste von Prostituierten beziehen.

Geile Schweizer

An zweiter Stelle im europäischen Vergleich der häufigsten Bordell-Besucher steht die Schweiz. 19 Prozent der Männer in der Schweiz waren schon einmal im Puff.

Während in Spanien offen über bezahlten Sex gesprochen wird, weiss in der Schweiz kaum jemand, wer für Sex bezahlt. Doch die Studie von Apramp zeigt, dass die grösste Kundengruppe Männer ist zwischen 35 und 55 Jahren.

Thailand führt trotz Verbot

Nach der Schweiz folgen in Europa die Österreicher. 15 Prozent der Männer besuchen dort ein Bordell. Dann folgen die Niederlande mit 14 Prozent und Schweden mit 13 Prozent.

Weltweit führend im Puff-Besuch-Ranking sind die Thailänder. Obwohl dort Prostitution offiziell verboten ist, waren 73 Prozent der Männer schon einmal bei einer Prostituierten. Auch in Puerto Rico ist es mehr als jeder zweite Mann, der weiss, wie bezahlter Sex ist.

Ganzer Artikel –> Blick.ch

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Die Frauen und die Prostitution

Die neue Präsidentin
brh. ⋅ Die 44-jährige Rechtsanwältin Andrea Gisler, Gemeinderätin von Gossau, ist seit wenigen Wochen geschäftsführende Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale; sie löste im April Irène Meier ab. Gisler gehört seit zehn Jahren dem Vorstand der Frauenzentrale an und betreute dort vor allem juristische Projekte oder die Teilnahme an Vernehmlassungen. Als Rechtsanwältin und Partnerin einer Anwaltskanzlei befasst sie sich in erster Linie mit Familienrecht sowie mit Arbeits- und Strafrecht. Im April letzten Jahres wurde sie in die Exekutive von Gossau gewählt, ihrer Wohngemeinde, und steht seither dem Ressort Jugend, Sport, Kultur und öffentlicher Verkehr vor. Andrea Gisler ist Mitglied der Grünliberalen. Ihr Mandat als Personalombudsfrau bei der katholischen Kirche des Kantons Zürich wird sie diesen Sommer abgeben: wegen der neuen Funktion in der Frauenzentrale, die nun ihr Haupttätigkeitsfeld darstellt. Gisler ist die zwölfte Präsidentin des Verbandes, der zu den ältesten Frauenorganisationen im Kanton Zürich gehört. Bis heute setzt sich die Frauenzentrale unermüdlich und erfolgreich für die Gleichstellung von Frau und Mann in der Arbeitswelt, der Familie, in der Politik und in der Gesellschaft ein.

Eine Grundsatzdiskussion führen – ohne Moralfinger

Wie soll es mit der Prostitution in Zürich weitergehen? In die gegenwärtige Diskussion rund um den Entwurf für eine gesetzliche Regelung mischt sich auch die Frauenzentrale ein und nimmt damit ein altes Anliegen wieder auf – mit neuem Ansatz.

NZZ berichtet:

Die Familienzerrüttung, die sittliche Entgleisung Jugendlicher und die Geschlechtskrankheiten nähmen in «erschreckender Weise Überhand», heisst es in der Eingabe an den Stadtrat, die unter anderem von der Frauenzentrale unterzeichnet ist. Und im gleichen Traktat geht es weiter: «Für die Volksseuche der Prostitution darf weder Asyl- noch Wohnrecht Geltung haben.» Den Dirnen in der Stadt Zürich sei es möglich, fast schrankenlos zu schalten und zu walten, «zu ihrem eigenen Ruin und zum Verderben von Gesundheit, Familienglück und jugendlicher Reinheit ihrer Mitmenschen». – Wir schreiben das Jahr 1924, und es soll nicht das letzte Mal sein, dass sich die Frauenzentrale in die lokale Prostitutions-Diskussion einmischt. Allerdings haben sich der Tonfall und der Fokus in den vergangenen Jahrzehnten doch deutlich geändert.

Verantwortung für Freier
Die neuste Eingabe der Frauenzentrale in Sachen Prostitution datiert vom März dieses Jahres. Der 1914 gegründete, parteipolitisch und konfessionell neutrale Dachverband von Einzelmitgliedern, Frauenvereinen und -organisationen äussert sich zum Entwurf für eine Prostitutionsgewerbeverordnung in der Stadt Zürich. Er fordert in seiner Vernehmlassungsantwort mehr Schutz für die Prostituierten und die Anwohner, mehr Gesundheitsschutz, mehr Verantwortung für die Freier und die Bordellbetreiber – und äussert schwerste Bedenken bezüglich des Strassenstrichs.

Unwürdiger Strassenstrich
Andrea Gisler, seit dem April dieses Jahres die neue Präsidentin der Frauenzentrale, meint zu diesem Vorschlag, man sei im Vorstand zur Auffassung gelangt, dass auf dem Strassenstrich derart schlechte, unwürdige Bedingungen herrschten, dass dort eine selbstbestimmte, freiwillige Prostitution wohl kaum möglich sei. Der Verband vertritt zudem die Auffassung, es sei zu überprüfen, inwieweit sich Prostituierte bei der Berufsausübung auf öffentlichem Grund und Boden auf die in der Bundesverfassung verankerte Wirtschaftsfreiheit berufen könnten.

Dieses Recht wird ihnen seit 1973 vom Bundesgericht zugestanden, es gilt jedoch (wie jedes verfassungsmässige Recht) nicht uneingeschränkt und darf beschnitten werden, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen: eine gesetzliche Grundlage, ein öffentliches Interesse an den Beschränkungen sowie Verhältnismässigkeit. Die Geschäftsführerin und Rechtsanwältin Andrea Gisler findet, es lohne sich durchaus, die Frage aufzuwerfen, in welchem Ausmass Prostitution auf der Strasse unter dem Schutz der Wirtschaftsfreiheit steht – in Anbetracht der Zustände am Sihlquai.

Andrea Gisler betont, es gehe der Frauenzentrale nicht mehr darum, den Moralfinger zu heben oder die Prostitution auszumerzen. Allerdings strebe man schon eine Grundsatzdiskussion zur käuflichen Sexualität im Generellen und zur Situation am Strassenstrich im Speziellen an: «Genau das vermissen wir in der gegenwärtigen Debatte um die neue Verordnung.» Sandra Plaza, Verantwortliche für die Kommunikation in der Zürcher Frauenzentrale, ergänzt, man tue sich schwer mit der Idee, jenen Männern eine Infrastruktur zur Verfügung stellen zu müssen, die auf der Strasse nach billigem, schnellem Sex suchten. Von sogenannten Verrichtungsboxen halten Gisler und Plaza gar nichts. Eher anfreunden können sich die beiden Vertreterinnen der Frauenzentrale mit genossenschaftlich geführten Bordellen: «Gegen selbstbestimmte Prostitution unter würdigen Umständen wehren wir uns nicht», so Gisler, «aber gegen Elend und Ausbeutung. Und das manifestiert sich in Zürich am Strassenstrich.»

Die Frauenzentrale fordert zudem einen runden Tisch zum Thema Prostitution, an dem die Fachorganisationen beteiligt sind – die bei der Ausarbeitung des Verordnungsentwurfs nur zu einem späten Zeitpunkt und nur vorübergehend mitmachen durften, was vom Verband kritisiert wird.

Konzept für Beratungsstelle
Anfang der 1990er Jahre, als in Zürich die Prostitutions-Diskussion wieder einmal Hochkonjunktur hatte, legte die Frauenzentrale dem Stadtrat ein fixfertig ausgearbeitetes Konzept für eine «Beratungsstelle für Prostituierte» vor. Die Idee war, mit diesem Angebot vor allem Ausstiegshilfen zu bieten. Das Projekt wurde von der damaligen Vorsteherin des Sozialdepartements, Emilie Lieberherr, wohlwollend und mit grossem Interesse aufgenommen – und landete dann in einer Schublade. Heute plant die Frauenzentrale nichts Derartiges mehr: Es gebe inzwischen genügend Fachstellen mit einem breiten, professionellen Angebot, so das Fazit von Andrea Gisler und Sandra Plaza.

Kommenden Mittwoch wird der Stadtrat über ein neues Massnahmenpaket in Sachen Prostitution informieren. Gleich drei Exekutivmitglieder stellen das künftige Zürcher Vorgehen vor: Polizeivorstand Daniel Leupi, Sozialvorstand Martin Waser und Claudia Nielsen, die Vorsteherin des Gesundheits- und Umweltdepartements.

Ganzer Artikel auf nzz.ch

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Prostitution in der Schweiz

Unsere Schweizer Nachbarn denken auch darüber nach, die Gesetzgebung im BereichProstitution zu reformieren. So berichtet Der Bund Bern am 2.5.2011

Verstoss gegen die Wirtschaftsfreiheit

Das bernische Prostitutionsgesetz muss wohl noch überarbeitet werden. Denn das Bundesgericht hat eine Beschwerde gegen das Genfer Pendant gutgeheissen.

Bei der Ausarbeitung des Prostitutionsgesetzes orientierte sich der Regierungsrat stark an den bestehenden Gesetzen der Kantone Genf und Freiburg. Deshalb floss auch die Vorschrift mit in das Gesetz ein, dass bei den Liegenschaftseigentümern ein Einverständnis für die Ausübung der Sexarbeit eingeholt werden muss. Ausgenommen sind einzelne Prostituierte, die nur eine bestimmte Räumlichkeit für sich alleine in Anspruch nehmen. Jetzt hat das Bundesgericht eine Beschwerde gegen das Genfer Prostitutionsgesetz gutgeheissen. Diese richtete sich gegen diese Pflicht, dass Geschäftsführer von Erotik-Etablissements bei Immobilienbesitzern vorgängig das Einverständnis einholen müssen. Der Gesetzesartikel verstosse gegen die Wirtschaftsfreiheit. Zudem könne eine solche Bedingung zu einer grösseren Verletzbarkeit der Prostituierten führen, begründet das Bundesgericht.

«Das bedeutet, dass das Gesetz jetzt überarbeitet werden muss», sagt Simone Rebmann von den Demokratischen Juristinnen und Juristen Bern (DJB). Der Juristenverein hatte das Prostitutionsgesetz bereits in der Vernehmlassung kritisiert, weil es nicht nur wenig Schutz für die Prostituierten bewirke, sondern teilweise sogar das Gegenteil.

Streichung des Artikels geplant

«Wir werden den Artikel aus dem Berner Gesetz streichen», sagt Roger Kull, Leiter Beschwerdedienst bei der kantonalen Polizei- und Militärdirektion. Diese Absicht habe aber aufgrund des Vernehmlassungsverfahrens bereits vor dem Bundesgerichtsentscheid bestanden. Indirekt bezieht sich etwa die Kritik von Xenia, Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe, auf diesen Artikel. Xenia bemängelte die schwammige Definition des Bewilligungsinhabers, der auch das Einverständnis beim Liegenschaftsinhaber einholen müsste. Eine Gruppe von zwei oder drei Frauen, die sich einen Salon teilten und sich gegenseitig Schutz und Sicherheit gäben, sollte nicht darunter fallen, findet Xenia.

Nicht einverstanden mit der Streichung des Artikels ist der Hauseigentümerverband Kanton Bern. «Der Vermieter muss und darf das wissen», sagt Peter Brand, Präsident des Hauseigentümerverbands. Eine solche gewerbliche Tätigkeit habe Auswirkungen auf alle anderen Mieter, es gebe Lärm und es würden mehr Personen ein- und ausgehen….

Ganzer Artikel auf derbund.ch

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Bewegung in der Schweiz

Im Lande der Eidgenossen ist Prostitution von Minderjährigen nicht per se strafbar. Das soll sich jetzt endlich ändern, so meldet es jedenfalls die NZZ in ihrer heutigen Ausgabe:

Was den Umgang mit der Prostitution betrifft, sind sich alle in einem Punkt einig: Minderjährige sollen sich in diesem Gewerbe nicht betätigen dürfen. Wie ein solches neues Verbot ausgestaltet werden kann, darüber herrscht jedoch Unklarheit.

Neue Bewilligungspflicht

Diese Situation, die einhellig als unbefriedigend taxiert wird, dürfte sich jedoch rasch ändern. Einerseits sind entsprechende Gesetzesarbeiten auf Bundesebene im Gange, und andererseits bemühen sich jene Städte und Kantone, die nicht auf den Bund warten wollen, um eigene Lösungen. Ein Beispiel dafür ist die Stadt Zürich, die mit ihrem Entwurf für eine Prostitutionsgewerbeverordnung neue Wege geht; die Vernehmlassung zur vorgeschlagenen Gesetzesnovelle dauert noch bis Ende März.

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Da bei 16jährigen Mädchen eher nicht davon ausgegangen werden kann, dass sie den Job freiwillig und selbstbestimmt ausüben, ist das ein guter Anfang. Viele Freier plädieren in den einschlägigen Foren sogar für ein Mindestalter von 21 Jahren. Gott sei Dank ist in der Schweiz, laut NZZ, die Anzahl betroffener minderjähriger Mädchen nicht sehr groß:

Wenige Einzelfälle

Das Stadtzürcher Polizeidepartement geht davon aus, dass es sich bei der Prostitution Minderjähriger «um wenige Einzelfälle handelt»; eine Einschätzung, die von Milieukennern wie dem Rechtsanwalt Valentin Landmann geteilt wird, der im Übrigen jedem Bordellbetreiber dringend davon abrät, Minderjährige zuzulassen. Bekannt ist allerdings das Phänomen, dass sich junge Mädchen prostituieren, um sich Drogen finanzieren zu können – oder aber sündhaft teure Designerkleider und -accessoires.

Egal wie viele es sind, gut, dass jetzt gehandelt wird!

Als eine Umfrage vergewaltigt wurde

20minuten.ch hat eine Umfrage gemacht und in einem redaktionellen Artikel ausgewertet. Es ging darum, wie die Leser der Onlinezeitung Prostitution, Straßenprostitution im allgemeinen und den Züricher Straßenstrich im speziellen beurteilen:

Der Zuhälter-Prozess in Zürich fördert grausame Details zu Tage. Trotzdem sind 57 Prozent der User dagegen, den Strich abzuschaffen. Ein Skandal im Sperrbezirk?

Nur allzu gerne wollen Freier glauben, dass dies ein Einzellfall, keinesfalls aber die Normalität auf dem Strassenstrich ist. So gehen 55 Prozent der Umfrageteilnehmer, die selber schon Kunden von Sexarbeiterinnen waren, davon aus, dass die Prostituierten selber entscheiden können, welche Freier sie akzeptieren und welche nicht.

Reines Wunschdenken? Ganz klar ja – zumindest für Michael Herzig, Bereichsleiter Sucht und Drogen beim Sozialdepartement der Stadt Zürich, in dessen Zuständigkeit auch der Betreuungsbus Flora Dora fällt: «Ein hoher Prozentsatz der Frauen arbeitet für Zuhälter. Ob es numerisch die Mehrheit ist, kann ich nicht sagen.»

Laut den Ergebnissen der Online-Umfrage unter 5921 Internetnutzern will aber maximal jeder zehnte Freier bei einer Sexarbeiterin des Strassenstrichs Spuren äusserlicher Gewalt bemerkt haben. Schwer zu glauben für Herzig: «Wenn ein Freier nichts merkt von der Gewalt gegen die Frauen, stellt er sich blind.» Vielleicht auch ganz bewusst: «Gewalt wird von Zuhältern, aber auch von Freiern ausgeübt. Sehr viele Freier sind in hohem Masse gewaltbereit», weiss er aus der Beratungspraxis.

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Ich begrüße hiermit sehr viele gewalttätige Freier als Leser des Freierjournal. Denn wir haben aus dem Artikel gelernt: Freier sind gewalttätig oder blind. Die Hämatome der zum Anlass unserer Feier am 04.09. besuchten Damen (ok, es war ein Saunaclub, kein Straßenstrich) wurden dem visuellen Anschein nach auch von Sonnenbräune überdeckt.

Wir haben eine Feier innerhalb unseres Hausforums veranstaltet, bei der 125 Freier erschienen sind. Niemand ist auch nur in Ansätzen dem Klischee, das Herzig in dem Artikel pflegt, gerecht geworden.

«Jeder, der zu einer Prostituierten geht, unterstützt den heutigen Sklavenhandel», schiesst User «Economist» in Richtung verantwortungslose Freier

Es weht ein Hauch von Missgunst durch die Alpen. Könnte dieser Artikel gar tendenziös sein?

Die großartigen, selbstbewussten, starken Sexworkerinnen, von denen etliche auch bei unserem Treffen anwesend waren dürften sich über die Einordnung als Opfer wundern.
Cui Bono?

Nun, liebe Schweizer, ziert euch doch nicht so. Sperrt die Mädchen alle ein, kassiert die Freier ordentlich ab, sind ja eh alles gewalttätige Ferkel. Aber habt bitteschön dann nicht mehr die Chuzpe, euch ein “Freies Land” zu nennen.

20 Minuten Sihlquai

In einem leider ziemlich tendenzösen Artikel widmet sich das Schweizer Online Magazin 20 minuten online dem Züricher Straßenstrich, um im Zuge der Diskussion um die eventuell anstehende Schließung des Sihlquai auch sein Scherflein beizusteuern:

Jeder Freier unterstützt den Sklavenhandel
Der Zuhälter-Prozess in Zürich fördert grausame Details zu Tage. Trotzdem sind 57 Prozent der User dagegen, den Strich abzuschaffen. Ein Skandal im Sperrbezirk?

Wider besseres Wissen geben sieben von zehn Strassenstrich-Freiern an, den Eindruck gehabt zu haben, dass Trottoir-Prostituierte nicht unter Zwang handeln. Auch sonst hat die Mehrheit der Bevölkerung von den Arbeits- und Lebensbedingungen im Rotlichtmileu vage oder falsche Vorstellungen, wie eine Web-Umfrage von 20 Minuten Online offenbart.

Die Anklageschrift im Aufsehen erregenden Zuhälter-Prozess in Zürich offenbart, dass die Frauen systematisch gefoltert, gequält und misshandelt wurden. Nur allzu gerne wollen Freier glauben, dass dies ein Einzellfall, keinesfalls aber die Normalität auf dem Strassenstrich ist. So gehen 55 Prozent der Umfrageteilnehmer, die selber schon Kunden von Sexarbeiterinnen waren, davon aus, dass die Prostituierten selber entscheiden können, welche Freier sie akzeptieren und welche nicht.

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TV Tipp: Der Fall Goldfinger

Mittwoch, 1. 9. 2010, 20.15 Uhr auf 3SAT.
Beschreibung bei TVInfo:

Der Ungar Johnny hat von seiner Heimat Roma-Frauen in die Schweiz gebracht und sie dort zur Prostitution gezwungen. Die Polizei ermittelte in diesem Fall unter dem Decknamen ‘Goldfinger’. Schließlich wird Johnny verhaftet. Doch das schreckt Zuhälter aus Ungarn nicht ab. – Ein Film über den Menschenhandel in der Schweiz.

Sperrbezirk, Loverboys und die ZEIT

Die tz in München berichtet, dass dort über eine Lockerung der Sperrbezirksverordnung diskutiert wird, um behinderten Freiern den Zugang zu gewerblichen Damen zu erleichtern. Die dortigen Laufhäuser seien nicht barrierefrei:

Bezahlte Liebe auch für Behinderte – Sperrbezirk lockern?
München – Behinderte sollen auch im Sperrbezirk die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen dürfen. Das fordern die Grünen im Stadtrat. Das Kreisverwaltungsreferat unterstützt sie. Am Dienstag fällt eine Vorentscheidung.

Rest des Artikels

Der Spiegel bringt heute einen ausführlichen Artikel über Prostitution in den Niederlanden, natürlich ohne Ross und Reiter zu nennen. Die dort beschriebenen Zuhälter, Loverboys genannt, sind zu fast 100% Männer aus Schwarzafrika oder Nordafrika, die Mädchen von sich abhängig machen, um sie dann auf den Strich zu schicken. Die Opfer sind zu fast 100% weiße, mitteleuropäische Mädchen im Alter von 12-20 Jahren. Natürlich gibt es ähnliche Phänomen auch in Deutschland, aus Gründen der so genannten Political Correctness wird bei uns allerdings wenig darüber gesprochen.

Wer den Artikel trotzdem lesen will:

Morgens Mathe, mittags Hure

Sie sind noch Kinder, 12, 13 Jahre alt. Sie verlieben sich zum ersten Mal – und geraten an einen Zuhälter, auf dem Schulhof oder bei Facebook. Eltern und Polizei kämpfen gegen die Macht sogenannter Loverboys. Oft ist es schon zu spät.

Rest des Artikels

Die Zeit hat heuer rumänische Prostituierte im Programm, wohl vor dem Hintergrund der ausufernden Diskussionen in der Schweiz:

Ein Leben nach der Hölle

Die Prostitution von Osteuropäerinnen wird zum Dauerthema in der Schweiz. Aber was geschieht mit den Frauen, die zurückkehren? Die Geschichte von Adelina

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J.P. Love liebt das SF nicht

Wir berichteten über die Sihlquai-Reportage im Schweizer Fernsehen, in der die Zustände im Roma-Prostituiertenmilieu geschildert wurden. Jetzt fühlt sich ein unfreiwilliger Darsteller des Films, der Schweizer Schlagersänger, Moderator und Pornodarsteller J.P. Love bemüßigt, sich von den Verhältnissen am Straßenstrich zu distanzieren und droht dem Schweizer Fernsehen mit Klage. Der Hauptdarsteller des Streifens mit dem für Mitteleuropäer sinnfrei klingenden Titel «J. P. Samichlaus in der Langstrasse» sei betroffen und schockiert.

Der Tagesanzeiger berichtet:

Sihlquai-Reportage: Pornostar droht SF mit Klage

Im Dokfilm über die Roma-Prostituierten in Zürich spielte auch der bekannte Porno-Zampano J. P. Love (“Swissfuckers”) eine Nebenrolle – ohne es zu wissen. Für das Elend seiner Filmpartnerin will er nicht verantwortlich sein.

Ganzer Artikel (mit Video)

Für die, die J.P. Love nicht kennen:

So beschreibt ihn die Allemannische Wikipedia:

De J.P. Love isch en Schwiizer Moderator, Showmaschter, Schlagermusiker, Unterhalter und Schauspiiler. In dr letschte Jahre het er au as Darsteller und Film-Koproduzent i dr Erwachsenefilm-Branche gschaffet.

Rest des Eintrags

Und hier ist er auf youtube:

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Roma in Zürich versus F-Klasse in Bochum

Der Tagesanzeiger berichtet heute über Prstitution und Menschenhandel auf dem Sihlquai. Das ist der Züricher Strich. Die Probleme sind im Grund nicht anders, als in Dortmund und wahrscheinlich in vielen anderen Städten auch. Anlass für den Presseartikel ist ein aktueller Dokumentarfilm.

Frauenhandel und Folter am Strassenstrich

Ein Dokfilm beleuchtet das Elend der Prostituierten am Sihlquai. Die Romafrauen werden von ihren Zuhältern misshandelt, wagen aber meist keine Aussage.

Sie kommen aus der Puszta, Ungarns kargem Osten. Die Roma-Frauen, die am Sihlquai anschaffen und die Preise für käuflichen Sex drücken, sind meist völlig ungebildet und stammen aus ärmlichen Verhältnissen. In der Familie sind sie den Männern traditionell untertan – und bleiben das auch, wenn sie in Zürich ihr Glück suchen und viel Geld verdienen. Denn von Selbstbestimmtheit, so die Botschaft des SF-Dokfilms «Der Fall Goldfinger», kann bei den ungarischen Prostituierten keine Rede sein. Der Markt ist frei, die Anbieterinnen sind es nicht.

Ganzer Artikel im Tagesanzeiger

Aus der entgegengesetzten Richtung zwitschert der Rotfunk der linksgerichteten “Jungen Welt” im Rahmen eines Berichts über eine Tagung an der Ruhr-Universität Bochum (übrigens eine gute Freierschmiede) mit gruselig anmutendem Tagungstitel:

»Neue Freiheit, neues Glück? Selbstentwürfe und Geschlechterpolitiken in Zeiten des Neoliberalismus«

Es wird berichtet:

Ihres Glückes Schmiedin?

Neoliberale Lösung der Geschlechterfrage: Selbst schuld, wer nicht Karriere macht. Auf einer Tagung in Bochum wurde diese »F-Klasse«-These kritisch hinterfragt

In Workshops ging es unter anderem um das Thema »Zwangsstrukturen am Beispiel der Prostitution«. Hier wurde die Frage erörtert, warum Sexarbeiterinnen vor allem als Opfer dargestellt werden. Mechthild Eickel vom Hurenverband Madonna e.V. und eine Prostituierte räumten mit entsprechenden Klischees auf: »Viele Frauen, die als Hure arbeiten, tun das freiwillig und selbstbestimmt«, erklärte die Sexarbeiterin. Ebenso zögen Migrantinnen die Prostitution anderen Arbeitsmöglichkeiten vor, da Ausbeutung und Abhängigkeit in anderen Bereichen oft noch größer seien.

Ganzer Artikel in der Jungen Welt