Rockerboss in Handschellen

Der Rockerboss Frank Hanebuth – eine große Persönlichkeit im Rotlichtviertel von Hannover – wurde von der spanischen Polizei in Mallorca festgenommen.

Von Thomas Kröter

Frank Hanebuth ist eine der schillerndsten Figuren im Rotlichtmilieu von Hannover. Nun hat die Polizei ihn auf Mallorca festgenommen


So sieht einer aus, dem man auch am Tage ungern begegnet: Fast zwei Meter groß, an die 140 durchtrainierte Kilo schwer, tätowierte Unterarme so stark wie anderer Menschen Oberschenkel. Das ist Frank Hanebuth, 49 Jahre alt. Lange war er der ungekrönte König des Rotlichtviertels in Hannover. Nun ist der Glatzkopf mit dem Mongolenbart verhaftet worden. Dem Versuch, seinen Wirkungskreis vom Steintor nach Mallorca zu verlagern, hat die spanische Polizei mit einer international koordinierten Großaktion vorerst ein Ende bereitet.

Die Operation trug den Namen „Casablanca“, wie die Stammkneipe, in der sich Hanebuth und seine Freunde trafen. 31 Wohnungen und Lokale sind nach Angaben des spanischen Innenministeriums durchsucht und mehr als 20 Männer sowie eine Frau festgenommen worden. Es wurden Autos, Waffen und Schmuck beschlagnahmt. Den Festgenommenen werden Zuhälterei, Nötigung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. Angeblich wollten sie auf Mallorca eine Formel-1-Rennstrecke bauen und so Erlöse aus illegalen Geschäften waschen.

Minister Jorge Fernández Díaz sprach von einem schweren Schlag gegen die Organisation der Hells Angels, die sich verschiedenen Formen der Kriminalität widme. Die spanischen Sicherheitskräfte seien von Europol, der niederländischen und österreichischen Polizei unterstützt worden. Aus Deutschland waren Beamte mehrerer Landeskriminalämter beteiligt.

Spitzname: der Lange

Er vertraue der spanischen Justiz, ließ Frank Hanebuth seinen spanischen Anwalt erklären. Er warte die Akteneinsicht ab. Da er sich nichts habe zuschulden kommen lassen, habe er auch nichts zu befürchten. Der Hannoverschen Allgemeinen hatte er kürzlich erklärt, er stehe auf Mallorca in Verhandlungen, „einen mittleren Gastronomiebetrieb zu übernehmen“.

Hanebuth (Spitzname: „der Lange“) ist eine der schillerndsten Figuren im deutschen Rocker- und Rotlichtmilieu. 2010 hatte der „Präsident“ der Hells Angels in Hannover einen „Friedensvertrag“ mit den rivalisierenden „Bandidos“ ausgehandelt, der jedoch nicht lange Bestand hatte. Nur einige Jahre hielt seine „Befriedung“ des Rotlichtmillieus. Um die Jahrtausendwende verdrängte er die bis dahin rivalisierenden Banden von Albanern, Russen und Türken.

Durch seinen Rechtsanwalt Götz-Werner von Fromberg, der ihn als „Ordnungsfaktor“ bezeichnet, bekam er auch Kontakt zur informellen „Hannover-Connection“ um den Finanzmagnaten Carsten Maschmeyer. Ein führender Polizist der Stadt wurde 2011 seines Amts enthoben, weil er in der Kneipe „Sansibar“ im Einflussgebiet Hanebuths gefeiert hatte. Kurz darauf kündige „der Lange“ an, sich aus dem Steintorviertel zurückzuziehen.

Im Mai 2012 wurde sein Haus in Hannover bei einer Razzia unter Beteiligung der GSG 9 gestürmt. Der Vorwurf, er habe den Mord an einem Rocker in Auftrag gegeben, erhärtete sich nicht. Ein Kronzeuge hatte falsch ausgesagt. Hanebuth ist Vorbild für eine Figur in einem ARD-„Tatort“, der im Zuhältermilieu von Hannover spielt.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/politik/kriminalitaet-rockerboss-in-handschellen,10808018,23837168.html

Saunaklub-Betreiber von Vorwürfen freigesprochen

In der Printausgabe der Rheinzeitung vom 18.5.2012 berichtet Redakteur Ulf Steffenfauseweh über die Einstellung des Verfahrens, das überregional für Aufruhr gesorgt hat.
Teil des Verfahrens gegen Geldbuße eingestellt
■ Puderbach. Am vierten Verhandlungstag im Prozess gegen das Betreiberpärchen eines Saunaklubs in der VG Puderbach ging es sehr schnell: Richter Manfred Ihrlich sprach die beiden Angeklagten frei, nachdem bereits zuvor ein Teil des Verfahrens abgetrennt und gegen Auflage eingestellt worden war.
Bei Letzterem ging es um den juristisch etwas schwammigen Vorwurf der Zuhälterei. Hier zahlten die 29-jährige Rumänin und ihr 67-jähriger deutscher Ehegatte jeweils 2000 Euro an die Staatskasse. Einen entsprechenden „Deal” hatten die Prozessparteien offensichtlich vorher schon ausgehandelt.
Ansonsten räumte auch Staatsanwalt Moritz Bente in seinem Schlussplädoyer ein, dass die „langwierige Beweisaufnahme” nicht dazu geführt habe, die Angeklagten des „Menschenhandels mit Ausbeutung zur Prostitution” zu überführen. Es habe sich gezeigt, dass die Klubbetreiber die rumänischen Frauen nicht mit falschen Versprechungen in den
Westerwald geholt hätten. Vielmehr hätten sie vorher gewusst, worauf sie sich einlassen.
Auch seien die Angaben einer Zeugin – von zehn geladenen Prostituierten waren im Verlauf des Prozesses nur zwei vor Gericht erschienen (die RZ berichtete) – nicht zu widerlegen, dass es keine Verbote gab und sie ihren Pass hätte behalten können. Da zudem die Erinnerungen der Beamten und Dolmetscher an die polizeilichen Vernehmungen lückenhaft waren, sei auch nicht zu beweisen gewesen, dass das Selbstbestimmungsrecht der Frauen beeinträchtigt war.
Ähnlich urteilte Richter Ihrlich. Er führte aus, dass ein „normales Regel- und Kontrollsystem” heute auch bei Prostituierten erlaubt sei und meinte damit die in Rede stehenden Anwesenheitspflicht während der Öffnungszeiten und das Verbot privater Kontakte zu Kunden. Auch die Drohung, die Prostituierten bei Verstößen nach Hause zu schicken, sei nicht strafbar „Wenn ich ein Bordell betreibe und die Mädels funktionieren nicht, darf ich das machen”, sagte Ihrlich. Die Tatsache, dass sie aus wirtschaftlicher Not heraus dort arbeiten, genüge nicht für eine Verurteilung.
–> Diskussion im Freiercafe


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